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HISTORISCHES:
NSDAP u.a. in Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis
und in Baden-Württemberg
- u.a. in juristischen Aufarbeitungen
ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis,
unter Führung und Verantwortung
des Direktors Dr. Lars Niesler,
Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ)
der CDU Baden-Württemberg,
sowie unter unter der Amtsführung und unter der Dienstaufsicht
der Präsidentin des Landgerichts Mosbach Jutta Kretz,
ehemalige Direktorin der Amtsgerichte Sinsheim und Heidelberg
Zuletzt aktualisiert am 17.05.2026 !
Nazi-Juristen, NSDAP vor 1945 und CDU nach 1945
auch im Neckar-Odenwaldkreis
Die Richterin am Amtsgericht Mosbach Marina Hess verweigert seit 2022 HIER AKTENKUNDIG HALTBAR NACHWEISBAR im Verfahrenskomplex (6F 202/21, 6F 9/22, 6F 2/23, 6F 2/22, etc., sowie amtsseitige KV-Sonderbände zu Nationalsozialismus, Rechtsextremismus, Rassismus) die folgenden KONKRETEN NS-relevanten Sachverhalte per gerichtlicher Verfügung zu benennen, per gerichtlicher Verfügung die diesbzgl. juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach u.a. mit Prüfungen und Zuständigkeitsverweisungen zu veranlassen:
Unter dem CDU-geführten Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis, durch den Direktor des Amtsgerichts Mosbach Dr. Lars Niesler, Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ) der CDU Baden-Württemberg, verweigert die Richterin am Amtsgericht Mosbach Marina Hess seit 2022 im o.g. Verfahrenskomplex per gerichtlicher Verfügung zu benennen und juristisch aufarbeiten zu lassen die NS-relevanten Sachverhalte der Nazi-Juristen, bzw. der Juristen als NS-Funktionseliten und/oder z.T. der NSDAP-Mitglieder vor 1945 und dann aber in der Kontinuität von NS-Funktionseliten nach 1945 als CDU-Mitglieder-Juristen wie u.a. Hans Filbinger, Hans Globke, Erwin Karl Eduard Albrecht, Werner Bertheau, Otto Fürst von Bismarck, Herbert Blankenhorn, Gustav Bosselmann, Bruno Brandes, Karl Carstens, Hermann Conring, Franz Etzel, Hans Furler, Helmut Grube, Hans Krüger, Helmut Lemke, Oskar Lutz, Albert Maier, Artur Missbach, Wolfgang Mülberger, Otto Müller-Haccius, Jules Eberhard Noltenius, Karl Pelte, Hans Puvogel, Egon Reinert, Karl Schiess, Ernst Schoof, Gerhard Schröder, Paul Oskar Schuster, Camill Wurz, etc.
Unter dem CDU-geführten Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis, durch den Direktor des Amtsgerichts Mosbach Dr. Lars Niesler, Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ) der CDU Baden-Württemberg, verweigert die Richterin am Amtsgericht Mosbach Marina Hess seit 2022 im o.g. Verfahrenskomplex per gerichtlicher Verfügung zu benennen und juristisch aufarbeiten zu lassen, dass ehemalige NSDAP-Mitglieder als Abgeordnete im Nachkriegs-Parlament in der CDU/CSU einen Anteil bei ca. 29% haben.
Unter dem CDU-geführten Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis, durch den Direktor des Amtsgerichts Mosbach Dr. Lars Niesler, Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ) der CDU Baden-Württemberg, verweigert die Richterin am Amtsgericht Mosbach Marina Hess seit 2022 per gerichtlicher Verfügung zu benennen und juristisch aufarbeiten zu lassen, dass von 1974 bis 1985 der CDU-Politiker Fritz Baier Oberbürgermeister von Mosbach gewesen war. Zum 01.09.1941 mit der NSDAP-Mitgliedsnummer 8.635.931 diente Fritz Baier von 1942 bis 1945 in der Luftwaffe im Nazi-Terror-, Angriffs- und Vernichtungskrieg und wurde 1993 wurde Ehrenbürger der Stadt Mosbach. Unter dem CDU-geführten Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis, durch den Direktor des Amtsgerichts Mosbach Dr. Lars Niesler, Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ) der CDU Baden-Württemberg, verweigert die Richterin am Amtsgericht Mosbach Marina Hess seit 2022 im o.g. Verfahrenskomplex die Aberkennung der Mosbacher Ehrenbürgerschaft des CDU-Politikers und NSDAP-Mitglieds Fritz Baier per gerichtlicher Verfügung prüfen zu lassen. Baier war seit 1952 Mitglied des CDU-Landesvorstandes in Baden-Württemberg.
- NS- und Rechtsextremismus-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach unter Führung und Verantwortung des CDU-Direktors Dr. Lars Niesler und unter der Dienstaufsicht der Präsidentin des Landgerichts Mosbach Jutta Kretz
1.1 Gerichtlich verfügte Beauftragung der forensischen familienpsychologischen sachverständigen Gutachterin aus Kitzingen Antje Wieck durch das Amtsgericht Mosbach bezüglich der gerichtlichen und außergerichtlichen Anti-Nazi-Aktivitäten des Antragstellers - Online-Artikel zur NSDAP, auch zur Mosbacher NSDAP im Neckar-Odenwaldkreis
- Online-Artikel zur NSDAP, auch zum Neckar-Odenwaldkreis und in Baden-Württemberg
SIEHE AUCH: AKTUELLES: Relativierung, Verharmlosung und Leugnung von NS-Verbrechen >>> SIEHE AUCH: HISTORISCHES & AKTUELLES: NS-Widerstand - Erinnern, Gedenken, Ehren - Lehren für Gegenwart und Zukunft >>> SIEHE AUCH: HISTORISCHES & AKTUELLES: Judenverfolgung und Anti-Semitismus seit 1945 >>>
1. 1. NS- und Rechtsextremismus-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach unter Führung und Verantwortung
des CDU-Direktors Dr. Lars Niesler und unter der Dienstaufsicht der Präsidentin des Landgerichts Mosbach Jutta Kretz
Amtsgericht Mosbach | NS- und Rechtsextremismus-Verfahren bei der Mosbacher Justiz: |
Nach Rechtsauffassung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg mit Beschluss vom 15.12.2022 - 6 S 1420/22 - unterliegt der Nationalsozialismus nicht der grundrechtlich geschützten Weltanschauungsfreiheit gemäß Art. 4 Abs. 1 GG.
Das Amtsgericht Mosbach hat jedoch seit dem 03.06.2022 eine gemäß § 158 StPO ordnungsgemäße Eingangsbestätigung mit den Benennungen der Konkreten Eingabedaten, der Konkreten Sachverhaltsbenennungen mit einer kurzen Zusammenfassung der Angaben zu Tatzeit, Tatort und angezeigter Tat, insbesondere zu beantragten NS- und Rechtsextremismusverfahren, bisher ausdrücklich und EXPLIZIT versagt und NICHT ausgestellt.
Auch für die beim Amtsgericht Mosbach beantragten Wiederaufnahmeverfahren und gerichtlichen Prüfungen in NS- und Rechtsextremismus-Angelegenheiten verweigert das Amtsgericht Mosbach ordnungsgemäße Eingangs- und Weiterbearbeitungsbestätigungen mit konkreten Sachverhaltsbenennungen.
Siehe dazu auch Umgang des Amtsgerichts Mosbach mit NS- und Rechtsextremismusverfahren >>>
Expertise der Forensischen Sachverständigen MA Antje C. Wieck aus Kitzingen zur Aufarbeitung von NS-Verbrechen und NS-Unrecht in der NS-Vergangenheitsbewältigung
Die HIER fallverantwortliche Richterin beim Amtsgericht Mosbach Marina Hess verfügt HIER unter 6F 9/22 und 6F 202/21 am 17.08.2022 EXPLIZIT, dass die gerichtlich beauftragte familienpsychologische Forensische Sachverständige für Familienrecht MA Antje C. Wieck, Praxis für KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPIE, Moltkestr. 2, 97318 Kitzingen, eine INHALTLICHE Sachverständigen-Auseinandersetzung mit der Dokumentations-Website "nationalsozialismus-in-mosbach.de" des Kindsvaters, Beschwerdeführers und Nazi-Jägers Bernd Michael Uhl durchführen solle (Siehe im Folgenden!), die diese Sachverständige Gutachterin HIER ABER AKTENKUNDIG NACHWEISBAR im anhängigen Verfahrenskomplex während ihren zwei gerichtlich bestellten Sachverständigengutachten von 2022 bis 2024 DANN ÜBERHAUPT NICHT durchführt.
UND DIES HIER EXPLIZIT AUCH NICHT bzgl. der DARIN KONKRET thematisierten nationalsozialistischen Verbrechen bis 1945 und deren juristischen, politischen und zivilgesellschaftlichen Aufarbeitungen in der NS-Vergangenheitsbewältigung seit 1945, insbesondere HIER auch in der lokalen-regionalen Fall- und Verfahrenszuständigkeit für Mosbach und für den Neckar-Odenwaldkreis.
Die HIER fallverantwortliche Richterin beim Amtsgericht Mosbach Marina Hess verfügt HIER unter 6F 9/22 und 6F 202/21 am 17.08.2022 EXPLIZIT bei der von ihr selbst gerichtlich beauftragten familienpsychologischen Forensischen Sachverständigen für Familienrecht MA Antje C. Wieck, Praxis für KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPIE, Moltkestr. 2, 97318 Kitzingen eine Sachverständigen-Begutachtung bezüglich "der Notwendigkeit einer psychiatrischen Begutachtung" des Kindsvaters, Beschwerdeführers und Nazi-Jägers Bernd Michael Uhl "zur Beurteilung seiner Erziehungsfähigkeit" (Siehe im Folgenden!). UND DIES NACHDEM UNMITTELBAR ZUVOR das erste gerichtlich beauftragte familienpsychologische Gutachten vom 07.04.2022 unter 6F 202/21 und 6F 9/22 sich für den perspektivischen Verbleib des damals anderthalb Jahre alten Kindes beim Kindsvater ausspricht. HIERBEI unterstellt die fallverantwortliche Mosbacher Amts-Familienrichterin Marina Hess im familienrechtlichen Zivilprozess dem Kindsvater, Beschwerdeführer und Bernd Michael Uhl eine mögliche angebliche psychische Erkrankung und eine damit einhergehende eingeschränkte Erziehungsfähigkeit auf Grund seiner konkreten Nazi-Jäger-Eingaben zu den seinerseits beim Amtsgericht Mosbach beantragten juristischen Aufarbeitungen von konkreten Tatbeteiligungen an NS-Verbrechen und NS-Unrecht 1933-1945 und deren mangelhaften juristischen Aufarbeitungen seitens der deutschen Nachkriegsjustiz seit 1945. UND DIES HIER insbesondere auch in der lokalen-regionalen Fall- und Verfahrenszuständigkeit bei NS-Verbrechen und NS-Unrecht in Mosbach und im Neckar-Odenwaldkreis sowie bezüglich dem Versagen der Mosbacher Nachkriegsjustiz seit 1945 bei deren juristischen Aufarbeitungen.
SIEHE DAZU AUCH:
- Rechtsanwaltlicher und gerichtlicher Umgang mit Sachverständigen-Gutachten in Fallbegleitungen - Verfahrensführungen - Verfahrensbearbeitungen- Verfahrensbegleitungen durch RECHTSANWALT Simon Sommer >>>
- Verfahrensinhaltliche und prozessuale Benachteiligungen des Mandanten von Rechtsanwalt Simon Sommer beim Amtsgericht Mosbach unter 6F 211/21, 6F 202/21, 6F 9/22, 6F 2/23, 6F 2/22, etc. sowie unter amtsseitigen KV-BS-Sonderbänden zu Nationalsozialismus, Rechtsextremismus, Rassismus >>>
1.1 Gerichtlich verfügte Beauftragung der forensischen familienpsychologischen sachverständigen Gutachterin aus Kitzingen Antje Wieck durch das Amtsgericht Mosbach bezüglich der gerichtlichen und außergerichtlichen Anti-Nazi-Aktivitäten des Antragstellers
Das Familiengericht-Amtsgericht Mosbach, Hauptstraße 110, 74281 Mosbach, beauftragt die forensische Sachverständige aus Moltkestr. 2, 97318 Kitzingen, in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 unter 6F 202/21, die Anti-Nazi-Aktivitäten des KVs und Antragstellers in einer ergänzenden Stellungnahme gutachterlich einzuschätzen und zu bewerten. Dazu zählen laut Anweisungen dieser amtsgerichtlichen Verfügungen SOWOHL die seit Sommer 2022 vom Antragsteller beim Amtsgericht Mosbach initiierten NS- und Rechtsextremismus-Verfahren ALS AUCH seine außergerichtlichen und gerichtlichen Aufklärungs- und Aufarbeitungsbemühungen zu Nationalsozialistischem Unrecht und Nationalsozialistischen Verbrechen aus dem Zeitraum um 2008, d.h. konkret von 2004 bis 2011, im Rahmen seiner sogenannten "Nazi-Jäger"-Aktivitäten im sachverhaltsbezogenen Kontext zur Problematik des Nationalsozialismus vor und nach 1945 und dessen Aufarbeitung bis heute. Siehe dazu auch Kapitel *** auf dieser Seite.
Das Amtsgericht Mosbach BEAUFTRAGT EXPLIZIT in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 unter 6F 202/21 die forensische Sachverständige aus Kitzingen, eine GUTACHTERLICHE STELLUNGNAHME ZU DEN OPFERN UND VERFOLGTEN EINEESEITS SOWIE ANDERERSEITS ZU DEN TÄTER*INNEN VON NAZI-VERBRECHEN UND DES NS-TERROR- UND VERNICHTUNGSREGIMES, auch in der NS-Vergangenheitsbewältigung nach 1945, auch in Mosbach und Baden, am Beispiel des Antragstellers von NS- und Rechtsextremismus-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach in 2022 mit seinen jahrelangen Bemühungen um die außergerichtliche und gerichtliche Aufarbeitung von Nationalsozialistischem Unrecht und Nationalsozialistischen Verbrechen an das deutsche BRD-Amtsgericht Mosbach im Jahr 2022 zu erstellen.
2. Online-Artikel zur NSDAP, auch zur Mosbacher NSDAP im Neckar-Odenwaldkreis
Heidelberger Beobachter: Kampfblatt der Nationalsozialisten für Odenwald und Bauland
Mittwoch, den 27. Januar 1932.
2. Jahr. / Nr L2
Strahlender blauer Himmel leuchtet über dem Winkerhauch. Von allen Seiten eilen Nationalsozialisten nach unserem kleinen Ork. In allen Mienen Ernst und Trauer. Gilt es doch einen wackeren, treuen Kämpfer aus Adolf Hitlers brauner Schar, den SA-Mann Otto Weber von Mülben, den ein grausames Geschick infolge eines Unglücksfalles mitten aus seinem blühenden Leben und seiner Tätigkeit gerissen hat, zu Grabe zu geleiten. Es sollte ihm nicht mehr vergönnt sein, bis zum Ziel unseres Kampfes als guter Kamerad, der er immer war, mit uns zu marschieren. Die SA-Stürme 11, 13 und 25, die SS-Abteilungen Eberbach und Mosbach und viele Parteigenossen von überallher waren herbeigeeilt, um dem Toten das letzte Geleit zu geben. Nach der Einsegnung vor dem Hause und Vortrag von Chören des Gesangvereins Mülben und des Kirchenchors Strümpfelbrunn und eines Musikstückes des Fahrenbacher Posaunenchors bewegte sich «in unendlicher Zug unter dumpfem Trommelwirbel nach dem Friedhof. Voraus SA- und SS-Kameraden. Durch ein langes Spalier von SA und SS wurde der Tote nach seinem Grabe getragen, nochmals von seinen Kameraden mit erhobener Hand gegrüßt und nach einer ergreifenden Ansprache des Geistlichen unter dumpfem Trommelwirbel und gesenkter Fahne seinem Grabe übergeben. Der Führer des Sturmbannes 11/116 legte mit ehrenden Gedenk- und Abschiedsworten einen Kranz am Grabe nieder: ihm folgte mit Kranzniederlegung unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden die SA Fahrenbach, bei der er zuletzt stand, dann die Ortsgruppe Mosbach der NSDAP, und die SS-Mosbach, worauf auch der Bezirksleiter des Bezirkes Mosbach der NSDAP, mit Worten tiefer Trauer dem Toten einen letzten Gruß unter Riederlegung eines Kranzes widmete. Stumm grüßt die SA und SS ihren toten Kameraden, zum Zeichen, daß sie seiner nie vergessen werde. Wenn wir unser heiß ersehntes Ziel erreicht haben, wird auch immer ehrend des treuen und wackeren Kämpfers Otto Weber gedacht werden.
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/
Volksgemeinschaft: Heidelberger Beobachter, NS-Zeitung für Nordbaden (6) — 1936 (Juli bis Dezember)
vom Reichskriegerbund
Der Bundesführer, SS-Oberführer Oberst a. D. Reinhardt, hat anlässlich des Reichskriegertages bekanntgegeben, dass der frühere Landesverband Baden des Reichskriegerbundes wieder gebildet wird und am vergangenen Sonntag hat in Donaueschingen bereits der neue Gau, der mit Wirkung vom 1. Juli gegründet, getagt. Zum neuen Gauverband gehören die Bezirksverbände Karlsruhe, Offenburg, Donaueschingen, Freiburg, Lörrach Konstanz und Mosbach. Als Gauführer wurde der bisherige Bezirksführer von Freiburg, Oberstleutnant a. D. Knecht, bestimmt. Während dem ... Gauverband der nordbadische Bezirksverband Mosbach zugeteilt wurde, bleiben die ehemals zum Badischen Landesverband gebörenden Bezirksverbände Mannheim, Heidelberg und Wiesloch bei dem vor zwei Jahren aufgestellten Landesverband Kurpfalz.
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/
Gau Baden der NSDAP
1925
Bildung des Gaues Baden.
1940
Zum Gau Baden tritt das Elsaß.
1. 1. 1945
Der Gau Baden der NSDAP umfaßt die folgenden Gebiete:
Land Baden ohne:
die Gemeinde Allfeld (teilweise)1 - Landkreis Mosbach -, die Gemeinden Adelsreute, Burgweiler (teilweise)2und Wangen - Landkreis Überlingen - und die Gemeinde Schluchtern - Landkreis Sinsheim -,
vom Land Hessen die Stadt Wimpfen (teilweise)3 - Landkreis Bergstraße -,
vom Land Preußen die Gemeinden Gaisweiler (teilweise)4, Igelwies, Selgetsweiler (teilweise)5, Vilsingen (teilweise)6 und Thalheim - alle Landkreis Sigmaringen -,
vom Land Württemberg die Stadt Tuttlingen (teilweise)7 - Landkreis Tuttlingen - und die Gemeinden Berensfelden (teilweise)8 und Deubach - Landkreis Mergentheim -.
Sitz der Gauleitung ist Karlsruhe.
Gauleiter (Gau Baden):
- 25. 3. 1925: Robert Wagner in Karlsruhe.
http://www.territorial.de/
Siehe auch :
- Nazi-Terror-Justiz und Nazi-Juristen >>>
- Nazi-Justiz in Mosbach (Baden) >>>
- Gerichtliche NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach >>>
- Gestapo in Mosbach (Baden) >>>
- NSDAP in Mosbach (Baden) >>>
- NS-Organisation und Verwaltung >>>
ROBERT WAGNER, GAULEITER, REICHSSTATTHALTER IN BADEN UND CHEF DER ZIVILVERWALTUNG IM ELSASS
12. Dezember 2014, von Marie Muschalek
Robert Wagner wurde am 13. Oktober 1895 in Lindach bei Eberbach am Neckar als Robert Heinrich Backfisch geboren. Später nahm er den Mädchennamen der Mutter an. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges brach er die von ihm begonnene Lehrerausbildung ab und meldete sich als Freiwilliger. Das Soldatendasein lag ihm: bäuerlich-kleinbürgerlich sozialisiert, aus protestantischem Hause, strebte er nach einer disziplinierten, einfachen sowie anständigen Lebensführung und nach ehrenhafter Pflichterfüllung. Innerhalb kürzester Zeit stieg er zum Leutnant auf und erhielt mehrere Auszeichnungen.
Das Ende des Krieges am 9. November 1918 empfand Wagner als „unglücklichste[n] Tag [seines] Lebens.“1 Statt die Lehrerausbildung wieder aufzunehmen entschied er Berufssoldat zu werden. Die deutsche Niederlage, das Ende der Monarchie und der von ihm als Schmach empfundene Versailler Vertrag markierten höchstwahrscheinlich den Beginn von Wagners Politisierung. 1923 nahm der damals 28-Jährige am Hitlerputsch teil, was zu seiner Entlassung aus der Reichswehr führte. Ohne Abitur, ohne abgeschlossene Ausbildung und ohne Beruf widmete sich Wagner von nun an ganz der „Bewegung“. In seiner badischen Heimat machte er sich an den Aufbau der NSDAP. 1925 betraute Hitler ihn mit der dortigen Gauleitung. Ab diesem Zeitpunkt sollte er beinahe unangefochten über zwei Jahrzehnte lang der mächtigste Vertreter des Nationalsozialismus in Baden, später auch im Elsass, sein.
Nach der Machtübertragung übernahm Wagner kurzerhand kommissarisch die politischen Geschäfte in Baden. Sogleich begann er mit der Gleichschaltung des Landes und der Verfolgung politischer Gegner. Ab Mai 1933 bekleidete er zusätzlich das staatliche Amt des Reichsstatthalters und war somit die vom Reich befugte Aufsichtsinstanz über die Landesregierung. Schließlich, im Juni 1940, nach dem schnellen Sieg der Wehrmacht über Frankreich, wurde Robert Wagner Chef der Zivilverwaltung im Elsass und er verlegte seinen Verwaltungssitz nach Straßburg.
Wagners Handeln war maßgeblich von seinem hohen Maß an Organisations- und Führungstalent als auch von seinem Sinn für Propagandaarbeit geprägt. Seine badische Interessenspolitik gegenüber dem Reich – besonders im Bereich der Wirtschaft – brachte ihm Rückhalt in der örtlichen Bevölkerung. Selbst seine rücksichtslose, aus tiefer antisemitischer Überzeugung geführte Vertreibungspolitik hatte zum Teil kalkulierende, auf Machtdemonstration zielende Elemente. Bereits im Oktober 1940 – also ein Jahr vor dem Beginn der planmäßigen Massendeportationen aus dem Reich – initiierte Wagner gemeinsam mit dem Gauleiter der Westmark, Josef Bürckel, die Abschiebung einer großen Zahl badischer, pfälzischer sowie elsässischer Jüdinnen und Juden in das südfranzösische Internierungslager Gurs. Deren geraubtes Vermögen ließ der auf Ordnung und Rechtschaffenheit beharrende Wagner akribisch verwalten und zu Gunsten des Landes Baden versteigern. Auch im Elsass bestimmten Wagners Ambitionen zum mustergültigen Nationalsozialisten seine Politik. Dort verfolgte er eine beispiellos rapide, einem antifranzösischen Kreuzzug gleichende Volkstumspolitik, mit der er die von Hitler vorgegebene Zehnjahresfrist zur Germanisierung des Elsass noch unterbieten wollte. Diese Politik hatte aber letztendlich einen gegenteiligen Effekt.
