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HISTORISCHES:
Sinti und Roma
im KZ-Komplex Neckarelz-Mosbach
- u.a. in juristischen Aufarbeitungen
ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis,
unter Führung und Verantwortung
des Direktors Dr. Lars Niesler,
Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ)
der CDU Baden-Württemberg,
sowie unter der Amtsführung und unter der Dienstaufsicht
der Präsidentin des Landgerichts Mosbach Jutta Kretz,
ehemalige Direktorin der Amtsgerichte Sinsheim und Heidelberg
Zuletzt AKTUALISIERT am 24.06.2026 !
21.06.2026, EIL-Anträge !!! an das Amtsgericht Mosbach auf gerichtliche Verfügungen zur Prüfung der begründeten Aberkennung des Bundesverdienstkreuzes aus 1960 für den Nazi-Juristen und ehemaligen Mosbacher NSDAP-Landrat Wilhelm Compter 1938 bis 1945, NSDAP-Mitglied seit Mai 1933, CDU-Mitglied seit 1948, WEGEN konkreten Tatbeteiligungen mit seinem administrativen Zuarbeiten als Jurist, als Verwaltungsbeamter und Politiker, als oberster Staatsbeamter an den Um- bzw. Durchsetzungen im Raum Mosbach und im Neckar-Odenwald-Raum für die rassenpolitischen NS-Deportationen (Juden, Sinti und Roma) im Kontext der NS-Völkermorde; für die rassenhygienische Nazi-(Kinder)-Euthanasie im Kontext der Nazi-Massenmorde; für die Verfolgung und Vernichtung der politischen Opposition auch in Kooperationen mit Gestapo und Polizei; für die NS-Rüstungsindustrie und für die Unterstützung der Wehrmacht im Kontext des totalen Nazi-Angriffs-Terror- und Vernichtungskrieges; für die NS-Verbrechen im regionalen NS-KZ-System; für die NS-Verbrechen im NS-Zwangsarbeiter-System; für die NS-Verbrechen mit Nazi-Massentötungen von Babys osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen und für die Hinrichtungen polnischer Zwangsarbeiter wegen Beziehungen mit deutschen Frauen im Kontext der NS-Massenmorde; für die NS-Endphase-Verbrechen. Compter war als Jurist, als Verwaltungsbeamter und Politiker, als oberster Staatsbeamter des Landkreises Mosbach in ständigem, engem Kontakt mit dem NS-Terror- und NS-Vernichtungsapparat und damit für die strikte Einhaltung und für die reibungslose Umsetzung aller staatlichen und NSDAP-parteipolitischen Vorgaben in der Region mit verantwortlich. Als oberster ziviler Beamter trug Compter die KONKETE Mitverantwortung für das menschenverachtende NS-System, das NS-Unrecht und die NS-Verbrechen im Kreisgebiet Mosbach und im Neckar-Odenwald-Raum verübte und/oder duldete.
Die Fabrik mit dem Decknamen „Goldfisch“ wurde als unterirdische Produktionsstätte für Motorblöcke des DB603 und DB605 neu geschaffen. Maschinen zur Bearbeitung von Halbfertigprodukten und Arbeitskräfte wurden in die Region Mosbach verlagert; die Gipsgruben bei Obrigheim konnten relativ schnell zu Ersatzfabrikhallen umgebaut werden. Sie lagen äußerst verkehrsgünstig an guten Straßenverbindungen, an zwei Eisenbahnlinien und am schiffbaren Neckar. Das Gesamtprojekt bekam von der SS-Verwaltung die Bezeichnung „A 8“/„A 8b“, im zivilen Bereich dagegen die Tarnnamen „Goldfisch“ und „Brasse“. Um die KZ-Häftlinge unterzubringen, die in Zwangsarbeit die unterirdischen Fabriken und die Infrastruktur bauen mussten, wurde Mitte März 1944 in der Grundschule Neckarelz das KZ-Außenkommando Neckarelz des Konzentrationslagers Natzweiler eingerichtet. Da man immer mehr Arbeitskräfte benötigte – mehr als 3.000 Häftlinge waren ständig anwesend – entstanden fünf weitere Lager. Die deutschen „Gefolgschaftsmitglieder“, als „Meister“ eingesetzt, und das gesamte Wachpersonal, jeweils etwa 300 bis 500 Menschen, waren in Privatquartieren, Schulen und Gaststätten untergebracht. So entstand ein sich ständig vergrößernder „KZ Komplex Neckarlager“. Laut den Transportlisten wurden knapp 5.400 KZ-Häftlinge durch die Neckarlager geschleust. Von ihnen sind mindestens 375 Opfer für die Neckarlager bekannt, doch starben viele auch in anderen Lagern, manche auch kurz nach der Befreiung. Insgesamt dürften von den über 5.000 Menschen etwa 1.500 ihre Heimat nicht wiedergesehen haben.
Das Schulgebäude von Neckarelz diente von Mitte März 1944 bis Ende März 1945 als „Konzentrationslageraußenkommando Neckarelz“. Den ersten 500 Häftlingen folgten weitere Transporte. Als die fünf Schulräume zu wenig Platz boten – hier schliefen schichtweise bis zu 1.100 Häftlinge –, kamen das „KZ Neckarelz II“ am alten Bahnhof mit etwa 1.200 Häftlingen und das Lager Neckargerach mit ebenfalls bis zu 1.200 Häftlingen hinzu. Letzteres war seit dem Winter 1944/45 vor allem ein Krankenlager.
https://www.gedenkstaetten-bw.de/
Die Zwangsarbeiterlager im Elzmündungsraum
Zwangsarbeit in Nazi-Deutschland
Zwangsarbeit war in Hitler-Deutschland allgegenwärtig, vor allem in der zweiten Hälfte des Krieges, als alle wehrfähigen Deutschen im Kriegseinsatz waren.
Die Zwangsarbeiter wurden im Ausland rekrutiert; zunächst versuchte man, in den mit Nazideutschland verbündeten Ländern (Italien, Vichy-Frankreich …) oder in den besetzten Ländern des Ostens Arbeitskräfte anzuwerben.
Als die Anwerbung nicht genügend Menschen lieferte, griffen die NS-Dienststellen zu immer härten Zwangsmaßnahmen: ganze Jahrgänge von jungen Männern wurden zur Arbeit in Deutschland verpflichtet, aber auch Männer und Frauen mit Gewalt von der Straße weg verschleppt.
Die Zwangsarbeiter wurden je nach ihrer Herkunft und ihrem Status unterschiedlich behandelt, hierbei wurden die NS-Rassekriterien angewendet. „Westarbeiter“ hatten es besser als „Ostarbeiter“; zusätzlich wurden auch Kriegsgefangene Strafgefangene und KZ-Häftlinge zur Arbeit gezwungen.
Landwirtschaftliche Arbeiter wurden häufig Familien zugewiesen. Die Industriearbeiter und –arbeiterinnen lebten in Lagern, die von der Arbeitsverwaltung, der Wehrmacht oder anderen Dienststellen geführt wurden. Die KZ-Häftlinge und SS-Strafgefangenen waren der SS unterstellt.
Zwangsarbeiter in Genshagen
Historische Aufnahme des Zwangsarbeiters Zeno Buratto als Soldat.
Der italienische Militärinternierte Zeno Buratto arbeitete zwangsweise zunächst in Genshagen, später bei "Goldflsch". Foto: Privatarchiv Buratto
Im Daimler-Benz-Motorenwerk Genshagen hatten in den dreißiger Jahren ausschließlich deutsche „Gefolgschaftsmitglieder“ (NS-Ausdruck für „Belegschaft“) gearbeitet. Sie wurden im Lauf des Krieges immer mehr durch „Fremdarbeiter“ aus verschiedenen europäischen Ländern ersetzt, da die deutschen Arbeiter zur Wehrmacht eingezogen wurden.
Gleichzeitig zerlegte man die Produktion stärker in Einzelschritte. So konnten die Motoren praktisch am Fließband hergestellt werden. Die Folge war, dass weniger qualifizierte Arbeiter trotzdem mehr Motoren fabrizieren konnten.
Zwangsarbeiterlager rund um "Goldfisch"
Als die mechanische Fertigung der Motorenteile im Jahr 1944 von Genshagen in die Gipsgrube Obrigheim verlagert wurde, zogen Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen an den Neckar um. Geschätzt zwei Drittel von ihnen waren Fremd- oder Zwangsarbeiter.
Sie waren in zahlreichen Lagern in der gesamten Region untergebracht. Diese wurden zum Teil in beschlagnahmten festen Gebäuden (darunter wieder Schulen und Turnhallen) errichtet; andere mussten von KZ-Häftlingen erst errichtet werden. Die Schaffung von ausreichend Unterkünften für die „Gefolgschaftsmitglieder“ von Daimler stellte für das Verlagerungsprojekt „Goldfisch“ eines der größten Probleme dar. Geplant war die Verlagerung von 7.000 Arbeitskräften, dieses Ziel wurde nicht erreicht.
Einige Beispiele für Zwangsarbeiter-Lager:
Lager "Hohl"
"Lager Hohl" Neckarelz
Das "Lager Hohl" in Neckarelz für Ostarbeiter beim Rüstungsprojekt Goldfisch. Rechts oben ist der Ort Hochhausen erkennbar. Foto: Heuberger, 1947
Das Lager "Hohl" lag westlich der Reichsstraße 27 beim heutigen Neckarelzer Gewerbegebiet (Hornbach etc.) in der Nähe des Neckars, unweit der Eisenbahnbrücke, die zum Stollen "Goldflisch" führte. Es wurde für ursprünglich 1.400 "Ostarbeiter" geplant, in der Realität waren es dann nur etwa 900, außerdem kam ein kleines Straflager für italienische Militärinternierte hinzu. Die Baracken bestanden aus vorgefertigten Betonteilen und wurden von dem aus KZ-Häftlingen bestehenden "SS-Kommando Barackenbau" zusammengefügt.
Die Lagerbaracken wurden später, nach dem Krieg und dem Ende Nazideutschlands, als Unterkünfte für Heimatvertriebene genutzt.
Lager am Hammerweg
Luftbild Lager Hammerweg Mosbach
Dieser vergrößerte Ausschnitt aus einer alliierten Luftaufnahme vom 13. März 1945 zeigt die Baracken des "Hammerlagers". Am oberen Bildrand erkennt man das Mosbacher Schwimmbad.
Das SS-Strafgefangenenlager am Mosbacher Hammerweg wurde ab Sommer 1944 von KZ-Häftlingen aus dem Lager Neckarelz aufgebaut. Es beherbergte Hunderte von SS-Leuten, die wegen Verstoßes gegen die Regeln der SS selbst zu Zwangsarbeit verurteilt worden waren.
Einer von ihnen war Rudolf Kuhnig. Er erzählte später: "Wir marschierten immer zu Fuß in den Gipsstollen. Wir mussten genauso marschieren wie beim Militär, immer in Dreierreihen. Jeder Trupp war 200 bis 220 Mann stark. In jeder Schicht waren 400 Mann ... Im Gipsstollen arbeiteten wir nicht Seite an Seite mit den KZ-Häftlingen. Wir mussten Maschinen bedienen, die nicht."
"Italienerlager"
Die alte Wilhelm-Stern-Grundschule samt Turnhalle in der Nähe des alten Mosbacher Bahnhofs diente als Unterkunft für italienische Militärinternierte. Wegen der relativ großen Entfernung (knapp 5 km) fuhren die italienischen Zwangsarbeiter mit dem Zug zum "Goldfisch"-Stollen.
"Heimschule"
Das Lager „Heimschule“ in einem Gebäude der heutigen Johannes-Diakonie sah im Mai 1944 eine Belegung mit zunächst 500 Arbeitskräften vor, später sollte auf 1.200 Plätze aufgestockt werden. In diesem Lager gab es auch Frauen, für die neue Baracken auf dem Gelände gebaut wurden.
Ab August waren siebenhundert „Goldfisch“-Arbeiter in der Heimschule Mosbach untergebracht; durch einen Dachausbau kamen weitere 180 Betten hinzu, und zusätzliche Baracken erweiterten das Lager Mosbach bis September 1944 auf tausend Plätze.
https://www.kz-denk-neckarelz.de/
SIEHE AUCH: NS-Verfolgung von Sinti und Roma vor 1945 - u.a. in Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis, Baden-Württemberg - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach >>> SIEHE AUCH: Rassismus und Diskriminierung: Nationalsozialistisch-orientiert gesellschaftliche, institutionelle und strukturelle Diskriminierung von Sinti und Roma und zum Antiziganismus nach 1945 - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: Relativierung, Verharmlosung und Leugnung von NS-Verbrechen - u.a. aus der Neuen Rechten, wie in und aus der AFD - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: Gestapo und Polizei beteiligt an Nazi-Verbrechen, an nationalsozialistisch-rassenideologischen und politischen Verfolgungen, an Deportationen und an Nazi-Massenmorden - u.a. auch in Mosbach-Baden, Neckar-Odenwaldkreis - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach >>> SIEHE AUCH: Sinti und Roma im KZ-Komplex Neckarelz-Mosbach - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: GERICHTLICHE VERFAHREN: - NS-Verfolgung von Sinti und Roma in Mosbach - Konkrete Tatbeteiligungen an NS-Massenmordverbrechen in Mosbach - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach >>>
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Seiteninhalt:
- NS- und Rechtsextremismus-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach
1.1 Expertise der Forensischen Sachverständigen MA Antje C. Wieck aus Kitzingen zur Aufarbeitung von NS-Verbrechen und NS-Unrecht in der NS-Vergangenheitsbewältigung - Online-Artikel zur NS-Verfolgung und Deportation von Sinti- und Roma in Mosbach-Baden
Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus (Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland) Taschenbuch – 18. September 2012
Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma wird inzwischen oft mit demjenigen an den europäischen Juden auf eine Stufe gestellt. Das Für und Wider solcher Analogien ist ein Thema des neuen Heftes der "Beiträge"; ebenso wie die Besonderheit, dass Sinti und Roma nach 1945 häufig einem kaum veränderten Verfolgungsdruck durch die Behörden ausgesetzt waren und sich mit einem quasi ungebrochenen Antiziganismus auseinandersetzen mussten. Die Mehrzahl der Aufsätze widmet sich der Erforschung bislang vernachlässigter Fragen nach dem Schicksal von Sinti und Roma in einzelnen Konzentrationslagern oder bietet lokalgeschichtliche Untersuchungen des jeweiligen Verfolgungsgeschehens. Wie in allen Titeln der Reihe ist der Fokus der Beiträge auf Norddeutschland gerichtet.
1. NS- und Rechtsextremismus-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach
Es gibt zwei Deportationswellen aus der Mosbacher Region. 1940 werden die badischen Juden deportiert. Und 1943 die hier ansässigen und hier festgesetzten Sinti- und Roma-Familien. Ein Fahrplan dieser Deportationen von Mosbach nach Auschwitz-Birkenau ist datiert auf den 10.03.1943. Es gibt bisher keine öffentlich bekannte juristische Aufarbeitung seitens der Mosbacher Justizbehörden seit 1945 zu den direkten und beihelfenden Tatbeteiligungen an diesen Nazi-Massenmorden in Mosbach, d.h. weder am Holocaust noch am Völkermord an den Sinti und Roma. AKTUELLES: Siehe auch: Strafanzeigen vom 13.08.2022 gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager >>> |
Nazi-Juristen, NSDAP vor 1945 und CDU nach 1945
auch im Neckar-Odenwaldkreis
Die Richterin am Amtsgericht Mosbach Marina Hess verweigert seit 2022 HIER AKTENKUNDIG HALTBAR NACHWEISBAR im Verfahrenskomplex (6F 202/21, 6F 9/22, 6F 2/23, 6F 2/22, etc., sowie amtsseitige KV-Sonderbände zu Nationalsozialismus, Rechtsextremismus, Rassismus) die folgenden KONKRETEN NS-relevanten Sachverhalte per gerichtlicher Verfügung zu benennen, per gerichtlicher Verfügung die diesbzgl. juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach u.a. mit Prüfungen und Zuständigkeitsverweisungen zu veranlassen:
Unter dem CDU-geführten Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis, durch den Direktor des Amtsgerichts Mosbach Dr. Lars Niesler, Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ) der CDU Baden-Württemberg, verweigert die Richterin am Amtsgericht Mosbach Marina Hess seit 2022 im o.g. Verfahrenskomplex per gerichtlicher Verfügung zu benennen und juristisch aufarbeiten zu lassen die NS-relevanten Sachverhalte der Nazi-Juristen, bzw. der Juristen als NS-Funktionseliten und/oder z.T. der NSDAP-Mitglieder vor 1945 und dann aber in der Kontinuität von NS-Funktionseliten nach 1945 als CDU-Mitglieder-Juristen wie u.a. Hans Filbinger, Hans Globke, Erwin Karl Eduard Albrecht, Werner Bertheau, Otto Fürst von Bismarck, Herbert Blankenhorn, Gustav Bosselmann, Bruno Brandes, Karl Carstens, Hermann Conring, Franz Etzel, Hans Furler, Helmut Grube, Hans Krüger, Helmut Lemke, Oskar Lutz, Albert Maier, Artur Missbach, Wolfgang Mülberger, Otto Müller-Haccius, Jules Eberhard Noltenius, Karl Pelte, Hans Puvogel, Egon Reinert, Karl Schiess, Ernst Schoof, Gerhard Schröder, Paul Oskar Schuster, Camill Wurz, etc.
Unter dem CDU-geführten Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis, durch den Direktor des Amtsgerichts Mosbach Dr. Lars Niesler, Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ) der CDU Baden-Württemberg, verweigert die Richterin am Amtsgericht Mosbach Marina Hess seit 2022 im o.g. Verfahrenskomplex per gerichtlicher Verfügung zu benennen und juristisch aufarbeiten zu lassen, dass ehemalige NSDAP-Mitglieder als Abgeordnete im Nachkriegs-Parlament in der CDU/CSU einen Anteil bei ca. 29% haben.
Unter dem CDU-geführten Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis, durch den Direktor des Amtsgerichts Mosbach Dr. Lars Niesler, Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ) der CDU Baden-Württemberg, verweigert die Richterin am Amtsgericht Mosbach Marina Hess seit 2022 per gerichtlicher Verfügung zu benennen und juristisch aufarbeiten zu lassen, dass von 1974 bis 1985 der CDU-Politiker Fritz Baier Oberbürgermeister von Mosbach gewesen war. Zum 01.09.1941 mit der NSDAP-Mitgliedsnummer 8.635.931 diente Fritz Baier von 1942 bis 1945 in der Luftwaffe im Nazi-Terror-, Angriffs- und Vernichtungskrieg und wurde 1993 wurde Ehrenbürger der Stadt Mosbach. Unter dem CDU-geführten Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis, durch den Direktor des Amtsgerichts Mosbach Dr. Lars Niesler, Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ) der CDU Baden-Württemberg, verweigert die Richterin am Amtsgericht Mosbach Marina Hess seit 2022 im o.g. Verfahrenskomplex die Aberkennung der Mosbacher Ehrenbürgerschaft des CDU-Politikers und NSDAP-Mitglieds Fritz Baier per gerichtlicher Verfügung prüfen zu lassen. Baier war seit 1952 Mitglied des CDU-Landesvorstandes in Baden-Württemberg.
Unter dem CDU-geführten Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis ... Die HIER fallverantwortliche Mosbacher Amtsrichterin Marina Hess erlässt HIER HALTBAR AKTENKUNDIG NACHWEISBAR im o.g. anhängigen Verfahrenskomplex selbst KEINE amtsseitigen gerichtlichen Verfügungen zum KONKRETEN Aktenvernichtungsstopp bei den Mosbacher Justizbehörden … (A) für den Zeitraum 1933 bis 1945 … (B) … für themen- und sachbezogene Prüfungen und Verfahren seit 1945 zu juristischen Aufarbeitungen von NS-Verbrechen und NS-Unrecht im Neckar-Odenwaldkreis, d.h. im eigenen Zuständigkeitsbereich der eigenen Justiz-Institutionen. Die HIER fallverantwortliche Mosbacher Amtsrichterin Marina Hess erlässt HIER HALTBAR AKTENKUNDIG NACHWEISBAR im o.g. anhängigen Verfahrenskomplex selbst KEINE amtsseitigen gerichtlichen Verfügungen zum KONKRETEN Aktenvernichtungsstopp der Personalakten zur Mosbacher Nazi-Justiz 1933 bis 1945 bei den Mosbacher Justizbehörden sowie für themen- und sachbezogene Prüfungen und Verfahren zu juristischen Aufarbeitungen von personellen Kontinuitäten von Nazi-Juristen 1933 bis 1945 dann seit 1945 im Neckar-Odenwaldkreis, d.h. im eigenen Zuständigkeitsbereich der eigenen Justiz-Institutionen.
- SIEHE AUCH: NSDAP u.a. in Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis und in Baden-Württemberg - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>>
- SIEHE AUCH: Nazi-Juristen, NSDAP und CDU -- Spannungsverhältnis CDU und AFD -- - Beispiele der juristischen Aufarbeitungen von NS-Verbrechen und von Rechtsextremismus seit 1945 ausgehend von einem CDU-geführtem Amtsgericht im 21. Jahrhundert exemplarisch dokumentiert und dargelegt am CDU-geführten Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis, durch den Direktor des Amtsgerichts Mosbach Dr. Lars Niesler, Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ) der CDU Baden-Württemberg >>>
Nach Rechtsauffassung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg mit Beschluss vom 15.12.2022 - 6 S 1420/22 - unterliegt der Nationalsozialismus nicht der grundrechtlich geschützten Weltanschauungsfreiheit gemäß Art. 4 Abs. 1 GG.
Das Amtsgericht Mosbach hat jedoch seit dem 03.06.2022 eine gemäß § 158 StPO ordnungsgemäße Eingangsbestätigung mit den Benennungen der Konkreten Eingabedaten, der Konkreten Sachverhaltsbenennungen mit einer kurzen Zusammenfassung der Angaben zu Tatzeit, Tatort und angezeigter Tat, insbesondere zu beantragten NS- und Rechtsextremismusverfahren, bisher ausdrücklich und EXPLIZIT versagt und NICHT ausgestellt.
Auch für die beim Amtsgericht Mosbach beantragten Wiederaufnahmeverfahren und gerichtlichen Prüfungen in NS- und Rechtsextremismus-Angelegenheiten verweigert das Amtsgericht Mosbach ordnungsgemäße Eingangs- und Weiterbearbeitungsbestätigungen mit konkreten Sachverhaltsbenennungen.
Siehe dazu auch Umgang des Amtsgerichts Mosbach mit NS- und Rechtsextremismusverfahren >>>
Die Verfolgung der Sinti und Roma in München und Bayern 1933–1945: Publikation zur Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum München vom 27. Oktober 2016 bis 29. Januar 2017 Taschenbuch – 27. Oktober 2016
1.1 Expertise der Forensischen Sachverständigen MA Antje C. Wieck aus Kitzingen zur Aufarbeitung von NS-Verbrechen und NS-Unrecht in der NS-Vergangenheitsbewältigung
Die HIER fallverantwortliche Richterin beim Amtsgericht Mosbach Marina Hess verfügt HIER unter 6F 9/22 und 6F 202/21 am 17.08.2022 EXPLIZIT, dass die gerichtlich beauftragte familienpsychologische Forensische Sachverständige für Familienrecht MA Antje C. Wieck, Praxis für KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPIE, Moltkestr. 2, 97318 Kitzingen, eine INHALTLICHE Sachverständigen-Auseinandersetzung mit der Dokumentations-Website "nationalsozialismus-in-mosbach.de" des Kindsvaters, Beschwerdeführers und Nazi-Jägers Bernd Michael Uhl durchführen solle (Siehe im Folgenden!), die diese Sachverständige Gutachterin HIER ABER AKTENKUNDIG NACHWEISBAR im anhängigen Verfahrenskomplex während ihren zwei gerichtlich bestellten Sachverständigengutachten von 2022 bis 2024 DANN ÜBERHAUPT NICHT durchführt.
UND DIES HIER EXPLIZIT AUCH NICHT bzgl. der DARIN KONKRET thematisierten nationalsozialistischen Verbrechen bis 1945 und deren juristischen, politischen und zivilgesellschaftlichen Aufarbeitungen in der NS-Vergangenheitsbewältigung seit 1945, insbesondere HIER auch in der lokalen-regionalen Fall- und Verfahrenszuständigkeit für Mosbach und für den Neckar-Odenwaldkreis.
Die HIER fallverantwortliche Richterin beim Amtsgericht Mosbach Marina Hess verfügt HIER unter 6F 9/22 und 6F 202/21 am 17.08.2022 EXPLIZIT bei der von ihr selbst gerichtlich beauftragten familienpsychologischen Forensischen Sachverständigen für Familienrecht MA Antje C. Wieck, Praxis für KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPIE, Moltkestr. 2, 97318 Kitzingen eine Sachverständigen-Begutachtung bezüglich "der Notwendigkeit einer psychiatrischen Begutachtung" des Kindsvaters, Beschwerdeführers und Nazi-Jägers Bernd Michael Uhl "zur Beurteilung seiner Erziehungsfähigkeit" (Siehe im Folgenden!). UND DIES NACHDEM UNMITTELBAR ZUVOR das erste gerichtlich beauftragte familienpsychologische Gutachten vom 07.04.2022 unter 6F 202/21 und 6F 9/22 sich für den perspektivischen Verbleib des damals anderthalb Jahre alten Kindes beim Kindsvater ausspricht. HIERBEI unterstellt die fallverantwortliche Mosbacher Amts-Familienrichterin Marina Hess im familienrechtlichen Zivilprozess dem Kindsvater, Beschwerdeführer und Bernd Michael Uhl eine mögliche angebliche psychische Erkrankung und eine damit einhergehende eingeschränkte Erziehungsfähigkeit auf Grund seiner konkreten Nazi-Jäger-Eingaben zu den seinerseits beim Amtsgericht Mosbach beantragten juristischen Aufarbeitungen von konkreten Tatbeteiligungen an NS-Verbrechen und NS-Unrecht 1933-1945 und deren mangelhaften juristischen Aufarbeitungen seitens der deutschen Nachkriegsjustiz seit 1945. UND DIES HIER insbesondere auch in der lokalen-regionalen Fall- und Verfahrenszuständigkeit bei NS-Verbrechen und NS-Unrecht in Mosbach und im Neckar-Odenwaldkreis sowie bezüglich dem Versagen der Mosbacher Nachkriegsjustiz seit 1945 bei deren juristischen Aufarbeitungen.
SIEHE DAZU AUCH:
- Rechtsanwaltlicher und gerichtlicher Umgang mit Sachverständigen-Gutachten in Fallbegleitungen - Verfahrensführungen - Verfahrensbearbeitungen- Verfahrensbegleitungen durch RECHTSANWALT Simon Sommer >>>
- Verfahrensinhaltliche und prozessuale Benachteiligungen des Mandanten von Rechtsanwalt Simon Sommer beim Amtsgericht Mosbach unter 6F 211/21, 6F 202/21, 6F 9/22, 6F 2/23, 6F 2/22, etc. sowie unter amtsseitigen KV-BS-Sonderbänden zu Nationalsozialismus, Rechtsextremismus, Rassismus >>>
2. Online-Artikel zur NS-Verfolgung und Deportation von Sinti- und Roma in Mosbach-Baden
The commemoration of the Sinti and Roma Genocide Remembrance Day on the 81th anniversary of the liquidation of the so-called Zigeunerlager in Auschwitz II-Birkenau - 2 August 2025.
Auschwitz Memorial / Muzeum Auschwitz
03.08.2025
On 2/3 August 1944, the Germans murdered some 4,300 Roma prisoners of the camp.
Of the approximately 23,000 Sinti and Roma deported to Auschwitz concentration camp, some 20,000 lost their lives there. Most of them died due to diseases, hunger and atrocious sanitary conditions. The remaining were murdered in the gas chambers.
Learn more about the fate of Roma and Sinti victims of Auschwitz.
See our online lesson: http://lekcja.auschwitz.org/en_roma_auschwitz/
&
Listen to the podcast about their story: https://www.auschwitz.org/.../the-fate-of-roma-and-sinti.../
Auschwitz Memorial / Muzeum Auschwitz >>>
https://www.facebook.com/auschwitzmemorial >>>
2. August – Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma
Gedenkstätte KZ Osthofen
02.08.2025
🕯 2. August – Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma
In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 ermordete die SS im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau die letzten 4.300 dort verbliebenen Sinti und Roma – trotz ihres mutigen Widerstands. Dieser Tag markiert eines der grausamsten Verbrechen an der Minderheit während der NS-Zeit.
📚 Der Völkermord hat einen Namen: Porajmos
Das Romanes-Wort Porajmos („das Verschlingen“) bezeichnet den Genozid an den europäischen Sinti und Roma unter dem NS-Regime. Dieser systematische Massenmord ist bis heute vielfach unsichtbar geblieben – in Geschichtsbüchern, im öffentlichen Gedenken und im gesellschaftlichen Bewusstsein. Die Zahl der Opfer lässt sich nicht genau beziffern, doch Schätzungen gehen von mehreren Hunderttausend Toten aus.
🧠 Erinnern heißt handeln
Rassismus und Diskriminierung gegen Sinti und Roma bestehen bis heute fort. Deshalb ist das Erinnern an den Porajmos nicht nur eine historische Pflicht – es ist ein Auftrag für Gegenwart und Zukunft. Das Europäische Parlament erklärte 2015 den 2. August zum offiziellen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma.
✊ Teilt diesen Beitrag und setzt ein Zeichen gegen das Vergessen!
Quelle: https://www.roma-sinti-holocaust-memorial-day.eu/de/
#Porajmos #Roma #Sinti #Auschwitz #Holocaust #NieWieder #RomaniResistance #weremember #HistoryMatters #lpb_rlp
Gedenkstätte KZ Osthofen >>>
Der 02. August - Internationaler Gedenktag an den Genozid an Sinti:zze und Rom:nja - erinnert an die Opfer des Porajmos. Bis zu 500.000 Sinti:zze und Rom:nja sind Opfer des Völkermordes durch die Nazis geworden.
Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten ist hier: Buchenwald Memorial | Gedenkstätte Buchenwald.
02.08.2025
Der 02. August - Internationaler Gedenktag an den Genozid an Sinti:zze und Rom:nja - erinnert an die Opfer des Porajmos. Bis zu 500.000 Sinti:zze und Rom:nja sind Opfer des Völkermordes durch die Nazis geworden.
In der Nacht vom 02. zum 03. August 1944 wurden die letzten 4.300 Sinti:zze und Rom:nja im KZ Auschwitz-Birkenau nicht ohne erbitterten Widerstand von der SS ermordet.