Nach dem Krieg, im April 1946, wurde Wagner für seine im Elsass begangenen Verbrechen vor ein französisches Militärgericht gestellt. Am 3. Mai 1946 verkündete das Gericht Wagners Todesurteil. Er wurde am 14. August 1946 um 5 Uhr morgens hingerichtet.
https://ns-ministerien-bw.de/
„MITARBEIT AM WERK UNSERES FÜHRERS“: EINE BIOGRAPHIE HERBERT KRAFTS ALS PUZZLETEIL ZUM VERSTÄNDNIS DER NATIONALSOZIALISTISCHEN HERRSCHAFT
3. August 2017, von Joey Rauschenberger
In seiner Rede auf einer Versammlung in der Odenwaldgemeinde Mülben am 24. August, also vor seiner Absichtsbekundung an Hitler, weniger hetzen, als überzeugen zu wollen, hatte Kraft noch unmissverständlich klargestellt: „Die Führer und die Macher des 9. November waren alle Juden und deswegen bin ich Antisemit“.[263] Derselben Rede hatte er auch noch vorangestellt, er könne „nicht so frei reden […], wie ich möchte, ich muß mir Zwang auferlegen.“[264]
Bisher der Öffentlichkeit unbekannt war die Tatsache, dass Kraft selbst für die Reichstagswahl 1930 als Kandidat aufgestellt war.[265] Da Kraft trotz des überwältigenden Wahlerfolgs von 18,33 % nicht in den Reichstag einzog, ist es anzunehmen, dass darin auch nie der Zweck der Übung bestanden hatte. Eher sollte ihm ein hinterer Listenplatz zugewiesen werden, um ihn pro forma zum Reichstagskandidaten erklären zu können und ihm so ein weiteres Werkzeug an die Hand zu geben, seine öffentliche Agitation für die Partei zu legalisieren. In Mülben schlachtete Kraft seine Eigenschaft als Listenkandidat dann auch nachdrücklich aus.[266]
[263] StAF F 110/ 1, 781, Außenstelle des Landespolizeiamts beim Bezirksamt Mosbach an den Herrn Landrat in Mosbach, fol. 216.
[264] Ebd., fol. 215.
[265] Ebd.; ebd., Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Gau Baden, Robert Wagner an das Kultusministerium.
[266] StAF F 110/ 1, 781, Außenstelle des Landespolizeiamts beim Bezirksamt Mosbach an den Herrn landrat in Mosbach, fol. 215. Er zitierte wörtlich aus dem Schreiben Remmeles, dass ihm „die Vorbereitung zu einer Wahl“ erlaubt sei und er genau das mit seiner Rede tue.
https://ns-ministerien-bw.de/
Siehe auch :
- Nazi-Terror-Justiz und Nazi-Juristen >>>
- Nazi-Justiz in Mosbach (Baden) >>>
- Gerichtliche NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach >>>
- Gestapo in Mosbach (Baden) >>>
- NSDAP in Mosbach (Baden) >>>
- NS-Organisation und Verwaltung >>>
Chorverband Mosbach: 125. Jubiläum
Im Jahr 2003 feierte der Sängerkreis sein 125 jähriges Bestehen. Bei vielen Veranstaltungen und Aktivitäten zeigten die Sängerinnen und Sänger, dass die Sängerbewegung im Kreis keineswegs eingestaubt ist.
Nach dem 1. Weltkrieg entstand 1921 dann bei der Neueinteilung der Unterbünde im Badischen Sängerbund der „Sängergau Mosbach“. Dieser blieb als solcher jedoch nur 12 Jahre bestehen, bis nämlich 1933 auch die Sänger sich die Übernahme der Führung durch die NSDAP gefallen lassen mussten. Die Sängergaue wurden wieder neu eingeteilt und es wurde der „Sängerkreis Mosbach“ gegründet. Die Sänger in Mosbach waren aber nicht gewillt die heroischen Lieder, die die Führung vorgab einzustudieren und taten das Beste, nämlich Nichts. So überstand man die Zeit und 1949 gründete man die Sängerkreise Mosbach und Buchen.
https://www.chorverband-mosbach.de/Wirueberuns/125Jubilaeum/
ANFÄNGE UND AUFSTIEG DER NSDAP IN BADEN
16. Dezember 2014, von Manuel Neidig
Ein Jahr nach der Parteigründung der NSDAP im Februar 1920 in München traten die Nationalsozialisten auch in Baden hervor. Das früheste überlieferte Zeugnis ihrer Tätigkeit ist ein Versammlungsbericht von Mannheimer Nationalsozialisten vom 21. Februar 1921. Bis 1923 entstanden in Baden 19 Ortsgruppen und Stützpunkte. Nach dem reichsweiten Verbot der NSDAP in Zusammenhang mit dem Hitler-Ludendorff-Putsch wurde die Partei auch in Baden erst im Frühjahr 1925 wieder aufgebaut: Am 25. März 1925 gründete Robert Wagner in Karlsruhe den Gau Baden der NSDAP. Die organisatorische Ausbreitung der Partei erfolgte nun stetig: Laut Parteistatistik existierten 1928 bereits 68 Ortsgruppen und Stützpunkte in Baden, deren Anzahl sich bis 1932 auf 480 erhöhte. Zu diesem Zeitpunkt waren insgesamt 24.431 Personen aus Baden Mitglied der NSDAP.
Zu den prägenden Figuren der Aufbauphase der NSDAP in Baden zählten drei Personen, die nach der Machtübernahme 1933 in zentrale Staatsämter gelangten: der spätere Reichsstatthalter von Baden Robert Wagner, der als Teilnehmer am Hitler-Ludendorff-Putsch hohes Ansehen in der Partei genoss und als Gauleiter amtierte, der spätere badische Ministerpräsident und Wirtschafts- und Finanzminister Walter Köhler, der maßgeblich am Aufbau der Parteiorganisation in Nordbaden mitwirkte und 1931 als Wagners Stellvertreter in die Gauleitung aufstieg, sowie der spätere badische Kultusminister Otto Wacker, der zunächst in der Offenburger Ortsgruppe aktiv war und seit 1928 als Hauptschriftleiter der Karlsruher Parteizeitung „Der Führer“ die politische Propaganda der badischen NSDAP prägte. Im Gegensatz zu vielen anderen Regionalorganisationen der NSDAP spielten Rivalitäten des Führungspersonals in Baden in der Aufbauphase keine große Rolle. Der Gau Baden galt auch deshalb als einer der vorbildlichen NSDAP-Gaue im Reich: straff organisiert und mit nur wenigen Personalwechseln auf der Führungsebene.
Die Organisationserfolge der badischen NSDAP schlugen sich kaum in landespolitischem Einfluss nieder. Der Grund hierfür war, dass die letzten Landtagswahlen in Baden vor der nationalsozialistischen Machtübernahme bereits 1929 stattfanden, also kurz vor dem Beginn des reichsweiten rasanten Aufstiegs der NSDAP. Bei diesen Landtagswahlen hatte die NSDAP sieben Prozent der Stimmen und sechs Sitze im Landtag im Karlsruhe erzielt. Die Fraktion war damit zu klein, um maßgeblichen Einfluss auf die parlamentarische Arbeit gewinnen zu können. Folglich zeichnete sich die politische Praxis der NSDAP im Landtag vor allem durch Provokationen aus. Politische Inhalte brachte die Fraktion selten auf die Tagesordnung; stattdessen wurde sie durch Lärmszenen und Beleidigungen auffällig. Es wurden Agitationsanträge gestellt, die allesamt die Arbeit des Landtags behindern sollten, und ihre Reden nutzten die nationalsozialistischen Abgeordneten häufig zu Angriffen auf das Parlament und die Regierung. Es ging also vorrangig um die Behinderung der politischen Arbeit im Landtag und weniger um die aktive Teilnahme an politischen Entscheidungen.
Deutlich ablesbar ist der Aufstieg der NSDAP in Baden an den Ergebnissen der Reichstagswahlen, bei denen die Regionalorganisation fast durchgehend etwas besser abschnitt als die NSDAP auf Reichsebene. Bei den Wahlerfolgen gab es allerdings besonders in der Anfangsphase des Aufstiegs eine große Diskrepanz zwischen Nord- und Südbaden, die durch die unterschiedliche Verteilung der Konfessionen im Land zu erklären ist. In Nordbaden mit dem höheren protestantischen Bevölkerungsanteil fand die NSDAP rasch eine breite Wählerschaft und erhielt dort den Großteil ihrer Stimmen, während es ihr Südbaden mit seiner weit überwiegend katholischen Bevölkerung zunächst schwerer fiel, Wahlerfolge zu erzielen. Neben der Klientel der katholischen Zentrumspartei zeigte auch das Milieu der Arbeiterbewegung anfänglich eine deutliche Resistenz gegen die nationalsozialistische Wahlpropaganda, denn die NSDAP war in den mittleren und kleineren badischen Städten vergleichsweise deutlich erfolgreicher als in den Großstädten des Landes. Mit dem reichsweiten Durchbruch der NSDAP zur stärksten politischen Kraft bei den Wahlen von 1932 nivellierten sich diese Unterschiede jedoch.
Reichstagswahlen Stimmenanteile der NSDAP im Reich Stimmenanteile der NSDAP in Baden Differenz
Mai 1928 2,63 % 2,90 % +0,27 %
September 1930 18,33 % 19,24 % +0,91 %
Juli 1932 37,36 % 36,92 % -0,44 %
November 1932 33,09 % 34,09 % +1,00 %
März 1933 43,91 % 45,36 % +1,45 %
https://ns-ministerien-bw.de/
GESCHICHTE
Der Südwesten bis 1945
Nationalsozialismus
Die immer schlechter werdende wirtschaftliche Situation machte die Menschen empfänglich für radikale Parolen und einfache Lösungen. Besonders profitierten die extremen Rechten von der Stimmung. Adolf Hitlers NSDAP erreichte bei den Reichstagswahlen 1930 in Baden über 19 Prozent und in Württemberg, das wirtschaftlich etwas besser dastand, 9 Prozent. Im Reichstag wurde die NSDAP zweitstärkste Kraft.
Bei den Landtagswahlen 1932 wurde die NSDAP dann in Württemberg stärkste Kraft. Eine bürgerliche Regierungsbildung war nicht mehr möglich, so dass Staatspräsident Eugen Bolz nur mit Notverordnungen weiterregieren konnte. In Baden war 1929, vor dem Börsencrash, zuletzt gewählt worden. Bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 erreichten die Nationalsozialisten in Württemberg knapp 31 Prozent, in Baden 37 und im gesamten Reich knapp 38 Prozent.
In Berlin gab es schon lange keine stabile Regierung mehr. Am 30. Januar ernannte der 85-jährige Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Die Nationalsozialisten begannen umgehend damit, die Parlamente zu entmachten und einen zentralistischen Führer-Staat zu installieren. Die Regierungen in Stuttgart und Karlsruhe wurden abgesetzt und durch sogenannte „Reichskommissare“ ersetzt. Die Eigenständigkeit der Länder war Geschichte.
Die Opposition wurde brutal unterdrückt. Im Juli 1933 wurden alle Parteien außer der NSDAP verboten. Presse und Rundfunk wurden gleichgeschaltet, Gewerkschaften verboten, Bücher zensiert, politische Gegner verfolgt. Es begann das dunkelste Kapitel deutscher und damit auch südwestdeutscher Geschichte mit einem Angriffskrieg gegen den Rest Europas und der industriellen Massenvernichtung von Juden, Menschen mit Behinderung, Homosexuellen, Sinti und Roma, Kriegsgefangenen und politischen Gegnern in den Konzentrations-, Arbeits-, und Vernichtungslagern.
https://www.baden-wuerttemberg.de/
Siehe auch :
- Nazi-Terror-Justiz und Nazi-Juristen >>>
- Nazi-Justiz in Mosbach (Baden) >>>
- Gerichtliche NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach >>>
- Gestapo in Mosbach (Baden) >>>
- NSDAP in Mosbach (Baden) >>>
- NS-Organisation und Verwaltung >>>
SCHREIBEN DES BADISCHEN INNENMINISTERIUMS AN DIE BEZIRKSÄMTER ÜBER DIE DURCHFÜHRUNG DES GLEICHSCHALTUNGSGESETZES VOM 19. JULI 1933
18. Februar 2016, von Miriam Koch
Nach Auflösung des Zentrums am 5. Juli 1933 stellte sich die Frage, was mit den Mandaten der Partei geschehen sollte. Das Verfahren in Baden wurde im Schreiben des Innenministeriums an die Bezirksämter vom 19. Juli 1933 festgehalten. Eine Parteineugründung kam für die Abgeordneten der aufgelösten Parteien nicht in Betracht, da dies durch das Gesetz über die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933 untersagt wurde. Anders als die Abgeordneten der am 22. Juni 1933 verbotenen SPD sollten die Zentrumsvertreter ihre Mandate allerdings nicht automatisch verlieren. Für diejenigen Abgeordneten, die sich zur Mitarbeit im nationalsozialistischen Staat eigneten, wurde der Übertritt in die örtliche NSDAP-Fraktion in Aussicht gestellt, entweder als Hospitanten oder als Mitglieder.
Die Problematik bestand nun darin, die nicht mehr als Abgeordnete in Frage kommenden Mandatsträger zu entfernen, ohne dass dies zu stark den Charakter einer politischen Säuberungsaktion aufwies. Damit unterschied sich das Vorgehen von dem gegenüber den Arbeiterparteien, deren Vertreter in Baden seit März 1933 entweder verhaftet oder deren Mandate kurzerhand aberkannt worden waren. Als Lösung wurde ein dreistufiges Verfahren vorgeschlagen: Missliebige Zentrumsabgeordnete sollten zunächst zum freiwilligen Mandatsverzicht überredet werden. Sollten sich einzelne Abgeordnete dem verweigern und es zu Unstimmigkeiten kommen, sollte der zuständige Landrat mit dem Kreisleiter der NSDAP und einem Vertrauensmann des Zentrums in gemeinsamer Beratung eine Lösung finden. Bei Uneinigkeiten zwischen dem Landrat und dem Vertreter der NSDAP bezog das Innenministerium zum jeweiligen Fall Stellung. Falls eine Einigung auch dann nicht zustande kam, konnte der Innenminister das Gremium auflösen und durch Ernennung geeigneter Kandidaten neu bilden.
In der Praxis übten die örtlichen NSDAP-Organisationen und das Innenministerium Druck auf die Abgeordneten und Vertrauensmänner des Zentrums aus, um diese zu einem Einlenken zu bewegen. Beispielsweise wurde in Lörrach dem Vertrauensmann des Zentrums vom Innenministerium die Auflösung des Gemeinderats angekündigt, falls die nicht genehmen Zentrumsvertreter nicht freiwillig zum Mandatsverzicht gebracht werden würden.[1] Im Amtsbezirk Tauberbischofsheim verweigerten mehrere Zentrumsgemeinderäte ihren freiwilligen Rücktritt. Daraufhin löste der zuständige Landrat der Weisung Pflaumers entsprechend die betreffenden Gremien auf und bildete sie neu.[2]
[1] Neisen, Robert, Zwischen Fanatismus und Distanz, Lörrach und der Nationalsozialismus, Bötzingen 2013, S. 62.
[2] Braun, Joachim, Nationalsozialistische Machtübernahme und Herrschaft im badischen Amtsbezirk/Landkreis Tauberbischofsheim, Wertheim 2014, S. 56-60.
Quelle: GLA 380/7450.
https://ns-ministerien-bw.de/
ONLINE-AUSSTELLUNG 2021
„ANNONCIREN BRINGT GEWINN“
Die Geschichte der Tageszeitungen unserer Region ist - Mosbach und die umliegenden Gemeinden betreffend - auch eng mit dem Mosbacher Volksblatt verbunden. Das Blatt erschien ab dem 19. März 1892 und wurde auf Druck der Nationalsozialisten am 29. Februar 1936 eingestellt. Das Volksblatt verstand sich von Anfang an als Organ des politischen Zentrums und war damit stark christlich-konfessionell ausgerichtet.
Das Mosbacher Volksblatt gesellte sich neben zahlreiche „Verkündigungsblätter“ sowie die Badische Neckarzeitung (Odenwälder Bote). Das neue Blatt firmierte als Mosbacher Volksblatt - Allgemeiner Anzeiger für den Kreis Mosbach und enthielt von Anfang an als mehrseitige Gratisbeilage das „Illustrierte Unterhaltungsblatt“. Die Ausgaben erschienen zunächst dienstags, donnerstags, samstags und sonntags und war auch zum vierteljährlichen Abonnementspreis von 1,65 Mark als Postsendung erhältlich.
Die Geschichte der Zeitung ist untrennbar verbunden mit der Mosbacher Familie von Hermann Eiermann, die als Initiator, Herausgeber/Verleger agierte und in deren Druckerei die Zeitung produziert wurde. Im Zeitungsarchiv des Stadtmuseums sind nahezu alle Ausgaben in Form großer Jahresbände original erhalten und stehen auf Anfrage für Recherchen zur Verfügung.
Bereits im Geleitwort zur ersten Ausgabe, für dessen Titel sinnigerweise die Überschrift „Schon wieder ein neues Blatt!“ gewählt wurde, wird die neue Leserschaft um „thatkräftige Unterstützung“ gebeten. Neben der Aufforderung an die Bevölkerung, der Redaktion „alle wissenswürdigen Vorkommnisse aus der Gegend“ zukommen zu lassen, wird auch das „Abonniren, Correspondieren und Inseriren“ ausdrücklich erbeten. Betrachtet man den Werbungsteil in der knapp 44jährigen Geschichte des Blattes, so wurde insbesondere von der Anzeigenschaltung durchgehend rege Gebrauch gemacht.
Nicht nur die redaktionellen Berichte und Nachrichten des Mosbacher Volksblatts enthalten also Informationen zu verschiedensten Themen der überregionalen, regionalen und lokalen Geschichte. Auch die Anzeigen des Werbeteils, zeitgenössische Reklame und Annoncen, sind eine Fundgrube insbesondere für die Erforschung zur Lokalgeschichte. Geschäfts- und Betriebsgründungen oder -Umzüge, Beschreibungen und Abbildungen der beworbenen Produktpalette und Dienstleistungen, das Angebot von Gaststätten oder Hinweise auf Veranstaltungen vielfältiger Art - all diese Themen bilden sich in der Reklame ab und wir können sie wie Schaufenster des alltäglichen Lebens früherer Generationen betrachten.
https://www.mosbach.de/
Mosbach: Nicht alle gehörten zur neuen "Volksgemeinschaft"
KZ-Gedenkstätte eröffnete Fotoausstellung "Gleichgeschaltete Heimat" - Wie die Diktatur den Alltag bestimmte
03.05.2013 UPDATE: 03.05.2013 06:00 Uhr 1 Minute, 54 Sekunden
Von Peter Lahr
Neckarelz. "Jahrzehntelang war der 1. Mai der Tag der Uneinigkeit ... und ein Tag des volks- und staatszerstörenden Klassenkampfs. Zum ersten Mal und für immer ist der 1. Mai Symbol der Volksgemeinschaft der unter Adolf Hitler geeinten Nation", schrieben Landrat Rothmund und NSDAP-Kreiszellenleiter Röth am 24. April 1933. Das Datum 1. Mai nahm die KZ-Gedenkstätte...
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Lörrach
Einst eine „Hochburg der Nazis“
Gottfried Driesch 09.05.2019 - 16:39 Uhr
Lörrach-Brombach - Bereits vor sechs Jahren hat der Historiker Robert Neisen aus Freiburg eine Forschungsarbeit zum Thema „Lörrach und der Nationalsozialismus“ vorgestellt. Jetzt befasst er sich mit der NS-Vergangenheit der Ortsteile. Ein erstes Zwischenergebnis für Brombach präsentierte er am Dienstag im Ortschaftsrat: Der Ortsteil sei eine Hochburg der Nationalsozialisten gewesen.
Neisen beginnt mit seinen Forschungen in den 1920er Jahren und beleuchtet das Verhältnis zwischen den Teilgemeinden, das für die Beziehungen während der NS-Zeit durchaus relevant ist. Die konfessionelle Struktur sei für die Ausbreitung der NSDAP sehr wichtig gewesen. Brombach sei mit rund 80 Prozent sehr evangelisch geprägt und damit anfälliger für die Ideologie der Nationalsozialisten gewesen als andere Orte.
Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erzielte die NSDAP in Brombach 56,1 Prozent der Stimmen. Die zweite starke politische Gruppierung sei die KPD gewesen, die rund 25 Prozent der Stimmen errang. Bereits im Juli 1932 war es in Brombach zu Schlägereien zwischen NSDAP- und KPD-Anhängern mit teils erheblichen Verletzungen gekommen.
Brombach habe durch Gewerbesteuern (Großmann und DAB) sowie seinen Gemeindewald damals gute Einnahmen erzielt. Darum strebte Hauingen eine Zusammenlegung der Gemeinden an, was Brombach entschieden ablehnte.
Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde in Brombach laut Neisen relativ reibungslos der Fanatiker Josef Schmidberger von der NSDAP zunächst als stellvertretender Bürgermeister eingesetzt. Der republikanische Bürgermeister Franz Ehret habe dem nichts entgegengesetzt. Neisen schätzt die Zahl der Parteimitglieder in Brombach auf 500 – bei lediglich 2800 Einwohnern. Auch wenn Neisen gerne etwas anderes berichtete hätte, Brombach sei eine „Hochburg der Nationalsozialisten“ gewesen.
Schon bald seien die wichtigsten Stellen in der Gemeindeverwaltung mit „Alten Kämpfern“ besetzt worden, obwohl sie nicht über die entsprechenden Qualifikationen für die Posten verfügten. Dies selbst gegen die Vorbehalte der Kommunalaufsichtsbehörden – Bezirksamt und badisches Innenministerium – die an der fachlichen Eignung der Bewerber zweifelten. Immer wieder sei Josef Schmidberger durch den Lörracher NS-Bürgermeister und NSDAP-Kreisleiter Reinhard Boos gestützt und geschützt worden.
Ganz anders sei das im Ortsteil Haagen gewesen, wo sich Bürgermeister Gümpel laut Neisen heftig gegen seine Absetzung wehrte.
Vermutlich aufgrund der Verlegung der Rüstungsfirma Teves nach Brombach wurde der Ort am 24. Februar 1945 von einem Fliegerangriff getroffen und bombardiert. Dabei entstanden Schäden an der Firma und an rund 40 Wohnhäusern. Sieben davon wurden total zerstört. Haagen und Hauingen blieben hingegen von Fliegerangriffen verschont.
Zur Verfolgung von Juden, Sinti und Roma sowie Homosexuellen hat Robert Neisen bisher keine Anhaltspunkte gefunden. In Brombach haben laut seinen Recherchen zu dieser Zeit aber auch keine jüdischen Bürger gelebt.
Zu den Themen Luftschutz und Kriegsvorbereitung, Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, Reglementierung des täglichen Lebens und der direkten Kriegseinwirkung will Neisen noch weitere Informationsquellen sichten.
Wichtigste Quellen seien das Gemeindearchiv Brombach, das Staatsarchiv Freiburg und das Generallandesarchiv Karlsruhe. Die Ergebnisse seiner Forschungen sollen im April 2020 in Form eines „Lörracher Hefts“ veröffentlicht werden.
https://www.verlagshaus-jaumann.de/
3. Online-Artikel zur NSDAP, auch zum Neckar-Odenwaldkreis und in Baden-Württemberg
Liste ehemaliger NSDAP-Mitglieder, die nach Mai 1945 politisch tätig waren
In dieser Liste werden Personen aufgeführt, die Mitglied der NSDAP waren und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Rolle in der Politik spielten. Darin inbegriffen sind auch Staatssekretäre, Botschafter und andere hohe Beamte.
Erläuterungen zur Liste
Die NSDAP wurde im Oktober 1945 von den Alliierten verboten (Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945, in Kraft getreten am 12. Oktober 1945), in Österreich bereits mit dem Verbotsgesetz vom 8. Mai 1945[1] (heutige Fassung Verbotsgesetz 1947), das die Provisorische Staatsregierung Renner selbst beschlossen hatte.
Sofern von keinen weiteren Anhaltspunkten ausgegangen werden kann, ist für diese Liste spätestens mit diesem Datum die Mitgliedschaft in der NSDAP für die aufgelisteten Personen als beendet verstanden. Einige der aufgeführten Personen sind dabei bereits vor der Auflösung der NSDAP aus dieser Partei ausgetreten.
Die Liste beinhaltet Angaben zum jeweiligen Zeitraum der Mitgliedschaft in der NSDAP sowie Informationen zu späterer Parteizugehörigkeit und Ausübung politischer Ämter. Die Umstände und Motive der Mitgliedschaft spielen hier keine Rolle, so dass es sich in Einzelfällen auch um Mitglieder handelt, die der Gesinnung nach keine überzeugten Nationalsozialisten waren, sondern aus Opportunismus Mitglied wurden, um z. B. Karriere zu machen.[2][3] Jonas Meßner bezeichnet diese als „Konjunkturritter“.[4] Der Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter und Kristine Khachatryan schreiben dazu weiter: „Typische NSDAP-Mitglieder dürften [...] eher die opportunistischen Mitläufer als die weltanschaulich 150-prozentig Überzeugten gewesen sein.“[5] Ein weiteres Motiv könnte der gesellschaftliche Druck gewesen sein, weshalb einige zu Mitläufern wurden. Falter schreibt dazu aber: „So unterschiedlich die Motive gewesen waren, der Partei beizutreten, erfolgte der Beitritt so gut wie immer aufgrund einer individuellen Entscheidung.“[6] Er mahnt aber auch, „stets den Einzelfall zu betrachten, bevor man sein Urteil fällt.“[6]
Weitergehende Informationen enthalten die verlinkten Artikel zur Person.
https://de.wikipedia.org/
NSDAP-Mitgliederkartei:
Hat da etwa jemand Daten zu den Nazi-Akten geklaut?
Michael Hanfeld
Ein Kommentar von Michael Hanfeld
21.05.2026, 15:28Lesezeit: 2 Min.
Ein Mitgliedsbuch der NSDAP, aufgenommen im Deutschen Historischen Museum
Correctiv und „Katapult“ meinten, sie könnten „Zeit“ und „Spiegel“ bei der Auswertung der NSDAP-Mitgliederkartei schlagen. Doch das war nichts. Denn wie es aussieht, wurde die „Zeit“ beklaut. Doch Correctiv gibt weiter an.
Die „Zeit“ hatte eine geniale Idee, um die viele in der Branche die Redaktion beneiden. Sie hat die NSDAP-Mitgliederkartei zugänglich gemacht, die das US‑Nationalarchiv Mitte März online stellte. Die Seite des Archivs war unter dem Ansturm der Anfragen tagelang zusammengebrochen, die „Zeit“ wusste vierzehn Tage später einen Weg...
https://www.faz.net/
Digitale NSDAP-Kartei: Nazi-Vergangenheit der Mündener ist jetzt online einsehbar
Stand:16.05.2026, 06:02 Uhr
Von: Jana Keßler
Karl Dempewolf / Mündener Ansichten / NS Vergangenheit / Stefan Schäfer
In Wehrmachtsuniform: Karl Dempewolf war von 1942 bis Kriegsende Bürgermeister von Hann. Münden. © Repro
Eine digitale NSDAP-Kartei listet Mitglieder aus Hann. Münden auf. Doch KI und fehlende Daten erschweren die vollständige Recherche.
Hann. Münden – Der Name Karl Dempewolf ist wahrscheinlich vielen Mündenern ein Begriff. Er war von 1942 bis 1945 Bürgermeister der Stadt Hann. Münden und wurde durch seine Nähe zur NSDAP als „Nazi-Bürgermeister“ bezeichnet. Der SA-Mann ist nur eines der NSDAP-Mitglieder der Region, die man in der kürzlich veröffentlichten NSDAP-Mitgliedskartei finden kann.
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0:12
Das US-Nationalarchiv hat die Daten dazu zur Verfügung gestellt, die allesamt einsehbar unter https://zu.hna.de/nationalarchiv sind. Dort sind die 5443 digitalisierten Filmrollen allerdings nicht nach Schlagwörtern sortierbar – diese Arbeit hatten sich das Magazin Katapult und das Online-Portal Correctiv gemacht und nach eigenen Angaben mehr als sechs Millionen NSDAP-Mitgliedsdaten aufbereitet. Insgesamt waren so rund 80 Prozent der Mitgliedskarteien der 10 Millionen Deutschen NSDAP-Mitglieder im Internet abrufbar.
Nur im Abo einsehbar
Aktuell ist die Sammlung nicht mehr überall verfügbar, da die Datengrundlage in Teilen offenbar auf den Recherchen der Zeitung „Die Zeit“ basierte. Auch dort gibt es – mit einem Abo – die Datensammlung. Correctiv teilt mit: „Die Veröffentlichung in dieser Form entspricht nicht unseren journalistischen und dokumentarischen Standards. Wir haben die Datenbank vorläufig offline genommen.“ Bei „Die Zeit“, „Der Spiegel“ und unter dem oben genannten Link ist diese weiterhin verfügbar.
Im Archiv, das auch beim „Spiegel“ im Abo zu finden ist, kann man auch die jeweiligen Mitgliedsausweise einsehen. Aktuell kann man diese aber nur teilweise abrufen – zudem sind die Angaben nicht genau. Nicht für jeden Ortsteil Hann. Mündens lässt sich eine aussagekräftige Zahl definieren. Der Datensatz wurde mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) aufbereitet, sodass einige handgeschriebene Mitgliedsausweise nicht vollständig entziffert werden können.
Mitglieder in der Region
Bei genauer Draufsicht wird klar: Das Nationalarchiv ist sehr umfangreich. Bei der Suche nach Geburtstorten der NSDAP-Mitglieder in den Ortschaften Mündens können nur für Bonaforth (86), Gimte (61) und Hedemünden (74) eindeutige Zahlen gefunden werden. Die Suche für andere Ortsteile wie Hemeln gestaltet sich aus verschiedenen Gründen schwierig. Im Fall von Hemeln etwa kann die KI keinen Unterschied zwischen Hemeln und Hameln in der Sütterlinschrift erkennen. Personen, die nicht gefunden werden, scheiden übrigens nicht automatisch als frühere NSDAP-Mitglieder aus. 20 Prozent der Daten sind verloren gegangen, etwa im Krieg oder durch Beschädigung und Zerstörung.
https://www.hna.de/
1141 NSDAP-Mitglieder aus dem Wolfhager Land in US-Datenbank erfasst
Stand:16.05.2026, 15:05 Uhr
Von: Bea Ricken
Die Liemecke, die schon immer ein Gelände für Feiern und Aufmärsche war, wurde auch in der Zeit des NS-Regimes für Partei-Veranstaltungen genutzt. Aus dem Geschichtsbuch von Dirk Lindemann © Repro: Bea Ricken
Die US-Archive haben zwölf Millionen NSDAP-Mitgliedskarten digitalisiert. Auch aus dem Wolfhager Land sind zahlreiche Namen verzeichnet.
Wolfhagen – Die Verdrängung der NS-Zeit in Familien war über Jahrzehnte hinweg prägend für die Nachkriegsgesellschaft. Über die Beteiligung von Familienangehörigen wurde oftmals ein Mantel des Schweigens gelegt. Nun ist die Generation, die in der NS-Zeit erwachsen war, zum Großteil verstorben. Die Frage „War mein Opa ein Nazi?“ können seit Kurzem Nachfahren recherchieren. Die US-National Archives haben rund zwölf Millionen digitalisierte NSDAP-Mitgliedskarten kostenlos ins Internet gestellt. Diese wurden 1945 von der US Army gesichert.
Kennen Sie diese fünf hessischen Spezialitäten?
2:20
Vollzigener Aufmarsch 1936 zum „Tag der Erhebung“. Es hat den Anschein, dass sich alle Wolfhager in Uniform und Zivil zu diesem Ereignis versammelten. Die Kriegervereine (jetzt Kriegskameradschaften), SA- und Jugend-Organisationen verfolgen mit der Zivilbevölkerung die Gedenkreden des Kreisleiters. Aus dem Geschichtsbuch von Dirk Lindemann
Halb Wolfhagen im Namen von Hitler auf den Beinen: Die Kriegerkameradschaften, SA- und Jugendorganisationen verfolgten 1936 auf dem Marktplatz, zusammen mit der Zivilbevölkerung, die Gedenkreden des Kreisleiters. © Repro: Bea Ricken
Erstmals kann nun jeder online überprüfen, ob ein Vorfahre Mitglied der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“ gewesen ist. Der Andrang und das Interesse an der Geschichte der eigenen Familie sind riesig. Mehrere Plattformen wie Spiegel und die Zeit erleichtern die Abfrage.
Auswirkungen in Wolfhagen spürbar
Auch in Wolfhagen hatte die steigende Zahl der NSDAP-Mitglieder und deren Einflussnahme Auswirkungen auf die jüdische Bevölkerung. So gingen nach Auskunft des Heimat- und Geschichtsvereins die Werbeanzeigen der jüdischen Kaufleute im Wolfhager Kreisblatt zurück. Davon betroffen waren vorwiegend Textilgeschäfte. Erschreckend sind auch die Fakten um die Synagoge: Diese war mit dem Grundstück im Vorfeld an einen Wolfhager Unternehmer verkauft worden, der nach der Reichsprogromnacht 1938 einen Kostennachlass beantragte.
Auch für das Wolfhager Land gibt es Ergebnisse: 1141 Menschen, die in der NSDAP Mitglied waren, wurden laut Datenbank in den sechs Kommunen des Altkreises Wolfhagen geboren. In den Kernkommunen führt Wolfhagen die Akteneinträge mit 203 an, es folgen Naumburg mit 120, Zierenberg mit 88, Breuna mit 49 und Bad Emstal mit 68. In den damals selbstständigen Gemeinden Ehlen und Dörnberg waren es 47 beziehungsweise 42 Mitglieder.
In den Wolfhager Stadtteilen gibt es am meisten Einträge für Niederelsungen (34). In Zierenberg sticht Oberelsungen (58) hervor, in Naumburg Altendorf (34), in Breuna Wettesingen (25) und in Bad Emstal Balhorn (46).
Heimatforscher Dirk Lindemann aus Wolfhagen berichtet in einem seiner Bücher, wie die Sozialdemokraten noch in den 30er-Jahren Parolen gegen die im Kommen begriffene Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei veröffentlichten. Kurz vor der Landtagswahl 1932 erschien im Wolfhager Kreisblatt der Aufruf: „Schluss jetzt, alles wählt Hitler“. Tatsächlich erhielt der SPD-Kandidat nur noch 14 Prozent, der von der NSDAP 67,5 Prozent.
Ab da gab es kein Halten mehr. Die Organisatoren der NSDAP sorgten für Sozialdienste und ein geregeltes „Bürgerverhalten“. Jede Organisation hatte ihre Uniform und es gab Umzüge und Aufmärsche mit Musikbegleitung am laufenden Band – vorwiegend auf der Liemecke. Eine Zeit, in der viele Andersdenkende gegen ihre Überzeugung mitmachten, weil sie Repressalien gegen sich und ihre Familien befürchteten.
Meine News
NSDAP-Mitglieder online recherchierbar
Mehr als 3300 NSDAP-Mitglieder aus dem Kreisteil Hofgeismar erfasst
Menschen flüchten beziehungsweise werden vertrieben. Das Bild entstand vermutlich nach Kriegsende 1945
Online-Recherche
Digitale NSDAP-Kartei: Nazi-Vergangenheit der Mündener ist jetzt online einsehbar
Karl Dempewolf / Mündener Ansichten / NS Vergangenheit / Stefan Schäfer
Online-Archive
War mein Opa ein Nazi? Darum recherchieren so viele Deutsche die NS-Vergangenheit ihrer Familie
NSDAP-Mitglied und Dorfbürgermeister in der Schwalm: Heinrich Spies aus Wiera (1906-1969) ist der Großvater des Kasseler Filmemachers Klaus Stern. Das Foto zeigt ihn im Jahr 1963.
Digitale NS-Recherche
NSDAP-Recherchetool kommt bei Historikern im Kreis Kassel gut an
Helsa
NS Zeit NSDAP Adolf Hitler Ehrenbürger
"Braunes Haus" in Helsa
Treffpunkt der Nationalsozialisten in Helsa: Das historische Foto aus den Dreißigerjahren zeigt das sogenannte „Braune Haus“ an der Leipziger Straße, das die örtliche NSDAP als Treffpunkt nutzte.
Lindemann schreibt unter einem Foto vom Marktplatz: „Vollzogener Aufmarsch 1936 zum „Tag der Erhebung“ (Hitlers Machtergreifung). Und weiter: „Es hat den Anschein, dass sich alle Wolfhager in Zivil und Uniform zu diesem Ereignis versammeln.“
https://www.hna.de/lokales/
NSDAP-Recherchetool kommt bei Historikern im Kreis Kassel gut an
Stand:16.05.2026, 06:02 Uhr
Von: Josefin Dudek, Axel Welch, Bernd Schünemann
NS Zeit NSDAP Adolf Hitler Ehrenbürger
"Braunes Haus" in Helsa
Treffpunkt der Nationalsozialisten in Helsa: Das historische Foto aus den Dreißigerjahren zeigt das sogenannte „Braune Haus“ an der Leipziger Straße, das die örtliche NSDAP als Treffpunkt nutzte.
Treffpunkt der Nationalsozialisten in Helsa: Das Foto aus den Dreißigerjahren zeigt das „Braune Haus“ an der Leipziger Straße, das die NSDAP als Treffpunkt nutzte. Rechts daneben: das Gasthaus „Zum weißen Roß“. © Freier Mitarbeiter
Das digitale Tool zur Suche nach NSDAP-Mitgliedern liefert im Altkreis Kassel mehr als 2900 Treffer nach Geburtsorten. Bei der Suche muss jedoch einiges beachtet werden.
Kreis Kassel – War jemand aus meiner Familie Mitglied der NSDAP? Das lässt sich nun mit einem Klick in wenigen Minuten herausfinden. Spiegel und Die Zeit haben ein digitales Recherchetool entwickelt, mit dem man sich auf die Suche begeben und in Millionen Mitgliedskarten der Partei eintauchen kann. Die digitalen Datenbanken basieren auf den Dokumenten, die das US-Nationalarchiv für jeden frei zugänglich gemacht hat. Bisher war die vereinfachte Recherche nur für Abonnenten der Medienhäuser möglich, bis Correctiv und Katapult am vergangenen Dienstag eine kostenlose Version veröffentlicht haben.
Bürgermeister Kantelhardt (in Zivil) und NS-Partei-Größen anlässlich des Zusammenschlusses von Crumbach und Ochshausen. (Fotos:aus dem Band Drei Dörfer - ein Ort: Lohfelden/nh)
Stramme Nazis gab es auch in Lohfelden: Dieses Foto aus dem Band „Drei Dörfer - Ein Ort: Lohfelden“ zeigt Bürgermeister Kantelhardt (in Zivil) und NS-Partei-Größen anlässlich des Zusammenschlusses von Crumbach und Ochshausen im Jahr 1941. © Aus Dem Band Drei Dörfer - Ein Ort: Lohfelden
Aktuell ist das Tool vorübergehend offline. Es wurde vorläufig gesperrt, da laut Correctiv Teile der verwendeten Daten nicht aus der ursprünglichen Archivquelle, also aus dem US-Nationalarchiv, stammen, sondern aus bereits bestehenden Datensammlungen.
Mehr als 2900 Treffer im Kreisgebiet
Als Hitler noch Ehrenbürger war
In der Nazizeit hatten 4000 Städte und Gemeinden in Deutschland Adolf Hitler zum Ehrenbürger gemacht. Formal erlischt die Ehrenbürgerwürde zwar mit dem Tod. Trotzdem haben einige Kommunen die Ehrung nach dem Krieg zurückgenommen, um deutlich zu machen, dass sie sich von den NS-Verbrechen distanzieren. Im Kreis Kassel geschah dies allerdings mitunter recht spät. In Helsa etwa nahm die Gemeindevertretung erst 2013 die Ehrenbürgerrechte zurück, Espenau folgte 2014.
Wir haben mit dem Recherchetool einen Blick auf den Landkreis geworfen und ausgewertet, in welchen Gemeinden und Ortsteilen NSDAP-Mitgliedschaften auftauchen. Es zeigt sich: Mitglieder der Hitlerpartei finden sich über alle Kommunen hinweg. Allein im Altkreis Kassel finden sich so mehr als 2900 Treffer, wenn man nach Geburtsorten sucht. Besonders hohe Werte zeigen sich unter anderem in Oberkaufungen mit 238 Einträgen und Crumbach in Lohfelden, wo die Suche 240 Treffer ergab.
Ein Fallstrick bei der Suche ist, dass Ortsnamen mehrfach in Deutschland vorkommen und eine eindeutige Zuordnung nicht immer möglich ist. Zum Beispiel beim Ahnataler Ortsteil Weimar, denn auch in Thüringen gibt es ein Weimar, die weltberühmte Kulturstadt. Oder Waldhof, das 1940 als Bereitschaftslager für die Sprengstofffabrik Hirschhagen gegründet wurde und heute ein Teil von Helsa ist, es aber auch in Mannheim einen Stadtteil dieses Namens gibt. Ähnliches gilt für Breitenbach (Schauenburg) und Hohenkirchen (Espenau). Zahlen für diese Orte fehlen deshalb in unserer Auswertung.
Bei der Correctiv-Suchmaske konnte ergänzend auch der Gau angegeben werden. Für den Landkreis Kassel wäre das Kurhessen (ab 1934). Dann werden die Personen angezeigt, die diesem Gau zugeordnet sind. Wer allerdings in Espenau geboren ist und NSDAP-Mitglied war, zuletzt aber in einem anderen Gau geführt wurde, erscheint dann nicht in dieser Auswertung. Die Suchfunktionen von Zeit und Spiegel arbeiten dagegen vor allem mit Namensangaben. Bei Spiegel lassen sich zusätzlich noch das Geburtsdatum, der Ort sowie der Wohnort und der Beruf angeben. Das funktioniert nicht immer reibungslos. Gibt man etwa den Ort Niestetal ein, zeigt die Suchmaschine auch Einträge mit ähnlich klingenden Namen wie Neißetal oder Tiesetal an.
Meine News
NSDAP-Mitglieder online recherchierbar
Mehr als 3300 NSDAP-Mitglieder aus dem Kreisteil Hofgeismar erfasst
Menschen flüchten beziehungsweise werden vertrieben. Das Bild entstand vermutlich nach Kriegsende 1945
Online-Archive
War mein Opa ein Nazi? Darum recherchieren so viele Deutsche die NS-Vergangenheit ihrer Familie
NSDAP-Mitglied und Dorfbürgermeister in der Schwalm: Heinrich Spies aus Wiera (1906-1969) ist der Großvater des Kasseler Filmemachers Klaus Stern. Das Foto zeigt ihn im Jahr 1963.
NSDAP-Kartei online
1141 NSDAP-Mitglieder aus dem Wolfhager Land in US-Datenbank erfasst
Die Liemecke, die schon immer ein Gelände für Feiern und Aufmärsche war, wurde auch in der Zeit des NS-Regimes für Partei-Veranstaltungen genutzt.Aus dem Geschichtsbuch von Dirk Lindemann
Online-Recherche
Digitale NSDAP-Kartei: Nazi-Vergangenheit der Mündener ist jetzt online einsehbar
Karl Dempewolf / Mündener Ansichten / NS Vergangenheit / Stefan Schäfer
Dass die Möglichkeit zur digitalen Suche überhaupt besteht, sei „sehr interessant“, sagt der Hobbyhistoriker und Autor Werner Brandau aus Vellmar. Die Offenlegung solcher Daten hält er für wichtig. „Wenn wir das Ganze bewältigen wollen, müssen wir uns damit beschäftigen.“ Brandau begrüßt es, dass Fakten auf diese Weise für alle recherchierbar werden. „So erhält man präzise Antworten, statt Mutmaßungen.“ Er selbst sei bereits auch schon auf Spurensuche gegangen – allerdings nicht digital, sondern im Stadtarchiv in Vellmar. Viel habe er dort nicht herausgefunden, sagt er. Ein vergleichbares digitales Recherchetool würde er sich auch für die Stasi-Akten wünschen, um nachzuvollziehen, wer „Informant war und wer nicht“.
Lobend über diesen neuartigen digitalen Recherchezugriff äußert sich auch Gerd Vogelsang, Vorsitzender des Geschichtsvereins Helsa. „Wir haben ja vom Geschichtsverein schon einmal eine Broschüre über die ganze NS-Zeit herausgebracht“, sagt Vogelsang: „Wir hatten erst Bedenken, aber die Resonanz auf diesen Teil der Geschichte war sehr gut.“
Beitrittsdatum oft aufschlussreich
Der aus Immenhausen-Holzhausen stammende Historiker Dr. Stefan Arend macht deutlich, dass die Portale nur eine erste Information liefern: nämlich die Mitgliedschaft in der NSDAP. Erste Schlüsse können die Nutzer allerdings schon aus dem Beitrittsdatum ziehen. Sei das früh erfolgt – möglicherweise schon Anfang der 1920er Jahre – handele es sich sehr wahrscheinlich um überzeugte Anhänger des Nationalsozialismus. In den 1930er Jahren traten viele Menschen pragmatisch in die NSDAP ein, weil sich damit etwa ihre Berufsaussichten verbessert hätten, sagt Arend.
Auch Julia Drinnenberg, Mitarbeiterin in der Judaica-Abteilung im Hofgeismarer Stadtmuseum, begrüßt die Recherchemöglichkeit über die verschiedenen Portale. Die Beschäftigung mit der Familiengeschichte, speziell in der Nazi-Zeit, sei für viele Menschen wichtig. Für Drinnenberg sind die Akten der Spruchkammern aussagekräftiger als die reine Mitgliedsabfrage. Vor den Spruchkammern mussten sich Mitglieder der vom internationalen Militärgerichtshof als verbrecherisch erklärten Organisationen verantworten. Akten dazu findet man beispielsweise im Archivsystem Arcinsys des Hessischen Hauptstaatsarchivs.
Weitere Informationen auch unter: zu.hna.de/nationalarchiv
https://www.hna.de/
Mehr als 3300 NSDAP-Mitglieder aus dem Kreisteil Hofgeismar erfasst
Stand:16.05.2026, 06:03 Uhr
Von: Bernd Schünemann, Bea Ricken, Josefin Dudek, Axel Welch
Menschen flüchten beziehungsweise werden vertrieben. Das Bild entstand vermutlich nach Kriegsende 1945
Flucht und Vertreibung © Sammlung: Verein Heimat Und Kultur Gieselwerder
Ein neues Recherchetool macht Millionen NSDAP-Mitgliedskarten zugänglich. Allein in Hofgeismar lebten 678 Parteimitglieder der Nazis.
Hofgeismar – Gab es in der Familie oder Verwandtschaft Mitglieder der NSDAP? Das lässt sich jetzt mit einigen Klicks in wenigen Minuten herausfinden. „Spiegel“ und „Die Zeit“ haben ein digitales Recherchetool entwickelt, mit dem man sich auf die Suche begeben und Millionen Mitgliedskarten der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“ durchsuchen kann.
Die digitalen Datenbanken basieren auf den Dokumenten, die das US-Nationalarchiv für jeden frei zugänglich gemacht hat. Bisher war die vereinfachte Recherche nur für Abonnenten der Medienhäuser möglich. Das Recherchenetzwerk Correctiv und Katapult haben am vergangenen Dienstag eine kostenlose Version veröffentlicht. Allerdings ist dieses Recherchewerkzeug vorübergehend offline. Es wurde vorläufig gesperrt, da laut Correctiv Teile der verwendeten Daten nicht aus der ursprünglichen Quelle – dem US-Nationalarchiv – stammen, sondern aus bereits bestehenden Datensammlungen übernommen wurden.
Die HNA hat mit dem Recherchetool einen Blick auf den Kreisteil Hofgeismar geworfen und ausgewertet, in welchen Gemeinden und Ortsteilen NSDAP-Mitgliedschaften auftauchen. Mitglieder der Hitlerpartei finden sich in allen Orten.