Es waren Sinti:zze und Rom:nja selbst, die sich gegen Rassismus und für die Aufarbeitung und Anerkennung des Völkermordes einsetzten.
1956 lehnte der BGH die Anerkennung der „rassische Verfolgung" von Sinti:zze und Rom:nja vor 1943 ab. Das Urteil: Die „eigene Asozialität, Kriminalität und Wandertrieb" sei der Grund für die Verfolgung gewesen. Durch diese Begründung, die sehr nah an der NS-Propaganda liegt, wurde vielen Überlebenden eine Entschädigung verwehrt.
Deutschland erkannte den Völkermord an den Sinti:zze und Rom:naja erst 1982 an. 2015 wurde der 02. August durch das Europäische Parlament zum internationalen Tag des Gedenkens an den Genozid erklärt.
Der heutige Gedenktag führt uns die Notwendigkeit vor Augen, der immer noch aktuellen und steigenden Diskriminierung und den Vorurteile gegenüber Sinti:zze und Rom:nja entschieden entgegenzutreten und diese zu bekämpfen.
Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) dokumentiert in ihrem, am 23. Juni 2025 veröffentlichten Jahresbericht einen drastischen Anstieg antiziganistischer Vorfälle um 40 % zum Vorjahr. Im Jahr 2024 wurden bundesweit 1.678 Vorfälle gemeldet. Ein direkter Bezug zur nationalsozialistischen Vergangenheit war, etwa durch die Schändung von Friedhöfen und Gedenkorten, rechte Schmierereien an Wohnhäusern sowie durch die Leugnung oder Verharmlosung des Genozids in 94 Fällen erkennbar.
Gerade in diesem Zusammenhang ist es ein verheerendes Signal an die Betroffenen, dass die Beauftragtenstelle gegen Antiziganismus in Thüringen von der aktuellen Regierungskoalition ersatzlos gestrichen wurde.
#OnThisDay #OTD #2August #Porajmos
Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten ist hier: Buchenwald Memorial | Gedenkstätte Buchenwald >>>
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Heute erinnern wir im Rahmen des Europäischen Holocaust-Gedenktags für die Sinti und Roma an die Opfer des Porajmos. In der Nacht vom 02. auf den 03. August 1944 wurden, trotz erbittertem Widerstand, die letzten 4300 Sinti und Roma im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet.
KZ-Gedenkstätte Moringen
02.08.2025
Wir gedenken auch den Sinti, die 1943 durch Himmlers „Auschwitz-Befehl“ aus dem Jugend-KZ Moringen nach Auschwitz deportiert und dort oder in anderen KZ ermordet wurden. Zu den Jugendlichen gehörten u.a. Arthur Lafrentz und Eduard Laubinger. Beide wurden im September 1943 im „Stammlager“ Auschwitz I an der Todeswand zwischen Block 10 und Block 11 hingerichtet.
1944 wurden einige der Jugendlichen von Auschwitz in die Lagerkomplexe Buchenwald und Mittelbau-Dora deportiert, wo sie noch schwerste Zwangsarbeit leisten mussten. Das Sterben ging auch nach der Befreiung weiter: Siegfried Schütt starb ungefähr ein Jahr nach seiner Befreiung in Buchenwald schwer krank an den Haftfolgen.
Noch bis in die 1980er Jahre mussten Sinti und Roma um ihre Anerkennung als Opfer rassistischer Verfolgung und den dadurch an ihnen verübten Völkermord kämpfen. Seit 2012 erinnert in Berlin ein Denkmal an den Porajmos.
Anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung des Jugend-KZ Moringen erinnerten wir mit individuell gestalteten Namenstafeln an die Jugendlichen, die im Jugend-KZ Moringen inhaftiert waren, jedoch anderenorts ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben. Die Tafeln wurden v.a. durch Schüler*innen gestaltet und ermöglichen ein interaktives und nachhaltiges Gedenken. Sie machen darüber hinaus die Vielfältigkeit der Biografien und Schicksale der Jugendlichen sichtbar.
Welche Formen des Gedenkens fallen euch noch ein?
Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Initiative „Zeitgeschichte im Zentrum.“
Museum Friedland
KZ-Gedenkstätte Moringen >>>
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Gedenktafel für die 1943 aus dem Kreis Mosbach deportierten Sinti
23.03.2024 Arno
Am späten Samstag Nachmittag wurde in Mosbach ein Denkmal für die aus dem früheren Kreis Mosbach deportierten Sinti eingeweiht. Es waren insgesamt 53 Menschen – Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer, Alte –, die auf den Tag genau vor 81 Jahren (am 23. März 1943) abtransportiert worden waren. Laut dem im Generallandesarchiv Karlsruhe überlieferten Fahrplan verließ der Zug um 5.06 Uhr Mosbach und traf zwei Tage später um 15.01 Uhr in Auschwitz ein. Begleitet wurde der Transport von fünf Ortspolizisten. Die Deportierten waren laut einem Erlass an einem Stichtag im Oktober 1939 an ihren jeweiligen Wohn- beziehungsweise Aufenthaltsorten festgesetzt worden und hatten zuletzt in den Orten Dallau, Heinsheim, Lohrbach, Mosbach, Muckental, Obrigheim, Rittersbach und Sattelbach gewohnt.
Die meisten von ihnen kamen im sogenannten „Zigeunerlager“ des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau ums Leben beziehungsweise wurden ermordet. Hintergrund war ein Deportationsbefehl des Reichsführers-SS Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942. Rund eine halbe Million Sinti und Roma wurden Opfer des Völkermords der Nazis.
Die Gedenkfeier mit Ansprachen von Museumsleiter Stefan Müller, Oberbürgermeister Julian Stipp, Landrat Dr. Achim Brötel und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose fand im voll besetzten unteren Rathaussaal statt, bevor anschließend die Gedenktafel auf der Mauer zwischen Markt- und Kirchplatz enthüllt wurde. Die Bronze-Tafel listet die 53 Namen der Verschleppten auf, die von den Bürgermeistern und Ortsvorstehern der Orte vorgelesen wurden. Der Violinist Sandro Roy ( https://www.sandro-roy.com/ ) umrahmte die ganze Feier ausdrucksstark mit ergreifenden Stücken von Gluck („Melodie“), Faure („Après un rêve“) und Williams („Schindlers List“).
Stefan Müller wies auf die vernichtete Existenz der Menschen hin: Sie durften schließlich nicht einmal einfach nur noch da sein. Zuück blieben nur noch einzelne Erinnerungen, wie zum Beispiel das Gesicht der 10-jährigen Erika aus Dallau auf einem Foto ihrer Schulklasse oder ein Gebetsbuch des aus Lohrbach deportierten und in Auschwitz ermordeten Karl Wagner.
Oberbürgermeister Stipp möchte ein bleibendes Zeichen setzen. Die Erinnerung an die Schicksale soll wieder einen Platz in Mosbach finden. Er dankte Romani Rose dafür, den Anstoß für diese Idee bei der Ratsherrenweckfeier vor einem Jahr gegeben zu haben. Stipp begrüßte auch Schülerinnen und Schüler der Geschichts-AG der Realschule Obrigheim und ihren Lehrer, die eine Ausstellung über Vinzenz Rose (Onkel von Romani Rose und Begründer der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma) erarbeitet hatten und sich dafür engagieren, ihre Realschule nach diesem zu benennen. Auch Romani Rose dankte ihnen für ihre Bereitschaft zur Auseinandersetzung.
Stipp weiter: Das Gedenken sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – in den Orten, Kommunen, in der Stadt Mosbach. Es sei beschämend, dass der Völkermord an den Sinti und Roma erst 1982 durch Bundeskanzler Helmut Schmidt anerkannt wurde. Auch Mosbach schließe nun eine Lücke in seiner Erinnerungskultur, nachdem schon 1986 der Synagogenplatz zur Erinnerung an die jüdischen Opfer eingeweiht wurde. Romani Rose ergänzte, dass er vor vierzig Jahren nicht an das heute Erreichte glauben konnte. 1997 wurden die deutschen Sinti und Roma als eine der vier nationalen Minderheit (neben den Dänen, Friesen und Sorben) anerkannt.
Landrat Dr. Brötel bekannte, dass er sich erstmals anlässlich einer Gedenkveranstaltung im Jahr 2013 im Martin-Luther-Haus mit dem Thema auseinandersetzte, als er eine Ansprache beigetragen hatte. Das Gedenken müsse über die historischen Tatsachen hinausgehen: genauso wichtig sei das daraus hervorgehende Vermächtnis für die Zukunft. Mahnend verwies er auf eine Studie, dass nur noch knapp über die Hälfte der Bürger mit unserer Demokratie zufrieden seien. Auch der Machtergreifung der Nazis im Jahr 1933 ging eine gezielte Schwächung der Demokratie voraus. Gesellschaftliche Vielfalt sei nur unter der Bedingung von Freiheit möglich.
Diese Gedenktafel komme sehr spät, aber vielleicht gerade zur richtigen Zeit. Die Demokraten müssten Geschlossenheit zeigen. Er zitierte aus einer Rede des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog: „Totalitarismus und Menschenverachtung bekämpft man nicht, wenn sie schon die Macht ergriffen haben. Man muß sie schon bekämpfen, wenn sie zum ersten Mal – und vielleicht noch ganz zaghaft – das Haupt erheben.“ Brötel erklärte seine Wertschätzung für Romani Rose als „Brückenbauer“.
Dr. Brötel begrüßte den Standort der Tafel als Ort im Herzen der Stadt Mosbach, wo das Leben pulsiert und die Leute sich treffen. Die Tafel sei ein Stolperstein für die Augen und die Seele. Auch die Einweihung des nationalen Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma am 24. Oktober 2012 in Berlin hatte langjähriger Auseinandersetzungen bedurft. Brötel schloss mit den Worten des von Santino Spinelli verfassten Gedichts „Auschwitz“, eingeschrieben am Rand des Brunnens des Denkmals in Berlin: „Eingefallenes Gesicht / erloschene Augen / kalte Lippen / Stille / ein zerrissenes Herz / ohne Atem / ohne Worte / keine Tränen“.
Romani Rose zeigte sich gerührt angesichts dieser Gedenkfeier. „Erinnerung heißt Verantwortung in der Zukunft zu übernehmen.“ Er spannte in wenigen Beispielen einen Bogen von der Geschichte bis heute. Seit 600 Jahren lebten Sinti und Roma als Bürger in Deutschland, wo sie sich in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben intergrierten. Seine Großeltern fühlten sich selbstverständlicherweise als Sinti und Deutsche.
Im Nationalsozialismus wurden die Sinti und Roma durch verschiedene Maßnahmen aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen: die Nürnberger Rassegesetze von 1935 wurden entsprechend eines Kommentars von Reichsinnenminister Frick auf Sinti und Roma in gleicher Weise wie auch auf Juden angewandt. Die dem Reichssicherheitshauptamt beigeordnete Rassenhygienische Forschungsstelle betrieb die totale Erfassung der Sinti und Roma mittels genealogischer und anthropologischer Untersuchungen. 24.000 sogenannte Rassegutachten bildeten die entscheidende Grundlage für die Deportationen in die Vernichtungslager. Im Dezember 1938 kündigte der Reichsführer-SS Himmler den Völkermord mit der „endgültigen Lösung der Zigeunerfrage“ „aus dem Wesen der Rasse heraus“ an.
Auch heute noch sei der tradierte Antiziganismus in unserer Gesellschaft verwurzelt und wirkungsmächtig. Romani Rose sieht deshalb in der Bekämpfung des Antiziganismus eine wichtige Aufgabe in der Politik. Er sagte aber auch: Erinnerung habe nichts mit Schuldübertragung an heutige oder kommende Generationen zu tun. Er rief auf, unsere gemeinsamen Werte zu verteidigen. Es mache Hoffnung, dass Hunderttausende in den letzten Wochen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit demonstrierten, so auch 3.000 Menschen im Januar in Mosbach.
Nähere Informationen zur Deportation der Sinti aus unserer Region sowie zu den Sinti in den KZ Neckarelz und Neckargerach gibt es in der Dokumentation „Verfolgung der Sinti, Roma und Jenischen im ländlichen Raum des Kraichgaus, des Neckartales, des Elztales und des Baulandes“ von Arno Huth (KZ-Gedenkstätte Neckarelz, 2009).
https://mosbach-gegen-rechts.de/
Neckarelz
von
Version 1.0
Publikationsdatum 05.03.2024
Table of Content
ErrichtungBetrieb des LagersSinti und RomaKriegsende und BefreiungLiteraturCitationMetadaten
In Neckarelz, einem Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof, mussten seit Frühjahr 1944 mindestens 90 Sinti und Roma als Häftlinge schwerste Zwangsarbeit verrichten.
- Errichtung Das Außenlager wurde am 16. März 1944 für bis zu 1 000 Häftlinge in Neckarelz, heute ein Stadtteil von Mosbach in Baden-Württemberg, Deutschland, in dem Gebäude einer Volksschule eingerichtet. Hintergrund war die aufgrund der Bombenangriffe der Alliierten geplante Verlagerung des Flugzeugmotorenwerks Daimler-Benz Genshagen (bei Ludwigsfelde südlich von Berlin) in die unterirdische Gipsgrube bei Obrigheim am Neckar (Deckname „Goldfisch“). Das Bauprojekt (Codename „A8“) unterstand SS-Gruppenführer Hans Kammler (1901–1945), Leiter der Amtsgruppe C (Bauwesen) des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes.
- Betrieb des Lagers Die Häftlinge waren als Arbeitssklaven zur Einrichtung der unterirdischen Fabrik an den Neckar verlegt worden. Sie mussten die Fundamente zum Aufstellen der Maschinen betonieren, Schächte vorantreiben, Gestein in Loren abtransportieren und Baustoffe schleppen, unterirdische Werkshallen bauen und die Infrastruktur einrichten, Gebäude errichten und Barackenlager für Tausende Arbeiter:innen von Daimler-Benz (vorwiegend Zwangsarbeiter:innen) erstellen.
- Sinti und Roma Von den 89 Sinti und Roma, die am 12. Dezember 1943 zu Impfversuchen gegen Fleckfieber vom Stammlager Auschwitz nach Natzweiler überstellt worden waren, wurden 79 in der zweiten Aprilhälfte 1944 zum Außenlager Neckarelz weitergeleitet. Hinzu kamen in anderen Transporten mindestens elf als „Zigeuner“ kategorisierte Häftlinge, darunter der Balletttänzer und spätere Schauspieler Peter Böhmer (1923–2011). Außerdem befanden sich vermutlich einige wenige Sinti oder Roma unter denjenigen, die unter der Häftlingskategorie „asozial“ geführt wurden. Von den namentlich bekannten Sinti und Roma wurden 72 mit deutscher oder österreichischer Nationalität oder als Staatenlose registriert, elf als Tschechen, vier als Polen, zwei als Sowjetbürger und einer als Lette.
- Kriegsende und Befreiung Mit der Auflösung der Neckarlager Ende März 1945 wurden über 2 000 Häftlinge auf einen Evakuierungsmarsch zum Konzentrationslager Dachau getrieben – darunter auch 64 Sinti und Roma, die vermutlich alle befreit wurden. Gerhard Adam (geb. 1920) gelang während des Marsches bei Schwäbisch Hall die Flucht.
- Literatur Huth, Arno. Verfolgung der Sinti, Roma und Jenischen im ländlichen Raum des Kraichgaus, des Neckartales, des Elztales und des Baulandes. Mosbach-Neckarelz: KZ-Gedenkstätte Neckarelz e.V., 2009.
- Citation Arno Huth: Neckarelz, in: Encyclopaedia of the Nazi Genocide of the Sinti and Roma in Europe. Ed. by Karola Fings, Research Centre on Antigypsyism at Heidelberg University, Heidelberg 5 March 2024.
- Metadaten
Um eine Maximalstärke von bis zu 3 200 Häftlingen unterzubringen, wurden weitere Außenlager eröffnet: die Barackenlager Neckargerach (am 26. April 1944) und Neckarelz II (am 23. Juli 1944) sowie im Herbst zwei kleinere Barackenbaukommandos in Asbach und Neckarbischofsheim sowie ein kleines Servicelager der SS (Schutzstaffel) in Bad Rappenau.
Die Konzentrationslager Dachau, Natzweiler und dessen Außenlager, Groß-Rosen, Sachsenhausen und Stutthof stellten über 5 200 Häftlinge aus fast allen Ländern Europas. Von diesen starben etwa 275 in dem Außenlagerkomplex am Neckar und mindestens 1 000 weitere nach ihrer Verlegung, Evakuierung oder Befreiung bis Ende des Jahres 1945.
Sinti und Roma waren damit eine kleine Gruppe innerhalb der Häftlingsgesellschaft und mussten wie die anderen Häftlinge vor allem schwere Bau-, Erd- und Bergarbeiten unter Anleitung von Baufirmen verrichten. Da zu diesem Zeitpunkt die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge im Vordergrund stand, hatten die rassistisch verfolgten Sinti und Roma im Komplex der Neckarlager gegenüber ihren Mithäftlingen keine Nachteile. In den Neckarlagern selber starb niemand von ihnen.
Da sie fast alle deutschsprachig waren, nahmen wenige von ihnen Funktionsstellen ein: Als ‚Kapos‘, die ihre Mithäftlinge zur Arbeit antreiben und bestrafen mussten, trugen sie jedoch zwangsläufig auch zu einer negativen Sichtweise auf die Häftlingsgruppe bei. Ein Sinto war sogar einmal dazu gezwungen worden, das Amt eines Henkers auszuführen.
Etwa 20 Sinti und Roma wurden vorzeitig aus den Neckarlagern in andere Lager verlegt, von denen mindestens sieben nicht überlebten. Beispielsweise starb August Schmidt (1926–1945) nach seiner Überstellung in das Krankenlager Vaihingen, einem Außenlager von Natzweiler. Mindestens vier von ihnen hatten zuvor versucht, aus den Neckarlagern zu fliehen, was auf einen starken Selbstbehauptungswillen und Zusammenhalt schließen lässt: Adalbert Eckstein (1924–1944), Rudolf Guttenberger (geb. 1921), Willy Herzberg (geb. 1921) und Franz Hauer (geb. 1922). Sie und drei weitere Sinti wurden dann zum Hauptlager Natzweiler rücküberstellt, wo Phosgengasversuche an ihnen verübt wurden. Eckstein und Josef Reinhardt (1913–1944) starben qualvoll an Lungenverätzungen. Zudem berichtet Julius Strauß (1922–2006), dass an ihm in Natzweiler Senfgasversuche vorgenommen wurden.
Einen erfolgreichen Fluchtversuch unternahm Vinzenz Rose (1908–1996). Er konnte am 30. August 1944 mithilfe seines Bruders Oskar Rose (1906–1968) aus dem Lager geschmuggelt werden.
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Vermutlich sechs Sinti befanden sich in einem Transportzug für 900 Kranke, der nicht mehr nach Dachau durchkam, und wurden bei Osterburken, etwa 30 Kilometer von Neckarelz entfernt, befreit. Einer der Befreiten, Karl Walter Bernhardt (1919–1945), starb jedoch drei Wochen später in Mosbach.
In der seit 1998 bestehenden und 2011 in einem neuen Gebäude eröffneten KZ-Gedenkstätte Neckarelz wird an die Häftlingsgruppe der Sinti und Roma unter anderem mit der Biografie von Sylvester Lampert (1921–1999) erinnert.
Rubric:
Tatorte: Internierungen – Lager – Gettos – Mordstätten
Publication date:
5. März 2024
Personen
Gerhard AdamKarl Walter BernhardtPeter BöhmerAdalbert EcksteinRudolf GuttenbergerFranz HauerWilly HerzbergHans KammlerSylvester LampertJosef ReinhardtOskar RoseVinzenz RoseAugust Schmidt
Julius Strauß
Räume
AsbachAuschwitzAuschwitz-BirkenauBad RappenauBaden-WürttembergDachauGenshagenGermanyGroß-RosenLudwigsfeldeMosbachNatzweiler-StruthofNeckarbischofsheimNeckarelzNeckargerachObrigheim am NeckarOsterburkenSachsenhausenSchwäbisch HallStutthof
Vaihingen an der Enz
Schlagworte
Aiding EscapeAlliesConcentration CampsDaimler-BenzDeath MarchesEscapeForced LabourKaposMedical CrimesMemorialsMustard Gas ExperimentsPhosgene Gas ExperimentsSS Main Economic and Administrative OfficeSatellite CampsSchutzstaffel
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https://encyclopaedia-gsr.eu/
EIN OPTIMIST DER DEMOKRATIE
ROMANI ROSE VERBAND IN SEINEM VORTRAG GESCHICHTE UND GEGENWART
Der Vortrag von Romani Rose, des Vorsitzenden des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz stand unter einem allgemeinen Thema: "Der lange Schatten von Auschwitz. Der Völkermord an den Sinti und Roma, die Bürgerrechtsbewegung und das Leben der Minderheit heute". Doch die über 50 Zuhörerinnen lauschten gebannt auch Roses eigener Familiengeschichte.
Teile der Familie hatten sich durch Annahme einer falschen Identität zunächst den Häschern entziehen können - letztlich fielen dreizehn Angehörige doch dem Völkermord zum Opfer. Romani Roses Vater Osker blieb indessen bis zum Schluss unentdeckt; er war unerschrocken genug, seinen über Auschwitz und Natzweiler ins KZ Neckarelz deportierten Bruder Vinzenz aufzuspüren. Er konnte ihn dort sogar kurz sehen und einen Fluchtplan mit ihm bereden, der im August 1944 gelang. Die Brüder tauchten unter und überlebten den Krieg.
Aus dieser Erfahrung erwuchs bei Vinzenz, Oskar und in zweiter Generation Romani Rose die Energie zum Kampf um die Bestrafung der Täter und für die Anerkennung als Opfer der Verfolgung - nicht nur in eigener Sache, sondern für die Minderheit insgesamt. In der jungen Bundesrepublik sahen sich die Bürgerrechtler bei den Behörden häufig den gleichen Personen gegenüber, die zuvor "rassekundlichen Erfassung" und Deportation verantwortet hatten.
Doch die Hartnäckigkeit zeitigte schließlich Erfolge - auf die Anerkennung als Opfer in den Achtziger Jahren folgte der Status als nationale Minderheit nach europäischem Rechtsrahmen in den Neunzigern; als krönenden Höhepunkt bezeichnete Rose die Einweihung des Mahnmals in der Nähe des Bundestags im Jahr 2012.
Die heutige Situation der deutschen Sinti und Roma bewertete Rose verhalten positiv, übte aber scharfe Kritik an den osteuropäischen Ländern, welche die Minderheit wie seit alters her zu Sündenböcken für Wirtschaftskrise und soziale Verwerfungen abstempelten.
Angesichts der aktuellen politischen Herausforderungen rief er dazu auf, altes Lager- und Opferdenken zu überwinden und gemeinsam für Grundrechte und demokratische Werte in Europa einzustehen: "wenn uns das gelingt, dann braucht uns nicht bang zu sein." Romani Rose, der am Nachmittag vom Mosbacher Oberbürgermeister Jann empfangen worden war, erwies sich somit als Optimist der Demokratie.
http://www.kz-denk-neckarelz.de/
Ausführlicher Bericht der Fränkischen Nachrichten >>>
Verfolgung von Sinti und Roma in Karlsruhe im Nationalsozialismus: Die städtische und kriminalpolizeiliche Praxis (Forschungen und Quellen zur ... - Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe) Broschiert – 14. Mai 2020
Die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma aus Karlsruhe konnte aufgrund der schlechten Quellenlage bislang nur bruchstückhaft wissenschaftlich erforscht werden. Johannes Kaiser nimmt vor allem die Akteure und Handlungen in Karlsruhe für die frühe Zeit des Nationalsozialismus in den Blick. Der Autor arbeitet durch die exakte Auswertung der wenigen vorhandenen Quellen heraus, wie sich die traditionelle Diskriminierung und Stigmatisierung mithilfe von Gesetzen und Verordnungen nach 1933 unter rassistischen Kriterien verschärften. Sichtbar wird dabei, dass das Ziel der Karlsruher Stadtverwaltung, die Vertreibung „der Zigeuner“, bisweilen mit dem „Gesamtinteresse“ im Land kollidierte. Für die Umsetzung der Landesinteressen war die Polizei zuständig. Ein Schlaglicht wird auch auf die Organisation und Arbeit der durch die „Verreichlichung“ der Polizei in Karlsruhe 1937 errichteten Kriminalpolizeistelle und ihrer „Zigeunerstelle“ geworfen.
ROMANI ROSE
ENGLISH | ROMANES
MITGLIED DES BEIRATS
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma.
Er wurde 1946 in Heidelberg geboren. Dort war er bis 1982 selbständiger Kaufmann. Bei der Gründung des Zentralrats im Jahre 1982 wurde er von den Delegierten der Mitgliedsorganisationen – damals neun, heute 16 Landesverbände und regionale Vereine – zum Vorsitzenden gewählt und seither alle vier Jahre auf den Mitgliederversammlungen in seinem Amt bestätigt.
In dem Jahre 1991 übernahm Rose die Geschäftsführung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. Er ist bei den Regierungen von Bund und Ländern und auch im Ausland seit vielen Jahren bekannt für seine Entschlossenheit und für die konsequente und unnachgiebige Arbeit.
Gemeinsam mit den Vorsitzenden der nationalen Minderheiten in Deutschland leitet Rose den am 9. September 2004 gegründeten Minderheitenrat. Das ist der Zusammenschluss der Dachorganisationen der vier nationalen, zur Nation Deutschland gehörenden und seit jeher hier ansässigen autochthonen Minderheiten: Die DOMOWINA der Sorben, der Friesenrat, die Südschleswigsche Vereinigung der dänischen Minderheit und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma.
Mit Minderheitenvertretern aus USA, Mexiko, Argentinien, Japan, Indien, Sri Lanka, Frankreich und Holland ist Rose auch Direktoriumsmitglied der im Jahre 1988 in Tokio gegründeten Internationalen Bewegung gegen Diskriminierung und Rassismus (IMADR).
Ein maßgeblicher Antrieb für Roses Engagement ist seine persönliche Betroffenheit. Dreizehn unmittelbare Verwandte von Romani Rose wurden während des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern ermordet, darunter die Großeltern in den Konzentrationslagern Auschwitz und Ravensbrück. Sein Vater, Oskar Rose, überlebte auf der Flucht und in der Illegalität. Romani Roses Onkel, Vinzenz Rose, überlebte das Vernichtungslager Auschwitz, medizinische Experimente im Konzentrationslager Natzweiler und die Sklavenarbeit für Daimler-Benz im unterirdischen Stollen des KZ Neckarelz/Obrigheim. Vinzenz Rose gründete im Jahre 1972 die erste Selbstorganisation deutscher Sinti, das Zentral-Komitee der Sinti West-Deutschlands, in dem der damals noch nicht dreißigjährige Romani Rose schon mitarbeitete.
Seit zweieinhalb Jahrzehnten – genau seit Juni 1979 – leitet Romani Rose vor den Augen der deutschen und auch internationalen Öffentlichkeit erfolgreich die Bürgerrechtsarbeit für die Minderheitenrechte der Sinti und Roma, für ihren Schutz vor Rassismus und Diskriminierung, für Entschädigungsleistungen an die Überlebenden des Holocaust – bei gleichzeitiger Bekanntmachung des Ausmaßes und des historischen Stellenwerts des Völkermords an 500 000 Sinti und Roma im nationalsozialistisch besetzten Europa.
Im Mai 1995 erreichte Rose in Zusammenarbeit mit den Mitgliedsvereinen des Zentralrats die Anerkennung und Förderung der deutschen Sinti und Roma als nationale Minderheit in Deutschland mit eigener Minderheitensprache, verbunden mit dem Ziel ihrer gleichberechtigten Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben.
Zu den ersten wichtigsten Schritten dieser Bürgerrechtsarbeit gehören:
– der von Rose an Ostern 1980 organisierte und mitgemachte einwöchige Hungerstreik von 12 Sinti im ehemaligen KZ Dachau zur internationalen Bekanntmachung des Völkermords und gegen die Weiterverwendung von „Zigeuner-Rasse“-Akten des Reichssicherheitshauptamtes in deutschen Polizei- und anderen Behörden noch Jahrzehnte nach Kriegsende;
– am 6. Februar 1982 der von Rose mitgegründete und seither von ihm geleitete Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, die bis zum Jahre 2000 einzige und bis heute größte und einflussreichste Dachorganisation von Landes- und Regionalvereinen deutscher Sinti und Roma;
– die von Rose angeführte Delegation von deutschen Sinti und Roma am 17. März 1982 beim damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, der dabei die völkerrechtlich und historisch bedeutsame Anerkennung der nationalsozialistischen Verbrechen an den Sinti und Roma als Völkermord aus Gründen der sogenannten „Rasse“ aussprach. Diese Anerkennung sprach auch Helmut Kohl im März 1982 als Oppositionsführer und am 7. November 1985 als Bundeskanzler im Rahmen der ersten Bundestagsdebatte über die Lage der Sinti und Roma in Deutschland aus.
In den folgenden Jahren machte der Zentralrat jeweils unter Roses Leitung mit Protestaktionen, Pressekonferenzen und Veranstaltungen immer wieder auf seine Forderungen aufmerksam. Dazu gehörten zum Beispiel:
– die von Rose organisierte Protestaktion von 220 Sinti und Roma am 28. Januar 1983 (anlässlich des 50. Jahrestags der Machtergreifung der Nazis) beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden gegen dessen rassistisch-diskriminierende Publikationen und Kripo-Schulungsmaterialien gegen Sinti und Roma mit aus der NS-Literatur übernommenen Formulierungen;
– die Aktion mit 400 KZ-Überlebenden deutscher Sinti und Roma am 20. November 1986 in Bonn in Verbindung mit Roses Erklärungen vor der Bundespressekonferenz zu den im Bundeskanzleramt übergebenen ersten 525 Fällen vorenthaltener Entschädigungsrenten nach dem Bundesentschädigungsgesetz;
– der von Rose initiierte und bislang einmalige Gedenkgottesdienst von Bischof Dr. Anton Schlembach im Dom zu Speyer am 13. März 1988, dem 45. Jahrestag der Deportation von 23 000 Sinti und Roma aus Europa nach Auschwitz, wobei auf Roses Einladung hin zu dem Gottesdienst 1500 Sinti und Roma aus ganz Deutschland und Persönlichkeiten wie der damalige Bundesratspräsident Dr. Bernhard Vogel und die damalige Bundestagspräsidentin Prof. Rita Süssmuth kamen;
– die von Rose geleitete Demonstration von 250 Holocaust-Überlebenden der deutschen Sinti und Roma am 19. Dezember 2001 beim Bundesministerium der Finanzen in Berlin für die Durchsetzung der gleichberechtigten Zahlungen der Zwangsarbeiterentschädigung danach in den Jahren 2002 bis 2006 an die vom Zentralrat dafür vertretenen ca. 1800 KZ-Überlebenden;
– öffentliche Versammlungen, Unterschriftenaktionen (mit 2124 deutschen Sinti und Roma, darunter 1520 KZ-Überlebende) und andere Aktionen und viele Pressetermine seit dem Jahre 1989 für die Forderung zur Errichtung des Holocaust- Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma auf dem dann ab dem Jahre 1994 zugesagten Standort zwischen Reichstag und Brandenburger Tor.