Viele Menschen suchen Antworten
Auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Terrorherrschaft suchten viele Menschen nach Wahrheit und Antworten. Die konnten – oder wollten – ihnen die Generationen zuvor nicht geben, sagt der aus Holzhausen stammende Historiker Stefan Arend. „Dieses Ungesagte bleibt und nagt an den Menschen, die mehr über sich und ihre Wurzeln wissen wollen“, ergänzt der Historiker, der in der Nähe von München lebt und arbeitet.
Mehr als 3300 Menschen, die in der NSDAP Mitglied waren, wurden laut Datenbank in den heute neun Kommunen des Kreisteils Hofgeismar geboren. Die meisten Mitglieder wohnten mit 678 in der größten Stadt, in Hofgeismar. Es folgten Immenhausen mit 228 und Holzhausen mit 226 Mitgliedern. Im heutigen Immenhäuser Stadtteil Mariendorf waren es 20.
Zum Vergleich: 1933 wohnten noch sieben jüdische Familien mit gut 30 Familienmitgliedern in der Stadt Hofgeismar, sagt Julia Drinnenberg, Mitarbeiterin der Judaica-Abteilung im Hofgeismarer Stadtmuseum. 1939 musste die letzte jüdische Familie die Stadt verlassen.
Nach der Freigabe der Daten habe es „keine Chance gegeben, in den Server reinzukommen“, berichtet der Historiker Dr. Stefan Arend, der aus Holzhausen stammt. Er erwartet, dass jetzt viele Menschen die Möglichkeit nutzen werden, sich mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Das werde nicht nur die eigene Familie betreffen, sondern auch Bekannte oder beispielsweise frühere Bewohner von Dörfern.
https://www.hna.de/
War mein Opa ein Nazi? Darum recherchieren so viele Deutsche die NS-Vergangenheit ihrer Familie
Stand:16.05.2026, 17:19 Uhr
Von: Matthias Lohr
NSDAP-Mitglied und Dorfbürgermeister in der Schwalm: Heinrich Spies aus Wiera (1906-1969) ist der Großvater des Kasseler Filmemachers Klaus Stern. Das Foto zeigt ihn im Jahr 1963. © Privat/nh
Die NSDAP hatte mehr als zehn Millionen Mitglieder. Nun kann jeder leicht herausfinden, ob die eigenen Großeltern auch in der Partei waren. Aber was sagt das überhaupt aus?
Kassel – Klaus Stern hat in den vergangenen Wochen viel in einem Online-Archiv recherchiert und immer wieder neue Entdeckungen gemacht. Der Kasseler Filmemacher wusste schon länger, dass sein Großvater Heinrich Spies aus Wiera in der Schwalm seit dem 1. Januar 1930 Mitglied in der NSDAP war. Stern hatte dazu das Bundesarchiv angeschrieben und eine entsprechende Antwort erhalten. Mittlerweile geht dies jedoch viel einfacher.
Weltkulturerbe in Kassel: Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe
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Im März machten die US-Nationalarchive sämtliche verfügbaren Mitgliedskarten der NSDAP im Internet zugänglich. Seither wollen viele Deutsche wissen, ob ihre Opas und Omas Nazis waren. Der Ansturm war so groß, dass zwischenzeitlich die Server zusammenbrachen. Dabei ist das Ergebnis nicht immer übersichtlich. Es besteht aus PDF-Dokumenten, die wiederum aus den Scans vieler Mitgliedskarten zusammengesetzt sind. Sehr viel bequemer ist die Suche seit Kurzem auf Zeit.de und Spiegel.de. Beide Medienhäuser haben Künstliche Intelligenz eingesetzt, damit die Nutzer einfacher durch den digitalen Heuhaufen kommen.
Kasseler recherchierte auch für Freunde über NSDAP-Vergangenheit von Vorfahren
Der Kasseler Stern hat dort nicht nur den Namen seines Großvaters eingegeben, sondern auch den von einigen anderen Dorfbewohnern – sie waren ebenfalls NSDAP-Mitglieder. Für Freunde recherchierte er ebenso. Der 57-Jährige sagt: „Mich interessiert einfach, wer meine Vorfahren waren und was für einen Mist sie eventuell gemacht haben.“ Damit ist er nicht allein. Dem Vernehmen nach hat das Zeit-Angebot für viele neue Digital-Abos gesorgt. Den Dokumentarfilmer Stern überrascht das nicht: „Nazis gehen immer.“
Der Kasseler Historiker Dietfrid Krause-Vilmar nimmt schon länger ein verstärktes Interesse bei Familien nach den Großeltern wahr und nach dem, was sie einst gemacht haben: „Viele meiner Kollegen werden dazu angefragt. Ich bekam zuletzt sogar eine entsprechende Anfrage eines Mannes aus Schweden, der aus der Schwalm stammt.“ Das Interesse liegt seiner Ansicht nach auch daran, dass gerade im Westen viel zur NS-Geschichte geforscht worden sei, ebenso an Gedenkorten und Literatur, die sich mit der NS-Zeit beschäftige.
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Der 86-Jährige warnt aber davor, das Ergebnis der Online-Recherche überzubewerten: „Die reine Parteimitgliedschaft für sich genommen ist nicht besonders aussagekräftig.“ Wer 1922 oder 1923 eintrat und eine vierstellige Parteinummer aufweist, sei mit einiger Sicherheit ein überzeugter Nazi gewesen. Ist jemand nach 1933 eingetreten und hat eine sechsstellige Mitgliedsnummer, sage das jedoch viel weniger aus, als sich viele heute erhofften.
Krause-Vilmar war Professor an der Kasseler Universität und initiierte die Gedenkstätte Breitenau. Bei seiner Forschung, so sagt er es, waren ihm und seinen Kollegen vor allem Fragen wichtig wie: Hat sich jemand solidarisch gegenüber Verfolgten gezeigt? Für was stand er gerade? Bei der Betrachtung geht es also um viel mehr als eine NSDAP-Mitgliedskarte. Nach der Machtergreifung der Nazis habe es ein Opportunitätsdenken gegeben: „Es entstand zwar ein gesellschaftlicher Druck, sich anzupassen und mitzumachen, aber mir ist kein Fall bekannt, dass jemand verfolgt wurde, weil er nicht eingetreten ist.“
Auf die Frage, welche Nachteile, man zu erwarten hatte, wenn man kein Mitglied wurde, antwortet der Historiker: „Das hing von der beruflichen Laufbahn ab, die man angestrebt hat. Der Eintritt war grundsätzlich freiwillig.“ Bis heute halten sich Gerüchte, ganze Organisationen hätten eintreten müssen. „Das stimmt nicht“, sagt Krause-Vilmar. Für ihn kann die Mitgliedschaft immer nur der Anfang für eine weitere Spurensuche sein. Man müsse Archive durchforsten und selbst Zeitzeugen befragen, um herauszufinden, ob der Großvater Verbrechen gebilligt oder sogar mitbegangen hat.
Großvater war Landwirt und Bürgermeister
Klaus Stern hat das gemacht und Briefe seines Großvaters durchgelesen. Der Landwirt sei ein kluger Typ gewesen, aber vom Mindset her, wie man heute sagen würde, habe er wie ein Nazi geredet. Er habe sich geadelt gefühlt, da die Nationalsozialisten den Landwirten mit dem Titel „Erbhofbauern“ das Gefühl gegeben hätten, eine besondere Kaste zu sein. Während der NS-Zeit war Heinrich Spies Bürgermeister in Wiera. Wohl auch deshalb wurde er erst 1944 zur Wehrmacht eingezogen.
In der Familie wurde erzählt, er sei zwischenzeitlich aus der Partei ausgeschlossen worden, weil er vor Gericht als Zeuge einen jüdischen Viehhändler gegen den Vorwurf verteidigt habe, eine Kuh nicht bezahlt zu haben. In Wirklichkeit war es anders. Spies war 1933 mit drei anderen Männern ausgeschlossen worden. Sie hatten ein anderes Parteimitglied bei der NS-Größe Hermann Göring als Wendehals denunziert. Zwei Jahre später wurde er wieder aufgenommen. Mit seinem Großvater darüber sprechen konnte Klaus Stern nicht. Sein Opa starb 1969 mit 63 Jahren, da war der Enkel wenige Monate alt.
Mittlerweile sind die meisten Zeitzeugen gestorben. Für den Historiker Krause-Vilmar ist daher etwas besonders wichtig: „Zeitzeugen haben ihre eigene Sicht auf die Dinge. Die müssen wir ernst nehmen. Für später Geborene und gerade auch für junge Menschen ist es entscheidend, sich ein eigenes Urteil zu bilden.“ (Matthias Lohr)
https://www.hna.de/
Freeguide Stuttgart
15.05.2026
Hinter der glänzenden Fassade des demokratischen Aufbruchs in Baden-Württemberg verbargen sich nach 1945 tiefe personelle Abgründe. Eine Untersuchung der Landeszentrale für politische Bildung legt offen, dass die Nachkriegsparlamente keineswegs nur aus unbelasteten Neuanfängern bestanden. Stattdessen gelangten zahlreiche Männer in höchste Staatsämter, deren Hände unmittelbar mit den Verbrechen des Nationalsozialismus befleckt waren.
Besonders erschütternd ist die Biografie von Friedrich-Wilhelm Schallwig. Während er in der jungen Bundesrepublik als CDU-Abgeordneter und Träger der Verdienstmedaille auftrat, verschwieg er seine Zeit bei der SS-Totenkopf-Reiterstandarte und der Einsatzgruppe A. Er war direkt an den Massenerschießungen in Polen und der Organisation des Holocaust in Riga und Budapest beteiligt. Für Schallwig selbst blieb dies nach dem Krieg lediglich ein „politischer Irrtum“, den er durch den Verlust seiner eigenen Heimat als abgegolten betrachtete.
Ein weiteres düsteres Kapitel ist die „Arisierung“, die vielen späteren Politikern als Karrieresprungbrett diente. Paul Binder, später einer der „Wirtschaftsweisen“, agierte während der Besatzungszeit als Drahtzieher bei der Enteignung jüdischer Betriebe. Ähnlich handelte Carl Dornes, der als Verwalter jüdischen Vermögens nicht nur Besitz raubte, sondern durch bürokratische Willkür – wie das Vorenthalten von Pässen – Fluchtwege abschnitt und damit Todesurteile unterschrieb. Auch Minister wie Eduard Fiedler oder Staatssekretäre wie Karl Mocker profitierten persönlich von geraubtem jüdischem Eigentum.
Die Verstrickungen reichten bis in die Wissenschaft und das Rechtssystem. Während Mediziner wie Karl Heinrich Bauer trotz ihrer frühen Unterstützung für Zwangssterilisationen geehrt wurden, sprachen Richter wie Emil Niethammer, die schon in der Weimarer Republik Sympathien für rechtsextreme Mörder hegten, weiterhin im Namen des Volkes Recht. Dass diese Biografien so lange im Verborgenen blieben, lag auch am politischen Klima der Zeit. Unter den Ministerpräsidenten Kurt Georg Kiesinger und Hans Filbinger, die beide selbst NSDAP-Mitglieder gewesen waren, etablierte sich eine Kultur des Schweigens. Die geplante Online-Datenbank der Landeszentrale soll bis 2027 diese Mauer brechen und die individuelle Verantwortung der 716 Abgeordneten lückenlos dokumentieren.
https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.ns...
#NieWiederFaschismus #JudenverfolgunginStuttgart Weniger anzeigen
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Der SPIEGEL hilft beim Durchsuchen der Daten – und lässt Sie mit Treffern nicht allein
07.05.2025
»Ihr seid klüger«, hat die Holocaustüberlebende Margot Friedländer einmal an die Deutschen appelliert (hier mehr dazu). »Ihr habt gelernt – ihr wisst, was sich gehört, was wir sind.« Zu dem Lernen, das Friedländer meint, gehört es auch, sich klarzumachen, was die eigene Familie unter Hitler getan hat. Wissen Sie Bescheid darüber, was Ihre Großeltern und Urgroßeltern in der Nazizeit machten, wie sehr Ihre Familie verstrickt war? Der SPIEGEL hat Millionen Mitgliedskarten der NSDAP für Sie aufbereitet. Mit der smarten Suchfunktion können Sie selbst dann Akten finden, wenn Sie den Namen Ihres Uropas nur ungefähr wissen oder das genaue Geburtsjahr nicht kennen (hier mehr zum interaktiven Recherchetool ).
Interaktives Recherche-Tool
[M] DER SPIEGEL; ullstein bild
Der SPIEGEL hat Millionen Mitgliedskarten der NSDAP aufbereitet und durchsuchbar gemacht, so dass jede und jeder darin recherchieren kann. Die Ziel: Die Suche so komfortabel und sinnvoll zu gestalten wie möglich und zugleich Fehler zu minimieren. Aber keine Technik ist perfekt, mancher Datensatz unvollständig. Wir verstehen die Arbeit an der Nazi-Kartei als Experiment, das weitergeht. Wir werden das Recherchetool schrittweise erweitern und verbessern. Und wir werden Korrekturen und Erweiterungen transparent dokumentieren (alle Hintergründe hier ).
Millionen Deutsche wollten lange glauben, ihre Familien seien an Ausgrenzung, Gewalt, Kriegsverbrechen und Judenmord unbeteiligt gewesen. Acht Jahrzehnte nach Kriegsende haben viele angefangen, Tabus und Familienlegenden neu zu hinterfragen. Das US-Nationalarchiv hat im Frühjahr die überlieferten Mitgliedskarteien der NSDAP im Netz veröffentlicht. Die Millionen Einträge bieten eine – wenn auch unvollständige – Liste jener Personen, die bis 1945 zumindest auf dem Papier die Herrschaft und Verbrechen der Nationalsozialisten unterstützten.
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Der SPIEGEL hat, wie andere Organisationen und Redaktionen auch, die Daten aufbereitet. Unser Ziel: Die Recherche in den Akten für Sie so einfach wie möglich zu machen, dabei Fehler zu minimieren – und Ihnen sinnvolle Treffer zu liefern (hier zu den wichtigsten Fakten über die Nazi-Datenbank ). Wir wollen Sie mit den Treffern nicht alleinlassen. Sie finden zu jedem Treffer mehr Hintergrund und historischen Kontext in automatisch erstellten Dossiers, die Sie herunterladen und teilen können. Zudem finden Sie nützliche Tipps und Links, wie Sie weiterforschen können. Unsere smarte Suche gleicht die Treffer etwa mit den Entnazifizierungsakten ab, die in vielen Bundesländern zugänglich sind.
Bei aller Sorgfalt und Mühe ist klar: Die Datenbank hat Lücken und enthält Fehler, die wir nach und nach beheben. Wenn Sie Ihre Verwandten nicht finden, kann das unterschiedliche Gründe haben: In den historischen Beständen fehlen viele Karten. Aber auch beim Aufbereiten der Daten können Pannen passieren. Oder die KI hat Namen doch falsch ausgelesen oder zugeordnet. Wir werden unser Recherchetool schrittweise erweitern und verbessern. Und wir werden die Korrekturen und Erweiterungen transparent dokumentieren.
- Hier können Sie die Kartei durchsuchen – und sich ein persönliches Dossier erstellen: Finden Sie hier heraus, was Ihre Familie unter Hitler getan hat
DEBATTE
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Suche im US-Nationalarchiv
Mehr als eine Million Zugriffe auf NSDAP-Mitgliederkartei
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Player: videoFrühere NSDAP-Mitgliederausweise für Nachforschungen online abrufbar
2 Min
Stand: 18.04.2026 • 18:37 Uhr
Seit knapp einem Monat kann beim US-Nationalarchiv online nach früheren NSDAP-Mitgliedern gesucht werden. Das Interesse am Blick in die Vergangenheit ist groß. Denn in Deutschland unterliegt die Auskunft strikteren Auflagen.
Auch gut 80 Jahre nach Ende des Nazi-Regimes ist das Interesse bei vielen Deutschen an der Geschichte der eigenen Familie in diesen Zeiten groß. Das zeigen die Zugriffe auf eine neue Suche, die seit knapp einem Monat bei den US-Nationalarchiven möglich ist.Etwa 1,5 Millionen Aufrufe der Suche über das Online-Archiv hat das US-Nationalarchiv nach eigenen Angaben bisher verzeichnet. Zahlreiche digitale Objekte können dort frei durchsucht werden - ohne dass vorher ein Antrag gestellt werden muss. Allerdings ist der Zugriff auf die Seite immer wieder überlastet.Seit dem 20. März sind dort die Mitgliedskarteien der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) - die mikroverfilmte Zentralkartei und die Ortsgruppenkartei - vollständig im Netz verfügbar. Diese enthalten Daten Millionen Deutscher, die bis 1945 Mitglied waren.Noch am Ende des Zweiten Weltkriegs zählte die Partei Angaben des Deutschen Historischen Museums zufolge rund 8,5 Millionen Mitglieder. Damit war 1945 jeder fünfte erwachsene Deutsche Mitglied.
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2 Min
Frühere NSDAP-Mitgliederausweise für Nachforschungen online abrufbar
Manuel Mehlhorn/Susett Kleine, MDR, tagesschau, Das Erste, 18.04.2026 • 20:00 Uhr
Bei der Suche ist oft viel Geduld gefragt
Für die Suche in dem Archiv benötigen die Nutzer den Vor- und Nachnamen der gesuchten Person, idealerweise sind auch Geburtsdatum und Wohnort bekannt. Die Suche führt allerdings nicht direkt zu einzelnen Mitgliedskarteikarten, sondern zu digitalisierten Mikrofilmen, die dann durchsucht werden können. Über die Mitgliedschaft in der NSDAP hinaus liefert das Archiv keine Informationen, etwa über eine mögliche Mitgliedschaft in der Wehrmacht, der SA oder SS.Doch trotz des begrenzten Ausmaßes der Informationen war der Andrang auf die neue Onlinesuche zwischenzeitlich so groß, dass die Seite des US-Nationalarchivs nicht mehr zu erreichen war. Darüber berichtete beispielsweise der Bayerische Rundfunk. Auch die Zeit hat den Datensatz inzwischen per Online-Suchtool zugänglich gemacht.
Ein NSDAP-Mitgliedsbuch eines Vorfahren eines rbb-Mitarbeiters, aus Persönlichkeitsgründen unkenntlich gemacht, 31.03.26 (Quelle: rbb).
Player: audioWar Opa ein Nazi?
03.04.2026
Brandenburg Berlin
NSDAP-Mitgliederkartei im Netz: War Opa ein Nazi?
Jahrzehntelang lagen sie in Archiven verstaut, nun aber sind die meisten der NSDAP-Mitgliedsbücher online veröffentlicht worden. mehr
Suche über Bundesarchiv mit Einschränkungen
Die Suche nach der eigenen Familienvergangenheit ist auch in Deutschland möglich, allerdings gelten hier größere Einschränkungen. Schon seit 1994 sind die Dateien, die im US-Nationalarchiv hinterlegt sind, auch im Bundesarchiv in Berlin verfügbar. Zudem verfügt das Bundesarchiv auch über Informationen zu Mitgliedschaften in Parteigliederungen wie SS und SA, die im US-Archiv bislang nicht erhältlich sind.Allerdings muss zur Einsicht in die Dateien und Dokumente beim Bundesarchiv ein Antrag mit Anfragen zu konkreten Personen gestellt werden. Außerdem gelten für die Herausgabe der Informationen Schutzfristen aufgrund von Persönlichkeitsrechten. Diese Rechte einzelner NSDAP-Mitglieder erlöschen beim Bundesarchiv erst zehn Jahre nach dem Tod einer Person oder 100 Jahre nach ihrer Geburt.
Dieses Thema im Programm:
tagesschau24 | Nachrichten | 18.04.2026 | 10:00 Uhr
https://www.tagesschau.de/
18.04.2026 - DEUTSCHLAND/USA: Auch gut 80 Jahre nach Ende des Nazi-Regimes ist das Interesse bei vielen Deutschen an der Geschichte der eigenen Familie in diesen Zeiten groß. Das zeigen die Zugriffe auf eine neue Suche, die seit knapp einem Monat bei den US-Nationalarchiven möglich ist.Etwa 1,5 Millionen Aufrufe der Suche über das Online-Archiv hat das US-Nationalarchiv nach eigenen Angaben bisher verzeichnet. Zahlreiche digitale Objekte können dort frei durchsucht werden - ohne dass vorher ein Antrag gestellt werden muss. Allerdings ist der Zugriff auf die Seite immer wieder überlastet.Seit dem 20. März sind dort die Mitgliedskarteien der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) - die mikroverfilmte Zentralkartei und die Ortsgruppenkartei - vollständig im Netz verfügbar. Diese enthalten Daten Millionen Deutscher, die bis 1945 Mitglied waren.Noch am Ende des Zweiten Weltkriegs zählte die Partei Angaben des Deutschen Historischen Museums zufolge rund 8,5 Millionen Mitglieder. Damit war 1945 jeder fünfte erwachsene Deutsche Mitglied. Für die Suche in dem Archiv benötigen die Nutzer den Vor- und Nachnamen der gesuchten Person, idealerweise sind auch Geburtsdatum und Wohnort bekannt. Die Suche führt allerdings nicht direkt zu einzelnen Mitgliedskarteikarten, sondern zu digitalisierten Mikrofilmen, die dann durchsucht werden können. Über die Mitgliedschaft in der NSDAP hinaus liefert das Archiv keine Informationen, etwa über eine mögliche Mitgliedschaft in der Wehrmacht, der SA oder SS.Doch trotz des begrenzten Ausmaßes der Informationen war der Andrang auf die neue Onlinesuche zwischenzeitlich so groß, dass die Seite des US-Nationalarchivs nicht mehr zu erreichen war. Darüber berichtete beispielsweise der Bayerische Rundfunk. Auch die Zeit hat den Datensatz inzwischen per Online-Suchtool zugänglich gemacht. Seit knapp einem Monat kann beim US-Nationalarchiv online nach früheren NSDAP-Mitgliedern gesucht werden. Das Interesse am Blick in die Vergangenheit ist groß. Denn in Deutschland unterliegt die Auskunft strikteren Auflagen. Suche im US-Nationalarchiv: Mehr als eine Million Zugriffe auf NSDAP-Mitgliederkartei >>> SIEHE AUCH: NS-Vergangenheitsbewältigung gesellschaftlich, wirtschaftlich, wissenschaftlich, politisch, juristisch - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: NS-Täter - u.a. auch in Mosbach, Baden und Württemberg - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: NSDAP u.a. in Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis und Baden-Württemberg -- - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>>
Online-Archiv zu NSDAP-Mitgliedern: So funktioniert die Suche
Aktualisiert am 30.03.2026, 11:43 Uhr
Waren eigene Angehörige in der NSDAP – und haben diese Mitgliedschaft vielleicht verschwiegen? Das fragen sich auch gut 80 Jahre nach dem Nazi-Regime viele Menschen. Jetzt gibt es ein neues Online-Archiv. Wie es funktioniert, was zu beachten ist.
Von
Maximilian Heim
Über dieses Thema berichtet: Kulturleben am 18.03.2026 um 14:05 Uhr.
Über 16 Millionen digitale Objekte, zumindest anfangs überlastete Server: Die neue Online-Suche zu Mitgliedern der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) sorgt seit Mitte März für Schlagzeilen. 1945 hatte die Partei rund 8,5 Millionen Mitglieder. Wie die Archivsuche funktioniert, worauf man achten sollte und welche Grenzen das Angebot hat – alle wichtigen Infos im Überblick.
Wo finde ich die NSDAP-Mitgliederkartei online?
Zur Verfügung gestellt wird die Online-Suche innerhalb des Katalogs der US-Nationalarchive. Und zwar unter diesem Link (https://catalog.archives.gov/id/12044361). Dort gibt es die Serie "Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)". Alternativ gibt es die interne Suchansicht der Serie unter diesem Link (https://catalog.archives.gov/search-within/12044361).
Seit die Online-Suche verfügbar ist, lassen sich die Webseiten teils nicht aufrufen. Das liegt an zu vielen Anfragen und überlasteten Servern. Auf BR24-Anfrage teilte die Pressestelle der US-Nationalarchive mit: Am 17. und 18. März 2026 habe es eine Erhöhung der Aufrufzahlen um 925 Prozent gegeben. Man arbeite aber an technischen Lösungen, um die Erreichbarkeit der Seiten zu gewährleisten.
Wie genau funktioniert die Suche?
Wichtig zu wissen, und vermutlich der Hauptgrund für den Ansturm: Man muss keinen Antrag ausfüllen und braucht keinen Account – die Suchfunktion ist für alle zugänglich. Zunächst klickt man dafür auf den blau hinterlegten Button "Search within the series" oder wählt direkt die interne Suchansicht. Dann gibt es mehrere Möglichkeiten, ähnlich wie bei einer Google-Suche:
- NACHNAME, VORNAME (in diesem Format sind die meisten Mitglieder gelistet)
- VORNAME NACHNAME
- "NACHNAME, VORNAME"
- "VORNAME NACHNAME
- ergänzend weitere Angaben wie den Wohnort, das Geburtsjahr oder das Geburtsdatum im Format "xx.yy.zz"
Laut ersten Erfahrungsberichten funktioniert die Suche mit Anführungszeichen besser, weil dann nach der gesamten Suchphrase und nicht nach einzelnen Wörtern gesucht wird. Eine mögliche Eingabe in das Suchfeld wäre also: "Maier, Sepp" "01.02.16". Teils ist das Geburtsdatum auch im Format "x.y.zz.", im genannten Beispiel also "1.2.16".
Es gilt, wie bei allen Archivsuchen: Geduld ist gefragt. Die erste Sucheingabe muss noch nicht zum Ziel führen – umgekehrt heißt kein Treffer bei der ersten Suche nicht, dass es wirklich keine Treffer gibt. Man sollte einen möglichst großen Bildschirm nutzen, also lieber am Computer als am Smartphone suchen. Und: Man braucht Zeit, muss unter Umständen hunderte Seiten Mikrofilm durchsuchen.
- Eine extrem ausführliche Suchanleitung bietet dieser Reddit-Thread (externer Link).
Was ist bei den Suchergebnissen zu beachten?
Wichtig bei der Interpretation der Suchergebnisse:
- Die Suche führt nicht direkt zu einzelnen Mitglieds-Karteikarten, sondern zu digitalisierten Mikrofilmen, die man dann wiederum nach bestimmten Namen durchsuchen kann.
- Die automatische Texterkennung liest die Namen mitunter falsch.
- Rund 20 Prozent der Kartei sind verloren gegangen.
- Zeitpunkt des Parteieintritts beachten: Eintritt vor 1933 deutet auf frühe Unterstützung der Nazis schon vor der Machtübernahme hin – Eintritt deutlich später kann auch aufgrund von Druck oder Opportunismus erfolgt sein.
- Das Online-Archiv verrät nichts über die Mitgliedschaft in der Wehrmacht, der SA oder SS.
Warum gibt es in Deutschland bisher kein Online-Archiv?
"Im Bundesarchiv liegt die NSDAP-Mitgliederkartei im Original und digitalisiert vor", sagt ein Sprecher des Bundesarchivs auf BR24-Anfrage. "Jeder und jede kann dazu Auskunft erhalten, wenn er oder sie schriftlich oder digital beim Bundesarchiv anfragt." Die einfache Auskunft sei kostenfrei und werde in der Regel als digitale Kopie verschickt.
Dass es in Deutschland bisher keine frei zugängliche Online-Suche gibt, liegt laut dem Sprecher an gesetzlich vorgeschriebenen Schutzfristen in Deutschland "100 Jahre nach Geburt bzw. zehn Jahre nach Tod einer Person". Das Ziel des Bundesarchivs sei, "die Mitgliederkartei insgesamt online zu stellen, wenn die Fristen in den kommenden Jahren abgelaufen sein werden".
Dank wem gibt es die NSDAP-Mitgliederkartei noch?
Dass die NSDAP-Mitgliederkartei größtenteils erhalten ist, liegt am Münchner Papiermüller Hanns Huber. Seine Papierfabrik hatte kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs eigentlich den Auftrag, die Mitgliederkarten zu verbrennen. Huber zögerte das aber hinaus, nachdem er die Brisanz der Dokumente erkannt hatte. Wie genau dieser "Krimi aus den letzten Kriegstagen" ablief, hat die Süddeutsche Zeitung 2020 ausführlich berichtet (externer Link; möglicherweise Bezahlinhalt).
Wo gibt es Informationen über Mitglieder der Wehrmacht?
Eine mögliche NSDAP-Mitgliedschaft von Familienmitgliedern ist ein Aspekt der Ahnenforschung. Viele Menschen interessiert auch, welche Rolle ihre Großväter oder Urgroßväter in der Wehrmacht, der SA oder der SS hatten. Wer dazu recherchieren möchte, kann sich ans Bundesarchiv wenden und dort einen entsprechenden Antrag stellen (externer Link).
Dieser Artikel ist erstmals am 22. März 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel aktualisiert und erneut publiziert.
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Seit der Online-Freigabe: Ansturm auf NSDAP-Mitgliederkartei
18.03.2026, 13:04 Uhr
Seit der Online-Freigabe: Ansturm auf NSDAP-Mitgliederkartei
Das National Archive in Washington D.C. schaltete Millionen von mikroverfilmten Personendaten über Nazis frei. Seitdem scheint das Interesse riesig, teilweise gab es...
https://www.br.de/
21.03.2026 - DEUTSCHLAND/USA: Wer wenig über seine Vorfahren weiß, kann nun vielleicht im US-Nationalarchiv mehr Informationen zu seinen Großeltern finden. Das Archiv hat Millionen Mitgliedskarten der NSDAP öffentlich zugänglich gemacht. In einer Umfrage der Universität Bielefeld gab die Hälfte der Befragten an, dass sie davon ausgehen, dass ihre Familienmitglieder nicht zu den "Mitläufern" des NS-Systems gehörten. Doch die dazugehörige MEMO-Studie zeigt auch, dass insbesondere über Täter in der eigenen Familie kaum Informationen weitergegeben wurden. Ein Archiv könnte jetzt Details aufdecken. Das US-Nationalarchiv hat Millionen Mitgliedsanträge für die NSDAP oder ihr nahestehende Vereinen online gestellt. Sich durch das Archiv klicken ist kostenlos und kann unter den Karteikarten nach den eigenen Vorfahren suchen. Laut der MEMO-Studie zeigt die Enkelgeneration vermehrt Interesse daran, die Rolle der Großeltern zu erforschen, da sie mehr emotionalen Abstand hat. Wer seine Familiengeschichte aufarbeiten will, findet in dem US-Archiv Namen, Geburtsdaten, Mitgliedsnummern, Eintrittsdaten und teilweise Portraitfotos von NSDAP-Mitgliedern. Das Archiv der Mitglieder ist zwar nicht vollständig, die Millionen Einträge bieten allerdings eine weitreichende Liste der Deutschen, die bis 1945 zumindest auf dem Papier hinter den Nationalsozialisten standen. Das Archiv umfasse etwa 6,6 Millionen Mitgliedskarten für einzelne NSDAP-Mitglieder, heißt es in der Beschreibung der Kartei auf der Website des US-Nationalarchivs. Die Website ist nach Angaben des Instituts derzeit des öfteren wegen vielen Anfragen nicht immer gut erreichbar. 8,5 Millionen Mitglieder hatte die NSDAP bis 1945 insgesamt. Rund ein Fünftel der Daten ist also nicht zugänglich. Die jüngsten Parteimitglieder der NSDAP wurden 1928 geboren, um bis 1945 im volljährigen Alter beigetreten zu sein - diese Frist könnte also 2028 erreicht sein. Die Offenlegung vieler der Akten durch das US-Archiv gilt als historisch, insbesondere zu einem Zeitpunkt, an dem Zeitzeugen immer weniger werden. Akte von Adolf Hitler jetzt online zugänglich. Die Aufzeichnungen dokumentieren größtenteils drei grundlegende Kategorien von Informationen, wie das US-Nationalarchiv beschreibt. Darunter fallen etwa die Mitgliedschaft in der NSDAP, die Mitgliedschaft in bestimmten Berufsverbänden, die von der NSDAP gefördert wurden oder mit ihr verbunden waren, sowie die Aktivitäten des nationalsozialistischen Justizsystems. Das US-Nationalarchiv hat Millionen Dokumente über frühere NSDAP-Parteimitglieder online gestellt. Die Akte von Adolf Hitler ist online – und mit ihr Millionen NS-Dokumente >>> SIEHE AUCH: NS-Vergangenheitsbewältigung gesellschaftlich, wirtschaftlich, wissenschaftlich, politisch, juristisch - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: NS-Täter - u.a. auch in Mosbach, Baden und Württemberg - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: NSDAP u.a. in Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis und Baden-Württemberg -- - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>>
18.03.2026 - USA/DEUTSCHLAND: Geduld ist gefragt: Die Online-Nachfrage nach den Unterlagen über die Mitgliedschaft in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei ["Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei", externer Link] im National Archive in Washington D.C. ist offenbar außergewöhnlich hoch, seit sie freigeschaltet wurden. Grund dafür: Ohne weitere Anmeldung oder gar eine Antragstellung kann ab jetzt jeder per Mausklick nachschauen, ob und wann seine Vorfahren in die Hitler-Partei eingetreten sind oder aus sonstigen Gründen in den rund 16 Millionen Schriftstücken und Fotos stöbern. Im Netz wird über etwaige familiäre Recherche-Ergebnisse bereits rege debattiert [externer Link]: "Wenn Sie die Namen Ihrer Verwandten in dieser Datenbank finden, bedeutet das nicht, dass sie wirklich daran glaubten. Sie könnten nur beigetreten sein, um Probleme oder negative Reaktionen zu vermeiden." Oder auch: "Schwarz-Weiß-Denken ist beim Geschichtsstudium keine gute Herangehensweise. Es gibt unzählige Grauzonen." Es wurde auch bemängelt, dass die Online-Suche technisch nicht ganz einfach sei. So will ein Kommentator den Namen seines Opas nicht gefunden haben, obwohl er dessen NSDAP-Mitgliedsnummer kenne. "Es gibt ein großes Interesse an Unterlagen zur NS-Zeit", so der Pressesprecher des Bundesarchivs Elmar Kramer gegenüber dem BR. Jährlich würden rund 75.000 Personen-Anfragen zur NSDAP, der Wehrmacht und weiteren Organisationen bearbeitet, dazu kämen rund 30.000 Anfragen zu Stasi-Unterlagen. Allerdings dürften personenbezogene Dokumente abgesehen von den Stasi-Akten nach deutschem Recht erst zehn Jahre nach dem Tod einer Person bzw. 100 Jahre nach ihrer Geburt herausgegeben werden. Kramer stellt für die "kommenden Jahre" in Aussicht, dass NSDAP-Bestände auch in Deutschland online gestellt werden: "Das Thema haben wir auf der Agenda und uns ist auch bewusst, dass es daran ein großes Interesse gibt." Eine Recherche über das Bundesarchiv habe den Vorteil, dass Archivare "zusätzliche Informationen" liefern könnten: "Es gehört weit mehr dazu, als nur rein zu klicken und dann etwas vermeintlich in Erfahrung gebracht zu haben, es braucht auch Hintergrund-Wissen." Am wenig transparenten Umgang der deutschen Archive mit Beständen aus der Nazi-Zeit gab es immer wieder teils heftige Kritik. So sagte der spätere Bundespräsident Joachim Gauck im Oktober 2008 [externer Link]: "Nach dem Zweiten Weltkrieg standen die Opfer der Nazis oft wie Bettler vor den verschlossenen Toren der Archive, weil man meinte, die Persönlichkeitsrechte der Täter mehr schützen zu müssen als die der Opfer. Mit der Öffnung der Stasi-Archive muten wir den Tätern jetzt mehr zu als den Opfern." Die Bundestagsfraktion der Grünen hatte bereits im März 1987 gefordert, "Funktionsträger der NSDAP/SA/SS, sowie Amtsträger in Ausübung ihrer dienstlichen Obliegenheiten" vom Persönlichkeitsrechtsschutz auszunehmen. Auf eine entsprechende Anfrage dazu hatte die Bundesregierung jedoch nur geantwortet (Drucksache 11/2609): "Strafverfolgungsbehörden hatten und haben unabhängig von Sperrfristen jederzeit Zugang zu den Unterlagen." Die teils grotesken Begleitumstände bei der Rückgabe und Nutzung von NS-Dokumenten hatte die Historikerin Astrid M. Eckert in ihrer Dissertation "Kampf um die Akten" 2004 aufgearbeitet. Das National Archive in Washington D.C. schaltete Millionen von mikroverfilmten Personendaten über Nazis frei. Seitdem scheint das Interesse riesig, teilweise gab es Zugangsprobleme. Offenbar sind vor allem deutsche Nutzer daran interessiert. Seit der Online-Freigabe: Ansturm auf NSDAP-Mitgliederkartei >>> SIEHE AUCH: NS-Vergangenheitsbewältigung gesellschaftlich, wirtschaftlich, wissenschaftlich, politisch, juristisch - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: NS-Täter - u.a. auch in Mosbach, Baden und Württemberg - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: NSDAP u.a. in Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis und Baden-Württemberg -- - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>>
18.03.2026 - USA/DEUTSCHLAND: Mehr als 80 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft in Deutschland ermöglicht das US-amerikanische Nationalarchiv eine historische Familienforschung über das Internet. Auf der Suche nach den eigenen Großeltern kann sich jeder ohne vorherige Anmeldung durch Millionen Einträge klicken. Die USA ermöglichen im Gegensatz zu Deutschland einen Zugang zu einer vollständigen digitalen Kopie der mikroverfilmten NSDAP-Zentralkartei sowie NSDAP-Ortsgruppenkartei. Damit stehen mehr als 16 Millionen digitale Objekte wie Fotos auf mehr als 5.000 digitalisierten Mikrofilmrollen frei zur Verfügung. Diese enthalten die Daten Millionen Deutscher, die bis 1945 Mitglied in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) waren. Nach Angaben des Deutschen Historischen Museums war 1945 „jeder fünfte erwachsene Deutsche einer von insgesamt 8,5 Millionen Parteigenossen“ und hat damit zumindest auf dem Papier das Unrechtssystem unterstützt. Kern der US-Sammlung ist die sogenannte „Master File“, die mehrere zentrale Karteien vereint. Dazu gehört die Ortsgruppenkartei mit rund 6,6 Millionen Mitgliedskarten, die detaillierte Angaben wie Name, Geburtsdatum, Beruf, Parteieintritt und Wohnort enthalten. Ergänzend existiert die Zentralkartei mit etwa 4,3 Millionen Karten, die zwischen 1929 und 1943 angelegt wurden und auch führende NS-Funktionäre wie Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Rudolf Heß erfassen. Dazu kommen mehr als 200.000 Fragebögen von NSDAP-Mitgliedern im Großraum Berlin und Materialien zu angeschlossenen Organisationen wie dem Nationalsozialistischen Lehrerbund oder der Reichsärztekammer. Dass die von den Nazis akribisch verfassten Karteien ihrer Parteimitglieder überhaupt noch existieren, ist Hanns Huber, Geschäftsführer einer Papierfabrik nördlich von München, zu verdanken. Er widersetzte sich kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs dem Befehl, insgesamt 65 Tonnen Papier einzustampfen. So bewahrte er das umfangreiche Beweismaterial vor der Vernichtung. Forschende und auch Privatpersonen können das Archiv nun online nutzen. Historiker Winter betont, es handle sich um einen Zugang zu sehr umfangreichen Archivbeständen: „Es ist eben keine ‚Nazisuchmaschine‘, wo man Namen eingibt und sofort alles herausfindet.“ Solche großen Datensätze seien etwa für Historiker sehr hilfreich, weil man nach Namen suchen kann, aber mit anderen Suchbegriffen auch neue Personen findet, auf die man sonst gar nicht gekommen wäre, sagt Winter. Er forscht an der Universität Leipzig zum Thema „Unternehmenskultur, Zwangsarbeit und Judenmord beim Leipziger Rüstungskonzern HASAG“. Erstmals wurden die überlieferten Mitgliedskarteien der NSDAP vollständig ins Netz gestellt. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig. Vollständige Mitgliederlisten online: US-Archiv ermöglicht Recherchen zu NS-Vergangenheit deutscher Familien >>> SIEHE AUCH: NS-Vergangenheitsbewältigung gesellschaftlich, wirtschaftlich, wissenschaftlich, politisch, juristisch - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: NS-Täter - u.a. auch in Mosbach, Baden und Württemberg - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: NSDAP u.a. in Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis und Baden-Württemberg -- - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>>
18.03.2026 - USA/DEUTSCHLAND: Zahlreiche Akten der NSDAP stehen jetzt im Internet zur Verfügung. Hier finden Sie eine Hilfestellung für die Recherche zur Geschichte Ihrer Ahnen. Über acht Jahrzehnte nach dem Ende des NS-Regimes stellt das Nationalarchiv der USA eine Möglichkeit zur weitreichenden historischen Ahnenforschung im Internet bereit. Laut Meldungen der Nachrichtenagentur dpa ist es für jeden möglich, ohne eine Registrierung Millionen von Datensätzen zu durchsuchen, um Informationen über die eigenen Vorfahren zu finden. Anders als in Deutschland, ermöglichen die Vereinigten Staaten den Zugriff auf eine komplette digitale Version der auf Mikrofilm erfassten NSDAP-Zentralkartei und der Ortsgruppenkartei. Folglich sind über 16 Millionen digitale Dokumente auf mehr als 5.000 digitalisierten Filmrollen öffentlich zugänglich. Darin finden sich Informationen von Millionen Deutschen, welche bis 1945 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) angehörten. Das Deutsche Historische Museum gibt an, dass 1945 „jeder fünfte erwachsene Deutsche einer von insgesamt 8,5 Millionen Parteigenossen“ war und somit das Unrechtssystem zumindest formell unterstützte. „Das hat eine transatlantische Geschichte – die Unterlagen wurden nach dem Krieg für Entnazifizierung und Prozesse genutzt“, erläutert der Geschichtswissenschaftler Martin Winter von der Universität Leipzig. Aus diesem Grund sei es nicht außergewöhnlich, dass sich derartige Sammlungen im Nationalarchiv der USA befinden. Digitale Duplikate dieser Unterlagen existieren ebenfalls im Berliner Bundesarchiv, ihr Gebrauch ist dort aber aus juristischen Motiven erheblich limitiert. Das Herzstück der amerikanischen Kollektion bildet die sogenannte „Master File“, in der verschiedene Hauptkarteien zusammengefasst sind. Ein Teil davon ist die Ortsgruppenkartei, die circa 6,6 Millionen Mitgliederausweise umfasst, welche genaue Informationen wie den Namen, das Geburtsdatum, die Profession, das Eintrittsdatum in die Partei und den Wohnsitz beinhalten. Zusätzlich gibt es die Zentralkartei mit ungefähr 4,3 Millionen Karteikarten, in der auch prominente NS-Führer wie Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Rudolf Hess verzeichnet sind. Über 200.000 Fragebögen von Parteimitgliedern aus der Berliner Region kommen noch hinzu. Die Existenz der sorgfältig von den Nationalsozialisten angelegten Karteien ist Hanns Huber, dem Leiter eines Papierwerks im Norden von München, zu verdanken. Kurz vor dem Kriegsende missachtete er die Anweisung, 65 Tonnen des Papiers zu vernichten, und rettete dadurch die umfassenden Beweismittel vor der Zerstörung. Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München bezeichnete dies rückblickend als eine „mutige Entscheidung von politischer Tragweite“. NSDAP-Archive online: So könnt ihr die Nazi-Vergangenheit eurer Familie erforschen >>> SIEHE AUCH: NS-Vergangenheitsbewältigung gesellschaftlich, wirtschaftlich, wissenschaftlich, politisch, juristisch - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: NS-Täter - u.a. auch in Mosbach, Baden und Württemberg - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>> SIEHE AUCH: NSDAP u.a. in Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis und Baden-Württemberg -- - u.a. in juristischen Aufarbeitungen ausgehend vom Amtsgericht Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis >>>
Waren meine (Ur-)Großeltern Nazis?
: Digitale Karteien: Wie man Akten der NSDAP online durchsucht
von Tobias Bluhm
18.03.2026 | 18:46
Millionen NSDAP-Karteikarten stehen kostenlos zur Verfügung - online in den USA und beim Bundesarchiv. Worauf man bei der Recherche der eigenen Familiengeschichte achten sollte.
Das US-Nationalarchiv hat Millionen NSDAP-Mitgliedskarteien erstmals im Netz veröffentlicht. Recherchen zu einzelnen Personen können auch auf Antrag vom Bundesarchiv übernommen werden.
18.03.2026 | 0:52 min
Wer sich auf Spurensuche in der eigenen Familiengeschichte begibt, stößt auf alte Namen, Daten und Fotos. Archive können spannende Einblicke in vergangene Generationen eröffnen - werfen aber oft auch Fragen auf. Etwa dann, wenn sich Hinweise auf eine NSDAP-Mitgliedschaft von Vorfahren finden.
Wie geht man mit solchen Daten um, und wie gelingt eine systematische Recherche der eigenen Familiengeschichte? Schließlich sind die Nachforschungen nicht ohne Tücken. Worauf Sie bei der Archivsuche achten sollten.
12,7 Millionen Digital-Karteien beim Bundesarchiv
Die erste Anlaufstelle für die Recherche zu Akten aus der NS-Zeit ist in Deutschland das Bundesarchiv. In Berlin-Lichterfelde liegen mehr als 12,7 Millionen Karteikarten aus dieser Ära. Dazu gehören sowohl die Zentralkartei als auch die sogenannten Gaukarteien, in denen die Mitglieder nach Parteibezirk und Wohnort sortiert wurden.
Ein Teil der Dokumente wurde in den Kriegsjahren zerstört - aber das Bundesarchiv hat Zugriff auf alle noch erhaltenen Karteien.
„
Elmar Kramer, Bundesarchiv
Die Recherche übernehmen dort erfahrene Archivare: "Anträge nehmen wir schriftlich und per E-Mail an, mindestens benötigt werden der Name, Vorname und das Geburtsdatum der betreffenden Person", erklärt Elmar Kramer vom Bundesarchiv gegenüber ZDFheute. Je mehr weitere Informationen vorliegen, desto leichter fällt die Recherche.
Wer war Thilo Mischkes Großmutter wirklich? Katja Riemann sucht Antworten zum rätselhaften Tod ihrer Großmutter 1945. Eine bewegende Spurensuche beginnt.
21.01.2026 | 33:16 min
Auskunfts-Schutzfristen in Deutschland
Vor zwei Jahren wurden alle Karteien im Bundesarchiv digitalisiert - allerdings sind sie noch nicht vollständig öffentlich zugänglich. "Das liegt an gesetzlichen Schutzfristen", so Kramer, "die bei NS-Recherchen 100 Jahre nach der Geburt oder zehn Jahre nach dem Tod einer Person liegen."
Erst nach Ablauf der Fristen dürften alle Informationen der Akten veröffentlicht werden.
NS-Aktenbestände beim Bundesarchiv:
- ca. 12,7 Mio. Karteikarten der Zentralen NSDAP-Mitgliederkartei
- ca. 1,3 Mio. Parteikorrespondenzen
- ca. 240.000 Personenakten des Rasse- und Siedlungshauptamtes-SS
- ca. 350.000 Personalunterlagen von SS-Angehörigen
- ca. 550.000 Personalunterlagen von SA-Angehörigen
- Personalunterlagen von Umsiedlern (Einwandererzentralstelle Litzmannstadt)
- Personenakten der Reichskulturkammer
Karteikarte NSDAP
Dokumente wie dieses bringen Archivrecherchen hervor: Auf der Karteikarte der NSDAP sind mehrere Umzüge der Person vermerkt.