Das zweieinhalb Jahrzehnte dauernde unaufhörliche Eintreten von Rose für die Entschädigung der KZ-Opfer erlangte grundsätzliche Bedeutung für die Verankerung der Bürgerrechtsarbeit in der gesamten Minderheit.
Mit dem von der Bundesregierung seit August 1982 geförderten – und seit dem Jahre 2000 vom Staatsminister für Kultur und Medien geförderten – Büro in Heidelberg bewirkte der Zentralrat unter Roses entscheidender Leitung seit 1985 im Laufe von zwanzig Jahren für 3200 Holocaust-Überlebende der deutschen Sinti und Roma eine grundlegende Änderung der früheren diskriminierenden Entschädigungspraxis. Damit setzte der von den Überlebenden jeweils bevollmächtigte Rose zusammen mit seinem Mitarbeiterstab in allen Einzelfällen positive Neuentscheidungen der Entschädigungsbehörden der Länder und des Bundes durch.
Eine Besonderheit in Europa ist das von Rose geleitete Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma. Es wurde von Rose seit dem Hungerstreik im Jahre 1980 gefordert, ab Anfang der neunziger Jahre mit finanzieller Hilfe der Bundesregierung errichtet und dann unter Mitwirkung der damaligen Staatsführung (Bundespräsident Prof. Herzog, Bundestagspräsidentin Prof. Süssmuth und Bundesratspräsident Teufel) am 13. März 1997 in Heidelberg von Rose mit der ständigen großen Ausstellung über den nationalsozialistischen Völkermord eröffnet.
An der Eröffnung nahmen über 700 Sinti und Roma aus Deutschland und zahlreiche Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland teil, darunter die Botschafter aus 22 Ländern Europas und aus Israel. Entsprechend Roses Initiative wird seit dem Jahre 1998 die Ausstellung auch in einer transportablen Version in vielen Städten Deutschlands erfolgreich gezeigt – meistens in Verbindung mit einem vom Dokumentationszentrum mitorganisierten Begleitprogramm.
Zu den wichtigen Ergebnissen der Arbeit des Dokumentationszentrums gehört die unter ganz persönlicher Federführung von Rose entstandene internationale Ausstellung über den Völkermord an den Sinti und Roma in Europa, die seit der Eröffnung am 2. August 2001 in Block 13 des Staatlichen Museums Auschwitz dort als ständige Ausstellung zu sehen ist.
Rose entwickelte mit den Mitarbeitern des Dokumentationszentrums die englischsprachige Ausstellung über den Völkermord an den Sinti und Roma im NS- besetzten Europa und über aktuellen Rassismus gegen Angehörige der nationalen Minderheiten der Roma und Sinti im mehreren europäischen Ländern. Er eröffnete diese Ausstellung am 17. Januar 2006 im Europa-Parlament in Straßburg unter Beteiligung von Parlamentspräsident Borell Fontelles, weiteren Persönlichkeiten und Repräsentanten der Roma und Sinti aus mehreren Staaten Europas. Die Ausstellung wird seither in Großstädten Europas gezeigt wie Budapest, Prag und Warschau (ab Oktober 2006).
Rose sorgte im Laufe des Jahres 2006 dafür, dass diese englische Ausstellung am 24. Januar 2007 bei den Vereinten Nationen in New York eröffnet wurde und dann mit großer internationaler Aufmerksamkeit zu sehen war.
Als Konsequenz aus dieser internationalen Arbeit wurde Romani Rose am 29. Mai 2006 als erster Vertreter der Sinti und Roma von der Polnischen Regierung zum Mitglied des Internationalen Auschwitz-Rates ernannt.
© Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma Heidelberg
https://blog.romarchive.eu/deutsch-2/projektbeteiligte/romani-rose-de/
Die nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma im Baden und Württemberg
Studienarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg, Note: 1,7, Universität Karlsruhe (TH) (Institut für Geschichte), Veranstaltung: H.S. Den Holocaust in musealer Präsentation, Sprache: Deutsch, Abstract: Bis in die 80er Jahre war die nationalsozialistische Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma ein Desiderat der Geschichtsforschung in Deutschland und im Ausland. Die Ursachen für diese fehlende Beachtung waren unter anderem das Pflichtgefühl der Forschung Themen wie die Judenverfolgung aufzuarbeiten, sowie ein von der Gesellschaft mit Vorurteilen behaftetes Bild gegenüber den Sinti und Roma. Ein weiterer Grund mag darin liegen, dass es im Vergleich zur Judenverfolgung nur wenige Dokumente über den Genozid an den Sinti und Roma gibt. Ein wesentlicher Impuls in Deutschland zur Erforschung dieser Thematik wurde von der 1979 gegründeten Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma gegeben.1 Seitdem ist eine Reihe von Arbeiten, teilweise auch mit regionalem und lokalem Bezug, erschienen, letztere jedoch in geringer Anzahl.2 Das Ziel dieses Referates ist die Beschreibung der Verfolgung der Sinti und Roma in Baden und Württemberg durch die Nationalsozialisten. Um die Ausgangspunkte der nationalsozialistischen „Zigeunerverfolgung“ zu bestimmen, bedarf es zunächst einer Untersuchung der „Zigeunerpolitik“ in den Jahrzehnten vor 1933. Wie sah die Lage der Sinti und Roma in Bezug auf ihre Integration in Baden und Württemberg vor 1933 aus? Gab es gewisse Kontinuitäten nach 1933? Wie präsentierte sich der Nationalsozialismus auf lokaler Ebene und wer waren die Funktionsträger in der Verfolgung der badischen und württembergischen Sinti und Roma? Dies sind die Fragen, auf die das vorliegende Referat eine Antwort zu geben versucht. Die Verfolgung der Sinti und Roma im deutschen Reich ist gut dokumentiert. 3 Leider fehlt es noch an Arbeiten mit regionalem Bezug. Über die Verfolgung der Sinti und Roma in Baden und Württemberg gibt es so gut wie keine explizite Literatur. Sowohl Literatur wie Dokumente sind außerordentlich ungünstig.
Sinti- und Roma-Aktivist Romani Rose
„Wir haben einen neuen Nationalismus in Deutschland“
Archiv, | 27.08.2020
Romani Rose war 1982 einer der Gründer des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Im Dlf erklärt Rose, warum seine Eltern nach dem Holocaust in Deutschland blieben, was ihn zum Aktivisten machte und warum der Begriff „Rasse“ nicht im Grundgesetz stehen sollte.
Romani Rose im Gespräch mit Melanie Longerich | 27.08.2020
Der Ballast der NS-Diktatur wog schwer, als er den Kampf um Gleichberechtigung der deutschen Sinti und Roma begann: Romani Rose wurde im August 1946 in Heidelberg geboren. Da war der Nationalsozialismus mit seinen Verbrechen gerade Mal ein Jahr vorbei. 500.000 Sinti und Roma waren als „Zigeuner“ verfolgt und umgebracht worden.
„Der lange Schatten von Auschwitz“, wie Romani Rose ihn nennt, lag auch schwer über seiner Familie – nur sein Vater und sein Onkel hatten den Holocaust überlebt. Ihre Erzählungen prägten Roses Kindheit – und auch ihr politisches Engagement. Doch Oskar und Vinzenz Rose fanden in der jungen Bundesrepublik kaum Gehör. Zu viele Täter saßen noch in der Verwaltung, in Gerichtssälen und in der Polizei. Die Aufarbeitung und Anerkennung des Völkermordes an den Sinti und Roma ließ lange Jahre auf sich warten, ebenso wie deren Entschädigung.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht am 04.10.2017 im Schloss Bellevue in Berlin, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland zum Tag der Deutschen Einheit. Foto: Wolfgang Kumm/dpa | Verwendung weltweit
Rose 2017 bei der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Inspiriert von 68ern und US-Bürgerrechtlern
Es war Romani Rose, dem es – bewegt von der US-Bürgerrechts- und der 68er-Bewegung – gelang, dass Sinti und Roma ab den 1970er-Jahren in der deutschen Politik mehr und mehr gehört wurden. Grund waren auch die aufsehenerregenden Aktionen, die Rose und seine Mitstreiter dafür wählten.
Mit Erfolg: 1982 wurde der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma gegründet, dessen Vorsitzender Romani Rose bis heute ist. Im selben Jahr erkannte Bundeskanzler Helmut Schmidt den Völkermord an ihnen offiziell an. 1995 dann die Anerkennung als Minderheit selbst.
Den Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung hat Rose nie aufgegeben und wurde dafür 2017 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Romani Rose hat sechs Kinder und lebt mit seiner Frau in Heidelberg.
Erschütterungen und frühe Prägungen – der Schmerz von Auschwitz
„Er hat in dem Stollen gehört, dass seine Eltern tot sind. Und da kam er raus und konnte nicht mehr laufen. Der Schmerz war für ihn unerträglich.“
Melanie Longerich: Herr Rose, wir treffen uns hier in der Heidelberger Altstadt, im Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma, ein bisschen unterhalb des Heidelberger Schlosses. Hier hat auch der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma seine Büros, dem Sie seit seiner Gründung im Jahr 1982 vorstehen. Ihre Mitarbeiter haben für uns hier den großen Saal geöffnet, wo wir uns nun coronabedingt mit reichlich Abstand unterhalten. Ihnen wird immer wieder Beharrlichkeit bescheinigt, wenn es darum geht zu beschreiben, was Sie in mehr als 40 Jahren für die Sinti und Roma in Deutschland erreicht haben. Da muss man schon kämpfen, Sie mussten auch oft unbequem sein und auch mal nerven. Das alles ist wohl Beharrlichkeit – oder wie würden Sie sich selbst charakterisieren?
Romani Rose: Ich würde die Arbeit und die Auseinandersetzung, die wir geführt haben und auch noch führen müssen, als konsequent bezeichnen. Es ging immer um die gleichberechtigte Teilhabe unserer Minderheit in der Gesellschaft, es ging also nicht um irgendwelche Sonderrechte, sondern wir haben uns an der Zielführung unserer Verfassung orientiert, ganz besonders nach Artikel 3.
Longerich: Der die Gleichheit vor dem Gesetz garantiert und Diskriminierung verbieten soll.
Rose: Der über viele Jahrzehnte für die Behörden der Bundesrepublik und auch für die Sicherheitsbehörden oftmals nicht bewusst war, dass der Anspruch für alle Menschen gilt.
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, im Dezember 2014.
„Es geht um Verantwortung für Demokratie und Rechtsstaat“
Romani Rose hat der AfD vorgeworfen, ein verzerrtes Geschichtsbild in die Gesellschaft zu tragen. Äußerungen wie die des thüringischen Fraktionsvorsitzenden Höcke seien Nationalismus, kein Patriotismus. Dem müsse man klar entgegentreten.
10 bis 12 Millionen Sinti und Roma in Europa
Longerich: Sie wurden in Heidelberg geboren, am 20. August 1946, und Ihr Vater Oskar und Ihr Onkel Vinzenz, die Sie beide sehr geprägt haben, so liest man, waren Sinti. Sie sind Sinto. Sinti und Roma, das wird heute schnell als eine Bezeichnung heruntergerattert, dabei sind Sie äußerst heterogen, mit den unterschiedlichsten Wurzeln und einer extremen gesellschaftlichen Schichtung auch. Es gibt extreme Armut, aber es gibt eben auch eine breite Mittelschicht. Können Sie zu Beginn einmal kurz erklären, wer die Sinti und Roma in Deutschland überhaupt sind?
Rose: Die Armut ist nicht ein Merkmal unserer Minderheit. Man muss unterscheiden zwischen West- und Osteuropa. In Osteuropa gibt es eine Armut, aber das ist eine grundsätzliche Armut, die viele Menschen trifft, ohne Angehörige dieser Minderheit zu sein. Die Zahl der Minderheit ist gerade eben in Osteuropa sehr groß – die EU spricht von 10 bis 12 Millionen Menschen in Europa –, davon dürfte der überwiegende Teil in Osteuropa leben. In Deutschland ist nach unserer Einschätzung die Zahl nicht sehr groß, sie wird von uns selbst auf 50- bis 60-, 70.000 geschätzt – der deutschen Sinti und Roma.
Longerich: Aber es gibt ja die Sinti, die seit 600 Jahren hier sind, dann kamen noch mal Roma im 19. Jahrhundert. Dann ging es weiter mit Einwanderungsfamilien in den 70er-Jahren und dann noch mal aus dem Kosovo 1989.
Rose: Ich muss dem hinzufügen, dass natürlich unsere Minderheit seit über 600 Jahren ihre Wurzeln hier in Deutschland hat und dass bereits im 19. Jahrhundert, im frühen 19. Jahrhundert, Roma aus Osteuropa nach Deutschland in den deutschsprachigen Raum eingewandert sind. Auch nach dem Krieg in der Ära des Kommunismus, des Stalinismus in Osteuropa, gab es Zuwanderung, die zwischenzeitlich auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Man muss natürlich auch die Situation von daher zur Kenntnis nehmen, dass mit der Zielführung der Europäischen Union und der Freizügigkeit auch sehr viele Roma aus den osteuropäischen Ländern nach Westeuropa eingewandert sind beziehungsweise hier Jobs haben, hier arbeiten gehen in der unterschiedlichsten Form.
Rose und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg haben immer wieder auch mit Ausstellungen auf den Völkermord an Sinti und Roma hingewiesen
Rose und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg haben immer wieder auch mit Ausstellungen auf den Völkermord an Sinti und Roma hingewiesen (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
13 Familienmitglieder in KZs ermordet
Longerich: Im Nationalsozialismus wurden Sinti und Roma als „Zigeuner“ verfolgt und ausgegrenzt, legitimiert durch den sogenannten Auschwitz-Erlass von 1942 vom SS-Chef Heinrich Himmler. Ihr Vater Oskar und Ihr Onkel Vinzenz überlebten, auch weil Ihr Vater sehr mutig war.
Rose: Zunächst muss man sagen, dass die Ausgrenzung natürlich durch Diskriminierung und Rassismus schon immer Gegenstand gegenüber unserer Minderheit war, durch die Gesellschaft und vor allen Dingen eben durch die Bürokratie, dass sich das natürlich alles verschärft hat mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten. Die Nürnberger Rassegesetze haben uns die Stadtbürgerschaft genommen, genauso wie den Juden auch. Sie haben uns die Rechte als deutsche Staatsbürger genommen. Sinti und Roma wurden diffamiert, kriminalisiert, ausgegrenzt und wie die Juden später in die Vernichtungslager und in die Gettos des Ostens deportiert.
Longerich: Auch Ihre Großeltern wurden deportiert.