Quelle: National Archives, Washington D.C.
NSDAP-Akten im US-Nationalarchiv einsehbar
Etwas weniger genau mit den Schutzrechten nimmt es offenbar das US-amerikanische Nationalarchiv. Auch dort kann man auf NSDAP-Karteien zugreifen - auch jene, die in Deutschland noch nicht öffentlich sind.
Dass auch die USA Zugriff auf die Dokumente haben, liegt daran, dass sie in den 1990er-Jahren alle Karteien auf Mikrofilm abfotografierten, ehe die Dokumente in den Besitz des Bundesarchivs übergingen. Seit Ende Februar steht der Datensatz kostenlos online zur Verfügung - allerdings ist die Navigation nicht ganz selbsterklärend.
So funktioniert die NSDAP-Recherche im US-Nationalarchiv
- Mit der Suchmaske wird der gesamte Mikrofilm durchsucht. Es empfiehlt sich also, nach dem Muster "NACHNAME, VORNAME" zu recherchieren - in dieser Reihenfolge sind die Namen auch in den Karteien vermerkt.
- Für eine genaue Filterung hilft es unter Umständen, den Namen in Anführungszeichen zu setzen. Auch nach Wohnorten, Adressen oder Geburtsdaten (Format: TT.MM.JJ) kann gesucht werden.
- Die Suchergebnisse sind sortiert nach Zentralkartei (MFKL) und Ortsgruppen-/Gaukartei (MFOK).
- Das Kürzel, zum Beispiel "Number D0105", hilft bei der Orientierung zu allen Nachnamen in der jeweiligen Datei - in diesem Beispiel ist es das 105. Bild auf dem Filmstreifen der mit D beginnenden Nachnamen.
- Per Direktklick auf ein Suchergebnis gelangen Sie zum entsprechenden Mikrofilm. Es öffnet sich eine neue Seite, an deren rechten Rand die Bilderserie als Miniaturen angezeigt werden.
- Grün hinterlegte Miniaturen enthalten Ihren Suchbegriff.
- Klicken Sie auf die Miniaturen, um das Foto groß angezeigt zu bekommen.
- Prüfen Sie unbedingt auch manuell die Bilder vor, nach oder zwischen den grünen Miniaturen: Häufig ist die Texterkennung ungenau.
Bundesarchiv: 75.000 NS-Anfragen pro Jahr
Um zu klären, welche Rolle die eigenen (Ur-)Großeltern im Dritten Reich spielten, ist also nach wie vor einige Mühe und Fleißarbeit nötig. Das US-Archiv kann einen guten Ausgangspunkt bieten - doch für Informationen zu Mitgliedschaften in SA oder SS bietet sich weiterhin allein das Bundesarchiv an.
"Wir bekommen mehr als 75.000 Anfragen pro Jahr zu den Bereichen Nationalsozialismus, Wehrmacht, NSDAP und anderen", sagt auch Bundesarchiv-Experte Kramer. Welche Erkenntnisse die Archive liefern, hängt dabei von jedem Einzelfall ab - und von der ganz persönlichen Einordnung der hinterbliebenen Familien.
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress im Beitrag "So findet man NSDAP-Mitgliedsdaten online" am 18. März 2026 um 16:21 Uhr.
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https://www.zdfheute.de/ratgeber/
Die NSDAP-Mitgliederkartei in den US National Archives (NARA): Ein Recherche-Leitfaden
15.03.2026/ Forschungsquellen, Institutionen & Organisationen, Recherchetips/von Anja K
Wer zu einer Person aus der Zeit des Nationalsozialismus forscht, stößt früher oder später auf die Frage nach einer möglichen NSDAP-Mitgliedschaft. Im Rahmen der Familienforschung und der Erforschung der deutschen Zeitgeschichte in den 1920er, 1930er und 1940er Jahren sind entsprechende Nachweise oft ein wichtiger Baustein, um Lebensläufe besser zu verstehen oder historisch einzuordnen.
Ein großer Teil der dazu relevanten Unterlagen ist inzwischen digital über die US National Archives (NARA) in den USA zugänglich. Die dort verfügbaren Bestände gehen auf die Unterlagen des Berlin Document Center (BDC) zurück, das nach 1945 umfangreiche personenbezogene NSDAP-Dokumente verwahrte und erschloß, die in der Nachkriegszeit beschlagnahmt worden waren.
Inhalt
NSDAP-Unterlagen in den US National Archives (NARA)
- 1. Die oberste Ebene: Record Group 242
- 2. Die mittlere Ebene: Mikrofilm-Publikationen
- 3. Die untere Ebene: Serien und Unterserien (am Beispiel A3340)
- 4. Zugehörige Bestände weiterer Organisationen
- Handbuch zum Berlin Document Center (BDC)
Fokus auf die NSDAP-Mitgliederkarteien
- Steckbrief zum Bestand
- Die beiden zentralen Mitgliederkarteien
- Typische Angaben auf den Karteikarten
- Verbleib der ursprünglichen Papierunterlagen
- Recherche beim Bundesarchiv
So recherchierst Du Schritt für Schritt
- 1. Vorbereitung der Suche
- 2. NARA-Katalog: Einstieg
- 3. NARA-Katalog: Suchtechniken
- 4. Navigation innerhalb der digitalen Mikrofilme
- 5. Wichtige Daten aus einem Treffer notieren
- Tipps & Tricks für die Recherche
NSDAP-Unterlagen in den US National Archives (NARA)
Bevor wir uns genauer in die Mitgliederkarteien vertiefen, ist es sinnvoll, sich einen Überblick über die insgesamt in den National Archives verfügbaren Bestände mit NSDAP-Bezug zu verschaffen.
NSDAP-Mitgliederkartei online in den US National Archives (NARA) – Der Weg zur Karteikarte | Grafik: Anja Kirsten Klein/NotebookLM
- 1. Die oberste Ebene: Record Group 242 Alle beschlagnahmten deutschen Unterlagen sind in der Record Group 242 enthalten, die offiziell als National Archives Collection of Foreign Records Seized bezeichnet wird.
- 2. Die mittlere Ebene: Mikrofilm-Publikationen Innerhalb der Record Group 242 sind die Dokumente in verschiedene Publikationsserien unterteilt, wobei für die NSDAP-Recherche die folgenden am wichtigsten sind:
- 3. Die untere Ebene: Serien und Unterserien (am Beispiel A3340) Exemplarisch schauen wir hier die in der Record Group 242 besonders relevante Mikrofilm-Publikation A3340 mit biographischer NSDAP-Mitgliederunterlagen an. Sie ist wiederum in spezialisierte Serien unterteilt, die die Verwaltungsstruktur der Partei widerspiegeln.
- 4. Zugehörige Bestände weiterer Organisationen Parallel zur NSDAP-Kartei werden in der Hierarchie auch die Unterlagen der Gliederungen und angeschlossenen Verbände als eigene Publikationen geführt, wie etwa
- Handbuch zum Berlin Document Center (BDC)
Diese Dokumentengruppe wurde 1947 für beschlagnahmte ausländische Unterlagen eingerichtet, die während oder am Ende des Zweiten Weltkriegs von den Achsenmächten sichergestellt wurden, darunter große Mengen deutscher Akten.
A3340: Zentrale Serie für biographische Forschungen zur NSDAP-Mitgliedschaft mit über 15.000 Rollen mit Dokumenten zu schätzungsweise 10,7 bis 12,7 Millionen Personen, die der Partei zwischen ca. 1927 und 1945 beitraten – Überlieferungsquote: Etwa 80 % aller ursprünglichen Mitgliedschaften sind über diesen Bestand nachweisbar
T81: Enthält allgemeine Aufzeichnungen der NSDAP und des Deutschen Ausland-Instituts
T84: Sammlung (Miscellaneous German Records Collection) beinhaltet unter anderem lokale Mitgliederlisten und Tätigkeitsberichte, etwa für Berliner Bezirke oder bayerische Gemeinden
T580: Enthält „nicht-biographische“ Unterlagen verschiedener NSDAP-Ämter sowie private Papiere einiger NS-Führer
Hauptkarteien:
MFKL (Zentralkartei): 3.167 Rollen – alphabetisch sortierte Stammdatenbank der Parteizentrale, die beim Reichsschatzmeister in München geführt wurde
MFOK (Ortsgruppenkartei): 2.275 Rollen – ursprünglich regional (geographisch nach Gauen) sortiert, 1945 durch US-Behörden in eine rein alphabetische Serie umgewandelt
Ergänzende biographische Serien:
PK (Partei-Korrespondenz): über 6.180 Rollen – mit Briefwechseln zwischen Mitgliedern und der Reichsleitung zu Wohnungswechseln, Ausschlüssen oder Dossiers
OPG (Oberstes Parteigericht): 1.292 Rollen mit Akten zu Disziplinarverfahren, Parteiausschlüssen und Gnadengesuchen
NSDAP-A (NSDAP-Anträge): 120 Rollen mit Original-Aufnahmeformularen mit oftmals detaillierten persönlichen Angaben
PC (Party Census 1939): 121 Rollen mit Ergebnissen der parteiinternen Volkszählung vom Juli 1939
RWA (Rückwandereramt): 123 Rollen mit Unterlagen zu Parteimitgliedern, die aus dem Ausland zurückkehrten
A3341: SA-Personalakten
A3342: Unterlagen der Einwandererzentralstelle
A3343: SS-Personalakten
Wer tiefer in die Systematik und die Bestände aus dem ehemaligen Berlin Document Center eintauchen möchte, dem empfehle ich die umfangreiche Publikation von George Leaman von 1994 mit dem Titel The Holdings of the Berlin Document Center: A Guide to the Collections.
Fokus auf die NSDAP-Mitgliederkarteien
Der wichtigste Einstiegspunkt für die Mitgliederrecherche ist innerhalb der Record Group 242 und der Publication A3340 die Serie Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), die im NARA-Katalog unter der Signatur NAID 12044361 zu finden ist.
- Steckbrief zum Bestand Anbieter US National Archives and Records Administration (NARA)
- Die beiden zentralen Mitgliederkarteien Der Kernbestand der NSDAP-Mitgliederkarteien bei NARA besteht aus zwei großen Karteisystemen, die ursprünglich von der NSDAP selbst geführt wurden und später im Berlin Document Center verwahrt wurden.
- Typische Angaben auf den Karteikarten Die Karten enthalten genau die Informationen, die für genealogische Recherchen besonders wertvoll sind. Häufig finden sich:
- Verbleib der ursprünglichen Papierunterlagen Die Originalüberlieferung dieser NSDAP-Mitgliederkarteien wurde an Deutschland zurückgegeben und liegt heute im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde.
- Recherche beim Bundesarchiv
Dokumentengruppe (Record Group) RG 242 – National Archives Collection of Foreign Records Seized
Microfilm Publication A3340
Serie Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)
Katalog-ID NAID 12044361
Umfang 5.442 Akteneinheiten (File Units, insgesamt 16.268.266 digitale Objekte), davon MFKL (Zentralkartei) mit 3.167 Rollen und MFOK (Ortsgruppenkartei) mit 2.275 Rollen
Zeitraum etwa 1927–1945
Provenienz Unterlagen aus dem Berlin Document Center
Zugang National Archives Catalog: https://catalog.archives.gov/id/12044361
Innerhalb der Serie Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) sind vor allem zwei Karteien wichtig:
NSDAP Zentralkartei (MFKL)
3.167 Mikrofilmrollen
alphabetisches Mitgliederregister der Parteizentrale
NSDAP Ortsgruppenkartei (MFOK)
2.275 Mikrofilmrollen
regionale Mitgliederregistratur nach Ortsgruppen
Beide Karteien enthalten personenbezogene Karteikarten. Sie unterscheiden sich hauptsächlich darin, wie die Mitglieder erfaßt wurden: einmal zentral alphabetisch, einmal über die lokale Parteiorganisation.
Name und Vorname
Geburtsdatum
Geburtsort
Beruf
Mitgliedsnummer
Eintrittsdatum in die NSDAP
Gau und Ortsgruppe
Wohnadresse oder Adreßänderungen
Hinweise auf Austritt, Ausschluß oder Tod
Gerade die Kombination aus Namen und Geburtsdaten ermöglicht oft eine relativ sichere Identifizierung einer Person.
Dort ist sie jedoch nicht frei online zugänglich. Auskünfte erhält man in der Regel nur über schriftliche Anfragen, die je nach Auslastung auch längere Bearbeitungszeiten von vielen Monaten haben können.
Wie so eine Anfrage beim Bundesarchiv und anderen Institutionen funktioniert, zeige ich Dir in meinem Spickzettel Was hat Opa im Krieg gemacht? Militärische Spurensuche 1933 bis 1945 und dem Blogbeitrag Was hat Opa im Krieg gemacht? Ein Wegweiser zur Militärrecherche in der NS-Zeit.
Wie finde ich raus was mein Opa im 2. Weltkrieg gemacht hat - Soldatenverzeichnis 2 Weltkrieg online - Ahnenforschung | Screenshot: Anja Kirsten Klein / Welt der Vorfahren
Wie finde ich raus, was mein Opa im 2. Weltkrieg gemacht hat? Mein Spickzettel „Militärische Spurensuche 1933 bis 1945“ unterstützt Dich dabei
So recherchierst Du Schritt für Schritt
Die Recherche im NARA-Katalog ist grundsätzlich nicht so kompliziert, erfordert aber ein wenig Systematik. Wenn Du strukturiert vorgehst, kommst Du meist relativ geschmeidig und schnell ans Ziel. Hier sind die meiner Meinung nach fünf elementaren Schritte für eine erfolgreiche Recherche:
- 1. Vorbereitung der Suche Bevor Du mit der Recherche beginnst, sammle möglichst viele Eckdaten zur gesuchten Person:
- 2. NARA-Katalog: Einstieg Der wichtigste Einstiegspunkt für eine Recherche in den National Archives ist der National Archives Catalog, der unter https://catalog.archives.gov erreichbar ist.
- 3. NARA-Katalog: Suchtechniken Der NARA-Katalog unterstützt mehrere Suchmethoden, die Du bestenfalls alle ausprobieren solltest. Nützlich sind besonders:
- 4. Navigation innerhalb der digitalen Mikrofilme Viele Treffer im Suchergebnis führen nicht direkt zu einer einzelnen Karte, sondern zu einer PDF-Datei bzw. Bildserie, die einer Mikrofilmrolle entspricht.
- 5. Wichtige Daten aus einem Treffer notieren Wenn Du eine passende Karte gefunden hast, lade Dir die Seite nicht nur herunter, sondern notiere auch unbedingt die wichtigsten Angaben zur Fundstelle:
- Tipps & Tricks für die Recherche
vollständiger Name mit möglichen Schreibvarianten
Geburtsdatum oder Geburtsjahr
Geburtsort
Gerade bei häufigen Namen helfen Geburtsdaten enorm bei der Zuordnung.
Du kannst entweder:
bestandsübergreifend mit einem Suchbegriff suchen: z.B. mit einem Personennamen
oder
bestandsbezogen suchen:
gezielt die relevante Serie mit NAID 12044361 aufrufen unter https://catalog.archives.gov/id/12044361 und innerhalb der Startseite zur Serie anschließend die Funktion Search within this Series (blaue Schaltfläche im Kopfbereich der Seite) nutzen
oder
direkt die Suche innerhalb des Bestandes 12044361 aufrufen unter https://catalog.archives.gov/search-within/12044361
National Archives (NARA): NSDAP-Mitglieder-Kartei - Suchfunktion "Search within this Series" - NSDAP Mitglieder finden | Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives
National Archives (NARA): NSDAP-Mitglieder-Kartei – Suchfunktion „Search within this Series“ | Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives
Mehrere Suchbegriffe kombinieren:
Format: Nachname Vorname
Katalog interpretiert mehrere Begriffe automatisch als AND-Suche
Exakte Phrasensuche
Format: "Max Mustermann"
Suche nur nach genau dieser Wortkombination in dieser Reihenfolge
Es empfiehlt sich, mehrere Suchbegriffe in verschiedener Reihenfolge zu kombinieren: "Max Mustermann" und "Mustermann Max"
Operatoren
AND
Format: Mustermann AND Hamburg
UND-Verknüpfung von Suchbegriffen:
OR
Format: Mustermann ODER Müstermann
ODER-Verknüpfung von Suchbegriffen
NOT:
Format: Mustermann NOT Hamburg
Ausschluß von Suchbegriffen
Wildcards
Ein Sternchen erweitert einen Suchbegriff: Müll*
findet z. B. Müller oder Müllner oder Müllermann
sinnvoll auch für Vornamen, die abgekürzt enthalten sein können
Umlaute
Der Katalog ignoriert Diakritika (an Buchstaben angebrachte kleine Zeichen wie Punkte, Striche, Häkchen, Bögen oder Kreise, die die Aussprache verändern, z.B. Punkte bei Umlauten).
Es empfiehlt sich dennoch, Varianten zu testen: z.B. Müller / Mueller / Muller
Auf der Webseite geben die National Archives auf einer eigenen Seite ausführliche Tipps & Hinweise zur Suche.
Das bedeutet:
eine Datei kann hunderte oder tausende Karten enthalten
man muß innerhalb der Datei oft alphabetisch blättern
National Archives NARA - NSDAP-Mitgliederkartei - Suchergebnis - NS Archiv online | Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives
National Archives (NARA): NSDAP-Mitgliederkartei – Suchergebnis | Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives
Bekommst Du eine oder mehrere Filmrollen („File Unit“) als Treffer in der Suchergebnisliste angezeigt, dann
öffne dafür zunächst aus der Trefferliste heraus die einzelnen Trefferseiten in einem neuen Browser-Tab (z.B. bei Windows mit Rechtsklick auf den Link) – so kannst Du jederzeit ohne Blättern die Suchergebnisseite anschauen
notiere die URL (Link zur Datei): z.B. die URL https://catalog.archives.gov/id/598443722 für die Akteneinheit/“Filmrolle“ A3340-MFOK: Number F0040 – so kannst Du jederzeit nachvollziehen, welche Datei Du angeschaut hast und woher Informationen stammen
notiere außerdem dazu den Dateinamen: z.B. A3340-MFOK-F0040.pdf, der unterhalb der Filmrollenbilder angezeigt wird – erfahrungsgemäß vergißt man es leicht, die Quelle mit ihren Meta-Informationen zu notieren, wenn man sich erstmal in die Quelle selbst vertieft hat ;-)
National Archives NARA - NSDAP-Mitgliederkartei - Beispiel für Dateiname | Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives
National Archives (NARA): NSDAP-Mitgliederkartei – Beispiel für einen Dateinamen des Bestandes A3340 | Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives
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123
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lade Dir die Datei(en) dann am besten auf den Rechner herunter, um sie lokal durchblättern zu können – das geht meist schneller, als wenn man online durchblättert
blättere stichprobenartig durch, am besten rechts in der Miniatur-Vorschauansicht der einzelnen Seiten, und schaue auf ausgewählten Seiten nach dem Anfangsbuchstabe der genannten Person (z.B. R bei Radtke), dann die ersten beiden Buchstaben (z.B. Ra bei Radtke) usw. – so kannst Du Dich Unterlagen mit den passenden Anfangsbuchstaben annähern
enge den in Frage kommenden Bereich von Seiten vom oberen und unteren Ende her ein – z.B. für die Suche nach Radtke zwischen „oben“ S. 735 mit Radt und „unten“ S. 803 mit Raduwil | Tipp: Auf S. 4 einer Filmrolle ist die erste enthaltene Person mit Geburtsdatum aufgelistet
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Serienname und NARA-Katalog-ID
Nummer der Mikrofilmrolle
Dateiname
URL der Filmrolle („File Unit“)
Seiten- oder Bildnummer (z.B. 218 von 2.678)
URL der relevanten Seite(n)
Diese Angaben sind wichtig für eine ordentliche Forschungsdokumentation und später hilfreich für Zitate, Notizen oder erneute Recherchen.
Mache Dir ggfs. auch einen Screenshot der relevanten Seite(n) mit den Meta-Informationen wie Dateiname, Seitenangabe u.a.
Und wichtig: Notiere Dir, welche Seiten Du durchsucht hast – auch wenn Du dort NICHTS gefunden hast. Das hilft, in der Zukunft doppelte Arbeit zu vermeiden.
- Die Dateien der Filmrollen sind meist sehr umfangreich ⇒ Es kann die Arbeit beschleunigen, die Datei zunächst herunterzuladen und dann lokal durchzublättern
- Wenn die Suche keinen Treffer liefert ⇒ Es kann sich lohnen, im passenden Namensbereich manuell zu blättern.
- Welcher Namensbereich in einer Filmrolle enthalten ist, kann man mit einem Trick herausfinden ⇒ auf Seite 4 einer Filmrollendatei nachsehen: dort ist die erste vorkommende Person der jeweiligen Rolle mit komplettem Namen und Geburtsdatum vermerkt – schaut man in der Folgerolle ebenfalls auf Seite 4 nach und ermittelt den ersten Namen dieser Rolle, kann man die Spanne der Namen in der vorigen Rolle eingrenzen. Beispiel: Rolle A3340-MFKL-A0001 beginnt mit Aab, Richard (geb. 30.5.1914) und die folgende Rolle A3340-MFKL-A0002 beginnt mit Ahlfeldt, Otto (geb. 19.1.1923) ⇒ Rolle A3340-MFKL-A0001 enthält also Namen von AAb bis vor Ahlfeldt
- Fleißige Forscher des Vereins für Computergenealogie haben in einer kollaborativen Tabelle bereits zahlreiche Filmrollen im Hinblick auf den jeweils enthaltenen Namensbereich (erste und letzte vorkommende Person mit vollem Namen und Geburtsdatum) kartiert. Um die Tabelle zu nutzen, habe ich eine Web-App erstellt, die bei der Suche nach der passenden Filmrolle unterstützen soll ⇒ siehe unten am Ende des Beitrages die Ergänzung zur Web-App
- Karten sind meist alphabetisch nach Nachnamen sortiert ⇒ innerhalb der einzelnen digitalen „Rollen“ sind die Karten allerdings oft in umgekehrter alphabetischer Reihenfolge (von unten nach oben) gefilmt worden
- Schrifterkennung (OCR) bei der Digitalisierung erkennt Maschinenschrift grundsätzlich besser als Handschrift ⇒ Volltextsuche funktioniert daher nicht immer zuverlässig
- Immer auch Namensvarianten bei der Suche einbeziehen ⇒ z.B. Umlaute, verschiedene Schreibweisen, abgekürzte Vornamen
- Bei (sehr) seltenen Familiennamen ⇒ Es empfiehlt sich, zunächst nur mit dem Familiennamen zu suchen, ohne weitere Angaben wie z.B. Vornamen
- Auch Geburtsdaten können als Suchbegriffe verwendet werden (Wichtig: Jahreszahlen sind in den Dokumenten meist nur mit zwei Ziffern notiert, z.B. 17 statt 1917) ⇒ kann der Eingrenzung bei häufigen oder ambigen Familiennamen (wie Müller, Meier, Schmidt oder Kaufmann, Fleischer = auch eine Berufsangabe!) dienen
- Weiterführende Hinweise & Tipps zur Suche gibt es unter https://www.archives.gov/research/catalog/help/search-tips
NSDAP-Mitgliederkartei in den US National Archives (NARA) – Beispiel einer Seite 4 mit dem ersten Namen der Filmrolle A3340-MFKL A0001 - NSDAP Mitgliedschaft prüfen | Screenshot: Anja Kirsten Klein/US National Archives
NSDAP-Mitgliederkartei in den US National Archives (NARA) – Beispiel einer Seite 4 mit dem ersten Namen der Filmrolle A3340-MFKL A0001 | Screenshot: Anja Kirsten Klein/US National Archives
Mit etwas Geduld läßt sich der NARA-Bestand tatsächlich sehr effektiv nutzen. Für Familienforscher und historisch Interessierte bietet er einen ungewöhnlich direkten Zugang zu einer der wichtigsten personenbezogenen Quellen zur NSDAP.
Wichtige Punkte in der Zusammenfassung (TL;DR)
- Die NSDAP-Mitgliederkartei im US-Archiv National Archives (NARA) umfaßt rund 80 % aller Parteimitgliedschaften von ca. 1927 bis 1945
- Die zwei zentralen Karteien sind digital und öffentlich verfügbar: MFKL (Zentralkartei) und MFOK (Ortsgruppenkartei)
- Karteikarten enthalten meist Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Beruf, Mitgliedsnummer, Eintrittsdatum und Wohnadresse
- Suche im NARA-Katalog funktioniert über Stichworteingabe als Einstieg und dann manuelle Navigation in meist alphabetisch sortierten Mikrofilmrollen
- Originalakten liegen heute im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, dort aber nur per schriftlicher Anfrage zugänglich
Ergänzung vom 21. März 2026:
Auf Basis der oben erwähnten kollaborativ erstellten Erfassung der Namensbereiche der Filmrollen habe ich eine Web-App erstellt, die diese Tabelle komfortabel durchsucht und – sofern der Namensbereich schon erfaßt ist – Vorschläge für relevante Filmrollen liefert: Link zur Namensbereich-Suche
- Hast Du schon einmal relevante Unterlagen aus diesem Bestand gefunden – digital im NARA-Bestand oder auch über das Bundesarchiv?
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https://welt-der-vorfahren.de/
Die NSDAP-Mitgliederkartei in den US National Archives (NARA): Ein Recherche-Leitfaden
15.03.2026/ Forschungsquellen, Institutionen & Organisationen, Recherchetips/von Anja K
Wer zu einer Person aus der Zeit des Nationalsozialismus forscht, stößt früher oder später auf die Frage nach einer möglichen NSDAP-Mitgliedschaft. Im Rahmen der Familienforschung und der Erforschung der deutschen Zeitgeschichte in den 1920er, 1930er und 1940er Jahren sind entsprechende Nachweise oft ein wichtiger Baustein, um Lebensläufe besser zu verstehen oder historisch einzuordnen.
Ein großer Teil der dazu relevanten Unterlagen ist inzwischen digital über die US National Archives (NARA) in den USA zugänglich. Die dort verfügbaren Bestände gehen auf die Unterlagen des Berlin Document Center (BDC) zurück, das nach 1945 umfangreiche personenbezogene NSDAP-Dokumente verwahrte und erschloß, die in der Nachkriegszeit beschlagnahmt worden waren.
Inhalt
NSDAP-Unterlagen in den US National Archives (NARA)
- 1. Die oberste Ebene: Record Group 242
- 2. Die mittlere Ebene: Mikrofilm-Publikationen
- 3. Die untere Ebene: Serien und Unterserien (am Beispiel A3340)
- 4. Zugehörige Bestände weiterer Organisationen
- Handbuch zum Berlin Document Center (BDC)
Fokus auf die NSDAP-Mitgliederkarteien
- Steckbrief zum Bestand
- Die beiden zentralen Mitgliederkarteien
- Typische Angaben auf den Karteikarten
- Verbleib der ursprünglichen Papierunterlagen
- Recherche beim Bundesarchiv
So recherchierst Du Schritt für Schritt
- 1. Vorbereitung der Suche
- 2. NARA-Katalog: Einstieg
- 3. NARA-Katalog: Suchtechniken
- 4. Navigation innerhalb der digitalen Mikrofilme
- 5. Wichtige Daten aus einem Treffer notieren
- Tipps & Tricks für die Recherche
NSDAP-Unterlagen in den US National Archives (NARA)
Bevor wir uns genauer in die Mitgliederkarteien vertiefen, ist es sinnvoll, sich einen Überblick über die insgesamt in den National Archives verfügbaren Bestände mit NSDAP-Bezug zu verschaffen.
NSDAP-Mitgliederkartei online in den US National Archives (NARA) – Der Weg zur Karteikarte | Grafik: Anja Kirsten Klein/NotebookLM
- 1. Die oberste Ebene: Record Group 242 Alle beschlagnahmten deutschen Unterlagen sind in der Record Group 242 enthalten, die offiziell als National Archives Collection of Foreign Records Seized bezeichnet wird.
- 2. Die mittlere Ebene: Mikrofilm-Publikationen Innerhalb der Record Group 242 sind die Dokumente in verschiedene Publikationsserien unterteilt, wobei für die NSDAP-Recherche die folgenden am wichtigsten sind:
- 3. Die untere Ebene: Serien und Unterserien (am Beispiel A3340) Exemplarisch schauen wir hier die in der Record Group 242 besonders relevante Mikrofilm-Publikation A3340 mit biographischer NSDAP-Mitgliederunterlagen an. Sie ist wiederum in spezialisierte Serien unterteilt, die die Verwaltungsstruktur der Partei widerspiegeln.
- 4. Zugehörige Bestände weiterer Organisationen Parallel zur NSDAP-Kartei werden in der Hierarchie auch die Unterlagen der Gliederungen und angeschlossenen Verbände als eigene Publikationen geführt, wie etwa
- Handbuch zum Berlin Document Center (BDC)
Diese Dokumentengruppe wurde 1947 für beschlagnahmte ausländische Unterlagen eingerichtet, die während oder am Ende des Zweiten Weltkriegs von den Achsenmächten sichergestellt wurden, darunter große Mengen deutscher Akten.
A3340: Zentrale Serie für biographische Forschungen zur NSDAP-Mitgliedschaft mit über 15.000 Rollen mit Dokumenten zu schätzungsweise 10,7 bis 12,7 Millionen Personen, die der Partei zwischen ca. 1927 und 1945 beitraten – Überlieferungsquote: Etwa 80 % aller ursprünglichen Mitgliedschaften sind über diesen Bestand nachweisbar
T81: Enthält allgemeine Aufzeichnungen der NSDAP und des Deutschen Ausland-Instituts
T84: Sammlung (Miscellaneous German Records Collection) beinhaltet unter anderem lokale Mitgliederlisten und Tätigkeitsberichte, etwa für Berliner Bezirke oder bayerische Gemeinden
T580: Enthält „nicht-biographische“ Unterlagen verschiedener NSDAP-Ämter sowie private Papiere einiger NS-Führer
Hauptkarteien:
MFKL (Zentralkartei): 3.167 Rollen – alphabetisch sortierte Stammdatenbank der Parteizentrale, die beim Reichsschatzmeister in München geführt wurde
MFOK (Ortsgruppenkartei): 2.275 Rollen – ursprünglich regional (geographisch nach Gauen) sortiert, 1945 durch US-Behörden in eine rein alphabetische Serie umgewandelt
Ergänzende biographische Serien:
PK (Partei-Korrespondenz): über 6.180 Rollen – mit Briefwechseln zwischen Mitgliedern und der Reichsleitung zu Wohnungswechseln, Ausschlüssen oder Dossiers
OPG (Oberstes Parteigericht): 1.292 Rollen mit Akten zu Disziplinarverfahren, Parteiausschlüssen und Gnadengesuchen
NSDAP-A (NSDAP-Anträge): 120 Rollen mit Original-Aufnahmeformularen mit oftmals detaillierten persönlichen Angaben
PC (Party Census 1939): 121 Rollen mit Ergebnissen der parteiinternen Volkszählung vom Juli 1939
RWA (Rückwandereramt): 123 Rollen mit Unterlagen zu Parteimitgliedern, die aus dem Ausland zurückkehrten
A3341: SA-Personalakten
A3342: Unterlagen der Einwandererzentralstelle
A3343: SS-Personalakten
Wer tiefer in die Systematik und die Bestände aus dem ehemaligen Berlin Document Center eintauchen möchte, dem empfehle ich die umfangreiche Publikation von George Leaman von 1994 mit dem Titel The Holdings of the Berlin Document Center: A Guide to the Collections.
Fokus auf die NSDAP-Mitgliederkarteien
Der wichtigste Einstiegspunkt für die Mitgliederrecherche ist innerhalb der Record Group 242 und der Publication A3340 die Serie Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), die im NARA-Katalog unter der Signatur NAID 12044361 zu finden ist.
- Steckbrief zum Bestand Anbieter US National Archives and Records Administration (NARA)
- Die beiden zentralen Mitgliederkarteien Der Kernbestand der NSDAP-Mitgliederkarteien bei NARA besteht aus zwei großen Karteisystemen, die ursprünglich von der NSDAP selbst geführt wurden und später im Berlin Document Center verwahrt wurden.
- Typische Angaben auf den Karteikarten Die Karten enthalten genau die Informationen, die für genealogische Recherchen besonders wertvoll sind. Häufig finden sich:
- Verbleib der ursprünglichen Papierunterlagen Die Originalüberlieferung dieser NSDAP-Mitgliederkarteien wurde an Deutschland zurückgegeben und liegt heute im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde.
- Recherche beim Bundesarchiv
Dokumentengruppe (Record Group) RG 242 – National Archives Collection of Foreign Records Seized
Microfilm Publication A3340
Serie Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)
Katalog-ID NAID 12044361
Umfang 5.442 Akteneinheiten (File Units, insgesamt 16.268.266 digitale Objekte), davon MFKL (Zentralkartei) mit 3.167 Rollen und MFOK (Ortsgruppenkartei) mit 2.275 Rollen
Zeitraum etwa 1927–1945
Provenienz Unterlagen aus dem Berlin Document Center
Zugang National Archives Catalog: https://catalog.archives.gov/id/12044361
Innerhalb der Serie Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) sind vor allem zwei Karteien wichtig:
NSDAP Zentralkartei (MFKL)
3.167 Mikrofilmrollen
alphabetisches Mitgliederregister der Parteizentrale
NSDAP Ortsgruppenkartei (MFOK)
2.275 Mikrofilmrollen
regionale Mitgliederregistratur nach Ortsgruppen
Beide Karteien enthalten personenbezogene Karteikarten. Sie unterscheiden sich hauptsächlich darin, wie die Mitglieder erfaßt wurden: einmal zentral alphabetisch, einmal über die lokale Parteiorganisation.
Name und Vorname
Geburtsdatum
Geburtsort
Beruf
Mitgliedsnummer
Eintrittsdatum in die NSDAP
Gau und Ortsgruppe
Wohnadresse oder Adreßänderungen
Hinweise auf Austritt, Ausschluß oder Tod
Gerade die Kombination aus Namen und Geburtsdaten ermöglicht oft eine relativ sichere Identifizierung einer Person.
Dort ist sie jedoch nicht frei online zugänglich. Auskünfte erhält man in der Regel nur über schriftliche Anfragen, die je nach Auslastung auch längere Bearbeitungszeiten von vielen Monaten haben können.
Wie so eine Anfrage beim Bundesarchiv und anderen Institutionen funktioniert, zeige ich Dir in meinem Spickzettel Was hat Opa im Krieg gemacht? Militärische Spurensuche 1933 bis 1945 und dem Blogbeitrag Was hat Opa im Krieg gemacht? Ein Wegweiser zur Militärrecherche in der NS-Zeit.
Wie finde ich raus was mein Opa im 2. Weltkrieg gemacht hat - Soldatenverzeichnis 2 Weltkrieg online - Ahnenforschung | Screenshot: Anja Kirsten Klein / Welt der Vorfahren
Wie finde ich raus, was mein Opa im 2. Weltkrieg gemacht hat? Mein Spickzettel „Militärische Spurensuche 1933 bis 1945“ unterstützt Dich dabei
So recherchierst Du Schritt für Schritt
Die Recherche im NARA-Katalog ist grundsätzlich nicht so kompliziert, erfordert aber ein wenig Systematik. Wenn Du strukturiert vorgehst, kommst Du meist relativ geschmeidig und schnell ans Ziel. Hier sind die meiner Meinung nach fünf elementaren Schritte für eine erfolgreiche Recherche:
- 1. Vorbereitung der Suche Bevor Du mit der Recherche beginnst, sammle möglichst viele Eckdaten zur gesuchten Person:
- 2. NARA-Katalog: Einstieg Der wichtigste Einstiegspunkt für eine Recherche in den National Archives ist der National Archives Catalog, der unter https://catalog.archives.gov erreichbar ist.
- 3. NARA-Katalog: Suchtechniken Der NARA-Katalog unterstützt mehrere Suchmethoden, die Du bestenfalls alle ausprobieren solltest. Nützlich sind besonders:
- 4. Navigation innerhalb der digitalen Mikrofilme Viele Treffer im Suchergebnis führen nicht direkt zu einer einzelnen Karte, sondern zu einer PDF-Datei bzw. Bildserie, die einer Mikrofilmrolle entspricht.
- 5. Wichtige Daten aus einem Treffer notieren Wenn Du eine passende Karte gefunden hast, lade Dir die Seite nicht nur herunter, sondern notiere auch unbedingt die wichtigsten Angaben zur Fundstelle:
- Tipps & Tricks für die Recherche
vollständiger Name mit möglichen Schreibvarianten
Geburtsdatum oder Geburtsjahr
Geburtsort
Gerade bei häufigen Namen helfen Geburtsdaten enorm bei der Zuordnung.
Du kannst entweder:
bestandsübergreifend mit einem Suchbegriff suchen: z.B. mit einem Personennamen
oder
bestandsbezogen suchen:
gezielt die relevante Serie mit NAID 12044361 aufrufen unter https://catalog.archives.gov/id/12044361 und innerhalb der Startseite zur Serie anschließend die Funktion Search within this Series (blaue Schaltfläche im Kopfbereich der Seite) nutzen
oder
direkt die Suche innerhalb des Bestandes 12044361 aufrufen unter https://catalog.archives.gov/search-within/12044361
National Archives (NARA): NSDAP-Mitglieder-Kartei - Suchfunktion "Search within this Series" - NSDAP Mitglieder finden | Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives
National Archives (NARA): NSDAP-Mitglieder-Kartei – Suchfunktion „Search within this Series“ | Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives
Mehrere Suchbegriffe kombinieren:
Format: Nachname Vorname
Katalog interpretiert mehrere Begriffe automatisch als AND-Suche
Exakte Phrasensuche
Format: "Max Mustermann"
Suche nur nach genau dieser Wortkombination in dieser Reihenfolge
Es empfiehlt sich, mehrere Suchbegriffe in verschiedener Reihenfolge zu kombinieren: "Max Mustermann" und "Mustermann Max"
Operatoren
AND
Format: Mustermann AND Hamburg
UND-Verknüpfung von Suchbegriffen:
OR
Format: Mustermann ODER Müstermann
ODER-Verknüpfung von Suchbegriffen
NOT:
Format: Mustermann NOT Hamburg
Ausschluß von Suchbegriffen
Wildcards
Ein Sternchen erweitert einen Suchbegriff: Müll*
findet z. B. Müller oder Müllner oder Müllermann
sinnvoll auch für Vornamen, die abgekürzt enthalten sein können
Umlaute
Der Katalog ignoriert Diakritika (an Buchstaben angebrachte kleine Zeichen wie Punkte, Striche, Häkchen, Bögen oder Kreise, die die Aussprache verändern, z.B. Punkte bei Umlauten).
Es empfiehlt sich dennoch, Varianten zu testen: z.B. Müller / Mueller / Muller
Auf der Webseite geben die National Archives auf einer eigenen Seite ausführliche Tipps & Hinweise zur Suche.
Das bedeutet:
eine Datei kann hunderte oder tausende Karten enthalten
man muß innerhalb der Datei oft alphabetisch blättern
National Archives NARA - NSDAP-Mitgliederkartei - Suchergebnis - NS Archiv online | Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives
National Archives (NARA): NSDAP-Mitgliederkartei – Suchergebnis | Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives
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National Archives NARA - NSDAP-Mitgliederkartei - Beispiel für Dateiname | Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives
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Dateiname
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Diese Angaben sind wichtig für eine ordentliche Forschungsdokumentation und später hilfreich für Zitate, Notizen oder erneute Recherchen.
Mache Dir ggfs. auch einen Screenshot der relevanten Seite(n) mit den Meta-Informationen wie Dateiname, Seitenangabe u.a.
Und wichtig: Notiere Dir, welche Seiten Du durchsucht hast – auch wenn Du dort NICHTS gefunden hast. Das hilft, in der Zukunft doppelte Arbeit zu vermeiden.
- Die Dateien der Filmrollen sind meist sehr umfangreich ⇒ Es kann die Arbeit beschleunigen, die Datei zunächst herunterzuladen und dann lokal durchzublättern
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- Welcher Namensbereich in einer Filmrolle enthalten ist, kann man mit einem Trick herausfinden ⇒ auf Seite 4 einer Filmrollendatei nachsehen: dort ist die erste vorkommende Person der jeweiligen Rolle mit komplettem Namen und Geburtsdatum vermerkt – schaut man in der Folgerolle ebenfalls auf Seite 4 nach und ermittelt den ersten Namen dieser Rolle, kann man die Spanne der Namen in der vorigen Rolle eingrenzen. Beispiel: Rolle A3340-MFKL-A0001 beginnt mit Aab, Richard (geb. 30.5.1914) und die folgende Rolle A3340-MFKL-A0002 beginnt mit Ahlfeldt, Otto (geb. 19.1.1923) ⇒ Rolle A3340-MFKL-A0001 enthält also Namen von AAb bis vor Ahlfeldt
- Fleißige Forscher des Vereins für Computergenealogie haben in einer kollaborativen Tabelle bereits zahlreiche Filmrollen im Hinblick auf den jeweils enthaltenen Namensbereich (erste und letzte vorkommende Person mit vollem Namen und Geburtsdatum) kartiert. Um die Tabelle zu nutzen, habe ich eine Web-App erstellt, die bei der Suche nach der passenden Filmrolle unterstützen soll ⇒ siehe unten am Ende des Beitrages die Ergänzung zur Web-App
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- Bei (sehr) seltenen Familiennamen ⇒ Es empfiehlt sich, zunächst nur mit dem Familiennamen zu suchen, ohne weitere Angaben wie z.B. Vornamen
- Auch Geburtsdaten können als Suchbegriffe verwendet werden (Wichtig: Jahreszahlen sind in den Dokumenten meist nur mit zwei Ziffern notiert, z.B. 17 statt 1917) ⇒ kann der Eingrenzung bei häufigen oder ambigen Familiennamen (wie Müller, Meier, Schmidt oder Kaufmann, Fleischer = auch eine Berufsangabe!) dienen
- Weiterführende Hinweise & Tipps zur Suche gibt es unter https://www.archives.gov/research/catalog/help/search-tips
NSDAP-Mitgliederkartei in den US National Archives (NARA) – Beispiel einer Seite 4 mit dem ersten Namen der Filmrolle A3340-MFKL A0001 - NSDAP Mitgliedschaft prüfen | Screenshot: Anja Kirsten Klein/US National Archives
NSDAP-Mitgliederkartei in den US National Archives (NARA) – Beispiel einer Seite 4 mit dem ersten Namen der Filmrolle A3340-MFKL A0001 | Screenshot: Anja Kirsten Klein/US National Archives
Mit etwas Geduld läßt sich der NARA-Bestand tatsächlich sehr effektiv nutzen. Für Familienforscher und historisch Interessierte bietet er einen ungewöhnlich direkten Zugang zu einer der wichtigsten personenbezogenen Quellen zur NSDAP.
Wichtige Punkte in der Zusammenfassung (TL;DR)
- Die NSDAP-Mitgliederkartei im US-Archiv National Archives (NARA) umfaßt rund 80 % aller Parteimitgliedschaften von ca. 1927 bis 1945
- Die zwei zentralen Karteien sind digital und öffentlich verfügbar: MFKL (Zentralkartei) und MFOK (Ortsgruppenkartei)
- Karteikarten enthalten meist Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Beruf, Mitgliedsnummer, Eintrittsdatum und Wohnadresse
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- Originalakten liegen heute im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, dort aber nur per schriftlicher Anfrage zugänglich
Ergänzung vom 21. März 2026:
- Auf Basis der oben erwähnten kollaborativ erstellten Erfassung der Namensbereiche der Filmrollen habe ich eine Web-App erstellt, die diese Tabelle komfortabel durchsucht und – sofern der Namensbereich schon erfaßt ist – Vorschläge für relevante Filmrollen liefert: Link zur Namensbereich-Suche
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18. April 2017
In "Personenstandsregister"
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2. Februar 2020
In "Institutionen & Organisationen"
Schlagworte: 1920er, 1930er, 1940er, 20. jahrhundert, berlin document center, bundesarchiv, nara, national archives, ns-zeit, nsdap, usa
https://welt-der-vorfahren.de/
Susanne Siegert: Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss
AUDIO: Susanne Siegert: Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss (26 Min)
Stand: 19.01.2026 09:16 Uhr
Vor 30 Jahren wurde in Deutschland der 27. Januar zum "Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus" erklärt. Die alljährlichen Gedenkfeiern bezeichnet die junge TikTokerin Susanne Siegert als "Gedenktheater".
von Jürgen Deppe
Wir Deutschen werden als "Erinnerungsweltmeister" mal gelobt, mal bespöttelt. Nirgends sonst wird an das dunkelste Kapitel in der eigenen Geschichte mit so vielen Gedenkstätten, Gedenkorten, Gedenktagen erinnert, nirgends mit so vielen Mahnmalen und Stolpersteinen, mit so viel schulischer Bildung im Unterricht, mit Gedenkstättenbesuchen oder Zeitzeugengesprächen.
"Da entzieht man sich der Verantwortung"
Und doch, meint die Geschichts-TikTokerin Susanne Siegert, bleibt die Perspektive eingeschränkt - sowohl an Gedenkorten als auch an Gedenktagen: "Am 27. Januar sprechen wir über die Befreiung von einem Lager, das es aber ohne Deutschland, von Deutschland ausgehend nie gegeben hätte. Aber das bespricht man irgendwie nicht. Es geht ganz abstrakt um die Befreiung, und man macht sich gemein mit den Opfern, den Überlebenden und blendet total aus, was eigentlich die Bedingungen des Entstehens waren und wer da beteiligt war. Das waren eben nicht nur Hitler, Himmler und Heydrich, auf die man gern die Täterschaft projiziert."
Es sei ihr wichtig, nicht nur an die Opfer zu erinnern, sondern auch an die Täter, deren Nachfahren die meisten von uns sind. Da helfe auch keine Erweiterung des Erinnerns, etwa an Tage wie den 8. Mai - den Jahrestag des Kriegsendes, den der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1985 als "Tag der Befreiung" bezeichnete: "Der 'Tag der Befreiung' ist auch so ein Begriff, der uns als Opfer sich inszenieren lässt. Denn man muss schon fragen: Befreit von was? Wenn ich den 'Tag der Befreiung' feiere, dann sollte ich auch im Hinterkopf haben, dass meine Uropas als Wehrmachtssoldaten auch Teil des System waren, von dem wir überhaupt befreit werden mussten. Da entzieht man sich immer so ein bisschen der Verantwortung."
Überreste eines Massengrabs ermorderter Juden in Mirny bei Berditschew in der Ukraine.
War Papa ein NS-Verbrecher?
Vor der eigenen Familie verschweigen oder beschönigen viele Täter ihre Rolle während der NS-Zeit. Das weckt den Forschungstrieb bei den Nachfahren. Recherche-Seminare boomen.
Siegert fordert das Aufarbeiten von Familiengeschichten
Cover: Susanne Siegert, Gedenken neu denken
"Gedenken neu denken. Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss" ist bei Piper erschienen und kostet 18 Euro.
Erinnern müsse heute, fordert Siegert, immer auch das Erinnern an die Täter beinhalten. Immerhin seien die meisten von uns deren Nachkommen. Das verpflichte: "Ich glaube, da haben wir eine besondere Verantwortung in Deutschland, auf Täterschaft zu schauen und anders darüber zu sprechen, als es bisher der Fall war. Denn bisher war das Bild von diesen bösen Nazi-Bösewichten und diesen ganz wenigen satanistischen Einzeltäterinnen und Einzeltätern. Davon sollte man eher weggehen und davon sprechen, dass auch ganz normale Männer beteiligt waren." Unsere Väter, Großväter, Urgroßväter - und sei es nur als diejenigen, die das zugelassen und keinen Widerstand geleistet haben.
Der persönliche Bezug, das Erkunden der eigenen Familienbiografie, die - vielleicht auch erschreckende - Erkenntnis, dass das Grauen des Nationalsozialismus nicht einfach nur dunkle Vergangenheit ist, könne, so meint Siegert, viel eher dafür sorgen, dass sich so etwas nie wiederhole, als abstraktes Mitfühlen mit den Opfern: "Mir geht es ganz stark um Privatpersonen, weil ich glaube, dass man sich da selber als Akteurin oder Akteur begreifen muss, dass man in einem Land lebt, das so ist, wie es ist wegen der Verbrechen. Und dass man deshalb akzeptiert, dass Gedenken sehr präsent ist. Und dass man dann auch Teil ist, indem man für sich die Frage beantworten kann: Was war vor meiner eigenen Haustür, was war womöglich in meiner eigenen Familienbiografie?"
Eine ältere Frau blickt lächelnd in die Kamera
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Soziale Medien als neuer Erinnerungsort
Was aber nicht heiße, das Erinnern ins Private zu verschieben, stellt Susanne Siegert klar. Gedenkstätten und ähnliche Institutionen müssten weiter berichten, erklären, erinnern - aber eben auch so, dass jüngere Menschen dort erreicht würden, wo sie sind: in den sozialen Medien. Susanne Siegert ist dort mit ihrem Erinnern präsent - aber auch ziemlich allein: "Es gibt Gedenkstätten, die machen das zeitweise. Aber dass es da eine kontinuierliche, ernstzunehmende Strategie gibt, das sehe ich gerade nicht. Das darf auf keinen Fall die Aufgabe von Privatpersonen sein."
Weitermachen tut sie natürlich trotzdem. Bei TikTok und jetzt auch ganz konventionell in einem Buch. Fernab von ritualisierter "Erinnerungskultur". Sie nennt das "Gedenkarbeit".
Das vollständige Gespräch mit Susanne Siegert können Sie oben auf dieser Seite und in der ARD Audiothek hören. Susanne Siegert ist vom 20. bis 22. Januar im Norden auf Lesetour: Am Dienstag gastiert sie in Papenburg im Arkadenhaus, am Mittwoch in Hamburg im Mahnmal St. Nikolai und am Donnerstag im Museum Burg Bederkesa in Bad Bederkesa.
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Dieses Thema im Programm:
NDR Kultur | Der Morgen | 15.01.2026 | 06:20 Uhr
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„Gedenken neu denken“ von Susanne Siegert. © Piper Verlag
Bildquelle: https://www.fr.de/kultur/susanne-siegert-fordert-neue-gedenkarbeit-zur-ns-vergangenheit-94026913.html
Geschichtsinfluencerin Susanne Siegert: „Diese Gedenkarbeit ist ein Prozess, da ist niemand perfekt“
Stand:07.11.2025, 15:24 Uhr
Von: Valérie Eiseler
Eine dunkelhaarige Frau mit Pony-Haarschnitt schaut in die Kamera, sie trägt ein mit Bleiche gefärbtes dunkles Shirt und steht vor einer blau gestrichenen Mauer.
Mit ihren Videos erzielt Siegert mehrere Millionen Aufrufe. © Ina Lebedjew
Auf Instagram und TikTok informiert Geschichtsinfluencerin Susanne Siegert über „Alles, was du in der Schule garantiert nicht über Naziverbrechen lernst“. In ihrem Buch „Gedenken neu denken“ will sie nun dazu einladen, selbst zu recherchieren, und zwar auch zur NS-Vergangenheit in der eigenen Familie.
Mit 27 Jahren besuchte Susanne Siegert zum ersten Mal das Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers bei Mühldorf. Dabei wuchs sie nur wenige Minuten entfernt auf, ging jahrelang in der Nähe zur Schule, ohne je etwas über die NS-Vergangenheit des Ortes zu lernen. Was sie heute weiß, über Mühldorf, ihren Uropa und viele wenig bekannte NS-Verbrechen, teilt sie mit Hunderttausenden Follower:innen online und nun in ihrem neuen Buch.
Frau Siegert, Sie sind keine studierte Historikerin. Wie würden Sie sich selbst bezeichnen?
Ich bin eine Privatperson, die vor fünfeinhalb Jahren angefangen hat, zu einem ehemaligen Außenlager in ihrer Heimat zu recherchieren. Die dann besser wurde in der Recherche und neue Online-Archive für sich erschlossen hat. Und die das, was sie da gefunden hat, online teilen wollte. Ich betone ganz bewusst, dass ich keine studierte Expertin bin, die das Feld seit 30 Jahren beackert. Man hat schließlich sein Wissen aus der Schulzeit und darüber hinaus hört es oft auf, das betrifft auch die eigene Familienbiografie. Und genau diese Themen, was man in der Schule nicht über Nazi-Verbrechen lernt, habe ich zum Slogan meiner Accounts auf Instagram und TikTok gemacht.
Sie schreiben, dass Ihre Videos Menschen nicht davon abhalten werden, sich antisemitisch zu äußern oder die AfD zu wählen. Haben Sie Erwartungen an Ihr Publikum?
Meine Motivation ist erst mal sehr eigennützig, da ich mehr erfahren möchte. Aber der Gedanke, dass meine Recherche bei den Menschen etwas anstoßen könnte, motiviert mich auch. Ich hoffe, einen Anstoß zu geben, damit sich Menschen auf anderen Wegen mit dem Thema beschäftigen, mal ein Online-Archiv nutzen, den eigenen Heimatort, den eigenen Familiennamen eingeben. Das soll nicht die klassische Gedenkarbeit ersetzen, aber es ist eine gute Ergänzung.
In einem Ihrer Videos zu Friedrich Merz‘ Rede in einer Münchner Synagoge laden Sie den Kanzler dazu ein, sich bei dieser Gelegenheit auch mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen, statt einem reinen „Gedächtnistheater“, auch mit dieser Form der Gedenkarbeit zu beginnen. Wo ist der Unterschied?
Um das klarzustellen, meine Forderung ist nicht, dass Friedrich Merz auf die Knie fallen und für das, was sein Großvater getan hat, um Vergebung bitten muss. Dafür ist er absolut nicht verantwortlich. Aber indem er in diesem Raum ist, nimmt er an dem sogenannten „Gedächtnistheater“ teil und inszeniert das Gedenken. Ich glaube ihm sogar, dass er sehr emotional ergriffen war. Aber in diesem Moment werden die Jüdinnen und Juden im Raum sowie generell jüdische Verfolgte zu den Statist:innen seines Gedenkens. Wenn er über diese Rolle hinaus aktiv werden wollte, müsste er eigentlich auch offen über die Rolle seines Großvaters sprechen und klar benennen, was man über ihn weiß. Das würde auch nichts von dem schmälern, was er bei dieser Gedenkveranstaltung gesagt hat. Aber es geht einfach nicht sehr gut einher, sich auf der einen Seite anzumaßen, mit den Opfern zu trauern, wenn man auf der anderen Seite für die Tätervergangenheit der eigenen Familie keine klaren Worte findet. Er kann nach wie vor von seinem Großvater als liebendem Opa sprechen, das schließt sich nicht aus. Aber die Verbrechen klar zu benennen, ist der Unterschied zwischen dem „Gedächtnistheater“ und persönlicher Reflexion und Verantwortung.
Sie nehmen in Ihrem Buch Bezug auf die „Opa war kein Nazi“-Studie, die zeigte, dass man sich in Deutschland schwertut, die Tätervergangenheit in der eigenen Familie wahrzuhaben. Gleichzeitig wird immerzu betont, wie gut Deutschland die NS-Vergangenheit aufgearbeitet hat. Wie passt das zusammen?
Es gibt einfach sehr viele Gedenkformen und Gedenkveranstaltungen, die eben den Blick in die eigene Familienbiografie ausklammern. Und man kann verstehen, warum – es ist unangenehm. In meiner Generation, mit etwas mehr zeitlichem Abstand, fällt es leichter, darüber zu sprechen. In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war das schwerer, deshalb schreibe ich da auch über die „Unfähigkeit des Trauerns“. Es ist also logisch, wie unsere Erinnerungskultur entstanden ist. Doch spätestens jetzt ist es Zeit, das nachzuholen und klarer zu sprechen. Da geht es nicht darum, Einzelpersonen rauszupicken, das ist oft auch gar nicht möglich. So auch bei meinem Uropa – ich kann nicht sagen, gegen wie viele Personen er gekämpft, wie viele er ermordet oder was er sich dabei gedacht hat. Das ist schwer bis gar nicht nachzuvollziehen. Aber es kann ein Einfallstor für die Recherche sein. Denn ich habe herausgefunden, wo er stationiert war und welche Verbrechen dort stattgefunden haben. Das Bild der Nazis bleibt nicht mehr so abstrakt, wenn man Namen, Gesichter und eben auch Familienmitglieder damit verbindet. Allein dafür sind diese Recherchen sehr wirkungsvoll.
Viele Leute haben womöglich Angst vor den Gefühlen und Reaktionen, die eine Recherche in der eigenen Familie auslösen könnte. Wie war das bei Ihnen?
In meiner Familie wurde schon immer offen darüber gesprochen. Dass Vorfahren in der Wehrmacht waren, wusste ich also und bei meinen Recherchen wurden mir keine Hürden in den Weg gelegt. Daher waren meine eigenen Gefühle schon sehr sortiert. Aber es ist schwierig, die Verbindung zwischen den Verbrechen der Wehrmacht und meinem Uropa herzustellen. Ich denke, das ist total normal, auch wenn man schon viel über ein Thema gelernt hat, dass man es nicht genau schafft, das auf Personen aus der eigenen Familie anzuwenden. Dementsprechend war es ein emotionaler Moment zu merken, dass ich dieselbe Blutgruppe habe wie mein Uropa. Ein Mensch, der auch in Abwesenheit in meinem Leben eine Rolle gespielt hat. Das hatte schließlich Auswirkungen auf meinen Opa, auf meine Mutter, die dann meine Erziehung beeinflusst hat.
Zur Person
Susanne Siegert (33) ist Autorin und Influencerin. Über ihren Account @keine.erinnerungskultur forscht sie zu NS-Verbrechen und teilt ihre Recherchen mit einem überwiegend jungen Publikum. Für ihre Arbeit erhielt sie 2024 den Grimme Online Award und 2025 den Margot Friedländer Preis.
Am 10. November liest Siegert in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt aus „Gedenken neu denken“. Beginn 19.30 Uhr, Tickets sind über das Hessische Literaturforum im Mousonturm e.V. erhältlich.
Wie beginnt man am besten mit der Recherche zur eigenen Familie?
Ich würde immer damit starten, eine Anfrage ans Bundesarchiv zu stellen. Das ist nicht so kompliziert und kostet erst mal nichts. Man muss für sich selbst und die gesuchte Person ein Formular ausfüllen, abschicken und erst mal warten. Falls Kosten anfallen, wird man informiert. Man darf nur nicht erwarten, dabei auf persönliche Briefe oder Ähnliches zu stoßen. Man erhält stattdessen viele Zahlen zu irgendwelchen Einheiten, aber das kann ein guter Start sein, um von dort aus weiterzurecherchieren.
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Sie schreiben auch von Menschen, die Widerstand geleistet haben, und zwar von jenen, die der Allgemeinheit kein Begriff sind. Ein Beispiel war Helene Jacobs, warum fanden Sie ihre Geschichte so eindrücklich?
Helene Jacobs zeigte, dass es zwar einerseits den großen, risikobehafteten Widerstand gab, für den etwa Sophie Scholl ermordet wurde, aber dass es auch andere Formen gab. Jacobs Widerstand oder ihre Solidarität mit den Verfolgten sah so aus, dass sie als Teil des christlichen Besuchsdiensts Jüdinnen und Juden Essen brachte, für sie einkaufte oder auch nur mit ihnen sprach. Darüber hinaus lehnte sie Stellen ab, für die ein Arier-Nachweis von ihr gefordert wurde, und beendete eine Beziehung, nachdem ihr ehemaliger Partner in SA-Uniform die Tür geöffnet hatte. Sie brach die Uni ab, weil sie die dortige Haltung nicht mehr mittragen wollte. All diese Entscheidungen fielen ihr als Christin, die von Verfolgung nicht betroffen war, vielleicht erst mal leicht. Aber daraus wurden später die großen Entscheidungen: Sie versteckte verfolgte Menschen bei sich in der Wohnung und besorgte manchen von ihnen Papiere. Das bricht mit dem Narrativ, dass man damals einfach mitmachen musste. Natürlich war es nicht einfach und auch Helene Jacobs wurde irgendwann verhaftet. Aber auch diese Form des Widerstands war möglich und hält den Menschen, die das nicht gemacht haben, den Spiegel vor.
Auch der jüdische Widerstand gehört zu einer Lücke in der deutschen Aufarbeitung. Jüdische Menschen nehmen in unserer Geschichtsperspektive fast ausschließlich die Opferrolle ein. Warum?
Ich denke, einerseits ist es sehr wohlwollend. Man möchte solidarisch sein und Jüdinnen und Juden als hundertprozentige Opfer darstellen. Dieser Opferstatus ist auch richtig, aber darin fehlt die Selbstbestimmtheit, eben dieser Widerstand, ob er bewaffnet war oder nicht. Es fällt uns wahrscheinlich leichter, wenn wir an Jüdinnen und Juden erinnern, die von unseren Vorfahren ermordet wurden und sich nicht dagegen gewehrt haben. Denn der Gedanke, dass unsere Vorfahren gegen sich wehrende Verfolgte gekämpft und sie ermordet haben, legt eine weitere Ebene der Täterschaft drauf.
Interessant, dass es uns selbst in diesen Dimensionen der Grausamkeit und der Verbrechen doch ein Bedürfnis zu sein scheint, zwischen diesen Nuancen zu unterscheiden.
So ging es mir ja auch. Ich habe genau die gleichen Narrative sehr begrenzt wahrgenommen, weitergegeben, Perspektiven ausgeblendet, war in der Wortwahl leer und verschleiert. Diese Gedenkarbeit ist ein Prozess, da ist niemand perfekt. Und man sollte den Menschen auch keine Angst machen, sich aus Sorge vor Fehlern überhaupt nicht zu äußern. Ich hoffe, dass ich mit dem Buch ein wenig helfen kann, auf diese Aha-Momente zu stoßen und die eigenen Äußerungen vielleicht zu hinterfragen. Und dass man vielleicht besser einschätzen kann, was man jetzt zum 9. November auf Instagram sieht, wenn alle politischen Parteien dazu posten und weiter Perspektiven ausblenden.
„Das Bild der Nazis bleibt nicht mehr so abstrakt, wenn man Namen, Gesichter und eben auch Familienmitglieder damit verbindet.“
Susanne Siegert
Wenn Sie jetzt über den 9. November sprechen, der Tag, an dem wir an die Novemberpogrome erinnern, was für eine Art der Gedenkarbeit würden Sie sich da konkret wünschen?
Ich möchte keine Rituale wie Stolpersteine, Kerzen anzünden, Kränze niederlegen und Reden von Bürgermeister:innen „verbieten“, die haben auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung – aber ich glaube, es wäre schon ein wirkungsvoller Unterschied, wenn man es bei den Reden vor Denkmälern schaffen würde, auch Worte darüber zu verlieren, dass die Bevölkerung bei diesen Ausschreitungen, den brennenden Synagogen, zugeschaut hat.
Menschen mit Lichtern während einer Gedenkveranstaltung
Rituale wie Stolpersteine legen und Kerzen anzünden haben auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung, meint Siegert. Doch sie plädiert für eine persönliche Auseinandersetzung mit der Geschichte. © IMAGO/Martin Müller
Sie schreiben, dass es ein komisches Gefühl auslöst, wenn Medienschaffende fragen, ob Ihre Arbeit angesichts des Rechtsrucks und der AfD wichtiger geworden ist. Was für ein Gefühl ist das?
Es fühlt sich dann so an, als gäbe es für meinen Kanal nur eine Daseinsberechtigung, wenn es diese rechtsextremen Parteien, einen Rechtsruck und Antisemitismus gibt. Aber meine Ansicht ist ganz klar, dass ich meine Arbeit auch dann genauso weitermachen würde, wenn es all das nicht mehr gäbe. Dass wir aus der Vergangenheit für die Gegenwart lernen wollen, wird als Maßstab angelegt und ich würde sagen, das ist ein netter und nicht unwichtiger Nebeneffekt. Aber das kann nicht entscheidend dafür sein, worüber wir sprechen und worüber nicht. Denn genau dann blenden wir Perspektiven aus, die uns nicht hilfreich erscheinen. Aufklärung ist immer wichtig, zum einen aus Respekt gegenüber den Verfolgten und zum anderen, weil ich in diesem Land nun mal als Nachfahrin von Tätern und Täterinnen gemeinsam mit den Nachfahren der Verfolgten lebe. Über dieses Thema dann nur zu sprechen, wenn für die Gegenwart etwas Nützliches dabei rauskommt, finde ich sehr befremdlich.
Kommt daher auch Ihre Ambivalenz zu Sätzen wie „Nie wieder ist jetzt“?
Sätze wie dieser sind das, was ich mit leerer Sprache meine. Man sagt etwas, aber im Grunde sagt man gar nichts. Durch die ständige Wiederholung ist daraus auch eine symbolische Phrase geworden, ein Hashtag, das zu einem Gedenktag gepostet werden kann. Das Hashtag darf natürlich weiter existieren, aber ich bin der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, sich auch eigene Worte und Botschaften zu überlegen.
Sie schreiben in Ihrem Buch, dass „genug Gedenken für alle da ist“ und man Gedenken an den Holocaust nicht gegen Gedenken an Kolonialverbrechen aufwiegen sollte. Ist das realistisch?
Es ist natürlich leider so, dass auch in der Gedenkarbeit um Ressourcen konkurriert wird. Das sieht man zum Beispiel daran, was auf den Lehrplan in der Schule kommt. Doch in der Öffentlichkeit, in den Medien, ist der Raum dafür eigentlich unendlich. Dort würde die Aufklärung zu NS-Verbrechen nichts wegnehmen. Nur weil es etwa meinen Account zu NS-Verbrechen gibt, heißt das schließlich nicht, dass es nicht auch einen Account zu Kolonialverbrechen geben kann. Tatsächlich kann man dann nämlich voneinander lernen.
Kann es überhaupt einen Punkt geben, ab dem man „genug Gedenken“ definieren kann?
Diesen Zeitpunkt kann und wird es nicht geben. Das stellt man schnell auf der privaten Ebene fest. Wenn ein Angehöriger ermordet wurde, würden wir auch nie sagen, dass es an irgendeinem Punkt genug Trauer gab. Daher glaube ich auch nicht, dass es diesen Punkt in der Erinnerungskultur gibt.
Buchcover: „Gedenken neu denken“ von Susanne Siegert, dunkelblauer Hintergrund, abstraktes rosa Muster, weiße Schrift.
„Gedenken neu denken“ von Susanne Siegert. © Piper Verlag
Haben Sie das Buch für ein anderes Publikum geschrieben als ihre Instagram- und TikTok-Follower?
Ich würde sagen, dass ich es eigentlich für das gleiche Publikum geschrieben habe oder dass ich das zumindest hoffe. In meinem Kopf sind das jüngere Menschen, die meine Videos schauen, weil sie das Format und Tempo von der Plattform kennen. Ich hoffe, dass sie in meinem Buch Anknüpfungspunkte daran finden. Das heißt natürlich nicht, dass nur Menschen, die mir folgen, das Buch lesen können. Ich will nicht, dass es als TikTok-Buch wahrgenommen wird, nur weil ich auf dieser Plattform zuerst veröffentlicht habe.
Im Vorwort fragen Sie sich, ob Sie das Buch überhaupt schreiben dürfen. Offensichtlich lautet die Antwort für Sie Ja. Wie sind Sie an diesen Punkt gekommen?
Ich meine, jeder Idiot darf natürlich ein Buch schreiben. Dennoch habe ich überlegt, ob es dieses Buch braucht und dann von einer Person wie mir, die eben keine Historikerin ist. Aber ich denke, dass es eine neue Perspektive liefert, auch für Menschen, die noch keine Berührungspunkte mit dem Thema hatten. Vielleicht merken sie so, wie auch bei meinen Videos, dass sie sich sehr wohl für die Verbrechen von damals interessieren, auch wenn sie es in der Schule nicht taten.
https://www.fr.de/
München und der Nationalsozialismus
Donnerstag, 30.03.2023, 10:00 Uhr
NS-Dokumentationszentrum München, Max-Mannheimer-Platz 1, 80333 München
Als Gründungsort der NSDAP ist München wie keine andere Stadt mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus verbunden. Die Ausstellung "München und der Nationalsozialismus" im NS-Dokumentationszentrum dokumentiert die NS-Geschichte der Stadt.
Wie kam Adolf Hitler, der Führer einer antidemokratischen und rassistischen Partei, an die Macht? Warum scheiterte die Demokratie? Was führte zu Ausgrenzung, Krieg und Massenmord? Kann man aus der Katastrophe des Nationalsozialismus lernen? Diese Fragen beschäftigen Historiker*innen seit Jahrzehnten. Sie sind nach wie vor ebenso aktuell wie wichtig. Sie gehen uns alle etwas an.
Wer nach Antworten sucht, kann sie in München finden, wo der Nationalsozialismus entstanden ist. Das NS-Dokumentationszentrum setzt sich mit der Vergangenheit Münchens auseinander und erklärt den Nationalsozialismus am historischen Ort.
Warum München?
Auf rund 1000 qm vermittelt die Ausstellung München und der Nationalsozialismus fundiertes historisches Wissen über die Gründung und den Aufstieg der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in München, die besondere Rolle der Stadt im Terrorsystem der Diktatur und den schwierigen Umgang mit dieser Vergangenheit seit 1945. Sie wirft dabei die Frage auf: „Was hat das mit mir zu tun?".
Geschichte trifft auf Gegenwart
Wechselnde künstlerische Interventionen und Ausstellungen eröffnen neue Perspektiven auf die Geschichte und greifen aktuelle gesellschaftspolitische Themen vor dem historischen Hintergrund auf.
Mit Fotografien, Dokumenten und Texten sowie Filmprojektionen und Medienstationen zeigt die Ausstellung, wie der NS-Staat und dessen Ausgrenzungs- und Verfolgungspolitik funktionierte, aber auch mit welchen Angeboten und Lockungen er sich eine breite Unterstützung in der Bevölkerung sicherte. Ausgewählte Biografien von Täter*innen, Opfern und Mitläufer*innen sowie Menschen, die Widerstand geleistet haben, beleuchten deren Motive und Handlungsspielräume. Der Zweite Weltkrieg hatte Auswirkungen auf ganz Europa: Die Ausstellung nimmt die Situation in München und auch die Beteiligung von Münchner*innen an NS-Verbrechen in den besetzten Gebieten in den Blick. Schließlich führt die Ausstellung über den Zusammenbruch des Regimes 1945 hinaus und blickt auf die Nachgeschichte des Nationalsozialismus bis in die Gegenwart.
Die großen Fenster ermöglichen den Blick auf Gebäude und bauliche Überreste aus der NS-Zeit, die das NS-Dokumentationszentrum umgeben, wie beispielsweise den ehemaligen ‚Führerbau‘ und die Sockel der NS-‚Ehrentempel‘. Die authentischen und historischen Orte werden so zu einem Teil der Ausstellung.
Für einen Rundgang anhand der 33 großformatigen Schwerpunkttafeln benötigt man circa 1,5 Stunden. Sie bieten einen chronologisch aufgebauten Überblick über die wichtigsten Themen der NS-Geschichte Münchens. Wer mehr Zeit mitbringt, findet an den Leuchttischen weitere Inhalte, um verschiedene Themen zu vertiefen.
https://www.regioactive.de/
Siehe auch:
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