Rose: Die Situation meiner Familie stellte sich so dar, dass 13 Personen meiner Familie in den verschiedenen Konzentrationslagern ermordet worden sind, darunter meine Großeltern. Mein Großvater ist in Auschwitz ermordet worden, meine Großmutter ist nochmals auf einen Transport gekommen. Sie kam in Ravensbrück ums Leben, eine Tante von mir in Bergen-Belsen, also insgesamt 13 Personen. Diese Erfahrung hat natürlich sehr geprägt. Wenn man 600 Jahre in einem Land lebt, dieses Land als seine Heimat wahrnimmt und dann plötzlich rechtlos gemacht wird, deportiert und der Vernichtung preisgegeben wird, dann ist das eine Erfahrung. Mein Vater, aber ebenso mein Onkel haben überlebt. Mein Vater war in keinem Konzentrationslager, er musste sich überall verstecken, auch außerhalb Deutschlands. Er verfügte über Papiere wie KdF, Kraft durch Freude, gab sich als eine Schauspieltruppe aus, die die Wehrmacht an der Ostfront betreut.
Sinti und Roma osteuropäischer Herkunft in Duisburg | imago stock&people
Sinti und Roma in Deutschland – Zwischen Integration und Abschiebung
Roma und Sinti sind seit Jahrhunderten in Deutschland beheimatet, dennoch werden sie von vielen Mitbürgern abgelehnt. Verschärft wird ihre Situation durch die neue Zuwanderung und den Status ihrer Herkunftsstaaten als „sicher“. Dies spotte jeder Beschreibung, kritisieren Interessenvertreter.
Waghalsige Befreiung des Onkels aus dem KZ
Longerich: KdF, Kraft durch Freude, das ist eine Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront, kurz DAF, und die waren für die Freizeitgestaltung zuständig, alles im Sinne natürlich des NS-Regimes.
Rose: Die machten auch dann Heimaturlaub, also in Anführungszeichen, mieteten dort einen Saal an und sagten, sie machen in drei Wochen eine Aufführung auch hier an der Heimatfront. Es war ihnen dabei wichtig, Bezugsscheine und Lebensmittelscheine zu bekommen, um damit eben auch die Angehörigen, die bereits im Konzentrations- oder in Vernichtungslager waren, mit Paketen zu versorgen. Das war eine sehr gefährliche Angelegenheit in der damaligen Zeit, eben auf die Behörden zu gehen, aber er konnte das eben mit einem sehr sicheren Auftreten machen.
Longerich: Genau mit diesem Auftreten hat dann Ihr Vater auch seinen Bruder oder Ihren Onkel Vinzenz gerettet.
Rose: Mein Onkel war in Auschwitz gewesen, kam dann in das Konzentrationslager Natzweiler in Frankreich, von dort aus ist er danach nach Neckarelz gekommen – Neckarelz ist nicht sehr weit weg von Heidelberg. Dort mussten Häftlinge in einem tiefen Stollen Teile bauen für die Flugzeugindustrie, und mein Vater hat darüber erfahren, dass mein Onkel ganz in der Nähe war. Es war für ihn ein großes Anliegen, meinem Onkel zur Flucht zu verhelfen. Das geschah dadurch, dass er mit einer Frau zusammen dieses Konzentrationslager über einen längeren Zeitraum beobachtete, dort Fahrzeuge einfahren sah und Fahrzeuge rausfahren sah, also Lastwagen, und dabei ist ihm ein Fahrer aufgefallen, der auch in einem Lokal dort in der Umgebung zum Essen ging. An diesen Mann, das war ein Pole gewesen, an den machte man sich heran, gab ihm Bezugsscheine – das war in der damaligen Zeit sehr, sehr wichtig, Lebensmittelkarten und Geld – unter der Voraussetzung, dass er behilflich sei, den Vinzenz Rose dort aus diesem Lager zur Flucht zu verhelfen. Dieser Mann erklärte sich bereit, und man bereitete dann die Flucht vor. Dazu musste mein Vater in das Lager selbst gehen, also nach Neckarelz. Er sprach dort mit dem Kommandanten, und zwar dahingehend, dass er dem Kommandanten sagte, dass er einem Kameraden an der Front versprochen hat, den Vinzenz Rose zu besuchen und er ihm persönliche Grüße ausrichten wolle. Der Kommandant wollte ihm das verweigern, darauf hat mein Vater ihm deutlich gemacht, dass er demnächst ein Gespräch mit Goebbels in Berlin habe und er sich eben da direkt dann in Berlin beschwere.
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats der Sinti und Roma, spricht ein Grußwort am 17.02.2016 im Bundesgerichtshof in Karlsruhe (Baden-Württemberg) bei der Eröffnung des Symposiums zur weiteren Aufarbeitung des an Sinti und Roma begangenen Unrechts. Foto: Christoph Schmidt/dpa |
Roses Eltern wollten nach dem Krieg auswandern – entschieden sich aber trotz der erlebten Schrecken fürs Bleiben in der Heimat (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)
„Man sagt, Glaube kann Berge versetzen, bei ihm war es der Fall“
Longerich: In dieser Situation muss er doch eine unglaubliche Angst gehabt haben, mit dieser Geschichte aufzufliegen.
Rose: Meine Mutter hat immer erzählt, dass mein Vater sehr überzeugend auf der Grundlage der Kraft seines Glaubens – er war dem christlichen Glauben, der Kirche sehr verbunden. Man sagt ja, Glaube kann Berge versetzen, bei ihm war es wirklich der Fall. Also wenn jemand zum Kommandanten geht und gegenüber dem Kommandanten eines Konzentrationslagers so auftritt, dass er es zugelassen hat, dass er runterging in den Stollen und dort mit seinem Bruder sprechen konnte. Der hat in dem Stollen gehört, dass seine Eltern tot sind. Und da kam er raus und konnte nicht mehr laufen. Das hat meine Mutter erzählt, sie hat gesagt, der hat sich die Haare rausgerissen. Der Schmerz war für ihn unerträglich. Mein Onkel hat mir das sehr eindringlich erzählt: Er ist also unter diesem Sitz reingesprungen, der Sitz wurde zugeklappt, der Fahrer wollte das Auto anlassen, und wie es immer so dann passiert, das Auto ist nicht gleich angesprungen, er musste ein paar Mal starten. Der Mann fuhr diese Bogen hoch, und mein Onkel hat gesagt, der war sehr, sehr schwer, und er war ja sehr abgemagert, und das hat ihm alles große Schmerzen bereitet, aber er kam an den Schlagbaum. Und da hat die SS hinten in das Fahrzeug reingeguckt, und dann haben sie ihn durchgewunken. Da hat er gewusst, jetzt ist er in Sicherheit.
Longerich: Ihr Vater hatte da in Heidelberg schon ein Versteck organisiert, und zwar bei einer Frau ein Zimmer angemietet, und hatte ihr erzählt, dass er in Heidelberg Wehrmachtstheater mit Musik macht.
Rose: Zunächst war er erst mal ganz alleine da gewesen, weil es musste erst mal abgesichert werden, die Person musste natürlich auch ein Stückchen weit menschlich überprüft werden. Als sich das dann auch so herausstellte, ist mein Onkel dort dann untergetaucht.
Longerich: Diese Person, die Ihr Vater menschlich überprüfen wollte, wurde später Ihre Mutter.
Rose: Es hat sich mit der Zeit eine Beziehung entwickelt, Ende 43.
Ablehnung und Anpassung – Kindheit in der frühen Bundesrepublik
„Und er ist vom Fahrrad so runtergesprungen, auf mich drauf, und hat gesagt: Ihr Zigeuner, was erlaubt ihr euch.“
Longerich: Wie kann man mit diesen ganzen Erfahrungen, die man da gemacht hat, nach dem Krieg hier eine Familie gründen? Da muss doch jeder Nachbar verdächtig sein, ein Täter zu sein, ein Mitläufer.
Rose: Wissen Sie, auch meine Eltern haben daran gedacht, auszuwandern nach dem Krieg, wir haben Vorbereitungen getroffen – aber Heimat ist immer das, wo man die Sprache spricht, das hat mein Vater immer gesagt. Die Bundesrepublik war nach 1945 nicht gleich ein Rechtsstaat. Sie haben sich eine rechtsstaatliche Verfassung gegeben, aber die Täter waren die Nachbarn, möchte ich mal so sagen, und sie waren vor allen Dingen eben auch mit Billigung der Alliierten wieder in der Bürokratie. Man wusste das, und ich meine, es gab und gibt – und das ist symbolisch für die Nachkriegszeit – das Verhalten von dem damaligen Bundeskanzler Adenauer, nämlich mit seinem Staatssekretär Globke, der mit zuständig war für die Nürnberger Rassegesetze.
Longerich: Hans Globke, zum Verständnis, Hans Globke war Chef des Bundeskanzleramts.
Rose: Deutlicher kann man die damalige Situation nicht beschreiben, aber die Bundesrepublik musste alles tun, damit sie wieder nach diesen barbarischen Verbrechen wieder in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen wird. Das war ihr Bemühen. Und die Shoah, die Ermordung der sechs Millionen Juden, ist sehr schnell anerkannt worden, bereits 1949 mit der Gründung der Bundesrepublik. Der Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma war nie Gegenstand von irgendwelchen politischen Notwendigkeiten.
Zur Erinnerung an die mehr als 500.000 Sinti unter den Opfern des Nationalsozialismus legten Abgesandte von Organisationen der Sinti, die zum Teil in KZ-Kleidung erschienen waren, am Karfreitag, den 04.04.1980, im ehemaligen Konzentrationslager Dachau Kränze
Gejagt, entwurzelt, rassistisch erfasst – Sinti und Roma in Deutschland
Erst 1982 erkannte die Bundesrepublik offiziell den nationalsozialistischen Massenmord an den Sinti und Roma an. Dieser Schritt musste erkämpft werden von einer kleinen, politisch aktiven Gruppe: Der Sinti und Roma-Bürgerrechtsbewegung.
„Meine Eltern wollten uns nicht mit ihrer Erfahrung belasten“
Longerich: Genau dafür stand ja dann Ihr Vater Oskar und Ihr Onkel Vinzenz ein. Die sind schon sehr früh politisch aktiv geworden. Wie war das für Sie als Kind, wie war die Stimmung bei Ihnen zu Hause?
Rose: Wissen Sie, meine Eltern waren, nachdem die Entscheidung getroffen worden ist, dass wir hier unsere Existenz und unsere Zukunft und die Zukunft von Kindern, also wie ich und mein Bruder, wieder aufbauen wollten, wollten meine Eltern uns nicht mit ihrer Erfahrung belasten, das heißt, die Gespräche wurden bewusst vermieden. Natürlich war das nicht immer so möglich. Man hat das eine oder das andere aufgeschnappt, und ich war sehr daran interessiert, weil ich das Ganze in meinem Kindesalter natürlich als ein Abenteuer aufgefasst hatte und mir eigentlich die Schrecken, die unserer Familie zugefügt worden sind, eigentlich im Kindesalter gar nicht so begriffen habe.
Longerich: Sie haben einmal in einem Interview gesagt, dass Ihr Vater sehr damit gehadert hat, seine Eltern nicht gerettet zu haben. Wie haben Sie das erlebt, diese Stimmung?
Rose: Das war für mich sehr prägend. Mein Vater war für mich immer eine starke Persönlichkeit.
Longerich: Ihr Opa war schon Kinobesitzer, Ihr Vater dann auch. Ihre Familie hat ja alle gängigen Klischees, die es damals ja schon so wie heute über Sinti gibt, über Roma gibt, gebrochen. Sie waren praktizierende Katholiken, Sie waren Mittelschicht, Sie waren in der Schule. Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie Sinto sind?
Rose: Ja, eigentlich schon mit dem Beginn in der Schule, wo die Eltern uns darauf hingewiesen haben, dass wir das nicht sagen sollten. Natürlich waren wir als Kinder stolz, zwei Sprachen auch zu sprechen. Ich spreche ja auch Romanes. Und das war für mich als Kind natürlich nicht verständlich. Sie müssen das unter diesem Aspekt sehen, dass ich in der damaligen Zeit, in meiner Kindheit, zum Beispiel in Neureuth, als meine Eltern das Kino hatten und ich das Privileg hatte, auch andere Freunde von mir einladen zu können, dass ich das nicht nachvollziehen konnte und das natürlich auch gesagt habe dann. Das war die Zeit so um 1953/54, es war doch eine schöne Kindheit. Wir spielten mit anderen Jungs – es gab mal einen Vorfall, der erschreckend war…
Rev. Jesse Jackson, right, and the head of Germany's Central Council of Sinti and Roma, Romani Rose visit the former Nazi death camp of Auschwitz-Birkenau in Oswiecim, Poland on Friday, Aug. 2, 2019. Rev. Jesse Jackson gathered Friday {var DanaWithTmpArray = new Array();(DanaWithTmpArray[0] = ith }survivors at the former Nazi death camp of Auschwitz-Birkenau to commemorate an often forgotten genocide ? that of the Roma people. In addition to the 6 million Jews killed in camps such as Auschwitz, the Nazis killed other minorities during World War II, including between 250,000 and 500,000 Roma and Sinti. (AP Photo/Czarek Sokolowski) |
Romani Rose mit Jesse Jackson. Deutsche Sinti- und Roma-Aktivisten fanden Inspiration in der US-Bürgerrechtsbewegung. (picture alliance / AP / Czarek Sokolowski)
Erschreckendes Urteil des Bundesgerichtshofs 1956
Longerich: Was war da genau?
Rose: Das war auch die Zeit, als die Flüchtlinge gekommen sind, die Deutschstämmigen aus dem Ex-Jugoslawien oder aus Rumänien – Rumäniendeutsche, Ungarndeutsche. Da gab es einen Jungen, der hieß Franz. Mutter war eine arme Frau, die musste Wäsche waschen, und dafür hat sie dann irgendwelche Lebensmittel und so weiter bekommen. Der Junge ist oft gehänselt worden, und einmal haben ihn zwei andere Freunde geschlagen, und ich hab das nicht zugelassen und hab dem einen davon auf die Nase oder auf die Lippe geboxt. Dann kam sein Vater auf einem Fahrrad, und er ist vom Fahrrad – das war für mich so etwas Erschreckendes –, vom Fahrrad so runtergesprungen, auf mich drauf. Ich bin zu Fall gekommen und lag dann – ich meine, ich war acht Jahre alt –, und hat gesagt: Ihr Zigeuner, was erlaubt ihr euch. Das war für mich erschreckend. Ich hab das nicht meinem Vater gesagt. Verstehen Sie, ich war in diesen Fragen schon damals sehr sensibel gewesen.
Longerich: Zwei Jahre später, Sie haben gerade erzählt von der Zeit, wo Sie acht Jahre alt waren, aber mit zehn, da fällte der Bundesgerichtshof ein Grundsatzurteil, das sogenannte Zigeuner-Urteil. Es ging darum, dass begründet werden sollte, warum verfolgte Sinti und Roma nicht entschädigt werden sollten, und das Zitat heißt: „Sie neigen, wie die Erfahrung zeigt, zur Kriminalität, besonders zu Diebstählen und Betrügereien, es fehlen ihnen vielfach die sittlichen Antriebe der Achtung vor fremdem Eigentum, weil ihnen wie primitiven Urmenschen ein ungehemmter Okkupationstrieb eigen ist.“
Rose: Ja. Ich weiß nicht, ob der Wortlaut jetzt im Einzelnen so bekannt war, aber die Praxis war die Erfahrung, dass Entschädigungsansprüche von Angehörigen der Minderheit abgelehnt worden sind mit der Begründung, dass sie nicht aus rassischen Gründen, sondern aus kriminalpräventiven Gründen in die Konzentrationslager eingewiesen worden sind. Meine Eltern haben schon sehr früh Entschädigungen erhalten, nämlich, weil sie wollten ja – das war der ursprüngliche Vorsatz – Deutschland nach diesen Erfahrungen verlassen. Sie haben ihre Entschädigung Anfang der 50er-Jahre bereits erhalten, weil sie eben mit diesem Wissen, mit dieser Erfahrung auch gegenüber den Behörden aufgetreten sind, und die Behörden wussten, hier stoßen sie auf gewaltigen Widerstand, der ihre doppelte Moral und ihren nazistischen Geist in die Öffentlichkeit tragen könnte.
Der Holocaust-Überlebende Zoni Weisz steht neben einer Flagge der UNO
Das Leben des Sinto Zoni Weisz – „Ich bin ein Blumenkind“
Als siebenjähriger Junge entkam der niederländische Sinto Zoni Weisz der Deportation. Seine Eltern und Geschwister wurden in Konzentrationslagern ermordet. In unserer Reportage erinnert er sich an die „Zigeuner-Razzia“, den Verlust der Familie und seinen persönlichen Kampf gegen das Vergessen.
„Sinti und Roma hatten keine Lobby“
Longerich: Aber es gab auch unterschiedliche Behördenleiter – die einen waren härter, die anderen haben…
Rose: Nein – ja, gut, Sie müssen wissen, nach 1945 gab's noch kein richtiges Recht. Da hatten Sie Glück – wenn Sie natürlich als Vertreter einer jüdischen Organisation aufgetreten sind, hatten Sie bessere Voraussetzungen, als wenn Sie angetreten sind als ein Angehöriger dieser Minderheit. Das Unrecht war nicht anerkannt…
Longerich: Also Sie hatten keine Lobby.
Rose: Sinti und Roma hatten keine Lobby. Der Holocaust wurde erst 1982 anerkannt, und das war ja eine wesentliche Voraussetzung. Mit der Bürgerrechtsarbeit hat sich natürlich die Denkungsweise und das Verhalten der Bürokratie geändert. Die Behörden der Landesentschädigungsbehörden haben hinterher auch andere Urteile gefällt und andere Entscheidungen getroffen und damalige Fehl- und rassistische, diskriminierende Entscheidungen widerrufen und positiv entschieden, aber in der damaligen Zeit, in den 50er- bis Anfang der 60er-, 70er-Jahre war das für viele Angehörige gewissermaßen nicht möglich, da Recht zu erlangen.
Identität und Aktion – der Kampf um Bürgerrechte
„Einer kam dann auf die Idee und sagte, warum gehen wir nicht dahin, wo der tiefste Einschnitt in unserer Geschichte war, nämlich in ein Konzentrationslager.“
Longerich: 1968 starb Ihr Vater Oskar, da waren Sie 22 Jahre alt, in einer Zeit also, wo junge Menschen gegen ihre autoritären Eltern aufbegehrten und wo sich auch gesellschaftliche Werte veränderten. War da für Sie klar, dass Sie in seine Fußstapfen treten wollen? Ich glaube, zu diesem Zeitpunkt waren Sie ja Antiquitätenhändler.
Rose: Ich hab das nie zielbewusst gemacht, und ich hab auch nie die Vorstellung gehabt, eines Tages eine Funktion für die Minderheit hier in Deutschland zu übernehmen. Ich war ein politischer Mensch, ich hab mich sehr für die Entwicklung in der Bundesrepublik interessiert. Die 68er waren für mich oder für unsere Gesellschaft insgesamt eine wichtige Voraussetzung zur Demokratisierung, zur historischen Aufarbeitung der NS-Verbrechen gewesen. Wissen Sie, ich war als junger Mensch immer auf der Suche auch nach einer Identität. Der Nationalsozialismus hat die Identität auch der Nachkriegsgeneration beschädigt. Das ging ja nicht nur den Überlebenden des Holocaust so, sondern das ging vielen so, die nach Frankreich oder in andere Länder West- oder Osteuropas gegangen sind – sie haben sich geschämt, weil sie mit dieser Geschichte konfrontiert worden sind. Auf der Suche nach Identität war für mich wichtig die Auseinandersetzung mit der Entwicklung unseres Staates und vor allen Dingen mit der Bewusstseinsbildung, den demokratischen Rechtsstaat zu stärken und die Verfassung zu verteidigen beziehungsweise die Verfassung als Identitätsmerkmal für eine neue Wahrnehmung meiner Situation in Deutschland zu entwickeln. Die Würde des Menschen ist unantastbar, Artikel 1. Artikel 3: Niemand darf wegen seiner Religion, seiner Hautfarbe, seiner Sprache und so weiter, und so weiter…
Longerich: Die möchten Sie auch gerade gerne verändern. Es gibt eine politische Diskussion um den Rassenbegriff…
Rose: Ja, ich habe mich auch dafür engagiert, weil der Begriff Rasse kein Begriff ist, den man in einer demokratischen Verfassung verwenden sollte. Es gibt keine Menschenrassen. Es gibt die verschiedenen Ethnien, es gibt die verschiedenen Nationalitäten und Volksgruppen, aber es gibt keine Rassen, und deswegen wende ich mich gegen diesen Begriff. Aber damit stehe ich ja nicht alleine.
Der Gesetzestext des Artikels 3 des Grundgesetzes mit dem Wort "Rasse" befindet sich auf einer Glasscheibe am Jakob-Kaiser-Haus in Berlin-Mitte, aufgenommen am 20.01.2016. Bei den insgesamt 19 gravierten Glasplatten am Parlamentsgebäude an der Spreepromenade handelt es sich um das Werk "Grundgesetz 49" des Künstlers Dani Karavan. Foto: S. Steinach - ACHTUNG! KEINE BILDFUNKVERWENDUNG - | Verwendung weltweit
Der Begriff Rasse „ist kontraproduktiv“
Das Wort „Rasse“ gehöre nicht ins Grundgesetz, sagt Susan Arndt. „Ich kann nicht sagen, es gibt Rassen, und gleichzeitig sagen, es soll keinen Rassismus geben“, meint die Mitherausgeberin des Buchs „Wie Rassismus aus Wörtern spricht“.
Gründung des Verbands Deutscher Sinti
Longerich: 1972 gründeten Sie mit Ihrem Onkel Vinzenz den Verband Deutscher Sinti, und ein Jahr später gilt als eine Art Initialzündung für den Kampf um Gleichberechtigung. Da wurde nämlich in Heidelberg bei einer Polizeirazzia der Sinto Anton Lehmann erschossen. Sie waren da 27 Jahre alt und initiierten daraufhin einen ersten Schweigemarsch. Mit Ihnen wurde der Protest auf einmal sichtbar, nämlich auf einem Campingplatz bei Aschaffenburg besprühten Sie ein Landfahrer-Verbotsschild mit schwarzer Farbe. Können Sie mal erklären, was da alles für Sie zusammenkam?
Rose: Diese Vorkommnisse gab es ja auch an anderen Orten, und wir sahen die Grundlage eben in der fortgesetzten Kriminalisierung unserer Minderheit in den Organen selbst, in den Schulungen der Polizei. Die Behörden gingen so weit, dass sie sogar die alten Stammbäume weiterverwendet hatten, die die Nazis angelegt hatten, oder die Dateien der Nazis aus dem Reichssicherheitshauptamt wurden ergänzt auf der Grundlage der Nachkriegsgeneration.
Longerich: In Bayern gab es da diese sogenannte Landfahrerzentrale.
Rose: Es gab in München zum Beispiel eine Behörde, die bis 1951 sogar unter der alten NS-Bezeichnung tätig war – „Zigeunerpolizei“, bis 1951 –, dann zur Tarnung in Landfahrerzentrale umbenannt worden ist. Es gab eine sogenannte Landfahrerverordnung, die eine Grundlage war für den einzelnen Beamten gewissermaßen vor Ort, wie er diesen Begriff zu verstehen hat. Das heißt also, wenn Angehörige der Minderheit auf einen Campingplatz wollten und Sie als Angehöriger der Minderheit erkennbar waren, dann sollten Sie erfasst werden, und dies bezog sich natürlich dann auf die gesamte Familie. Das heißt, die Beamten gingen so weit, dass sie damals auch bei den älteren Leuten sich den Arm zeigen ließen, auf dem die eintätowierte Auschwitz-Nummer registriert war, und das glichen sie dann mit den Unterlagen des Reichssicherheitshauptamtes in den 50er-, 60er- bis in die 70er-Jahre ab. Also das ist wirklich unfassbar und ein beschämender Vorgang, der die Unsensibilität und die nicht vorhandene Bewusstseinsbildung hatte, dass hier ein Verbrechen geschehen ist, für das es eine Verantwortung gibt.
Demonstration vor dem Bundeskriminalamt im Januar 1983.
Sinti- und Roma-Bürgerrechtsbewegung – Langer Kampf gegen Verfolgung
Erst 1982 erkannte die Bundesrepublik offiziell den nationalsozialistischen Massenmord an den Sinti und Roma an. Dieser Schritt musste erkämpft werden von einer kleinen, politisch aktiven Gruppe: der Sinti und Roma-Bürgerrechtsbewegung.
Hungerstreik 1980 gegen „fortgesetzte Kriminalisierung“
Longerich: Deshalb organisierten Sie mit anderen jungen Bürgerrechtlern und auch Überlebenden der Konzentrationslager Ostern 1980 einen Hungerstreik.
Rose: In Dachau, an dem zwölf Personen teilgenommen haben, fünf davon waren Überlebende der Konzentrationslager. Da war jemand dabei, der war in Auschwitz, jemand war selbst in Dachau, in Buchenwald, und sieben Nachkriegsgeborene. Die Forderungen waren ganz klar: Der Völkermord war noch nicht anerkannt. Wir wollten mit diesem Hungerstreik auf das Nachkriegsunrecht hinweisen. Wir wollten hinweisen auf die Sondererfassung durch Polizeibehörden auf der Grundlage der Abstammung und auf die fortgesetzte Kriminalisierung, auf die Polizeikontrollen, die in einem Ausmaß durchgeführt worden sind, das bei Kindern vor allen Dingen. Wenn schwer bewaffnete Polizeibeamte damals Menschen umstellt hatten, die mit einem Wohnwagen unterwegs waren, mit Maschinenpistolen und Schäferhunden, dann war das ein Vorgang, den man nicht mehr vergisst. Das waren die Nachkriegsspuren, wie wir in der Nachkriegszeit großgeworden sind.
Longerich: Sie haben dann da Ihre Pritschen in der Kirche aufgebaut, und zunächst einmal – das war ja 1980 – war Franz Josef Strauß bayerischer Ministerpräsident, und die bayrische Verwaltung lehnte ja Ihre Aktionen erst mal und berief sich auf ihr Hausrecht.
Rose: Ja, wir hatten den Hungerstreik natürlich vorbereitet, und die Überlegungen waren, in eine Kirche zu gehen. Einer aus der Minderheit kam dann auf die Idee und sagte, warum gehen wir nicht dahin, wo der tiefste Einschnitt in unserer Geschichte war, nämlich in ein Konzentrationslager. Da war naheliegend natürlich Dachau. Das haben wir der zuständigen Behörde mitgeteilt, das war in dem Fall die Schlösser- und Seenverwaltung in Bayern, die auch gleichzeitig die Konzentrationslager in ihrer Verwaltung hatten. Als ich ihnen mitgeteilt habe, dass wir dort einen Hungerstreik machen wollten, wurde mir mitgeteilt, dass sie das untersagen. Daraufhin habe ich einen Brief hingeschrieben, dass für die Konzentrationslager das Hausrecht bei den Überlebenden des Holocaust liegt, und genau das werden wir jetzt in Anspruch nehmen. Wir sind nach Dachau gegangen, die evangelische Kirche hat die Räumlichkeiten geöffnet, und die damalige Leiterin der Gedenkstätte Dachau hat uns damals sehr unterstützt.
1980 machten Rose und Mitstreiter Schlagzeilen durch einen einwöchigen Hungerstreik auf dem Gelände des ehemaligen KZ Dachau
1980 machten Rose und Mitstreiter Schlagzeilen durch einen einwöchigen Hungerstreik auf dem Gelände des ehemaligen KZ Dachau (picture alliance / dpa / Frank Leonhardt)
Longerich: Es dauerte ja sieben Tage.
Rose: Ja, ich kann mich daran erinnern. Was mich auch sehr beeindruckt hat, waren die Überlebenden, diese Leute erzählten dann. Zum Beispiel ein Herr Bamberger war dabei, der war selbst in Dachau gewesen, und mit dem wurden medizinische Versuche – der musste über einen längeren Zeitraum Meerwasser trinken. Das war im Interesse der Luftwaffe, dass wenn jemand abstürzt, wie lange er überleben kann. Was mich bestärkt hat, war das Bewusstsein gerade dieser Generation, die gesagt hat, wir haben das alles mitgemacht, und wir haben uns entschieden, in diesem Land zu bleiben, und wir wollten, dass unsere Kinder und unsere Enkelkinder die Sicherheit haben, und deswegen wollen wir uns an der Demokratisierung und an der historischen Aufarbeitung beteiligen. Wir wollen das nicht zulassen, dass dieses Kapitel des Verbrechens in der deutschen Öffentlichkeit überhaupt nicht bewusst ist.
Longerich: Sie haben ja ein internationales Medienecho bekommen, wahnsinnig viel Solidarität auch.
Rose: Selbst die „New York Times“ hat darüber damals berichtet. Es gab auch die Rückmeldungen aus der Bevölkerung heraus, was ja ganz besonders erfreulich war, von vielen jungen, aber auch bekannten Persönlichkeiten, die sich hier solidarisch an die Seite unserer Minderheit gestellt haben. Hans-Jochen Vogel ist nach Dachau als Justizminister gekommen, um das als Beispiel anzuführen. Wir haben ja dann auch die Verhandlungen geführt, und in unseren Forderungen an die bayrische Staatsregierung ging es ja eben auch darum, wir wollten den Verbleib der NS-Akten, wir wollten das Wissen über die Nachkriegs-angelegten Akten erfahren, und wir wollten die Versicherung, dass damit dieses Kapitel der Sondererfassung, der Kriminalisierung, der Hetze gegenüber unserer Minderheit innerhalb der Bürokratie ein Ende findet, aber darüber hinaus – Hans-Jochen Vogel kam ja als Bundesjustizminister –, darüber hinaus eben die Anerkennung des Holocaust.
Späte Würdigung von NS-Opfern
2012 wurde nach 20 Jahren Diskussion und Planung das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma in Berlin eingeweiht. Zuvor hatte es lange Debatten um die Notwendigkeit eines Mahnmals für Sinti und Roma, den Standort und sogar um die Inschrift gegeben.
Überdauernde Vorurteilen und neues Selbstbewusstsein – der Kampf geht weiter
„Große Hoffnung hab ich gerade in die jüngere Generation, die nicht mehr Diskriminierung als schicksalsgegeben akzeptiert.“
Longerich: Aber doch ganz scheint das ja bis heute nicht gelungen zu sein, wenn man daran denkt, dass Sie vor einiger Zeit noch die Berliner Polizei kritisiert haben, dass in der Kriminalstatistik von 2017 immer noch Sinti und Roma ausgewiesen werden. Jetzt ist die Diskussion über Racial Profiling und dass Bundesinnenminister Horst Seehofer dazu keine Studie möchte. Wie denken Sie darüber?
Rose: Wissen Sie, Sie sprechen ja damit ein wichtiges Kapitel an, nämlich auch dahingehend, wo Briefe versandt worden sind, mit größter Wahrscheinlichkeit aus dem Polizeibereich…
Longerich: Sie meinen die rechtsextremistischen Drohschreiben an Politikerinnen und Politiker und andere Prominente, deren persönliche Daten vorher von einem hessischen Polizeicomputer abgerufen wurden.
Amira Mohamed Ali, Fraktionsvorsitzende Die Linke im Bundestag
Rechte Strukturen – „Es ist dringend notwendig, ohne Scheu aufzudecken“
Die Ko-Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Amira Mohamed Ali, hat sich für eine schärfere Untersuchung rechter Strukturen in Sicherheitsbehörden ausgesprochen. Im Falle der Drohschreiben des sogenannten „NSU 2.0“ seien Ermittlungen der Bundesanwaltschaft nötig, sagte Mohamed Ali im Dlf.
Rose: Wissen Sie, diese Vorkommnisse, die erschrecken einen. Wenn man dann weiß, dass zum Beispiel dieses Versagen in den Ermittlungen von NSU, also wirklich augenscheinliche Fehler gemacht worden sind, dann fragt man sich wirklich, wie weit können wir uns auf unsere Sicherheitsbehörden der Polizei, des Verfassungsschutzes verlassen.
Longerich: Sie kämpfen jetzt schon seit so vielen Jahren genau dagegen an. Wird man dann irgendwann mutlos, dass man denkt, hab ich schon in den 80er-Jahren für gehungert.
Rose: Wir haben einen neuen Nationalismus in Deutschland, und den haben wir auch in anderen Ländern Europas. Ich halte diese Entwicklung für sehr gefährlich. Ich glaube, dass diese Dinge, die jetzt so ein Stückchen weit sichtbarer bewusst werden, die immer schon da gewesen sind, gefährlich für die Demokratie sind, also diese Netzwerke, dieses Agieren innerhalb der Behörden, und dass die Gesellschaft mehr begreifen muss, was auf dem Spiel steht. Ob wir das erhalten wollen, was uns über 70 Jahre inneren und äußeren Frieden gebracht hat und dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht in Granit fest verankert ist, sondern dass wir es verteidigen müssen gegen die anderen Kräfte. Es geht in der heutigen Diskussion nicht nur darum, uns an das Schicksal von Juden und Sinti und Roma zu erinnern, sondern an unsere gemeinsame Zukunft.
Polizisten kontrollieren in einem Park einen Schwarzen Mann.
Rechtsextremismus in der Polizei – Bei selbstkritischer Debatte noch „Luft nach oben“, sagt Kriminologe
Bei der Auseinandersetzung mit Rassismus und Rechtsextremismus sieht der Kriminologe Tobias Singelnstein vor allem die Polizei selbst in der Pflicht. Eine Art Korpsgeist verhindere oft eine offene Debatte, sagte er im Dlf. Doch die sei nötig, um das Vertrauen der Bürger zu gewinnen.
Rechten Netzwerken stärker nachgehen
Longerich: Gleichzeitig muss es doch aber auch für Sie Lichtblicke geben, zum Beispiel, dass die Bundesregierung eine Expertenkommission eingerichtet hat, die bis nächstes Jahr Handlungsempfehlungen erarbeiten soll, wie man Diskriminierung von Sinti und Roma bundesweit bekämpfen kann, oder wie jetzt das neue Antidiskriminierungsgesetz in Berlin.
Rose: Das sind richtige Antworten, aber wenn wir jetzt wieder schnell dabei sind zu versuchen, über diese Erkenntnisse drüber hinwegzugehen, ich glaube, wir müssen diesen Dingen parlamentarisch und eben durch Sonderermittler stärker nachgehen, sonst werden wir in diese Netzwerke, die es gibt, nicht hineinkommen.
Longerich: Wenn wir jetzt noch mal zurückgehen: Danach folgten mehrere wichtige Erfolge, nämlich im Februar 1982 gründete sich Ihr Zentralrat, knapp einen Monat später, am 17. März, erkannte dann auch der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt die Verbrechen des Völkermords an den Sinti und Roma an, 1995 dann die Anerkennung offiziell als Minderheit, und dann, 2012, das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas zwischen dem Reichstagsgebäude und dem Brandenburger Tor ganz prominent platziert. Ein langer Wunsch von Ihnen, aber es hat 20 Jahre gedauert, bis dieses Denkmal überhaupt eingeweiht wurde, und es gab viel Streit. Wenn wir jetzt noch mal darauf zurückblicken könnten, weil es ja ein sichtbares Zeichen auch des Gedenkens ist: Es gab Streit um den Ort, um die Inschrift, mit dem Zentralrat der Juden darum, ob die Shoah nun einmalig ist, und nun gibt es wieder Aufregung, und diesmal ist ein S-Bahn-Tunnel schuld.
Rose: Es gab bereits 2017/2018 Gespräche der Deutschen Bahn mit dem Berliner Senat und mit der Stiftung Denkmal, über die wir nicht informiert worden sind. Wir haben wohl mal von der Stiftung Denkmal die Information bekommen, dass es da Planungen gibt der S21, also vom Hauptbahnhof zum Bundestag. Aber wir haben das nicht ernst genommen, weil die Gespräche nie auch in unsere Richtung geführt worden sind oder aufgenommen worden sind, bis man uns im März etwas konkreter informiert hat und ich dann das Gespräch mit dem Vorsitzenden dieser Kommission der Deutschen Bahn geführt habe, wo man mir gesagt hat, dass man, wenn man diese Linie so führt, auch das Denkmal miteinbeziehen müsste. Daraufhin hab ich gesagt, weil das für mich ein vollkommen unfassbarer Gedanke gewesen ist, dass man da Planungen macht und mit dem Zentralrat keine Gespräche führt. Zwischenzeitlich ist klar, man hat nie die Absicht gehabt, das Denkmal ernsthaft infrage zu stellen, aber diese Baugrube, dieser Lärm hätte das Denkmal in seiner Funktion unmöglich gemacht. Das Denkmal soll erinnern, und es soll die Opfer würdigen. Der Zentralrat will sich einer Lösung natürlich nicht versperren, aber dazu muss man ins Gespräch treten und man muss erst mal sagen, wie die Planung ist und inwieweit diese Planung das Denkmal tangieren würde.
Kundgebung der Neonazi-Partei "Die Rechte" für die verurteilte und inhaftierte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck am Jahrestag der Nazi-Reichpogromnacht am 9. November in Bielefeld.
Rechte Gewalt als Konstante deutscher Geschichte
Rassistisch oder nationalistisch motivierte Gewalt ist als Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte noch kaum erforscht. Auch die Geschichte von Solidarität und Gegenwehr der Opfer ist erst lückenhaft dokumentiert. Der „Zeithistorische Arbeitskreis Extreme Rechte“ versucht eine Bestandsaufnahme.
„Wir haben eine Armut in Europa“
Longerich: Was könnten Sie sich denn vorstellen, einen Kompromiss?
Rose: Wissen Sie, wir versperren uns einer Lösung nicht, wir sind Teil dieser Gesellschaft, aber wir erwarten den Respekt vor diesem Ort, und der muss berücksichtigt werden und muss eingehalten werden, und da waren die vorangegangenen Gespräche in diese Richtung überhaupt nicht erkennbar.
Longerich: Mit der politischen Wende 1989 kamen auf einmal ganz neue Herausforderungen auf Sie zu. Es galt, die wenigen sich noch bekennenden Sinti der ehemaligen DDR zu integrieren, aber vor allem auch die Roma aus dem Kosovo und Polen, die Schutz in Deutschland suchten, und mit der EU-Osterweiterung und Arbeitnehmerfreizügigkeit kamen dann viele Roma aus Bulgarien und Rumänien. Wo ist der gemeinsame Nenner von all diesen Menschen, die ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, die aus vielen verschiedenen Ländern kommen oder seit Jahrhunderten hier schon leben?
Rose: Einen gemeinsamen Nenner gibt es so nicht. Diese Leute, die kommen ja nicht her und sagen, sie sind Angehörige der Minderheit. Wenn Sie da ins Ruhrgebiet gehen, Duisburg und so weiter, da weiß ich, dass da Leute leben, die gewissermaßen tagsüber an einem Punkt stehen, und dann kommen Autos, holen sie ab und fahren zum Bau, und dann kriegen sie vier, fünf Euro Stundenlohn, den kriegen sie dann im Endeffekt noch nicht mal ausbezahlt. Damit wollen sie ihre Familien in ihren Heimatländern unterstützen. Die verbringen ihren Tag auf einer Matratze, für die sie dann noch 200 oder 300 Euro an den Vermieter bezahlen müssen, also die paar Quadratmeter, die ihnen da zur Verfügung stehen. Dies aber nur abzuhandeln unter dem Aspekt Minderheitenmigration, das halte ich für diese Situation nicht gerechtfertigt. Wir haben eine Armut in Europa. Wir ignorieren das. Der Zentralrat ist nur dann in Erscheinung getreten, wenn es darum ging, dass diese Leute dann in der Öffentlichkeit stigmatisiert worden sind und man das Ganze zu einem Minderheitenproblem hochstilisiert hat, was ein Problem Osteuropas ist.
Ein rumänisches Romakind, drei Jahre alt, zwischen Müll, dass neben einem Hund steht und versucht, seine Kekse vor ihm zu verstecken.
Antiziganismus in Rumänien
In Rumänien leben Millionen Roma. Den meisten fehlt Zugang zu Wohnung, Gesundheitssystem, Bildung oder dem regulären Arbeitsmarkt. Viele sind Tagelöhner und leben in Slums am Rand der Dörfer und Städte.
Probleme angehen, nicht Minderheiten stigmatisieren
Longerich: Sie meinen, dass die Sinti und Roma Müll verbreiten, Sozialbetrug begehen, all diese Sache, auf die es oftmals heruntergebrochen wird. Wird zu wenig über die Hintergründe diskutiert?
Rose: Bei uns begehen viele Leute Steuerbetrug, aber das sind Steuersünder. Die anderen kriminalisiert man mit einem kriminalisierenden Begriff.
Longerich: Aber mir geht es gerade um die Differenzierung. Was würden Sie sich wünschen, wie darüber geredet wird?
Rose: Dass man das Problem angeht und dieses Problem nicht an einer Minderheit festmacht, um sie damit zu stigmatisieren.
Longerich: Ist das auch einer der Gründe, warum viele Sinti und Roma in Deutschland anonym leben?
Rose: Die Vorurteile gegenüber unserer Minderheit reichen weit in die deutsche und in die europäischen Geschichte zurück, und sie sind die Grundlage für die Ausgrenzung und für die Stigmatisierung, wie sie oftmals die Angehörigen unserer Minderheit in ihrem alltäglichen Leben verspüren – bei der Arbeitssuche, bei der Wohnungssuche, in Lokalen, in Diskotheken, im allgemeinen Leben. Um dem zu entgehen, mit ihren Nachbarn leben zu können, ist es für sie wichtig, sich nicht mit ihrer Zugehörigkeit zu erkennen zu geben.
Das Bild "Back To The Future! Safe European Home" von Damian Le Bas zeigt eine Europakarte vn 1938, die der Künstler übermalt hat.
RomArchive – Sinti und Roma als Storyteller in eigener Sache
Hunderte Jahre Kulturgeschichte der Sinti und Roma mit wenigen Klicks erfahrbar machen – das digitale RomArchive bündelt Beiträge internationaler Kunst aller Gattungen – und zeigt damit auch die Sicht der Sinti und Roma auf sich selbst.
„Große Hoffnung setze ich auf die jüngere Generation“
Longerich: Gleichzeitig findet man aber gerade bei der jüngeren Generation auch ein großes Selbstbewusstsein. Da werden auch selbstbewusst T-Shirts getragen, es gibt das RomArchive, das ausgezeichnet wurde jetzt mit dem Grimme Online Award, also es scheint ja auch ein neues Selbstbewusstsein heranzuwachsen.
Rose: Große Hoffnung setze ich gerade auf die jüngere Generation, die nicht mehr Diskriminierung als schicksalsgegeben akzeptiert, sondern die sich zur Wehr setzen, die sich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen und die sich gesellschaftlich am Demokratisierungsprozess beteiligen wollen und die sich eben auch gleichzeitig mit ihrer eigenen Geschichte identifizieren und Diskriminierung und Rassismus nicht mehr akzeptieren wollen.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
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Das Zigeunerlager Ravensburg Ummenwinkel: Die Verfolgung der oberschwäbischen Sinti Taschenbuch – 25. August 2016
Im November 1937 errichtete die Stadt Ravensburg in kommunaler Eigeninitiative ohne Rechtsgrundlage ein Zigeunerlager. Dies markierte den vorläufigen Höhepunkt einer Politik der Abschreckung, die sich nach dem Ersten Weltkrieg zunehmend verschärft hatte und auf die Vertreibung der Ravensburger Sinti zielte. Etwa 100 Sinti, darunter rund 60 Kinder und Jugendliche, waren im Zwangslager Ravensburg Ummenwinkel interniert. Sie waren vor dem Bau des Lagers „rassenbiologisch“ erfasst worden. Die „Gutachten“ dienten als Grundlage für die Selektion der zwangsinternierten Sinti, von denen im März 1943 rund drei Dutzend nach Auschwitz deportiert wurden. Die im Zigeunerlager verbliebenen Sinti lebten weiter unter elenden Bedingungen, mussten Zwangsarbeit leisten oder wurden in anderen Lagern interniert. Die wenigen Überlebenden kehrten 1945 in ihren Heimatort zurück. Für sie begann ein langjähriger Kampf um Anerkennung und Entschädigung.
The fate of roma and Sinti in Auschwitz
Auschwitz Memorial / Muzeum Auschwitz
https://www.facebook.com/auschwitzmemorial
2 Std. ·
12 May 1944 | A group of 39 Roma and Sinti children (20 boys and 19 girls) deported from the St. Josefspflege orphanage in Mulfingen, near Stuttgart were registered at Birkenau.
Dr. Robert Ritter and Eva Justin of the Institute for the Study of Racial Hygiene carried out various tests on them before deportation. The main purpose of this research was to confirm that the supposed "Gypsy" traits were inborn. When the children became useless, they could be deported.
Only four of the children survived.
Here (https://www.youtube.com/watch?v=MzEUO8YNKuc) you can see footage taken at St. Josefspflege orphanage, c. 1943, by Eva Justin for her PhD dissertation.
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Learn about the fate of some 23 thousand Roma and Sinti deported to Auschwitz.
🔹 online lesson: http://lekcja.auschwitz.org/en_roma_auschwitz/
🔹 Spotify Podcast-Folge
ON Auschwitz (7) : The fate of roma and Sinti in Auschwitz
9. Aug. 2021
47 Min. 8 Sek.
Beschreibung der Folge
At least 23,000 Roma and Sinti people - including 11 thousand children were deported by the Nazi German regime to Auschwitz. After the Jews and Poles they are the third largest groups of the victims of the camp.
https://open.spotify.com/
Siehe auch:



