Nationalsozialismus in Mosbach - Baden
: Rechtsextremismus und Neofaschismus : Anti-Semitismus : Anti-Ziganismus : Homophobie : Rassismus : Diskriminierung 

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HISTORISCHES & AKTUELLES: 
NS-Verfolgung
von Sinti und Roma
vor 1945

- u.a. in Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis,
Baden-Württemberg
- u.a. in juristischen Aufarbeitungen
ausgehend vom Amtsgericht Mosbach
unter Führung und Verantwortung
des Direktors Dr. Lars Niesler,
Mitglied im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen (LACDJ)
der CDU Baden-Württemberg


 Zuletzt AKTUALISIERT am 01.01.2025 ! 

Seiteninhalt:

  1. NS- und Rechtsextremismus-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach unter Einbeziehung der forensischen familienpsychologischen sachverständigen Gutachterin aus Kitzingen Antje Wieck

    1.1 Gerichtlich verfügte Beauftragung der forensischen Sachverständigen aus Kitzingen Antje Wieck durch das Amtsgericht Mosbach bezüglich der gerichtlichen und außergerichtlichen Anti-Nazi-Aktivitäten des Antragstellers

    1.2 Strafanzeigen vom 13.08.2022 an das Amtsgericht Mosbach gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager

  2. Online-Artikel und Bücher zur Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945

    2.1 Nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma bis 1945 und Diskriminierung seit 1945 in Aufarbeitungen beim DEUTSCHEN BUNDESTAG

  3. YouTube-Videos zur Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945

  4. Stellungnahme der vom Amtsgericht Mosbach gerichtlich beauftragten forensischen Sachverständigen Antje Wieck aus Kitzingen zur Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945



1. NS- und Rechtsextremismus-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach unter Einbeziehung der forensischen familienpsychologischen sachverständigen Gutachterin aus Kitzingen Antje Wieck

Amtsgericht Mosbach: Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Amtsgericht_Mosbach#/media/Datei:Mosbach-kloster-amtsgericht1.jpg

Amtsgericht Mosbach
Hauptstraße 110
74821 Mosbach
Telefon:
06261 - 87 0
(Zentrale)
Telefax:
06261 - 87 460
(Zentrale Faxnummer)

NS- und Rechtsextremismus-Verfahren bei der Mosbacher Justiz:
AKTUELLE NS- und Rechtsextremismus-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach u.a. seit 03.06.2022 >>>

Historische NS-Verfahren der Mosbacher Justiz >>>

Zuständigkeit des Amtsgerichts Mosbach in NS- und Rechtsextremismus-Verfahren >>>

Frühere außergerichtliche NS-Aufarbeitungen 2005 bis 2011 >>>

Frühere gerichtliche NS-Aufarbeitungen 2004 bis 2010 >>>

Nach Rechtsauffassung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg mit Beschluss vom 15.12.2022 - 6 S 1420/22 - unterliegt der Nationalsozialismus nicht der grundrechtlich geschützten Weltanschauungsfreiheit gemäß Art. 4 Abs. 1 GG.

Das Amtsgericht Mosbach hat jedoch seit dem 03.06.2022 eine gemäß § 158 StPO ordnungsgemäße Eingangsbestätigung mit den Benennungen der Konkreten Eingabedaten, der Konkreten Sachverhaltsbenennungen mit einer kurzen Zusammenfassung der Angaben zu Tatzeit, Tatort und angezeigter Tat, insbesondere zu beantragten NS- und Rechtsextremismus-Strafverfahren, bisher ausdrücklich und EXPLIZIT versagt und NICHT ausgestellt.

Auch für die beim Amtsgericht Mosbach beantragten Wiederaufnahmeverfahren, amtsseitigen Verfügungen und gerichtlichen Prüfungen in NS- und Rechtsextremismus-Angelegenheiten verweigert das Amtsgericht Mosbach ordnungsgemäße Eingangs- und Weiterbearbeitungsbestätigungen mit konkreten Sachverhaltsbenennungen.

Siehe dazu auch Umgang des Amtsgerichts Mosbach mit NS- und Rechtsextremismusverfahren >>>


1.1 Gerichtlich verfügte Beauftragung der forensischen Sachverständigen aus Kitzingen durch das Amtsgericht Mosbach bezüglich der gerichtlichen und außergerichtlichen Anti-Nazi-Aktivitäten des Antragstellers

Das Familiengericht-Amtsgericht Mosbach, Hauptstraße 110, 74281 Mosbach, beauftragt die forensische Sachverständige aus Moltkestr. 2, 97318 Kitzingen, in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 unter 6F 202/21, die Anti-Nazi-Aktivitäten des KVs und Antragstellers in einer ergänzenden Stellungnahme gutachterlich einzuschätzen und zu bewerten. Dazu zählen laut Anweisungen dieser amtsgerichtlichen Verfügungen SOWOHL die seit Sommer 2022 vom Antragsteller beim Amtsgericht Mosbach initiierten NS- und Rechtsextremismus-Verfahren ALS AUCH seine außergerichtlichen und gerichtlichen Aufklärungs- und Aufarbeitungsbemühungen zu Nationalsozialistischem Unrecht und Nationalsozialistischen Verbrechen aus dem Zeitraum um 2008, d.h. konkret von 2004 bis 2011, im Rahmen seiner sogenannten "Nazi-Jäger"-Aktivitäten im sachverhaltsbezogenen Kontext zur Problematik des Nationalsozialismus vor und nach 1945 und dessen Aufarbeitung bis heute. Siehe dazu auch Kapitel 4 auf dieser Seite.

Das Amtsgericht Mosbach BEAUFTRAGT EXPLIZIT in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 unter 6F 202/21 am Beispiel des Antragstellers von NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach die forensische Sachverständige aus Kitzingen, eine GUTACHTERLICHE STELLUNGNAHME zur Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945 ALS TEIL DER NS-VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG an das deutsche BRD-Amtsgericht Mosbach im Jahr 2022 zu erstellen.


Expertise der Forensischen Sachverständigen MA Antje C. Wieck aus Kitzingen zur Aufarbeitung von NS-Verbrechen und NS-Unrecht in der NS-Vergangenheitsbewältigung

Die HIER fallverantwortliche Richterin beim Amtsgericht Mosbach Marina Hess verfügt HIER unter 6F 9/22 und 6F 202/21 am 17.08.2022 EXPLIZIT, dass die gerichtlich beauftragte familienpsychologische Forensische Sachverständige für Familienrecht MA Antje C. Wieck, Praxis für KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPIE, Moltkestr. 2, 97318 Kitzingen, eine INHALTLICHE Sachverständigen-Auseinandersetzung mit der Dokumentations-Website "nationalsozialismus-in-mosbach.de" des Kindsvaters, Beschwerdeführers und Nazi-Jägers Bernd Michael Uhl durchführen solle (Siehe im Folgenden!), die diese Sachverständige Gutachterin HIER ABER AKTENKUNDIG NACHWEISBAR im anhängigen Verfahrenskomplex während ihren zwei gerichtlich bestellten Sachverständigengutachten von 2022 bis 2024 DANN ÜBERHAUPT NICHT durchführt.

UND DIES HIER EXPLIZIT AUCH NICHT bzgl. der DARIN KONKRET thematisierten nationalsozialistischen Verbrechen bis 1945 und deren juristischen, politischen und zivilgesellschaftlichen Aufarbeitungen in der NS-Vergangenheitsbewältigung seit 1945, insbesondere HIER auch in der lokalen-regionalen Fall- und Verfahrenszuständigkeit für Mosbach und für den Neckar-Odenwaldkreis.

Die HIER fallverantwortliche Richterin beim Amtsgericht Mosbach Marina Hess verfügt HIER unter 6F 9/22 und 6F 202/21 am 17.08.2022 EXPLIZIT bei der von ihr selbst gerichtlich beauftragten familienpsychologischen Forensischen Sachverständigen für Familienrecht MA Antje C. Wieck, Praxis für KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPIE, Moltkestr. 2, 97318 Kitzingen eine Sachverständigen-Begutachtung bezüglich "der Notwendigkeit einer psychiatrischen Begutachtung" des Kindsvaters, Beschwerdeführers und Nazi-Jägers Bernd Michael Uhl "zur Beurteilung seiner Erziehungsfähigkeit" (Siehe im Folgenden!). UND DIES NACHDEM UNMITTELBAR ZUVOR das erste gerichtlich beauftragte familienpsychologische Gutachten vom 07.04.2022 unter 6F 202/21 und 6F 9/22 sich für den perspektivischen Verbleib des damals anderthalb Jahre alten Kindes beim Kindsvater ausspricht. HIERBEI unterstellt die fallverantwortliche Mosbacher Amts-Familienrichterin Marina Hess im familienrechtlichen Zivilprozess dem Kindsvater, Beschwerdeführer und Bernd Michael Uhl eine mögliche angebliche psychische Erkrankung und eine damit einhergehende eingeschränkte Erziehungsfähigkeit auf Grund seiner konkreten Nazi-Jäger-Eingaben zu den seinerseits beim Amtsgericht Mosbach beantragten juristischen Aufarbeitungen von konkreten Tatbeteiligungen an NS-Verbrechen und NS-Unrecht 1933-1945 und deren mangelhaften juristischen Aufarbeitungen seitens der deutschen Nachkriegsjustiz seit 1945. UND DIES HIER insbesondere auch in der lokalen-regionalen Fall- und Verfahrenszuständigkeit bei NS-Verbrechen und NS-Unrecht in Mosbach und im Neckar-Odenwaldkreis sowie bezüglich dem Versagen der Mosbacher Nachkriegsjustiz seit 1945 bei deren juristischen Aufarbeitungen.

Amtsgericht Mosbach unterstellt Bernd Michael Uhl angebliche psychische Erkrankung auf Grund seiner Nazi-Jäger-Eingaben.

SIEHE DAZU AUCH:




1.2 Strafanzeigen vom 13.08.2022 an das Amtsgericht Mosbach gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager




EINLADUNG ZUR PROZESSBEOBACHTUNG !!! NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach
Strafanzeigen vom 13.08.2022 gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager
220813_uhl_ag_mos_ja_sinti_roma_mosbach.pdf (165.9KB)
EINLADUNG ZUR PROZESSBEOBACHTUNG !!! NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach
Strafanzeigen vom 13.08.2022 gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager
220813_uhl_ag_mos_ja_sinti_roma_mosbach.pdf (165.9KB)


Hiermit ergeht der zuvor benannte offizielle Strafantrag an das AG/FG Mosbach unter 6F 9/22 vom 13.08.2022.

BEGRÜNDUNG UND GLAUBHAFTMACHUNG:
1943/44 wurden mindestens 116 Sinti – Männer und Frauen, Säuglinge, Kinder und Alte – aus den Altkreisen Sinsheim, Mosbach und Buchen ins „Zigeunerlager Auschwitz“ deportiert. Nur wenige überlebten. Im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden am 2. August 1944 etwa 4300 Sinti und Roma Kinder, Frauen und Männer in einer einzigen Nacht ermordet.

Unzureichende Aufarbeitung durch die Mosbacher Justiz ?: Bisher ist öffentlich nichts darüber bekannt, dass Verantwortliche im arbeitsteilig organisierten Nazi-Massenmord an Sinti und Roma während der Nachkriegszeit von der Mosbacher Justiz angeklagt und verurteilt wurden.

ANTRAG AUF VERFAHRENSBESCHLEUNIGUNG:
Hiermit ergeht der Antrag auf Verfahrensbeschleunigung in vorliegender Rechtssache gegen möglicherweise noch lebende NS-Täter.

SACHVERHALTSERMITTLUNGS- UND AUFKLÄRUNGSPFLICHT DES GERICHTS:
Das Gericht selbst ist von Amtswegen zur umfassenden Sachverhaltsermittlung und - aufklärung nach § 26 FamFG, § 27 FamFG, § 44 FamFG, § 138 ZPO verpflichtet, um möglichst eine Verletzung der Ansprüche auf rechtliches Gehör und faires Verfahren nach § 10 AEMR, § 6 EMRK, § 103 Abs. 1 GG sowie auf die Achtung des Familienlebens nach § 8 EMRK sowie auf das Recht auf Meinungsfreiheit § 19 AEMR, § 11 EMRK, § 5 GG sowie auf das Recht auf Diskriminierungsverbot § 14 EMRK auszuschließen.

GERICHTLICH EINZUHOLENDE STELLUNGNAHMEN
Beim hier fallverantwortlichen Spruchkörper des Amtsgerichts Mosbach wird unter 6F 9/22 offiziell beantragt von allen Verfahrensbeteiligten inklusive der involvierten Fachstellen (Jugendamt Neckar-Odenwaldkreis beim Landratsamt Mosbach unter Aktenzeichen 3.23214 und der gerichtlich bestellten Verfahrensbeiständin) offizielle Stellungnahmen in der hier anhängigen Rechtssache „Strafanzeigen gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager“ ordnungsgemäß und vollständig zeitnah einzuholen.

INTERNET-VERÖFFENTLICHUNGEN
Hiermit erfolgt offiziell die Antragsteller-Freigabe des vorliegenden Antrages vom 13.08.2022 unter 6F 9/22 in vorliegender Rechtssache „Strafanzeigen gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager“ zur frei zugänglichen Veröffentlichung in den Internetpräsenzen des Amtsgerichts Mosbach sowie der BRD-Justizinstitutionen sowie in den Internetpräsenzen der BRD-Universitäten und Fachhochschulen sowie in den Internetpräsenzen sämtlicher BRD-Bildungseinrichtungen.

Der vorliegende Strafantrag in vorliegender Rechtssache beim Amtsgericht-Familiengericht Mosbach wird mit begleitender Falldokumentation auf der folgenden Website frei zugänglich im Internet veröffentlicht: Die Internet-Präsenz " Nationalsozialismus in Mosbach - Baden und Württemberg : Rechtsextremismus und Neofaschismus : Rassismus und Diskriminierung : Anti-Semitismus : Homophobie " ist ein Linkportal und Informationsangebot zu regionalen Ereignissen im Prioritäten-Fokus zu Mosbach, Baden und Württemberg.

http://www.nationalsozialismus-in-mosbach-baden.info/

Beim fallverantwortlichen Spruchkörper am Amtsgericht Mosbach wird hiermit am 11.08.2022 unter 6F 9/22 die Veranlassung mit transparenter Bestätigungsmitteilung an alle Verfahrensbeteiligten beantragt, die hier anhängige RECHTSSACHE mit kritischer Dokumentation sowie die entsprechende Verfahrens- und Falldokumentationen auf den Internet-/bzw. Websites des Amtsgericht Mosbach frei zugänglich zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

***

Prozessbeobachtung: NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach
Strafanzeigen vom 13.08.2022 gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager
220813_uhl_ag_mos_ja_sinti_roma_mosbach.pdf (165.9KB)
Prozessbeobachtung: NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach
Strafanzeigen vom 13.08.2022 gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager
220813_uhl_ag_mos_ja_sinti_roma_mosbach.pdf (165.9KB)



2. Online-Artikel und Bücher zur Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945


Porajmos-Gedenktag in Bremerhaven
„Auch Sinti und Roma wurden erfasst, entrechtet und verfolgt“

Die Aufarbeitung der NS-Verfolgung der Sinti und Roma begann 35 Jahre nach Kriegsende. Am 16.12. wird in Bremerhaven der Gedenktag begangen.
15.12.2025
Menschen ziehen mit Kränzen einen Weg entlang, einig von ihnen mit gestreifter KZ-Häftlingskleidung (Schwarz-Weiß-Foto) Wendepunkt in der Aufarbeitung: Roma-Protest im ehemaligen Konzentrationslager Dachau 1980
Foto: Documentation and Cultural Centre of German Sinti and Roma
Interview von
Amanda Böhm
taz: Herr Larze, jedes Jahr am 16. Dezember gedenken Sie der Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Wie wird diese Verfolgung aufgearbeitet?
Roberto Larze: In den 40 Jahren Vereinsarbeit konnten wir da politisch schon einiges erreichen. So wurden wir beispielsweise in die Minderheitencharta aufgenommen. Und in Berlin steht ein Mahnmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma. Auch in Bremerhaven erinnert eine Gedenktafel an der Karlsburg an die 101 Sinti und Roma, die im März 1943 aus Bremerhaven über den Bremer Schlachthof nach Auschwitz deportiert wurden. Und auch wir legen jährlich am 16. Dezember einen Kranz nieder, um an den Auschwitz-Erlass und die nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma zu erinnern. Aber es gibt noch immer zu wenig Aufklärung darüber, dass auch wir eine verfolgte Gruppe waren.
taz: Warum gibt es darüber so wenig Wissen?
Roberto Larze
Bild: Stefan Schmidbauer/Imago
Im Interview: Roberto Larze
Jahrgang 1971, ist Vorsitzender des Bremerhavener Sinti-Vereins e.V.
Larze: Das fängt schon bei der Bildung an: Nur sehr wenige wissen, was Sinti und Roma im Nationalsozialismus erlebt haben. Wie Juden wurden auch Sinti und Roma im Nationalsozialismus erfasst, entrechtet und verfolgt. Mit dem sogenannten „Auschwitz-Erlass“, an den wir ja am 16. Dezember erinnern, wurden Sinti und Roma in Konzentrationslager deportiert. 500.000 Sinti und Roma wurden umgebracht. Es bleibt jedoch leider eine Randnotiz, dass auch Sinti und Roma im von den Nazis besetzten Deutschland vernichtet wurden. Es hat sehr lange gedauert, bis die Aufarbeitung des nationalsozialistischen Völkermords an den Sinti und Roma beginnen konnte.
taz: Warum begann diese Aufarbeitung so spät?
Larze: Viele NS-Verbrecher sind auch nach der Befreiung an der Macht geblieben. Die sogenannten „Wiedergutmachungszahlungen“ wurden – wenn überhaupt – oft viel zu spät gezahlt. Für diese Wiedergutmachungszahlungen mussten Betroffene Ärzten gegenübertreten, die schon während dem Nationalsozialismus praktiziert haben. Bei diesen Ärzten, aber auch bei der Polizei oder Justiz war Antiziganismus noch immer allgegenwärtig.
Gedenkveranstaltung
mit Kranzniederlegung zur Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma. Am 16.12. um 17:30 Uhr an der Gedenktafel Karlsburg, Karlsburg 4, Bremerhaven. Anschließender Festakt „40 Jahre Bürgerrechtsarbeit“ ab 18 Uhr in die Aula der Hochschule Bremerhaven. Um Anmeldung zum Festakt unter info@bremerhavener-sinti-verein.de wird gebeten.
taz: Was hat sich dann verändert?

Erst 1982 hat Helmut Schmidt anerkannt, dass Sinti und Roma während des Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt wurden
Larze: 1980 traten zwölf Sinti in der KZ-Gedenkstätte Dachau in den Hungerstreik. Unter ihnen waren drei Überlebende. Dieser Hungerstreik hat großen politischen Druck ausgelöst und viel Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt. Zwei Jahre später hat Helmut Schmidt anerkannt, dass Sinti und Roma während des Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt wurden. Aber das war erst 1982!
taz: Wie nehmen Sie den Antiziganismus heute wahr?
Roberto Larze: Ich lebe und arbeite in Bremerhaven. Bremerhaven ist durchaus eine weltoffene Stadt. Wir spüren hier zum Glück wenig Antiziganismus. Das heißt jedoch nicht, dass Antiziganismus nicht trotzdem gegenwärtig ist. Der Zentralrat der Sinti und Roma und die Landesverbände kämpfen dagegen. In der Gesellschaft gibt es noch immer viele Anfeindungen, Klischees und Unwissen. Bei der Antiziganismus-Stelle in Berlin kann man Diskriminierungserfahrungen und Übergriffe anonym melden. Von 2024 auf 2025 hat sich die Zahl der Übergriffe verdoppelt. Und wir müssen davon ausgehen, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist.
taz: Sinti und Roma wird oft Heimatlosigkeit unterstellt. Dabei leben Sinti und Roma schon seit hunderten von Jahren im deutschsprachigen Raum.
Larze: Genau, wir sind Teil dieses Landes! Uns gibt es schon sehr lange, auch wenn von dem Leben von Sinti und Roma in Deutschland leider nur wenig dokumentiert wurde. Wir wissen allerdings, dass Sinti und Roma bereits vor 700 Jahren in Deutschland lebten. Als Verein versuchen wir, in einer kleinen Ausstellung unsere Arbeit und das Leben von Sinti und Roma in Bremerhaven zu dokumentieren. Die Großmutter meiner Frau hat beispielsweise schon 1904 in Bremerhaven gelebt.
https://taz.de/


Die sogenannte „Rassenhygienische Forschungsstelle“ fertigte Gipsabdrücke von Köpfen und Gesichtern an

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma

11.09.2025
Unter dem Deckmantel der Wissenschaft wurden im Nationalsozialismus Menschen entrechtet und verfolgt. Die sogenannte „Rassenhygienische Forschungsstelle“ fertigte Gipsabdrücke von Köpfen und Gesichtern an, um angebliche „rassenbiologische Unterschiede“ zwischen Sintizze, Romnja, „Mischlingen“ und „Arier*innen“ zu belegen. Diese Pseudowissenschaft diente nicht der Erkenntnis, sondern der Legitimation von Gewalt. Ihre Ergebnisse bildeten die Grundlage für Zwangssterilisationen, Lagerhaft, Deportationen und Mord. Wer als „nicht integrierbar“ oder „minderwertig“ eingestuft wurde, sollte ausgeschaltet werden. Die Bilder der Kopfplastiken erinnern uns bis heute daran, wie Forschung missbraucht werden kann, wenn sie nicht dem Leben, sondern der Ausgrenzung dient.
FACEBOOK : Zentralrat Deutscher Sinti und Roma >>>



Vortragsprojekt "LERNEN-DURCH-ERINNERUNG! HAND in HAND GEGEN RASSISMUS!"

Wir brauchen den Widerstand gegen rechts!
Ricardo-Lenzi Laubinger
13.08.2025

HILFE!
Liebe Freundinnen und Freunde gegen Rechts, gegen Rassismus und gegen Faschismus, mein Name ist Ricardo-Lenzi Laubinger und ich bin er Vorsitzende der Sinti-Union Hessen e.V.
Ich bin mit meinem Vortragsprojekt "LERNEN-DURCH-ERINNERUNG! HAND in HAND GEGEN RASSISMUS!" in ganz Deutschland unterwegs und gebe meinen Vortrag an Schulen aller Art, bei Vereinen und Organisation usw. und"kämpfe" so gegen die leider wieder stärker werdende rechts Polititk!
Ich habe auch ein Buch mit dem Titel "Und eisig weht der kalte Wind! geschrieben, in dem ich absolut wahre Geschichte meiner Familie zwischen 1925 & 2017 erzähle.
Ich zeige in meinem Projekt, viele Diabilder von Angehörigen meiner Familie, die alle ohne Ausnahme aus rein rassitischen Gründen und mit der Absicht der absoluten Ausrottung von den Nazis verfolgt und zumeist in den KZ ermordet wurden und das, obwohl unsere Minderheit seit weit mehr als 600- Jahren in Deutschland ansässig ist.
Mir ist es besonders wichtig die Schülerinnen und Schüler ab dem 14.ten Lebensjahr, über die wirkliche Wahrheit zu informieren. Nur wer die die Wahrheit kennt, kann sich in Zukunft gegen eine Wiederholung engagieren!
Ich zeige ein kurzes Video (circa 3.5 Minuten) über die Verfolgung der Sinti und auch der Roma. Dann zeuge ich sehr viele Diabilder aus der jeweiligen Zeit von meinen Eltern, deren Familie und weiteren Verwandten. Auch zeige ich Diabilder von Originaldokumeten aus den jeweiligen Zeiten, mit denen ich all das was ich sage auch beweisen kann!
Ich kann auch in die Zeiten nach 1945 und bis in die Gegenwart! Zum Schluss des Vortragsprojektes schließe ich dem ganzen eine Beprechung an, in der jede/r Anwesende seine Fragen dirkr an mich richten kann!
Mit diesem Projekt kämpfe ich gegen jede Art von Nazismus und Rassismus! Denn ALLES MENSCHEN SIND GLEICH!
Gleichzeitig finanziere ich so unser gemeinnützige Organisation denn wir erhalten trotz der höchsten Anerkennungen, keinen einzigen Euro Förderung!
Liebe Freundinnen und Freunde gegen Rechts, gegen Rassismus und gegen Faschismus, BITTE HELFT UNS!
Wenn Ihr- gemeinsam mit uns, mein Vortragsprpjekt bei euch, in eurer Organisationm eurem Verein oder in einer Schule in eurer Region durchführen würdet, wird z.B. in Hessen, die Landeszentrale für politische Bildung und die Friedrich-Ebert-Stiftung in Wiesbaden, das ganze finanzieren. In den anderen Bundesländern gibt es die gleichen Organisationen und man könnte auch dort anfragen!
Mit dieser Aktion gemeinsam mit uns, würdet Ihr zeigen, dass Ihr auch mit uns Sinti gegen Rassismus und rechte Politik arbeitet.
Hier meine E-Mailadresse unter der Ihr mich immer kontaktieren könnt: mail@sintiunion-hessen.de
Natürlich sind wir auch für jede Spende Dankbar und stellen auf Wunsch auch gerne eine Spendenbescheinigung aus.
Unsere Bankverbindug lautet: VR-Bank Altenburger Land eG
IBAN: DE37 8306 5408 0004 1109 19
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The commemoration of the Sinti and Roma Genocide Remembrance Day on the 81th anniversary of the liquidation of the so-called Zigeunerlager in Auschwitz II-Birkenau - 2 August 2025.

Auschwitz Memorial / Muzeum Auschwitz
03.08.2025
On 2/3 August 1944, the Germans murdered some 4,300 Roma prisoners of the camp.
Of the approximately 23,000 Sinti and Roma deported to Auschwitz concentration camp, some 20,000 lost their lives there. Most of them died due to diseases, hunger and atrocious sanitary conditions. The remaining were murdered in the gas chambers.
Learn more about the fate of Roma and Sinti victims of Auschwitz.
See our online lesson: http://lekcja.auschwitz.org/en_roma_auschwitz/
&
Listen to the podcast about their story: https://www.auschwitz.org/.../the-fate-of-roma-and-sinti.../
Auschwitz Memorial / Muzeum Auschwitz >>>
https://www.facebook.com/auschwitzmemorial >>>



2. August – Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

Gedenkstätte KZ Osthofen
02.08.2025
🕯 2. August – Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma
In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 ermordete die SS im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau die letzten 4.300 dort verbliebenen Sinti und Roma – trotz ihres mutigen Widerstands. Dieser Tag markiert eines der grausamsten Verbrechen an der Minderheit während der NS-Zeit.
📚 Der Völkermord hat einen Namen: Porajmos
Das Romanes-Wort Porajmos („das Verschlingen“) bezeichnet den Genozid an den europäischen Sinti und Roma unter dem NS-Regime. Dieser systematische Massenmord ist bis heute vielfach unsichtbar geblieben – in Geschichtsbüchern, im öffentlichen Gedenken und im gesellschaftlichen Bewusstsein. Die Zahl der Opfer lässt sich nicht genau beziffern, doch Schätzungen gehen von mehreren Hunderttausend Toten aus.
🧠 Erinnern heißt handeln
Rassismus und Diskriminierung gegen Sinti und Roma bestehen bis heute fort. Deshalb ist das Erinnern an den Porajmos nicht nur eine historische Pflicht – es ist ein Auftrag für Gegenwart und Zukunft. Das Europäische Parlament erklärte 2015 den 2. August zum offiziellen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma.
✊ Teilt diesen Beitrag und setzt ein Zeichen gegen das Vergessen!
Quelle: https://www.roma-sinti-holocaust-memorial-day.eu/de/
#Porajmos #Roma #Sinti #Auschwitz #Holocaust #NieWieder #RomaniResistance #weremember #HistoryMatters #lpb_rlp
Gedenkstätte KZ Osthofen >>>


Der 02. August - Internationaler Gedenktag an den Genozid an Sinti:zze und Rom:nja - erinnert an die Opfer des Porajmos. Bis zu 500.000 Sinti:zze und Rom:nja sind Opfer des Völkermordes durch die Nazis geworden.

Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten ist hier: Buchenwald Memorial | Gedenkstätte Buchenwald.
02.08.2025
Der 02. August - Internationaler Gedenktag an den Genozid an Sinti:zze und Rom:nja - erinnert an die Opfer des Porajmos. Bis zu 500.000 Sinti:zze und Rom:nja sind Opfer des Völkermordes durch die Nazis geworden.
In der Nacht vom 02. zum 03. August 1944 wurden die letzten 4.300 Sinti:zze und Rom:nja im KZ Auschwitz-Birkenau nicht ohne erbitterten Widerstand von der SS ermordet.
Es waren Sinti:zze und Rom:nja selbst, die sich gegen Rassismus und für die Aufarbeitung und Anerkennung des Völkermordes einsetzten.
1956 lehnte der BGH die Anerkennung der „rassische Verfolgung" von Sinti:zze und Rom:nja vor 1943 ab. Das Urteil: Die „eigene Asozialität, Kriminalität und Wandertrieb" sei der Grund für die Verfolgung gewesen. Durch diese Begründung, die sehr nah an der NS-Propaganda liegt, wurde vielen Überlebenden eine Entschädigung verwehrt.
Deutschland erkannte den Völkermord an den Sinti:zze und Rom:naja erst 1982 an. 2015 wurde der 02. August durch das Europäische Parlament zum internationalen Tag des Gedenkens an den Genozid erklärt.
Der heutige Gedenktag führt uns die Notwendigkeit vor Augen, der immer noch aktuellen und steigenden Diskriminierung und den Vorurteile gegenüber Sinti:zze und Rom:nja entschieden entgegenzutreten und diese zu bekämpfen.
Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) dokumentiert in ihrem, am 23. Juni 2025 veröffentlichten Jahresbericht einen drastischen Anstieg antiziganistischer Vorfälle um 40 % zum Vorjahr. Im Jahr 2024 wurden bundesweit 1.678 Vorfälle gemeldet. Ein direkter Bezug zur nationalsozialistischen Vergangenheit war, etwa durch die Schändung von Friedhöfen und Gedenkorten, rechte Schmierereien an Wohnhäusern sowie durch die Leugnung oder Verharmlosung des Genozids in 94 Fällen erkennbar.
Gerade in diesem Zusammenhang ist es ein verheerendes Signal an die Betroffenen, dass die Beauftragtenstelle gegen Antiziganismus in Thüringen von der aktuellen Regierungskoalition ersatzlos gestrichen wurde.
#OnThisDay #OTD #2August #Porajmos
Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten ist hier: Buchenwald Memorial | Gedenkstätte Buchenwald >>>
Buchenwald Memorial | Gedenkstätte Buchenwald >>>


Ausstellung „Vinzenz Rose. Einer von uns?!“
Veranstaltung von Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden Württemberg

24.07.2025 - OBRIGHEIM/MANNHEIM:
B7, 16, 68159 Mannheim, Germany
Laufzeit: 3 Std.
Öffentlich  · Jeder auf und außerhalb von Facebook
Einladung zur Besichtigung und Finissage
Wir laden Sie herzlich zur Finissage und Besichtigung der Ausstellung „Vinzenz Rose. Einer von uns?!“ am Donnerstag, den 24. Juli 2025 um 17 Uhr in das Kulturhaus RomnoKher ein.
Die Ausstellung wurde von der Geschichte-AG der Realschule Obrigheim unter der Leitung von Bernhard Edin erarbeitet und erzählt in Ich-Form die eindrucksvolle Lebensgeschichte des Sinto Vinzenz Rose – Auschwitz-Überlebender, Widerstandskämpfer und engagierter Bürgerrechtler. Die Wanderausstellung richtet sich an alle Generationen – insbesondere an Schulklassen. Sie verbindet persönliche Biografie mit der Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma im Nationalsozialismus und wirft zugleich einen regionalen Blick auf die Rhein-Neckar-Region.
Am Tag der Finissage findet ein Workshop des Außerschulischen Lernort RomnoKher statt, an dem die (ehemaligen) Schülerinnen und Schüler der Geschichte-AG sowie eine Klasse der Waldschule Mannheim teilnehmen. Diese werden auch inhaltliche Beiträge bei der Finissage gestalten – in Zusammenarbeit mit Andreas Knitz und Christine Bast, die das Projekt fachlich begleiten.
Ab dem 5. Juni bis zum 30. Juli 2025 können Sie die Ausstellung kostenlos im Kulturhaus RomnoKher zu folgenden Zeiten besichtigen:
Mo–Do: 9:30–12:00 Uhr & 14:00–16:30 Uhr
Besichtigung nur nach Anmeldung:
presse@sinti-roma.com
0621–911091–00
Außerdem bieten wir gerne Führungen für Schulklassen an. Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an lernort@sinti-roma.com.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen und den gemeinsamen Austausch am 24. Juli!
https://www.facebook.com/



"Vinzenz Rose - einer von uns?!"
Eine Wanderausstellung zum Ausleihen

Die Ausstellung  erzählt in Ich-Form die Lebensgeschichte des Sinto Vinzenz Rose. Sie wurde von Jugendlichen erarbeitet und wendet sich an alle Generationen.
Vinzenz Rose war KZ-Häftling in Auschwitz, Natzweiler und Neckarelz, konnte fliehen und kämpfte nach dem Zweiten Weltkrieg als Bürgerrechtler gegen die neuerliche Diskriminierung von Sinti und Roma in Deutschland.
Jede Ausstellungsfahne öffnet außerdem "Fenster" zur Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma auf nationaler Ebene. Gleichzeitig wird ein Blick auf parallele Geschehnisse in der Rhein-Neckar-Region geworfen.

Wie die Schülerinnen und Schüler sich ernsthaft mit ihrer lokalen Geschichte vor Ort auseinandergesetzt haben, beeindruckt mich wirklich. An Vinzenz Rose lernen wir, was schlimmste Gewalt und Ausgrenzung konkret heißt. Heute ist es wichtiger denn je, dass wir uns mit dieser Geschichte beschäftigen und auch anderen Menschen davon erzählen. Das tun die Schülerinnen und Schüler mit dieser beeindruckenden Ausstellung.
Theresa Schopper, Kultusministerin (nach ihrem Besuch der Ausstellung)

Ich finde diese Form der Ausstellung sehr gelungen. Das liegt an ihrer persönlichen Ansprache: Mein Onkel, er spricht!
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats der deutschen Sinti und Roma, Neffe Vinzenz Roses

Die Ausstellung erzählt berührend Vinzenz Roses Geschichte, indem sie ihn selbst zu Wort kommen lässt. Sie zeigt, wie nationale und lokale Geschichte miteinander verbunden sind. Sie regt an, den Blick von der Vergangenheit auf eine Gegenwart zu richten, in der Populismus und Rassismus wieder salonfähig sind. Sie lehrt, dass man aus historischen Kämpfen für Gleichberechtigung Empathie und Mut für die Zukunft schöpfen kann.
Hanna Steinert, Berlin/Obrigheim, Petitionsinitiative für die Benennung der Realschule nach Vinzenz Rose

Vinzenz Rose ist ein Symbol für Gleichberechtigung. Es hat mir imponiert, wie er für die Anerkennung der Verbrechen an den Sinti und Roma als Völkermord gekämpft hat. Dieses Kapitel unserer Ausstellung fand ich am spannendsten. Vinzenz Rose hat gezeigt, dass es sich lohnt zu kämpfen. Jeder, der für Demokratie ist, sollte sich ein Beispiel an ihm nehmen und auch für seine Werte kämpfen.
Devon Drescher, Schüler und Mitglied der Geschichte-AG

  • Zielgruppen: Schulklassen der Sekundarstufen I und II, Gruppen der Erwachsenenbildung und der Zivilgesellschaft
  • Themen: Nationalsozialismus, Diskriminierung, Menschenrechte, Demokratiebildung, Werteerziehung,
  • Angebote: didaktisches Begleitmaterial, Ausstellungskatalog, Begleitung bei der Organisation ...

https://www.kz-denk-neckarelz.de/


„Vinzenz Rose – Einer von uns?!“ / Ausstellung
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Bremeneckgasse 2 - Heidelberg
Veranstaltungen
Datum
21.06.2024 - 24.07.2024
Ganztägig
Veranstaltungsort
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma
Bremeneckgasse 2
69117 Heidelberg
Schülerinnen und Schüler in Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) engagierten sich dafür, dass ihre Realschule künftig „Vinzenz-Rose-Schule“ heißt – benannt nach einem Sinto, der den Holocaust überlebt hat und ein Pionier der Bürgerrechtsarbeit war.
Plakat zur Ausstellung von "Vinzenz Rose. Einer von uns?!" vom 21. Juni bis 24. Juli 2024 in Heidelberg. Das Plakat zeigt ein Bild von Vinzenz Rose umgeben von den Worten "Mensch!", "KZ-Häftling!", "Sinto!" und "Bürger.Rechtler!".
„Vinzenz Rose. Einer von uns?!“ (Bild: KZ-Gedenkstätte Neckarelz/Realschule Obrigheim)
Die Geschichte-AG hat deshalb eine Ausstellung erarbeitet, die über Vinzenz Rose und das Projekt informiert. Die Präsentation über den Onkel von Romani Rose, dem Vorsitzenden des Dokumentationszentrums und des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, wird nun auch in Heidelberg gezeigt.
Als Sinto wurde Vinzenz Rose nach Auschwitz- Birkenau deportiert. Von dort kam er für verbrecherische Impfexperimente mit Fleckfieber ins KZ Natzweiler. Wie viele andere Überlebende dieser pseudomedizinischen Versuche wurde er anschließend nach Neckarelz und Obrigheim verschleppt, wo er Zwangsarbeit leisten musste.
Zu den Öffnungszeiten des Dokumentations- und Kulturzentrums:
Di: 9.30 – 19.45 Uhr
Mi, Do, Fr: 9.30 – 16.30 Uhr
Sa, So: 11.00 – 16.30 Uhr
Mo und an Feiertagen geschlossen
Eintritt frei.
https://dokuzentrum.sintiundroma.de/


Ein Sinto als Namensgeber

geschrieben von Bernhard Edin
9. Februar 2024Alfred Hausser Preis, AN24-1
Die Ausstellung „Vinzenz Rose. Einer von uns!? Mensch! Sinto! KZ-Häftling! Bürger.Rechtler!“
1. Ziel des Projekts
Das Ziel des Projekts war und ist es, die Realschule Obrigheim nach Vinzenz Rose zu benennen. Vinzenz Rose war Sinto und KZ-Häftling, unter anderem im KZ Neckarelz, wo er in einem Rüstungsverlagerungsprojekt im Gipsstollen Obrigheim Zwangsarbeit für Daimler Benz leisten musste. Hier besteht der lokale Bezug zum Schulort. Nach 1945 wurde Vinzenz Rose zum Pionier und Begründer der Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti. In beidem besteht der Bezug zu dem Namensgeber des
Preises Alfred Hausser. Initiiert wurde dieses Projekt von der KZ-Gedenkstätte Neckarelz. In den Prozess sollten aber von Anfang an Schülerinnen und Schüler im Rahmen der bestehenden Bildungspartnerschaft mit der Realschule Obrigheim einbezogen werden, sie sollten demokratische Verfahrensweisen und Entscheidungsprozesse auf kommunaler Ebene handlungsorientiert kennenlernen und sich als selbstwirksame politische Subjekte erfahren.
Aufgrund der Widerstände gegen das Ziel des Projekts in der Schulgemeinschaft und ganz besonders auf Seiten des Schulträgers, in erster Linie muss hier der Gemeinderat als letztlich beschlussfassendes Gremium genannt werden, beschlossen KZ-Gedenkstätte und Schule, eine Geschichte-AG zu installieren, die eine Ausstellung über Vinzenz Rose erstellen sollte, die allen Beteiligten als Informationsgrundlage im Meinungsbildungsprozess dienen sollte. Die Ausstellung, gedacht als Mittel zum Zweck, Schulgemeinschaft und Gemeinderat von Vinzenz Rose als passendem Namensgeber für die Realschule Obrigheim zu überzeugen, ist inzwischen zum Zweck selbst geworden. Sie erreichte, dass in Schule und lokaler Öffentlichkeit das Thema kontrovers diskutiert wird.
2. Genese und Durchführung des Projekts
Im Dezember 2020 machte ich den Bürgermeister Obrigheims mit der Idee des Projekts bekannt. Im Zentrum der Idee stand der Gedanke, Erinnerungsarbeit und Engagement für Demokratie und Toleranz zu verbinden. Meines Wissens ist bis heute keine Schule nach einem KZ-Häftling der Neckarlager benannt und Vinzenz Rose wäre der erste Angehörige der Minderheit der Sinti und Roma, nach dem in Deutschland eine Schule bewusst benannt würde. Im Schuljahr 2021/2022 gründete sich dann eine Arbeitsgemeinschaft von SchülerInnen, die sich mit der Projektidee befasste und zunächst Quellen sichtete und Texte verfasste. Im Schuljahr 2022/2023 besuchte die AG in einund mehrtägigen Exkursionen Orte der Verfolgungsgeschichte von Vinzenz Rose (Auschwitz, Natzweiler), aber auch Orte, an denen er als Bürgerrechtler wirkte. Die AG erstellte auf der Basis der Vorarbeit des vergangenen Jahres Inhalte der Ausstellungsfahnen und setzte sie grafisch um. Das Konzept der 14 thematischen Fahnen sieht eine Dreiteilung vor: Im Zentrum steht Vinzenz Rose als „Ich-Erzähler“ seines Lebens. Die einzelnen Fahnen sind biografisch-chronologisch aufgebaut. Zu jedem Thema gibt es einen Blick in die Region, der den Fokus darauf richtet, was zu der Zeit oder bezogen auf das Thema in Obrigheim oder der Region passierte. Der dritte Bereich beleuchtet den politischen Hintergrund und erklärt, welche Gesetze oder Entscheidungen das Leben von Vinzenz Rose und der Sinti und Roma in der Region Obrigheims bestimmt haben.
Eine besondere Bedeutung kommt der letzten Ausstellungsfahne mit dem Titel „Einer von uns!“ zu. Auf ihr wird in verdichteter, plakativer Form ein Bezug zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Erinnerungskultur und der Lebenswelt der SchülerInnen hergestellt. Sie stellen ihre Werte denen von Vinzenz Rose gegenüber und begründen, warum sie ihn für einen zeitgemäßen Namensgeber halten. Dafür stehen die SchülerInnen mit Namen und Gesicht auf der Fahne ein. Diese Fahne ist insofern die zentrale Essenz der Ausstellung und soll die Schulgemeinschaft ins Gespräch bringen, ob die Benennung der Schule nach Vinzenz Rose nicht Ausdruck einer Haltung gegen Antiziganismus, ein Statement gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist. Die SchülerInnen der AG führten Schulklassen eigenständig durch die Ausstellung und legten dabei den Fokus nicht auf die historischen Fakten, sondern auf die Frage nach der Idee hinter dem Namen. Sie zeigten auf, welche Bedeutung die Werte „Gleichheit“, „Freiheit“ und „Gerechtigkeit“ im Leben Roses hatten und stellten einen Bezug zu ihren eigenen Werten her.
Im Juli 2023 wurde die Initiative mit dem Alfred-Hausser- Preis des VVN BW ausgezeichnet. In ihrer Laudatio sagte die Landessprecherin Erika Weisser: „Vor allem aber habt ihr dafür gesorgt, dass Vinzenz Rose in Obrigheim nun in vieler Munde ist – und ihr habt auch erkundet, was euer Heimatort während der NS-Zeit für ein Ort war.“
3. Ausblick
Im Schuljahr 2023/2024 ist die Ausstellung weiter zu sehen. Sie wurde im Bildungshaus von Ver.di in Mosbach und in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz gezeigt. Im Februar 2024 wird sie im Dokumentationszentrum der deutschen Sinti und Roma in Heidelberg präsentiert werden. Derzeit befindet sich das Projekt in der politischen Entscheidungsphase. Dabei müssen sich die SchülerInnen auch mit politischem Gegenwind auseinandersetzen. Beispielhaft sei hier eine Petition genannt, die die Umbenennung verhindern will. Aber es gibt auch eine Petition, die die Initiative der AG unterstützt. Für diese sammelt die AG Unterschriften. In der Regionalzeitung tobt immer nach Berichten eine Leserbriefschlacht. Auch die schulischen Gremien haben sich unterschiedlich positioniert, die Lehrerkonferenz der Schule hat sich hinter das Projekt gestellt, die Schulkonferenz nicht. Bislang verweigern Bürgermeister und der Gemeinderat als Gremium jedes Gespräch. Angebote, auch vermittelnde, werden ignoriert. Wenn der Gemeinderat nicht doch noch mit der AG ins Gespräch geht, wird er sich mit einem Antrag zur Benennung der Realschule Obrigheim nach Vinzenz Rose beschäftigen müssen. Es ist politisch nicht vorstellbar, dass er das ignoriert. Dazu hat die Ausstellung schon zu viel Aufmerksamkeit erregt. Es ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat nicht mit Zustimmung zu rechnen. Aber eines hat die Initiative schon erreicht: Es wird über das Thema in den Familien, auf den Sportplätzen und Dorffesten, überall im Einzugsbereich der Schule diskutiert.
Die Broschüre über Alfred Hausser trägt ein Zitat von ihm im Titel: „Nur wer sich aufgibt, ist schon verloren.“ Wir geben nicht auf! Wir werden nicht verlieren! Selbst wenn der Gemeinderat nicht zustimmen sollte …
https://bawue.vvn-bda.de/


Vinzenz Rose - Ausstellung

15.06.2023 bis 25.07.2023
Realschule Obrigheim
Adresse der Veranstaltung:
Foyer - Realschule Obrigheim
Schubertstraße 2
74847 Obrigheim
Beschreibung der Veranstaltung:
Eine Ausstellung der Geschichte-AG der Realschule Obrigheim
"Vinzenz Rose - Einer von uns?!"
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag: vormittags offen für Schulklassen; Anmeldung: bernhard.edin@rs-obrigheim.de
Montag - Freitag: 13.30 - 16.00 Uhr
Sonntag: 14.00 - 18.00 Uhr
https://www.obrigheim.de/


Wie Auschwitz-Arzt Mengele einer Bremer Biologin zugearbeitet hat
Historiker Hans Hesse über die Bremer NS-Biologin Magnussen

Historiker Hans Hesse über die Bremer NS-Biologin Magnussen
Bild: dpa | akg-images
17.05.2025
Der Bremer Historiker Hans Hesse hat ein Buch über die grausamen Menschenversuche in der NS-Zeit geschrieben. Diese sind eng mit einer Bremerin verknüpft – die dafür nie büßen musste.
80 Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft in Deutschland ist viel über die Gräueltaten der Nationalsozialisten bekannt. So auch über die brutalen Menschenversuche des KZ-Arztes Josef Mengele in Auschwitz. Dass aber ausgerechnet eine Bremer NS-Biologin von den Experimenten profitierte, ist bisher weitgehend unbekannt.
In seinem neuen Buch "… ich will …, dass die Wahrheit siegt …" beschäftigt sich der Bremer Historiker Hans Hesse mit den Verfolgungsgeschichten von sechs Sinti-Familien, die Opfer der Bremer Biologin Karin Magnussen wurden. Im Interview erklärt Hesse, warum in dem neuen Buch vor allem die Opfer im Vordergrund stehen.
Die NS-Biologin Karin Magnussen war vor allem an den Augen der Familienmitglieder interessiert. Warum?
Weil viele Mitglieder dieser Familie verschiedenfarbige Augen hatten. Der Begriff dafür ist Heterochromie. Die Familienmitglieder haben beispielsweise blaue und braune Augen. Diese Anomalie wollte Magnussen genauer untersuchen und dafür hatte sie sich diese Familie ausgeguckt. Sie hat die Familie schon drei Jahre lang beobachtet und als diese Familie dann nach Auschwitz kam, konnte sie ihre Versuche an der Familie von Mengele durchführen lassen.
Buchcover von "... ich will ..., dass die Wahrheit siegt ..."
Das Cover des Buches "… ich will …, dass die Wahrheit siegt …" von Hans Hesse. Bild: Edition Falkenberg
Josef Mengele hat der Bremer Biologin also zugearbeitet?
Ja, Mengele hat ihr zugearbeitet. Es war also nicht so, dass er auf die Idee gekommen ist, sondern Magnussen hat die Versuche in Berlin-Dahlem an einem Institut ersonnen und dort zuerst Kaninchen mit Heterochromie gezüchtet. Die Erkenntnisse hat sie dann auf die Menschen in Auschwitz übertragen.
Das Perfide an diesen Menschenversuchen ist, dass diese Versuche den Tod der Menschen voraussetzen.
Hans Hesse, Historiker und Autor
Sie hat die Augen dann von Mengele zugeschickt bekommen. Wie sahen die Versuche an den Menschen aus?
Den Menschen wurde etwas in die Augen geträufelt und um das Ergebnis zu untersuchen, musste man dann irgendwie an die Augen kommen. Und die Augen konnte man natürlich nur bekommen, wenn die Menschen sterben. Magnussen wusste also, dass diese Menschen im KZ sterben werden und sie die Augen bekommen wird. Bis in die 70er Jahre hat sie noch Präparate und ganze Augen aus dieser Zeit gehabt.
Karin Magnussen konnte nach der NS-Zeit unbehelligt als Lehrerin in Bremen leben. Über das Thema haben Sie bereits 2001 ein Buch geschrieben. Was ist alles an Arbeit und Recherche in dieses neue, umfangreichere Buch geflossen?
Kaum war das erste Buch, "Augen aus Auschwitz", auf dem Markt, wurde ich nach den Opfern gefragt. Damals war ich der Erste, der gesagt hat, dass das eine Familie aus Oldenburg namens "Mechau" ist. Wir kannten nur den Namen. Ich wurde dann häufiger nach den Opfern gefragt: Wer waren die Opfer, kannst du dazu etwas recherchieren? Das ist jetzt in dem neuen Buch der Schwerpunkt: die Verfolgungsgeschichte von sechs Sinti-Familien, die von diesen NS-Forschungen betroffen sind.
Magnussen ist Lehrerin geworden. Sie hat nie in irgendeiner Form etwas büßen müssen. Die Sinti mussten mitunter über mehrere Jahrzehnte für ihre Wiedergutmachung kämpfen.
Hans Hesse, Historiker und Autor
Das Interview führte Kristin Hunfeld für Bremen Zwei. Für butenunbinnen.de hat Henry Borgelt das Gespräch aufgeschrieben und redigiert.
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Autorinnen und Autoren

  • Kristin Hunfeld
  • Henry Borgelt

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 15. Mai 2025, 14:13 Uhr
https://www.butenunbinnen.de/


„CRAILSHEIMER „ZIGEUNERINNEN“ UND „ZIGEUNER“ IN DEN HÄFTLINGSBÜCHERN VON AUSCHWITZ UND ANDEREN NS-LAGERN“

DOKUMENTATION DES HISTORIKERS UDO GRAUSAM
JANUAR 29, 2012
Zwei Zugverbindungen bei den Deportationen der Sinti, Roma und Jenischen aus Baden im März 1943 durch Hohenlohe nach Auschwitz in das KZ Birkenau
23.03. 1943 [Dienstag]
Zugverbindung Mosbach – Auschwitz (Personenzug)
Mosbach ab: 23.3.43 5.06 Uhr, Auschwitz an: [25.03. 43] 15.01 Uhr.
Die Reichsbahndirektion Karlsruhe stellte ab Mosbach einen „durch­ge­hen­den Personen­wa­gen“ für „50 Per­so­nen und 15 Personen Begleitper­sonal“ zur Verfügung.
https://www.hohenlohe-ungefiltert.de/

Siehe auch 


VERFOLGUNG EINER MINDERHEIT

Sinti und Roma in Auschwitz: "Das willst du gar nicht wissen"

Die Großeltern von Bobby Guttenberger überlebten den lange verdrängten NS-Völkermord an den Sinti und Roma. 75 Jahre nach ihrer Deportation folgte er bei einer Gedenkreise ihrem Weg nach Auschwitz-Birkenau.
Berührung mit den Wegen der Verzweifelten: Viele Häftlinge stürzten sich in die elektrischen Zäune, um zu sterben
Die Sonne leuchtet vom blauen Himmel. Doch der eisige Wind lässt frösteln, ebenso wie die Vorstellung davon, was hier geschehen ist. Wo einst zehntausende Menschen in Baracken eingepfercht waren, ragen Kamine und Mauerreste anklagend in den Himmel. Endlose Stacheldrahtzäune durchschneiden das weite Gelände. Dahinter Birkenwälder, die Auschwitz-Birkenau den Namen gaben. Von den Gaskammern und Krematorien, in denen hunderttausende Menschen getötet und verbrannt wurden, stehen nur noch Trümmer. Die Täter sprengten sie, bevor russische Truppen im Januar 1945 Auschwitz erreichten und das Morden endete.
Polen Auschwitz-Gedenkreise
"Ade, lieb Heimatland"

Fast zwei Millionen Besucher kommen jährlich ins Museum Auschwitz-Birkenau. An diesem Morgen ist es ruhig. 30 Besucher aus Baden-Württemberg im Südwesten Deutschlands laufen auf den Spuren der Häftlinge über die lange Lagerstraße zum ehemaligen "Zigeunerlager" im Abschnitt BIIe. Am Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma aus Europa legen sie weiße Rosen nieder für die Menschen, die vor 75 Jahren aus Stuttgart nach Auschwitz deportiert wurden. Unter ihnen: Bobby Guttenberger aus Ravensburg. Seine Großeltern waren hier eingesperrt. Ihre Angehörigen starben, sie überlebten. Als die Ravensburger abgeholt wurden, sang eine alte Frau: "Nun ade, du mein lieb' Heimatland". Eine Heimat, die verstieß und tötete: Sinti und Roma leben seit 600 Jahren in Europa. Die deutschen Sinti kämpften im Ersten Weltkrieg für das Kaiserreich, später in der Wehrmacht, bis sie im Nationalsozialismus aus "rassenpolitischen Gründen" entlassen wurden. "Ich bin Deutscher. Deutscher mit einer anderen Kultur", hat Bobby Guttenberger am Vortag erklärt. Mitreisende hatten ihn gefragt, ob er die deutsche Staatsangehörigkeit habe. "Wie kommen Sie auf die Frage?", hakte er irritiert, aber sehr freundlich nach. Er schätzt die Offenheit und Herzlichkeit bei der Gedenkreise der Evangelischen Akademie Bad Boll von Stuttgart nach Auschwitz. Dass manche so wenig über Sinti wissen, hat ihn überrascht. Umso wichtiger ist ihm der Austausch.
"Was hast Du da für ein Tattoo?"
Sinti sind seit jeher Deutsche. Sie pflegen - ähnlich wie Friesen oder Sorben - eine eigene Sprache: Romanes. Sie haben "eine andere Musikgeschichte und vielleicht ein engeres Zusammenleben der Familie, als man es von Nicht-Sinti kennt", sagt Bobby Guttenberger. Er hat sich nach seiner Schulzeit monatelang um die in Auschwitz traumatisierte Großmutter Martha gekümmert: "Das ist in mir drin." Als Kind fiel dem Enkel der Schriftzug "Z 5656" auf ihrem Arm auf, erinnert er sich. "Was hast du da für ein Tattoo?", fragte er. "Das haben mir die Nazis verpasst, das war meine Nummer, mein Stempel", antwortete sie. Doch als er nach ihren Erlebnissen fragte, wehrte sie ab: "Das willst du gar nicht wissen, was da passiert ist."
Seine Oma, seine ganze Familie habe immer versucht, die Kinder zu behüten, berichtet Bobby Guttenberger. Ihre größte Angst war, dass sich die Verfolgung der Minderheit wiederholen könnte. Viele Verwandte hätten heute noch Angst. "Es ist ja nicht lange her", sagt er, "sind ja nur 75 Jahre."
"Grauer Schleier über der Seele"
Der 31-Jährige arbeitet im Familienbetrieb - Containerdienst, Metall- und Antiquitätenhandel, Möbelrestauration - und spielt Gitarre in einer Band. Vater und Mutter sind gesundheitlich angeschlagen, er arbeitet viel. Trotzdem hat er sich frei genommen, um als Erster aus seiner Familie nach Birkenau zu reisen: "Ich habe das Gefühl gehabt, das muss jetzt einfach sein." Er will wissen und spüren, was geschehen ist. Es ist "eine Reise in die Melancholie", das ahnt er schon auf dem Hinweg. In Auschwitz litten seine Großeltern und andere Familienangehörige unter der mörderischen Gewalt der deutschen Befehlshaber, die meisten starben. Der Besuch wird ihm einen "grauen Schleier über die Seele" legen.
Der Boden "mit Blut durchdrungen"
An diesem Morgen im Frühjahr 2018 ist Birkenau ganz still. 1943 prägten Schreie der Aufseher, Hundegebell, Schläge, Schüsse und Sterben die Tage im Lager, so berichteten Überlebende. Der Boden sei "mit Blut durchdrungen". Am Denkmal in Birkenau liest Reiseleiter Andreas Hoffmann-Richter aus den Erinnerungen von Hildegard Franz vor. Sie war eine der wenigen Überlebenden aus Ravensburg. Vor der NS-Verfolgung arbeitete sie bei der Stadt: "Wir Sinti haben alle gearbeitet."
Doch nationalsozialistische Rassenforscher um den Arzt Robert Ritter und die Krankenschwester Eva Justin reisten durch alle Lande, um "Zigeuner" und "Zigeunermischlinge" zu registrieren und zu vermessen: "die Augen, die Nase, alles". Sie erforschten Verwandtschaftsverhältnisse und werteten kirchliche Taufregister aus. Die pseudowissenschaftlichen "Rassengutachten" schufen die Grundlage für Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung.
"Das kann sich niemand vorstellen"
Wen die Rassenforscher als "minderwertig" einstuften, wurde nach dem "Auschwitz-Erlass" von "Reichsführer SS" Heinrich Himmler deportiert. 23.000 Angehörige der Minderheit aus elf Ländern wurden nach Birkenau verschleppt, jeder Zweite jünger als 16 Jahre, die wenigsten kamen zurück. Viele Babys, Alte und Kranke starben schon unterwegs in überfüllten Viehwaggons. Die Minderheit war nirgendwo sicher. In vielen europäischen Ländern gab es Massenerschießungen und Deportationen in "Vernichtungslager".
Erinnerung an sterbende Kinder
Bei Verdacht auf ansteckende Krankheiten wurden Gruppen ankommender Sinti und Roma sofort ermordet. Meist aber kamen Angehörige der Minderheit familienweise ins sogenannte "Zigeunerlager". Sie mussten sich ausziehen, wurden desinfiziert, man tätowierte ihnen die Häftlingsnummer auf den Arm, bei Babys auf den Oberschenkel. Man machte sie zu Nummern mit einem "Z" für "Zigeuner", genau wie bei Großmutter Martha. Gerade ihr Schweigen habe ihm ihren Schmerz vermittelt, sagt Bobby Guttenberger: "Die Jahre haben ihr alles genommen." Natürlich habe es auch schöne Familienzeiten gegeben. Seine Oma aber sei oft in sich gekehrt gewesen, grübelte oder weinte still. In Birkenau arbeitete sie im Kinderblock. In der Nähe war das Versuchslabor, wo SS-Arzt Josef Mengele Kinder qualvollen Experimenten unterzog und viele tötete. Die Erinnerung an weinende und sterbende Kinder verfolgte Martha Guttenberger bis zu ihrem Tod.
Nicht vergessen
Hildegard Franz ging es ähnlich: "Ein kleiner Junge, vielleicht sieben Jahre alt, ist draußen auf der Lagerstraße gelaufen, auf den hat ein SS-Mann einfach geschossen. Der kleine Junge hielt mit beiden Händen seinen Bauch zusammen und kam in den Block gelaufen, dort ist er tot zusammengebrochen." Am schlimmsten sei gewesen, dass die Erwachsenen den Kindern nicht helfen konnten: "Ich will nicht mehr daran denken, aber es geht nicht, niemals. Ich kann es nicht vergessen."
Vergessen dürfen wir auch heute nicht, sagen die Teilnehmer der Gedenkreise, sagt auch Bobby Guttenberger. Helfen könnten Jahrestage oder auch der Welt-Roma-Tag: "Wichtig ist einfach, dass das nie wieder passieren darf." Bei allem Schmerz findet er die Reise nach Auschwitz trotzdem "sehr gut". Sein Grundschulfreund Muhsin Aksoyan, der ihn begleitet, sieht das ähnlich. Seine Eltern kamen aus der Türkei nach Deutschland. Die Behandlung des Holocaust in der Schule war ihm viel zu oberflächlich. Ins Gedenkbuch von Block 13 im Stammlager Auschwitz, wo die Verfolgung der Sinti und Roma dokumentiert ist, schreibt er: "Wer seine Vergangenheit nicht kennt, hat keine Zukunft."
Die Asche der Ermordeten
Auschwitz-Birkenau ist nicht nur Museum sondern auch Friedhof: für Juden, Polen, sowjetische Kriegsgefangene wie auch Sinti und Roma. Die Asche der Toten wurde in Flüsse geschüttet, im Straßenbau eingesetzt oder als Dünger. Sie wurde vergraben oder in Gruben geschüttet, die sich mit Wasser füllten. 1,1 Millionen Grabsteine bräuchte man für alle Ermordeten. An den Orten der Massengräber in Birkenau stehen je vier Steine, die an die Toten erinnern, auf Hebräisch, Englisch, Polnisch und Romanes. "Wir sind über Berge von Leichen gelaufen", überlegt Bobby Guttenberger erschüttert, "ich kann es gar nicht in Worte fassen. Ich glaube, jede Träne erzählt mehr als ein Wort." Die gemeinsame Erfahrung von Schmerz und Trauer, sagt er im Rückblick, habe die Teilnehmer der Gedenkreise zusammengeschweißt: "Sinti oder Nicht-Sinti ... da zählt einfach nur der Mensch." 1,1 Millionen Tote. In Birkenau spüre man "die Anwesenheit der Abwesenheit", sagt der katholische Theologe Manfred Deselaers in einer Reflexionsrunde für die Stuttgarter Gruppe. Bobby Guttenberger kann das nachempfinden: "Obwohl dieser Ort so still war, hat man trotzdem diese Menge gespürt."
Das Ende des "Zigeunerlagers"
Im Mai 1944 brauchte man in Auschwitz-Birkenau Platz für Juden aus Ungarn. Die Befehlshaber wollten alle Insassen des "Zigeunerlagers" ermorden. Die Sinti und Roma wurden gewarnt. Mit Werkzeugen, Steinen und allem, was sie kriegen konnten, verschanzten sie sich in den Baracken, fest entschlossen, um ihr Leben zu kämpfen. Für diesen Tag zog sich die SS zurück. In den nächsten Wochen konnten sich entlassene Wehrmachtsangehörige unter den Gefangenen wieder an die Front melden, dann kämen auch ihre Angehörigen in andere Lager. 2900 Häftlinge blieben übrig: Kinder und ihre Mütter, die sie nicht im Stich lassen wollten, Kranke und Alte. In der Nacht vom 2. auf den 3. August wurden sie in den Gaskammern ermordet. Jedes Jahr erinnern Sinti und Roma aus ganz Europa in Birkenau an diese Mordnacht.
Nach dem Krieg: Die Täter geben den Ton an
Die Großeltern Guttenberger gehörten zu denen, die aus Auschwitz in andere Lager verlegt wurden. Nach der Befreiung am Kriegsende ging die junge Martha, die Eltern und Geschwister verloren hatte, nach Ravensburg, wo sie Julius Guttenberger heiratete. Unterstützung oder gar Entschädigung für ihre Verfolgung erhielten die Überlebenden gar nicht oder erst sehr viel später. Der rassistische Völkermord an den Sinti und Roma wurde erst 1982 anerkannt.
Vorher mussten sich die traumatisierten Überlebenden von Behörden, Gutachtern und Richtern bis hinauf zum Bundesgerichtshof sagen lassen, sie seien nur wegen ihrer "kriminellen Veranlagung" verfolgt worden. Die Richter charakterisierten sie als "primitive Untermenschen". Die Polizei arbeitete weiter mit "Zigeunerakten", die Täter gaben den Ton an. Überlebende berichteten: "Da saßen die gleichen Leute auf dem Amt, die uns damals ins KZ geschickt haben." Die "Rassenforscher" Ritter und Justin konnten unbehelligt bei der Stadt Frankfurt arbeiten.
"Er ist weiß, da bin ich glücklich"
Verfolgte wie die Guttenbergers mussten sich mühsam eine neue Existenz aufbauen. Die Sinti lebten wieder im Ummenwinkel, Bobby Guttenberger ist hier groß geworden. Reiseleiterin Doris Graenert erinnert sich an seine Großmutter. Sie lernte sie kennen, als sie vor mehr als 30 Jahren begann, sich für die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim/Auschwitz zu engagieren. Im Museumsarchiv suchte sie nach Namen von Überlebenden und nahm Kontakt zu ihr auf. Sie erzählt ihrem Enkel, wie sich seine Oma bei seiner Geburt freute: "Er ist weiß, da bin ich glücklich."
Wie wichtig war es Dir, von Bobby Guttenberger begleitet zu werden? Mut ist wichtig, denn wie die meisten Sinti und Roma kennt auch Bobby Guttenberger Beschimpfungen als "Zigeuner", Diskriminierungen bei Bewerbungen oder auf dem Wohnungsmarkt. Er spricht sehr sachlich und reflektiert darüber, verallgemeinert nie und hat viel Verständnis für diejenigen, die es nicht besser wissen. Warum aber Menschen Parteien mit völkischen Ideologien folgen, versteht er nicht: "Können die nicht weiterdenken, dass diese Zeit das Schlimmste ist, was je passieren konnte?"
Mahnung der Zeitzeugen
Doris Graenert hat viele Zeitzeugen kennengelernt. Henryk Mandelbaum musste als jüdischer Häftling Menschen in die Gaskammern bringen, nach ihrem qualvollen Ersticken die Toten bergen, Goldzähne herausbrechen, Leichen verbrennen. "Das Herz ist einem geplatzt", erinnerte er sich später. Er gab Graenert einen Auftrag: "Du bist eine Zeitzeugin der Zeitzeugen. Es ist deine Aufgabe, die Zeitzeugenschaft weiterzugeben an Jugendliche und Erwachsene mit der Auflage, dass sie ihre Zeitzeugenschaft ebenso weitergeben. Dadurch wird unsere Erfahrung über Generationen weiterbestehen als Mahnung: 'Wehret den Anfängen'."
Ein Freund von Bobby Guttenberger aus Ravensburg hat ein Denkmal für die Gedenkstätte Buchenwald angefertigt: eine Edelstahlplatte, die Tag und Nacht, Sommer und Winter auf 37 Grad erwärmt wird. Das spreche für sich, sagt Bobby Guttenberger, "dass jeder Mensch die gleiche Temperatur hat, ob er schwarz, gelb, blau oder grün aussieht, ob er zu einer Minderheit gehört oder nicht - dass jeder Mensch gleich viel wert ist."
https://www.dw.com/

Siehe auch AKTUELLES - NS-Verfolgung von Sinti und Roma in Mosbach >>>


EINLADUNG ZUR PROZESSBEOBACHTUNG !!! NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach
Strafanzeigen vom 13.08.2022 gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager
220813_uhl_ag_mos_ja_sinti_roma_mosbach.pdf (165.9KB)
EINLADUNG ZUR PROZESSBEOBACHTUNG !!! NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach
Strafanzeigen vom 13.08.2022 gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager
220813_uhl_ag_mos_ja_sinti_roma_mosbach.pdf (165.9KB)


Siehe auch :


DER VERGESSENE VÖLKERMORD
Die Vernichtung von Sinti und Roma im "Dritten Reich"

von Tom Fugmann
Stand: 02. August 2022, 18:38 Uhr
Sinti und Roma galten bei den Nazis als minderwertig. Im Dezember 1938 erließ SS-Chef Heinrich Himmler einen Erlass zur "Bekämpfung der Zigeunerplage". Es folgte ihre Erfassung und Internierung. Die Grundlagen für die systematische Vernichtung von hunderttausenden "Zigeunern" waren damit gelegt.
Die Diskriminierung und Verfolgung der Sinti und Roma hatte bereits damals eine lange Tradition. Schon in der Weimarer Republik waren sie von den Behörden erfasst und entrechtet worden, waren strenger polizeilicher Überwachung und strengen Aufenthaltsbeschränkungen ausgesetzt.
Die Nazis knüpften daran an. 1933 verabschiedeten sie das Gesetz zur "Verhütung erbkranken Nachwuchses". Es ermöglichte Zwangssterilisierungen von sogenannten "Zigeunern". Die "Nürnberger Rassegesetze" schlossen 1935 Sinti und Roma genau wie die Juden aus der "Volksgemeinschaft" aus. 1938 wurde eine "Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens" eingerichtet. Im Dezember des Jahres erließ SS-Chef Heinrich Himmler einen Erlass zur "Bekämpfung der Zigeunerplage".
Das "Zigeunerlager" von Magdeburg
Überall im Deutschen Reich wurden Sinti und Roma interniert – auch in Magdeburg. Dort pferchte man sie in einem Lager am Holzweg im Norden der Stadt zusammen. Bei einer Begehung durch die Stadtverwaltung im November 1939 wurden 26 Wohnwagen, acht Bretterbuden und zwei Autos als Unterkunft ermittelt. Die Menschen hausten unter primitiven Bedingungen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Regeln verschärft. Die SS übernahm die Kontrolle über das Lager. "Zigeuner" durften nun ihren Wohnort nicht mehr verlassen.
Die bekannteste Bewohnerin des Lagers war Erna Lauenburger. Sie war in den 1920er-Jahren in Berlin mit der Schriftstellerin Grete Weiskopf befreundet, die über diese Freundschaft den Jugendroman "Ede und Unku" schrieb, der 1931 im Malik-Verlag erschien und später in der DDR zur Schullektüre wurde. Lauenburger war Anfang der 1930er-Jahre nach Magdeburg gezogen.
Am 1. März 1943 wurden Erna Lauenburger und ihre beiden Töchter, wie auch alle anderen ca. 200 Sinti und Roma im Magdeburger Lager, festgenommen und zunächst ins Gefängnis in der Halberstädter Straße gebracht. Dort trafen im Verlauf des Tages weitere Sinti und Roma aus dem Verantwortungsbereich der Magdeburger Polizei ein, insbesondere aus Salzwedel und Quedlinburg. Am nächsten Tag schon ging ein Sammeltransport vom Magdeburger Güterbahnhof nach Auschwitz.
Der Völkermord an den Sinti und Roma
Am 16. Dezember 1942 ordnete Heinrich Himmler im Auschwitz-Erlass an, alle "Zigeunermischlinge, Rom-Zigeuner und nicht deutschblütige Angehörige zigeunerischer Sippen balkanischer Herkunft nach bestimmten Richtlinien auszuwählen und in einer Aktion von wenigen Wochen in ein Konzentrationslager einzuweisen."
Für die Sinti und Roma war ein eigener Bereich im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau eingerichtet - das sogenannte "Zigeunerlager". Bis zu 800 Menschen wurden in einer Baracke zusammengepfercht. Von den rund 22.600 Häftlingen, die dort untergebracht waren, starben mehr als 19.000 -  vor allem durch Mangelernährung, Krankheiten und Seuchen. Mehr als 5.600 Sinti und Roma wurden in den Gaskammern ermordet (davon knapp 3.000 bei der Auflösung des Lagers am 2. August 1944). Einige wurden auch vom berüchtigten Lagerarzt Josef Mengele für seine medizinischen Versuche missbraucht.
Mit Schaufeln und Messern gegen die SS: Aufstand im "Zigeunerlager" von Auschwitz
Im Mai 1944 beschloss die SS, das "Zigeunerlager" mit etwa 6.000 Menschen zu liquidieren. Die Vernichtung der ungarischen Juden war angelaufen, man benötigte Platz. Am Abend des 16. Mai ordnete die KZ-Leitung eine Blocksperre an. Die Insassen waren jedoch vorgewarnt und vorbereitet. Viele Häftlinge, oft ehemalige Wehrmachtssoldaten, hatten sich mit Stöcken sowie mit Schaufeln und Messern, die sie aus Blech geschliffen hatten, bewaffnet und schlugen die SS-Männer zunächst in die Flucht.
Daraufhin änderte die KZ-Kommandantur ihre Strategie. Man schickte die Arbeitsfähigen nach und nach in andere Lager. Die in Auschwitz-Birkenau verbliebenen Sinti und Roma, überwiegend Schwache, Alte, Frauen und Kinder, wurden am 2. August 1944 vergast. Augenzeugen berichteten, dass die Menschen sich bis zum Schluss verzweifelt wehrten und SS-Leute mit bloßen Händen angriffen.
Es wird geschätzt, dass in Europa zwischen 220.000 und 500.000 Sinti und Roma dem Nazi-Terror zum Opfer fielen. Von den rund 40.000 deutschen und österreichischen Sinti und Roma wurden mehr als 25.000 ermordet.
Diskriminierung auch nach dem Krieg
Die Aufarbeitung des Völkermordes ließ lange auf sich warten. Entschädigungsanträge von Sinti und Roma lehnten die bundesdeutschen Behörden in der Regel mit dem Argument ab, es habe sich nicht um rassistische Verfolgung gehandelt. Bis 1963 war ein Urteil des Bundesgerichtshofs in Kraft, welches die Deportation der Sinti und Roma nicht als Verbrechen, sondern als eine "präventive Verbrechensbekämpfung" interpretierte. Auch in der DDR setzte sich die Ausgrenzung, trotz formaler Gleichstellung, teilweise fort: Die Volkspolizei führte die von den Nazis angelegten "Zigeunerpersonalakten" weiter.
Heute leben in Deutschland etwa 70.000 Sinti und Roma. 1995 wurden sie als nationale Minderheit anerkannt. Seit 2012 erinnert das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma in der Nähe des Berliner Reichstags an den Völkermord.
Dieses Thema im Programm:
MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGENJOURNAL | 02. August 2022 | 19:00 Uhr
https://www.mdr.de/


17. JULI 2022: MATINÉE „DIE KINDER VON AUSCHWITZ SINGEN SO LAUT!“

5. Mai 2022 · von Redaktion · in Aktuelles, Termine
- Das erschütterte Leben der Sintiza Martha Guttenberger aus Ummenwinkel
Lesung und Gespräch mit Magdalena Guttenberger und Manuel Werner
Matinée Sonntag, 17.07.2022
11:00 Uhr,

Magdalena Guttenberger/Manuel Werner: “Die Kinder von Auschwitz singen so laut!’“ Das erschütterte Leben der Sintiza Martha Guttenberger aus Ummenwinkel
Martha Guttenberger seligen Angedenkens wurde 1921 in Önsbach/Achern in einem Wohnwagen geboren. Mit ihrer elterlichen Familie war sie in der warmen Jahreszeit immer auf der Reis‘. So konnte die musikalische Familie ihren ambulanten Gewerben nachgehen. Sie war 21 Jahre alt, als Stuttgarter und Karlsruher Kripo und Mosbacher Polizisten sie mit ihrem dreijährigen Josefle von Dallau über Mosbach in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau einlieferten. Es folgten die KZs Ravensbrück, Schlieben und Altenburg.
Nach der Befreiung lebte sie jahrzehntelang mit ihrer Familie in zwei engen Zimmern einer maroden Baracke des vormaligen Ravensburger NS-Zwangslagers Ummenwinkel. Die Befreiung durch die Alliierten bedeutete aber kein Ende der Diskriminierung für Sinti und Roma durch die Mehrheitsgesellschaft. Zudem war Martha von Auschwitz gezeichnet, ihr Leben war in seinen Grundfesten erschüttert. Nachts kamen immer die Kinder von Auschwitz zu ihr. Oft lebte sie „in einer Welt, die wir nicht kennen“.
Doch das wichtigste für sie war, immer für ihre Familie da zu sein: für ihren Mann, der ebenfalls Auschwitz überlebte, ihrer Kinder und ihre Enkel. Immer trug sie Sorge, dass genügend Essen da war.
Ihre Schwiegertochter Magdalena Guttenberger hat seit den 70er Jahren die Erzählungen ihrer Schwiegermutter Martha Guttenberger über ihre Verfolgungserfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus mitgeschrieben, Manuel Werner zeichnete ab 2014 Gespräche auf und recherchierte zu verschiedenen Aspekten des Lebens von Martha Guttenberger. Sie wollte, dass das ihr Widerfahrene nach ihrem Tod bekannt wird. So entschied sich Magdalena Guttenberger zusammen mit Manuel Werner und mit der Zustimmung ihres Mannes, die Erzählungen und Berichte schriftlich als Mahnung und Erinnerung für ihre Familie und die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Schicksal von Sinti und Roma festzuhalten. So entstand die Idee, ein Buch zu gestalten. Auch der Ravensburger Ummenwinkel kommt in diesem Buch zur Sprache, als der soziale Raum, in  dem Martha, Magdalena, Julius und die Enkelkinder mit anderen Familien zusammengelebt haben und sich mit den Schatten der Vergangenheit auseinandersetzen mussten.  Doch auch alle vorherigen Stationen des Lebens von Martha Guttenberger sind thematisiert.
Vieles davon ist neu erschlossen. Stets wird erkennbar, woher die jeweiligen Informationen und Erinnerungen kommen. Der authentischen wörtlichen Rede räumen die Autoren bewusst viel Platz ein. Bei den Tätern nennen sie Ross und Reiter. Sprachformen der verfolgten Sinti werden der Ausdrucksweise der Verfolger gegenübergestellt. Die Bildauswahl erfolgte reflektiert. Doch auch Armutsrezepte von Martha Guttenberger und der bis in den Schwarzwald reichende Raum, in dem sie bei Bauern ihre Kurzware verkaufte, kommen zur Sprache. Durch den Detailreichtum und die Konzeption des Buches werden von außen gegenüber Martha Guttenberger erstellte Schubladen, Etikettierungen, Einengungen wie „Bettlerin“, „Hausiererin“, „Verrückte“, „Landfahrerin“ ausgeweitet und aufgebrochen. Es wird durchweg ersichtlich, dass vielfach verwendete Begriffe wie „sozial schwach“ oder gar „asozial“ für finanziell Schwache in keiner Weise angemessen sind, ja, dass diese Etikettierung in der NS-Zeit lebensbedrohlich war. Auch die bewundernswert ausgeprägte Erzählkultur dieser Sintifamilie und anderer Sinti kommt zur Geltung. Mit großer Sorgfalt wurde eine ansprechende Buchgestaltung gefertigt, die dem Leben von Martha Guttenberger würdig ist.
Marthas Schwiegertochter Magdalena Guttenberger und Manuel Werner setzen in dem umfangreichen Buch zahlreiche Erinnerungsbilder gegen das allmähliche Versanden. Sie lassen ein vielschichtiges, exemplarisches und quellenbasiertes Lebenspanorama aus mündlicher Überlieferung und Hintergrundinformationen aufleben. So entstand die bislang umfangreichste Biographie einer Auschwitz überlebenden Angehörigen der Sinti und Roma.
Eine ungewöhnliche biographische Annäherung!
https://hotel-silber.de/

Siehe auch:

Hotel Silber, Foyer

Im Anschluss an die Lesung findet ein moderiertes Gespräch mit den beiden AutorInnen und dem Publikum statt.
Wir bitten um Voranmeldung unter: veranstaltungen-hs@hdgbw.de
Veranstalter: Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber, Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Gedenkinitiative Mahnmal Ravensburg und Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg
Magdalena Guttenberger hat über viele Jahre die Erzählungen ihrer Schwiegermutter Martha Guttenberger über ihre Verfolgungserfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus aufgezeichnet. Magdalena und ihr Mann Julius, der Sohn von Martha, lebten seit den 70er Jahren im Ravensburger Ummenwinkel zusammen, wo Martha ab 1945 nach ihrer Befreiung von einem Todesmarsch ihr weiteres Leben verbrachte – jahrzehntelang in zwei Räumen einer Baracke des vormaligen städtischen NS-Zwangslagers. Die Befreiung durch die Alliierten bedeutete aber kein Ende der Diskriminierung für Sinti und Roma durch die Mehrheitsgesellschaft. Der ständige Kontakt ermöglichte es, dass Martha ihrer Schwiegertochter in vielen Situationen des alltäglichen Lebens Facetten ihrer Biographie erzählte. Martha Guttenberger wollte, dass das ihr Widerfahrene nach ihrem Tod bekannt wird. Magdalena entschied sich zusammen mit Manuel Werner und mit der Zustimmung ihres Mannes,  die Erzählungen und Berichte schriftlich als Mahnung und Erinnerung für ihre Familie und die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Sinti und Roma festzuhalten. So entstand die Idee, ein Buch zu gestalten, das die Möglichkeit bot, neben Marthas Erinnerungen, auch Notizen der Gespräche zwischen ihr und Magdalena, Familiendokumente, Fotos, weitere Erinnerungen und vielfältige historische Informationen zusammenzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Manuel Werner hielt hierzu weitere Gespräche fest, recherchierte zu verschiedenen Bereichen und erstellte so ein Manuskript, das viele Aspekte enthält. So entstand ein exemplarisches Panorama des Lebens von Martha mit quellenbasierten Erläuterung des politischen, sozialen, historischen und familiären Kontextes.
Auch der Ravensburger Ummenwinkel kommt in diesem Buch zur Sprache, als der soziale Raum, in  dem Martha, Magdalena, Julius und die Enkelkinder mit anderen Familien zusammen gelebt haben und sich mit den Schatten der Vergangenheit auseinandersetzen mussten. Zeitlebens ließ der Ort „Auschwitz“ als Fanal ihrer Verfolgung und der Ermordung des nationalsozialistischen Genozids an den Sinti und Roma sie nicht mehr los.
Guttenberger, Magdalena / Werner, Manuel: „Die Kinder von Auschwitz singen so laut!“ Das erschütterte Leben der Sintiza Martha Guttenberger aus Ummenwinkel, Norderstedt 2020, 412 Seiten, zahlreiche Abbildungen, davon 19 farbig
Broschierte Ausgabe (Softcover): ISBN 978-3-7504-7043-9, 28 Euro
Gebundene Ausgabe (Hardcover mit Fadenbindung, Brillantdruck): ISBN 978-3-7504-8217-3, 48 Euro
Auch als E-Book erhältlich (www.bod.de): 9.99 Euro, Einführungspreis: 4.99 Euro

https://hotel-silber.de/

Siehe auch:




2.1 Nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma bis 1945 und Diskriminierung seit 1945 in Aufarbeitungen beim DEUTSCHEN BUNDESTAG

Stellungnahme Prof. Dr. Michael Wildt
zur öffentlichen Anhörung am 17. Dezember 2025
Unterrichtung durch die Bundesregierung
Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung der NS-Ter
rorherrschaft und der SED-Diktatur

DEUTSCHER BUNDESTAG
21. Wahlperiode
Ausschuss für Kultur und
Ausschuss für Kultur und Medien
Ausschussdrucksache 21(22)96
vom 12. Dezember 2025
Stellungnahme Prof. Dr. Michael Wildt
zur öffentlichen Anhörung am 17. Dezember 2025
Unterrichtung durch die Bundesregierung
Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung der NS-Ter
rorherrschaft und der SED-Diktatur
BT-Drucksache 21/2910


Zu Recht heißt es in der Konzeption gleich zu Beginn: „Die Bundesrepublik Deutsch
land hat die dauerhafte Verpflichtung staatlich begangenen oder initiierten Verbrechen
aufzuarbeiten und der Opfer zu gedenken.“ (S. 3) Daher ist es nur schwer nachzuvoll
ziehen, warum im Unterschied zur Gedenkstättenkonzeption vom Oktober 2024 die
vom deutschen Staat begangenen Kolonialverbrechen nun nicht mehr Erwähnung fin
den.
Insbesondere als Historiker mit dem Forschungsschwerpunkt Nationalsozialismus und
Holocaust ist mir wichtig, die Verflechtungsgeschichte zwischen Kolonialismus und Na
tionalsozialismus aufzuzeigen. Ohne Zweifel war der Völkermord an den europäischen
Jüdinnen und Juden präzedenzlos, ebenso wie der Genozid an Sintizze/Sinti und Rom
nja/Roma in Europa und der systematische rassistische Massenmord an kranken und be
hinderten Menschen. Statt den Holocaust als „einzigartig“ zu vereinzeln, ist es meines
Erachtens notwendig, ihn in seiner radikalen, eliminatorischen Gewaltdimension mit
den Bezügen zu einer Gewaltgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, sprich als Ver
flechtungsgeschichte der Gewalt zu untersuchen, wie es nicht zuletzt Hannah Arendt in
ihrem bereits 1951 erschienenen epochalen Buch „The Origins of Totalitarianism“
(deutsche Ausgabe: „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, 1955) unternahm und
darin den Zusammenhang von Antisemitismus, Imperialismus/Rassismus und Holocaust
analysierte. Wer vom Nationalsozialismus spricht, darf vom Kolonialismus nicht
schweigen, wie im Folgenden an einigen Beispielen erläutert werden soll.
https://www.bundestag.de/resource/blob/1132266/Stellungnahme-Prof-Dr-Michael-Wildt.pdf

DEUTSCHER BUNDESTAG
21. Wahlperiode, Ausschuss für Kultur und Medien, Ausschussdrucksache 21(22)96 vom 12. Dezember 2025, Stellungnahme Prof. Dr. Michael Wildt zur öffentlichen Anhörung am 17. Dezember 2025, Unterrichtung durch die Bundesregierung Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur, BT-Drucksache 21/2910
251212_BT_Konzept_Gedenkstetten_Stellungnahme-Prof-Dr-Michael-Wildt.pdf (142.86KB)
DEUTSCHER BUNDESTAG
21. Wahlperiode, Ausschuss für Kultur und Medien, Ausschussdrucksache 21(22)96 vom 12. Dezember 2025, Stellungnahme Prof. Dr. Michael Wildt zur öffentlichen Anhörung am 17. Dezember 2025, Unterrichtung durch die Bundesregierung Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur, BT-Drucksache 21/2910
251212_BT_Konzept_Gedenkstetten_Stellungnahme-Prof-Dr-Michael-Wildt.pdf (142.86KB)




DEUTSCHER BUNDESTAG: Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung
der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur

Deutscher Bundestag Drucksache 21/2910
21.Wahlperiode 17.11.2025
Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung
der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur

Bundesförderung der Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft

Einführung
Für eine zeitgemäße Erinnerungskultur ist es notwendig, den fortschreitenden Forschungsstand zur NS-Herrschaft
zu reflektieren, um die unterschiedlichen Aspekte und Akteure der NS-Gewaltherrschaft zu erfassen, an die kom
plexen Verfolgungszusammenhänge zu erinnern und die Angehörigen der Verfolgtengruppen in die gesellschaft
liche Auseinandersetzung einzubeziehen. Zusammenhänge erschließen sich, wenn auch die historischen Entwick
lungen vor dem Nationalsozialismus wie der Antisemitismus, der Nationalismus, der Imperialismus, der Erste
Weltkrieg und deren Auswirkungen betrachtet werden. Ebenso müssen auch die Folgen des Zweiten Weltkriegs
für ein vollständiges Bild einbezogen werden: Menschen mussten auch längere Zeit in Displaced Persons Camps
leben, andere kehrten durch ganz Europa in ihre Heimatländer zurück und wieder andere flüchteten oder wurden
aus ihrer Heimat vertrieben. Auch der Umgang mit den Folgen und der Aufarbeitung des Nationalsozialismus in
Politik, Wirtschaft, Justiz und Gesellschaft seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollte kritisch in den Blick
genommen werden.
Gedenktage tragen dazu bei, die Erinnerung an die Verbrechen während der NS-Terrorherrschaft wachzuhalten.
Der 27. Januar – der Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im
Jahr 1945 – ist mittlerweile internationaler Gedenktag und in Deutschland allen Opfern der nationalsozialistischen
Verfolgung gewidmet. Am 9. November 1938 begannen reichsweite Gewalt- und Gräueltaten gegen Jüdinnen
und Juden sowie deren Gotteshäuser, Geschäfte, Unternehmen und Einrichtungen. Der 1. September 1939 erinnert
an den deutschen Angriff auf Polen und den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Am 2. August 1944 wurden die
letzten noch im Konzentrationslager Auschwitz gefangen gehaltenen Sinti und Roma ermordet. Das Europapar
lament benannte im Jahr 2015 den 2. August als offiziellen Gedenktag für den nationalsozialistischen Völkermord
an den Sinti und Roma. Der 8. Mai 1945 erinnert an die Befreiung vom Nationalsozialismus und das Ende des
Zweiten Weltkriegs in Europa.

Aufarbeitung der Verfolgungsgeschichte unterschiedlicher Opfergruppen

Die dauerhaft geförderten Gedenkstätten an Orten ehemaliger Konzentrationslager erinnern an verschiedene Ver
folgtengruppen wie Jüdinnen und Juden, Romnja und Roma, Sintizze und Sinti, politisch Verfolgte, Zeuginnen
und Zeugen Jehovas (Bibelforscher) und andere aus religiösen Gründen Verfolgte, Opfer politischer Strafjustiz,
zur Zwangsarbeit nach Deutschland Verschleppte, Kriegsgefangene, als homosexuell, „asozial“ und „Berufsver
brecher“ Verfolgte sowie Personen aus Opposition, Widerstand und Opfer von Vergeltungsaktionen in den be
setzten Ländern, die in Lagern inhaftiert und in großer Zahl ermordet wurden. Viele von ihnen haben mehrere
Haft- und Lagerorte durchlaufen. Zudem wurden zahlreiche Menschen aus mehr als einem Grund verfolgt. Zu
den KZ-Gedenkstätten kommen weitere Gedenkstätten an Tat- und Haftorten sowie Denkmale, die nach verschie
denen Verfolgtengruppen strukturiert auch die Entwicklung der Aufarbeitung seit 2008 widerspiegeln und anteilig
vom Bund gefördert werden. Gefördert werden auch herausragende Orte, die an nationalsozialistische Täterschaft
erinnern.

Sintizze, Sinti, Romnja und Roma

Sintizze und Sinti, Romnja und Roma wurden von den Nationalsozialisten systematisch entrechtet und verfolgt.
Hunderttausende fielen einem rassistisch motivierten Völkermord zum Opfer. Die Jahrzehnte nach dem Ende des
Zweiten Weltkriegs waren für Sintizze und Sinti, Romnja und Roma durch anhaltende Stigmatisierung und Kri
minalisierung geprägt, die als „Zweite Verfolgung“ empfunden wurde. Erst die Bürgerrechtsbewegung der Sinti
und Roma konnte erreichen, dass Bundeskanzler Helmut Schmidt 1982 den Völkermord anerkannte. Aus dem
Völkermord an den Sinti und Roma ergibt sich eine besondere Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland
für die Bekämpfung des anhaltenden Antiziganismus und die Stärkung der gleichberechtigten Teilhabe der Min
derheit.
1992 beschloss die Bundesregierung die Errichtung eines Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten
Sinti und Roma Europas in Berlin. Das Denkmal in unmittelbarer Nähe zum Deutschen Bundestag wurde 2012
der Öffentlichkeit übergeben und wird von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas betreut, die
es 2022 um eine Freiluftausstellung ergänzt hat.
Der Bund fördert den seit 1982 bestehenden Zentralrat Deutscher Sinti und Roma e. V. in Heidelberg sowie – ge
meinsam mit dem Land Baden-Württemberg – das 1997 eröffnete Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher
Sinti und Roma e. V. in Heidelberg institutionell. Die Förderung erfolgt auf der Grundlage des Rahmenüberein
kommens zum Schutz nationaler Minderheiten und der Europäischen Charta für Regional- oder Minderheiten
sprachen des Europarats. Die Einrichtung verfügt über ein umfangreiches Archiv und eine Bibliothek sowie eine
Dauerausstellung unter anderem zum NS-Völkermord an den Sinti und Roma Europas und klärt über den gegen
wärtigen Antiziganismus auf.
https://dserver.bundestag.de/

DEUTSCHER BUNDESTAG: Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur
Deutscher Bundestag Drucksache 21/2910 21.Wahlperiode 17.11.2025, Unterrichtung durch die Bundesregierung Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur
251117_BT_Konzeption_Gedenkstaetten_2102910.pdf (423.02KB)
DEUTSCHER BUNDESTAG: Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur
Deutscher Bundestag Drucksache 21/2910 21.Wahlperiode 17.11.2025, Unterrichtung durch die Bundesregierung Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur
251117_BT_Konzeption_Gedenkstaetten_2102910.pdf (423.02KB)



Rede von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus

29.01.2025 | Parlament
[Stenografischer Dienst]
Bärbel Bas, Präsidentin des Deutschen Bundestages:
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
liebe Frau Büdenbender,
sehr verehrter Herr Schwarzman,
sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrte Frau Bundesratspräsidentin,
sehr geehrter Herr Präsident des Bundesverfassungsgerichts,
Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
Auschwitz, 27. Januar 1945, gegen 15 Uhr: Panzer der Roten Armee fahren zum Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“. Die Soldaten sind junge Männer, darunter Russen, Ukrainer, Tschetschenen, Georgier. Mit dem Panzer durchbrechen sie das Tor zum Stammlager Auschwitz. Lastwagen um Lastwagen folgt. Soldaten springen heraus.
Wenig später, 3 Kilometer entfernt, durchbricht der 21-jährige David Dushman mit seinem Panzer auch den Stacheldraht von Auschwitz-Birkenau.
Die jungen Männer sind kampferprobt. Der Anblick Toter ist für sie alltäglich. Doch keiner von ihnen ist vorbereitet auf das, was sie in Auschwitz erwartet: Hunderte Leichen, ein beißender Geruch - der Gestank nach verbranntem Fleisch. Von oben fällt dunkle Asche auf den Schnee. Nach und nach tauchen Gestalten aus den Baracken auf, bleiben ratlos stehen - abgemagert, kahlgeschoren, mit eingefallenen Gesichtern und leblosen Augen.
So geht es aus den Berichten verschiedener Augenzeugen hervor. Ich zitiere Grigori Elisavetskii, einen der ersten sowjetischen Offiziere, die Auschwitz erreichten:
„Ich betrete die Baracke (…) Auf den dreistöckigen Pritschen liegen halbtote Menschen wie Skelette (…) Wie durch einen Nebel höre ich die Worte meiner Soldaten: ,Ihr seid frei, Kameraden!‘ Ich merke, dass sie (…) nicht verstehen. Ich spreche sie auf Jiddisch an. (…) Erst als ich sagte: ,Fürchtet euch nicht, ich bin Oberst der Sowjetarmee und ich bin Jude, wir sind gekommen, um euch zu befreien‘ (…) schien endlich ein Damm zu brechen (…) (sie) kamen schreiend auf uns zu gerannt, fielen auf die Knie, küssten die Säume unserer Mäntel und umarmten unsere Beine. Und wir standen regungslos da (…) und über unsere Wangen flossen die Tränen.“ Zitat Ende.
Und ich zitiere Eva Mozes, damals 10 Jahre alt und seit 9 Monaten in Auschwitz: „Wir liefen auf sie zu und sie gaben uns Umarmungen, Kekse und Schokolade. Da wir so allein waren, bedeutete eine Umarmung mehr, als man sich vorstellen kann (…) Wir waren nicht nur hungrig nach Essen, sondern auch nach menschlicher Zuwendung. Und die Sowjetarmee hat uns etwas davon gegeben.“ Zitat Ende.
Ungefähr 7 000 Menschen wurden der Forschung nach aus dem Lagerkomplex Auschwitz befreit. Mehrere Hundert von ihnen sterben in den Monaten nach der Befreiung. Die meisten Gefangenen hatte die SS zuvor ermordet, mehrere Zehntausend auf Todesmärsche gen Westen geschickt.
80 Jahre sind diese schrecklichen Ereignisse her. Doch solches Grauen vergeht nicht. Solche Verletzungen der Seele kann selbst die Dauer eines Menschenlebens nicht heilen.
Meine Damen und Herren, ich war selbst im vergangenen Sommer in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Der Ort wirkt auf unheimliche Weise friedlich. Die Sonne scheint auch dort. Man hört nicht die Schreie der Menschen, die in den Gaskammern qualvoll erstickten. Man sieht nicht, dass auf jener Wiese hinter dem Krematorium die Asche der Ermordeten verstreut wurde. Die Arbeit der Gedenkstätte hat mich sehr beeindruckt, so wie übrigens auch die Arbeit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte.
Orte allein reichen aber nicht aus, um zu erinnern. Ich habe auf meiner Reise nach Auschwitz Überlebende getroffen. Wenn sie erzählen, beginnt man zu begreifen, was Auschwitz bedeutet. Wenn wir ihnen zuhören, werden wir selbst zu Zeugen ihrer Erzählungen.
Für mich ist es ein Wunder, dass die Überlebenden bereit sind, über Auschwitz zu sprechen. Und ein Wunder, dass es überhaupt noch Überlebende gibt! Die allermeisten Schicksale in Auschwitz endeten an der Rampe, in der Gaskammer, im Krematorium. Diese Kinder, Frauen und Männer konnten ihre Leidensgeschichten nie erzählen. Ein lautes, unermessliches Schweigen seit über 80 Jahren. Und für immer.
Meine Damen und Herren, um diesem Schweigen etwas entgegenzusetzen, gedenken wir jedes Jahr am Tag der Befreiung von Auschwitz aller Opfer des Nationalsozialismus, auch hier im Deutschen Bundestag.
Wir gedenken der 6 Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden Europas.
Wir gedenken der Opfer der deutschen Besatzungsherrschaft und Vernichtungspolitik, insbesondere in Mittel- und Osteuropa.
Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma.
Wir gedenken aller Menschen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, ihres christlichen Glaubens oder als Zeugen Jehovas verfolgt wurden.
Wir gedenken der verfolgten queeren Menschen, der Menschen, die als „asozial“ diffamiert wurden, und der Opfer der sogenannten „Euthanasie“.
Wir gedenken der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die ausgebeutet und entrechtet wurden.
Wir gedenken der Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, die hingerichtet wurden.
Wir gedenken aller Überlebenden, die für immer von diesen Erfahrungen gezeichnet sind.
Wir gedenken der Familien und Nachfahren der Opfer und Überlebenden, die gezwungen sind, einen Umgang mit der eigenen Familiengeschichte zu finden.
Meine Damen und Herren, begleitet wird unser Gedenken heute durch Musik von zwei Komponisten und einer Komponistin, deren Leben wegen ihrer jüdischen Abstammung von Flucht und Verfolgung geprägt war. Gideon Klein, dessen Stück wir gerade gehört haben, sei besonders erwähnt. Vorgestern war sein Todestag. Er wurde vor 80 Jahren - nur Stunden vor der Befreiung - durch die SS in Auschwitz ermordet. Ich danke den jungen Musikerinnen und Musikern der Universität der Künste Berlin, dass sie diese Werke für uns heute spielen.
Es tut gut, zu erleben, wie die junge Generation am Gedenken teilnimmt. Ich begrüße an dieser Stelle auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jugendbegegnung! Sie sind in Auschwitz gewesen. Sie haben Überlebenden zugehört. Sie tragen damit die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen in die Zukunft.
Sehr geehrter Herr Bundespräsident, Sie waren vorgestern ebenfalls in Auschwitz bei der großen Gedenkfeier. Ich danke Ihnen sehr, dass Sie heute zu uns sprechen werden.
Meine Damen und Herren, es gibt immer weniger Menschen, die aus eigenem Erleben von den Gräueltaten der Nationalsozialisten berichten können. Einige von ihnen sind heute hier. Ich freue mich, Sie alle im Namen des ganzen Hauses heute auf der Tribüne begrüßen zu dürfen und ganz besonders Frau Friedländer!
(Beifall)
Und wir sind besonders dankbar, lieber Roman Schwarzman, dass Sie den beschwerlichen Weg aus Odesa auf sich genommen und zu uns gekommen sind und dass Sie auch gleich zu uns sprechen werden. Vielen Dank!
(Beifall)
Sie sind Vorsitzender der Vereinigung ehemaliger jüdischer Ghetto- und KZ-Häftlinge in Odesa. Als Kind haben Sie selbst im Ghetto Berschad gelebt, und davon werden Sie uns heute auch erzählen. Sie setzen sich dafür ein, dass in Ihrer Heimatstadt ein Mahnmal entsteht. Ein würdiges Mahnmal für die Zehntausenden - meist jüdischen - Menschen, die Mitte Oktober 1941 von deutschen und rumänischen Einheiten während des Odesa-Massakers ermordet wurden.
Lieber Roman Schwarzman, Russlands völkerrechtswidriger Angriffskrieg auf die Ukraine hat Ihren Plan für ein Mahnmal vorerst gestoppt. Statt eine Erinnerungsstätte zu verwirklichen, sorgen Sie sich nun um Ihre Kinder und Enkel in der Ukraine. Ich hoffe sehr, dass es dieses Mahnmal in Odesa sehr bald geben wird.
(Beifall)
Wir müssen weiterhin aufzeigen und auch weiter erforschen, wie unvorstellbar weit die Verbrechen der Nationalsozialisten reichten. Gerade heute, in diesen Zeiten, ist historisches Bewusstsein besonders wichtig. Es ist an uns, die Überlieferungen der Zeitzeugen auch für die nachfolgenden Generationen zu bewahren.
Im analogen und im digitalen Raum grassieren Verschwörungsmythen und Propaganda. Die Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee und ihr Kampf gegen die Nationalsozialisten etwa wird heute missbraucht als Rechtfertigung für Unterdrückung und Krieg.
Meine Damen und Herren, einige Menschen in Deutschland wollen nichts mehr hören vom Holocaust. Sie wollen sie endlich loswerden, die historische Verantwortung. Ich sage: Wir dürfen uns unserer historischen Verantwortung niemals entziehen.
(Beifall)
Deshalb dürfen wir nicht aufhören, hinzusehen, zuzuhören, nachzufühlen.
Hierzulande greift der Antisemitismus um sich. Nicht erst, aber ganz besonders seit dem 7. Oktober 2023. Jüdinnen und Juden werden offen bedroht und angegriffen. „Nichts ist für immer gewonnen“, mahnt Piotr Cywiński, der Leiter der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.
Wir müssen ehrlich mit uns sein. Viele Jüdinnen und Juden fühlen sich nicht sicher in Deutschland. Im Kampf gegen Antisemitismus erleben wir enttäuschende Rückschritte, und das schmerzt. Vor Kurzem fragte mich ein jüdischer Vater: „Können Sie mir versichern, dass meine Kinder in diesem Land auch in Zukunft sicher sind?“ Wie gern hätte ich aus voller Überzeugung mit Ja geantwortet. Doch die Frage bleibt offen. Die Antwort liegt in unser aller Hand.
Im vergangenen Jahr haben wir im Deutschen Bundestag mit großer Mehrheit eine Resolution verabschiedet, um jüdisches Leben in Deutschland zu schützen und zu stärken. Das ist ein wichtiges Zeichen. Jetzt müssen wir diese Resolution als Auftrag nehmen und mit Leben füllen.
Mitmenschlichkeit zu leben, ist keine Aufgabe, die man einfach delegieren kann - zum Beispiel an die Politik. Jede und jeder von uns sollte sich immer wieder fragen: Was bin ich bereit für das „Nie wieder“ zu tun?
Vielen Dank!
(Beifall)
https://www.bundestag.de/


Rede von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

02.08.2024 | Parlament
[Es gilt das gesprochene Wort]
Sehr geehrte Frau Klasing,
sehr geehrter Herr Rumanowski,
Ihre Reden haben mich tief bewegt.
Deutschland hat Ihnen und Ihren Familien furchtbares Leid angetan.
Sie mussten durch die Hölle gehen.
Ich weiß es sehr zu schätzen, dass Sie heute hier sind!
Sehr geehrter Herr Rose,
Sie haben mich gebeten, heute zu sprechen.
Hier in Auschwitz.
An dem Ort, der so eng mit der Leidensgeschichte Ihrer Familie verbunden ist.
Und mit der Leidensgeschichte der Sinti und Roma aus ganz Europa.
Ihre Einladung zu diesem Gedenktag ist ein großer Vertrauensbeweis.
Sie bedeutet mir viel.
Bereits gestern habe ich das ehemalige Lager besucht.
Es schmerzt und beschämt mich zu sehen, welche Verbrechen Deutsche hier begangen haben.
Sehr geehrter Herr Kwiatkowski,
sehr geehrte Frau Kidawa-Błońska,
sehr geehrter Herr Rousopoulos,
sehr geehrte Frau Schwesig,
sehr geehrte Frau Roth,
sehr geehrter Herr Dayan,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren!
Gibt es Worte für das Leid,
das mit diesem Ort verbunden ist?
Der italienische Rom Santino Spinelli hat für das Unaussprechliche eine Sprache gefunden:
Sein Gedicht „Auschwitz“ ist Teil des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas.
Es befindet sich in Sichtweite des Deutschen Bundestags.
Ich zitiere:
Eingefallenes Gesicht
erloschene Augen
kalte Lippen
Stille
ein zerrissenes Herz
ohne Atem
ohne Worte
keine Tränen.
Auschwitz steht für das größte Verbrechen, das Menschen Menschen jemals angetan haben.
Es steht für den Zivilisationsbruch, der von Deutschland ausging.
Für den Willen, das europäische Judentum zu vernichten.
Für den Völkermord an den Sinti und Roma.
Hier in Auschwitz endete der Rassenwahn der Nationalsozialisten in der grausamen Auslöschung von Menschenleben.
Alle Jüdinnen und Juden,
alle Sintize und Sinti,
alle Romnja und Roma sollten getötet werden.
Sehr geehrte Damen und Herren,
an dieser Stelle befand sich das Lager für die Sinti und Roma.
Heute vor 80 Jahren wurden alle Lagerinsassen ermordet.
In nur einer Nacht zwangen die Nationalsozialisten bis zu 4.300 Kinder, Frauen und Männer in die Gaskammern.
Doch die Sinti und Roma wehrten sich.
Augenzeugen aus anderen Häftlingsgruppen beschreiben heftige Kämpfe.
Frauen wie Männer leisteten erbitterten Widerstand, als sie aus den Baracken gezerrt wurden.
Bis in die Nacht hinein waren Schreie zu hören.
Während die Sinti und Roma in Auschwitz um ihr Leben kämpften, erhob sich in Warschau die Polnische Heimatarmee.
Auch daran erinnern wir in diesen Tagen, da sich der Warschauer Aufstand zum 80. Mal jährt.
Es ist in Deutschland zu wenig bekannt: Polinnen und Polen aus allen Schichten der Bevölkerung lehnten sich gegen die deutsche Besatzungsherrschaft auf – im Alltag, im Partisanenkampf, im polnischen Untergrundstaat.
Auschwitz ist untrennbar verbunden mit dem deutschen Vernichtungskrieg, der sich zuerst gegen Polen richtete.
Zehntausende Polinnen und Polen wurden hier umgebracht.
Ebenso wie Tausende Kriegsgefangene aus anderen europäischen Ländern.
Interniert, gequält und getötet wurden auch Menschen, die aus anderen Gründen nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten passten.
Wegen ihrer Weltanschauung oder ihrer Religion, wegen ihres Lebenswandels oder ihrer Sexualität.
Sehr geehrte Damen und Herren,
nie zuvor hat eine Bundestagspräsidentin oder ein Bundestagspräsident Auschwitz besucht.
Heute spreche ich zu Ihnen als Repräsentantin des Parlaments, das für den demokratischen Neuanfang Deutschlands steht.
Das Ende des Nationalsozialismus war keine „Stunde null“. Auch wenn die Deutschen das damals gern glauben wollten.
Und es zum Teil heute noch glauben.
Der Rassismus verschwand nicht einfach aus den Köpfen.
Das Leid der Sinti und Roma wurde nach dem Krieg nicht anerkannt.
Gerichte verweigerten den Überlebenden Entschädigungen. Schlimmer noch: Sie machten die Opfer für ihre Verfolgung selbst verantwortlich.
Der Völkermord an den Sinti und Roma wurde verschwiegen und verleugnet.
Kaum ein Täter zur Rechenschaft gezogen.
Im Gegenteil: In Ämtern und Behörden trafen die Überlebenden auf ihre früheren Verfolger.
Die Diskriminierung setzte sich fort.
Es ist eine bittere Erkenntnis: Auch in der Demokratie wurde Unrecht lange beschwiegen und verdrängt.
Aber in der Demokratie war es möglich, gegen das Verdrängen und Beschweigen der Verbrechen anzukämpfen.
Die Überlebenden der Sinti und Roma, ihre Kinder und Enkel haben diesen Kampf auf sich genommen.
Sie haben das Schweigen gebrochen und Deutschland mit seinen Verbrechen konfrontiert.
Und sie haben auf Gleichberechtigung bestanden.
Sehr geehrter Herr Rose,
Sie und Ihre Familie waren und sind ein wichtiger Teil der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma.
Sie haben der Demokratie und der Erinnerungskultur in Deutschland einen großen Dienst erwiesen.
Heute hat das Leiden der Sinti und Roma einen festen Platz im öffentlichen Gedenken Deutschlands.
Im Herzen von Berlin erinnert ein Denkmal an den Völkermord.
Es wird jeden Tag von vielen Menschen besucht.
Am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz gedenkt der Deutsche Bundestag stets auch der verfolgten und ermordeten Sinti und Roma.
Zoni Weisz hat uns Abgeordneten 2011 in der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus vom Schicksal seiner Familie berichtet.
Seine Rede hat mich sehr beeindruckt.
Meine Damen und Herren,
die Bundesrepublik Deutschland bekennt sich zu ihrer historischen Verantwortung.
Dies bedeutet zugleich die Verpflichtung, Antiziganismus entschlossen entgegenzutreten.
Der Deutsche Bundestag hat Ende des vergangenen Jahres die Bundesregierung aufgefordert, eine Kommission zur Aufarbeitung des Unrechts an Sinti und Roma einzurichten – mit einer breiten parlamentarischen Mehrheit.
Das war ein starkes Zeichen der Entschlossenheit.
Das gesellschaftliche Bewusstsein für den Völkermord an den Sinti und Roma und die historische Verantwortung ist immer noch nicht selbstverständlich.
Feindliche Einstellungen und Diskriminierungen gegenüber Sinti und Roma sind immer noch weit verbreitet.
Vermieter benachteiligen sie bei der Wohnungssuche,
Unternehmer auf dem Arbeitsmarkt.
Das ist inakzeptabel!
Auch der Staat wird seiner historischen Verantwortung nicht immer gerecht.
Oftmals misstrauen Beschäftigte in Verwaltungen Sinti und Roma.
Sicherheitskräfte kontrollieren Sinti und Roma häufiger, auch ohne Anlass.
Und Lehrerinnen und Lehrer trauen Kindern von Sinti und Roma oft keine Leistungen in der Schule zu.
Es braucht einen Bewusstseinswandel in vielen Bereichen der Gesellschaft.
Schluss mit der Suche nach Feindbildern!
Schluss mit Abwertung und Ausgrenzung.
Wir brauchen Respekt und Akzeptanz.
Die Demokratie garantiert den Schutz von Minderheiten.
Sie lebt davon, dass alle Bürgerinnen und Bürger die gleichen Rechte haben. Immer, ohne Wenn und Aber.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Millionen Deutsche sind Hitler gefolgt – viele begeistert, die meisten mehr oder weniger bereitwillig.
Wie konnten sie wegschauen, als ihre Nachbarn aus den Wohnungen geholt und deportiert wurden?
Wie konnten sie sich für Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus begeistern?
Wie konnte Auschwitz geschehen?
Diese Fragen sind heute noch aktuell.
Auch heute gibt es Kräfte, die unsere Gesellschaften aufspalten wollen – in ein „Wir“ und „die Anderen“.
Kräfte, die Hass schüren.
Auf Sinti und Roma.
Auf Jüdinnen und Juden.
Hass auf alle, die tatsächlich oder vermeintlich anders sind.
Wenn wir heute den Anfängen wehren wollen, müssen wir diese Anfänge verstehen:
Sie bestanden auch damals in der Sehnsucht nach einfachen Lösungen.
In der Verachtung für Demokratie.
In dem Glauben, dass Ausgrenzung einen selbst nicht trifft.
Was wir gern verdrängen, aber nie vergessen dürfen: Es waren Menschen, die das abgrundtief Böse zugelassen und ausgeführt haben.
Das muss uns verstören.
Und Mahnung sein.
Mahnung für die ganze Welt.
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Vizepräsidentin Pau zu Be­such in der Gedenk­stätte Auschwitz-Birkenau

Parlament
28.01.2025
Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau bei einem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau gemeinsam mit Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundesratspräsidentin Anke Rehlinger.
Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau bei einem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau gemeinsam mit dem Holocaust-Überlebenden Christian Pfeil (rechts) Bundeskanzler Olaf Scholz (ganz rechts) und Bundesratspräsidentin Anke Rehlinger (links). (© Bundesregierung/Jesco Denzel)
Sowjetische Truppen befreiten vor 80 Jahren, am 27. Januar 1945, das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Der Jahrestag gilt als einer der letzten runden Jahrestage, an dem noch Zeitzeugen von ihren Erlebnissen berichten können. Bei der zentralen Gedenkfeier in der Gedenkstätte im polnischen Oświęcim vertrat Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau das Parlament. Gemeinsam mit Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundesratspräsidentin Anke Rehlinger würdigte sie dort die mehr als 50 ehemaligen Häftlinge, die an der Veranstaltung teilnahmen.
Pau: Den Opfern ihren Namen geben
„Wir müssen erinnern, um den Opfern ihren Namen, ihr Gesicht und ihre Würde zurückzugeben“, sagte Pau. Das Gedenken sei von zentraler Bedeutung, da die Nationalsozialisten gezielt versucht hätten, die Opfer aus dem kollektiven Gedächtnis zu tilgen. „Das Erinnern ist unsere historische Verpflichtung“, betonte sie und machte deutlich, dass Auschwitz symbolisch für den Zivilisationsbruch steht, der vom nationalsozialistischen Deutschland ausging.
Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ist zum Sinnbild des Holocaust und der nationalsozialistischen Verbrechen geworden. Zwischen 1940 und 1945 starben dort mindestens 1,1 Millionen Menschen, die meisten von ihnen Jüdinnen und Juden. Aber auch Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, politische Gegner der Nationalsozialisten und andere, die nicht in das Weltbild des NS-Regimes passten, wurden in den Gaskammern ermordet. Als die sowjetischen Truppen das Lager erreichten, fanden sie noch rund 7.000 Überlebende.
Besuch des Lagers Groß-Rosen
Anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung besuchte Pau neben der Gedenkveranstaltung in Auschwitz-Birkenau auch das Stammlager Auschwitz sowie das ehemalige Konzentrationslager Groß-Rosen in der Nähe von Breslau. Groß-Rosen war in den ersten Jahren nach seiner Errichtung 1940 ein vergleichsweise kleines Lager, das hauptsächlich auf die Arbeit im Steinbruch ausgerichtet war. Doch auch dort waren die Bedingungen unmenschlich: Zwölf Stunden Schwerstarbeit täglich, kaum Nahrung, keine medizinische Versorgung und ständige Gewalt durch die SS prägten den Alltag der Inhaftierten. In Groß-Rosen starben von den etwa 120.000 Häftlingen mindestens 40.000 – entweder im Lager selbst oder während der Evakuierung.
Neben den offiziellen Gedenkfeierlichkeiten traf Pau auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jugendbegegnung des Bundestages, die sich auf Einladung von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas für ein mehrtägiges Programm in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz aufhielten. Gemeinsam mit dem Exekutiv-Vizepräsidenten des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner, diskutierten sie über den wachsenden Antisemitismus in Deutschland, die Aufarbeitung der NS-Euthanasie und Wege zum Schutz der Demokratie.
Diskussion mit Jugendlichen
Junge Menschen in dicken Jacken blicken andächtig und hören zu.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jugendbegegnung des Bundestages auf dem Gelände von Birkenau. (© DBT/Stella von Saldern)
Die Jugendbegegnung findet jährlich aus Anlass des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar statt. In diesem Jahr nehmen 78 junge Erwachsene aus Deutschland und seinen Nachbarstaaten teil. Pau betonte die Bedeutung des Dialogs zwischen den Generationen: „Es braucht den Kontakt zwischen den Menschen, insbesondere der jungen Generation, damit wir gemeinsam gegen Krieg und für die Demokratie streiten können.“ Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich ehrenamtlich gegen Rassismus und Antisemitismus engagieren, erhielten dabei klare Unterstützung von Pau. „Der beste Schutz der Verfassung sind engagierte Bürgerinnen und Bürger wie sie.“
Auf die Frage der Teilnehmer, wie die Erinnerungskultur in Deutschland gestärkt werden könne, sprach sich Pau für ein Demokratiefördergesetz aus. Dieses solle die dauerhafte Finanzierung von Projekten wie Bildungsprogrammen zu den Verbrechen des Nationalsozialismus oder Initiativen an Gedenkstätten sicherstellen. Sie betonte, dass gerade die Arbeit von Gedenkstätten eine Schlüsselrolle spiele, um das Bewusstsein für die Vergangenheit lebendig zu halten und die Demokratie zu schützen.
Pau, die bei der kommenden Bundestagswahl am 23. Februar nicht erneut kandidieren wird, äußerte sich im Gespräch auch zu ihren Erwartungen an die deutsche Politik: „Man kann respektvoll über vieles streiten – aber gegen Rassismus und Antisemitismus müssen Demokraten geschlossen zusammenstehen, über parteipolitische Interessen hinweg.“ (cha/28.01.2025)
https://www.bundestag.de/


Bundestagspräsidentin Bas besucht das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

24.07.2024
Presse
Am 1. und 2. August 2024 wird Bundestagspräsidentin Bärbel Bas das ehemalige nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Polen besuchen und der Opfer gedenken. Sie ist die erste Spitzenrepräsentantin des Bundestages, die nach Auschwitz reist.
Am 1. August wird sie die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besichtigen und aller Menschen still gedenken, die hier ermordet wurden. Sie wird sich auch mit deutschen Jugendlichen austauschen, die sich an der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim aufhalten.
Am 2. August wird Bärbel Bas an der internationalen Gedenkveranstaltung zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma teilnehmen und die Gedenkansprache halten. Die Veranstaltung findet in der Gedenkstätte Auschwitz II (Birkenau) statt. Vor 80 Jahren, am 2. August 1944, wurden hier die letzten inhaftierten Sinti und Roma in den Gaskammern ermordet.
Bundestagspräsidentin Bärbel Bas:
„Die Reise nach Auschwitz hat für mich eine enorme Bedeutung. Auschwitz steht für den Zivilisationsbruch, der von Deutschland ausging. An diesem Ort der schlimmsten deutschen Menschheitsverbrechen möchte ich aller Menschen gedenken, die dort von den Nationalsozialisten ermordet wurden: der Juden, der Polen, der Angehörigen anderer Nationen, der Sinti und Roma. Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus ist vielen immer noch nicht bekannt. Darum ist es mir sehr wichtig, beim Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma zu sprechen – und dazu beizutragen, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten. Sie dürfen nicht vergessen werden.“
https://www.bundestag.de/


Entschädigung ausländischer Roma und Sinti als Opfer des Genozids während
des Zweiten Weltkrieges

Deutscher Bundestag
Drucksache 20/5471
20. Wahlperiode
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Andrej Hunko,
Żaklin Nastić, Petra Pau und der Fraktion DIE LINKE.– Drucksache 20/5099
31.01.2023
Entschädigung ausländischer Roma und Sinti als Opfer des Genozids während
des Zweiten Weltkrieges

Nach einem Besuch in der Ukraine Anfang August 2022 zeigte sich der Be
auftragte der Bundesregierung gegen Antiziganismus, Mehmet Daimagüler,
tief besorgt über die Lage der ukrainischen Roma („Das Leid im Krieg“,
Tagesspiegel, 10. August 2022). Er verwies unter anderem darauf, dass ihre
Lebenserwartung „dramatisch niedriger“ sei als die der übrigen Bevölkerung.
Mitverantwortlich für ihre Situation sei auch Deutschland, denn die aktuelle
Lage der ukrainischen Roma habe bis heute sehr stark mit der rassistischen
Vernichtungspolitik der Nazis während des Zweiten Weltkrieges zu tun: „Die
se Vergangenheit bestimmt die Lage der Roma in der Ukraine bis heute mas
siv. Da sind wir Deutsche in der Pflicht“, so Daimagüler.
Die Fragestellerinnen und Fragesteller sind davon überzeugt, dass diese Fest
stellungen auch für Roma und Sinti in anderen europäischen Ländern gelten,
die während des Zweiten Weltkrieges Opfer des von Deutschland verübten
Genozids an ihnen wurden, insbesondere in den Staaten Osteuropas. Sie ver
treten die Ansicht, dass allen Überlebenden dieses Völkermordes grundsätz
lich die gleichen Leistungen zustehen sollten wie sie etwa jüdische Überleben
de aus deutschen Mitteln erhalten, da ihr Verfolgungsschicksal nicht minder
schwer war. Die über die Jewish Claims Conference in Zusammenhang mit
dem Artikel-2-Fonds bzw. dem Ostmitteleuropafonds ausgezahlten Mittel be
tragen derzeit 600 bzw. 513 Euro monatlich (www.claimscon.de). Diese Leis
tungen stehen ausdrücklich auch solchen Überlebenden zu, die im Ausland
leben oder keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Hingegen schließen
die vorhandenen Entschädigungsregelungen für im Ausland lebende nicht
jüdische Verfolgte monatliche Zahlungen explizit aus (vgl. Sachstand der Wis
senschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages vom 26. Februar 2016,
WD 7 – 3000 – 032/16).
Nichtjüdische Verfolgte in Osteuropa etwa konnten in den 1990er-Jahren
Einmalzahlungen über die Versöhnungsstiftungen erhalten. Der damalige
Bundespräsident Johannes Rau sagte hierzu im Jahr 1999: „Aber vor allem
in Osteuropa waren die Summen relativ bescheiden und erreichten kaum
1 000 D-Mark pro Person“ (www.bundesregierung.de/breg-de/service/bulleti
n/grusswort-von-bundespraesident-johannes-rau-808428). Roma gehörten
schon damals, so die Historikerin Tanja Penter, „in nahezu allen Staaten zu
den Verlierern der Entschädigungsprogramme“. In Russland und noch stärker
in der Ukraine wurden sie oftmals gezielt ausgeschlossen (core.ac.uk/downloa
d/pdf/32585215.pdf).
Die Richtlinien der Bundesregierung für Verfolgte nicht jüdischer Abstam
mung (Wiedergutmachungsdispositionsfonds, WDF) sehen für NS-Opfer, die
im Ausland leben bzw. eine ausländische Staatsbürgerschaft haben, ebenfalls
ausschließlich Einmalzahlungen von maximal 2 556 Euro vor (www.bundes
finanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Broschueren_Bestellservice/20
18-03-05-entschaedigung-ns-unrecht.pdf?__blob=publicationFile&v=8).
Die Unabhängige Kommission Antiziganismus (UKA) hat in ihrem im vori
gen Jahr vorgelegten Abschlussbericht empfohlen, „die bisherige Schlechter
stellung von Sinti_ze und Rom_nja auf der Gesetzes- und der Umsetzungsebe
ne in der ‚Wiedergutmachung‘ umfassend auszugleichen“ (www.bmi.bund.de/
SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/themen/heimat-integration/be
richt-unabhaengige-kommission-antiziganismus.pdf;jsessionid=3EC1547B98
55B655A94881E014D279FA.2_cid287?__blob=publicationFile&v=6). Sie
stellt bereits mit Blick auf deutsche Sinti und Roma fest, dass diese Über
lebenden des NS-Terrors „auch im Vergleich zu allen anderen Opfergruppen
massiv benachteiligt“ worden seien. In Bezug auf ausländische Roma hält die
Kommission fest, dass „bis heute zahlreiche Ansprüche von Rom_nja nicht
abgegolten (wurden), auch nicht im Rahmen der seitdem erfolgten Nachbesse
rungen, weil Angehörige dieser Opfergruppe bei den bestehenden Kompensa
tionsmöglichkeiten nicht berücksichtigt werden oder aufgrund der Anspruchs
voraussetzungen benachteiligt sind“.
Konkret empfiehlt die UKA: „Eine niedrigschwellige, einmalige Anerken
nungsleistung ist für alle Rom_nja und Sinti_ze vorzusehen, die vor der Be
freiung ihres damaligen Heimat- oder Emigrationslandes von der NS-Besat
zung oder den mit dem NS-Regime kollaborierenden Regierungen geboren
wurden. Diejenigen, die die Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, sollen lau
fende Leistungen erhalten.“
Die Fragestellerinnen und Fragesteller schließen sich diesen Empfehlungen
der UKA an. Gerade vor dem Hintergrund des Grundsatzes einer kollektiven
Verfolgung, der Roma unterlagen, ist das Vorenthalten laufender Leistungen
für diese Opfergruppe nicht zu rechtfertigen. Die Höhe und Modalitäten der
Entschädigung sollten sich an den Regelungen orientieren, die für jüdische
Opfer mit der Jewish Claims Conference vereinbart wurden.
https://dserver.bundestag.de/btd/20/054/2005471.pdf

Entschädigung ausländischer Roma und Sinti als Opfer des Genozids während des Zweiten Weltkrieges
Deutscher Bundestag Drucksache 20/5471, 20. Wahlperiode, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Andrej Hunko, Żaklin Nastić, Petra Pau und der Fraktion DIE LINKE.– ,Drucksache 20/5099, 31.01.2023
230131_Entschaedigung_Sinti_Roma_2005471.pdf (273.81KB)
Entschädigung ausländischer Roma und Sinti als Opfer des Genozids während des Zweiten Weltkrieges
Deutscher Bundestag Drucksache 20/5471, 20. Wahlperiode, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Andrej Hunko, Żaklin Nastić, Petra Pau und der Fraktion DIE LINKE.– ,Drucksache 20/5099, 31.01.2023
230131_Entschaedigung_Sinti_Roma_2005471.pdf (273.81KB)



Gedenken an in Auschwitz ermordete Sinti und Roma

04.08.2014
Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth bei ihrer Ansprache im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau am 2. August 2014
Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth bei ihrer Ansprache im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau (© picture-alliance/dpa)
Wohl 23.000 Sinti und Roma waren Gefangene im Abschnitt IIb des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, dem sogenannten „Zigeunerlager“. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) hat am Samstag, 2. August 2014, während der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Auflösung des „Zigeunerlagers“ darauf hingewiesen, dass nur 2.000 Menschen den Massenmord überlebt haben. 5.000 seien im Lager vergast, 2.900 bei der Räumung des Lagers in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 trotz Gegenwehr bestialisch ermordet worden. Die anderen Sinti und Roma seien dem Hunger, der Zwangsarbeit sowie Krankheiten und Seuchen im Lager zum Opfer gefallen.
Ein Versprechen am Ort des Terrors
Die Vizepräsidentin nahm als Vertreterin des Deutschen Bundestages an der Hauptzeremonie im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in Polen teil und legte einen Kranz an der Gedenkstätte nieder. Veranstalter waren unter anderem das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma sowie der polnische Romaverband. Die Gedenkveranstaltung stand unter der Schirmherrschaft der polnischen Regierung. Die Bundesregierung war durch den Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), vertreten.
„An diesem Ort des Terrors wollen wir den Lebenden ein Versprechen geben: Nie wieder darf es in Europa ein solches Morden und systematisches Vernichten von Menschenleben geben wie es in Auschwitz unter der Herrschaft der Nationalsozialisten stattgefunden hat“, sagte Claudia Roth.
„Schäme mich für das, was Deutsche Ihnen angetan haben“
„Aus tiefstem Herzen“ entschuldigte sie sich „stellvertretend bei allen Sinti und Roma, die heute hier sind zum gemeinsamen Gedenken, für das unsagbare Unrecht und für die Gräueltaten, die Ihnen und Ihren Liebsten, Ihren Familien, ihren Freunden im Namen einer furchtbaren Ideologie angetan wurden. Ich schäme mich für das, was Deutsche Ihnen, oft auch Deutschen, angetan haben.“
Mehr als 20.000 tote Sinti und Roma in Auschwitz, zum großen Teil aus Österreich und Deutschland, und insgesamt 500.000 tote Sinti und Roma durch die systematische Verfolgung und „grauenhafte Tötung“ im Dritten Reich seien der Versuch gewesen, deren Kultur endgültig auszulöschen, betonte die Vizepräsidentin.
„Bestandteil unseres ethnischen und kulturellen Reichtums“
Heute könne man dennoch sagen, dass dies den Nazis nicht gelungen sei: „Es ist ihnen nicht gelungen, ganze Kulturen auszulöschen, den Reichtum der europäischen Völker zu zerstören. Sie haben tiefe Wunden und Traumata verursacht, haben den Reichtum der europäischen Kulturen vertrieben und geschwächt, aber sie konnten ihn nicht zerstören.“
70 Jahre nach dem Nazi-Terror könne sie „mit voller Überzeugung“ sagen: „Sinti und Roma gehören zur europäischen Kultur und sind fester Bestandteil unseres ethnischen und kulturellen Reichtums und unserer europäischen Gesellschaften, in denen sie seit vielen Jahrhunderten leben.“
„Aufstehen gegen Menschenrechtsverletzungen“
Dieses Überleben und Dazugehören sei die schärfste Waffe gegen die versuchte Vernichtung durch die Nazis, und es sei die schärfste Waffe gegen die weiterhin bestehenden und beschämenden Diskriminierungen und Ausgrenzungen, die Sinti und Roma in Europa erleben müssten.
Das Gedenken ermahne, „aufzustehen gegen jede Form von Menschenrechtsverletzungen in unserem Europa“. Man müsse sich dagegen auflehnen, wenn Sinti oder Roma der Zugang zur Gesundheitsversorgung, zum Bildungssystem und zum Arbeitsmarkt verweigert werde, wenn ihnen die elementarsten Teilhaberechte entzogen werden und wenn sie Opfer antiziganistischer Gewalt werden.
„Europa ist Heimat für Sinti und Roma“
Es beschäme sie, sagte die Vizepräsidentin, wenn die Not, der viele Sinti und Roma in Europa auch heute noch ausgesetzt seien, nicht gesehen werde, wenn sie ignoriert und verschwiegen werde. Und es bewege sie sehr, dass sich viele Sinti und Roma heute oftmals immer noch nicht trauten, von sich als Sinti oder Roma zu sprechen: „Aus Angst vor Ausgrenzung, Herabwürdigung und erheblichen Nachteilen verstecken sie ihre eigene Identität.“
Für zwölf Millionen Sinti und Roma sei Europa „Heimat“, zu der sie dazugehören und in der sie gebraucht würden. „Deswegen ist dieses Gedenken heute auch ein Erinnern in die Zukunft und eine Verantwortung für die Gegenwart.“ Roth schloss mit dem Satz aus Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Besorgt über rechtsradikale Parteien
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sagte, der 2. August 1944 habe sich „tief in das kollektive Gedächtnis unserer Minderheit eingegraben“. Ziel müsse es sein, dass dieses historische Datum auch Eingang in das Gedächtnis Europas findet. „Erst wenn die europäische Nationen die Holocaust-Opfer der Sinti und Roma als Teil ihrer eigenen Geschichte und Erinnerungskultur und darüber hinaus als Verpflichtung für die Gegenwart begreifen, erst dann sind die Lehren aus dem furchtbaren Erbe des Nationalsozialismus wirklich gezogen“, betonte der Vorsitzende.
Besorgt zeigte sich Rose darüber, dass „rechtsradikale und gewaltbereite Parteien und Organisationen in Europa immer mehr um sich greifen“. Längst hätten sich die gegen Sinti und Roma gerichteten Vorurteilsstrukturen in der Mitte der Gesellschaft festgesetzt. Es sei heute wiederum die Abstammung, die allen negativen Zuschreibungen zugrunde gelegt werde, sagte Rose.
Claudia Roth traf sich im Anschluss an die Gedenkveranstaltung mit Jugendlichen der Organisation „Romane Aglonipe“ zu einem Gespräch über die Vergangenheit und die Gegenwart junger deutscher Roma. (vom/04.08.2014)
https://www.bundestag.de/


Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus
Wissenschaftliche Aufarbeitung und öffentliches Gedenken

2009
Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages
Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus
Wissenschaftliche Aufarbeitung und öffentliches Gedenken
Ausarbeitung WD 1- 3000-020/09
Fachbereich WD 1: Geschichte, Zeitgeschichte und Politik

- Zusammenfassung
Ende 2008 wurde am Rande des Tiergartens im Rahmen einer Gedenkveranstaltung
symbolisch mit dem Bau eines Denkmals begonnen, das an die Verfolgungen erinnern
soll, denen Personen unterworfen waren, die als „Zigeuner“ während des „Dritten Rei
ches“ Opfer der nationalsozialistischen Diktatur geworden waren. 2002 hatte die Bun
desregierung beschlossen, auch den ermordeten „Zigeunern“ ein Denkmal zu setzen.
Dass es Jahre dauerte, bis dieser Beschluss umgesetzt wurde, war einerseits Zeichen für
den anhaltenden Diskussionsprozess zwischen den einzelnen Opfergruppen, der nicht
zuletzt Begrifflichkeiten zum Gegenstand hatte. Andererseits ist auch der Prozess der
geschichtlichen Aufarbeitung der Verfolgungen, denen „Zigeuner“ im Nationalsozia
lismus ausgesetzt waren, noch lange nicht abgeschlossen. Während die Ermordung der
sechs Millionen Juden in Europa frühzeitig Gegenstand historischer Untersuchungen
wurden, tat sich die Historikerzunft lange Zeit schwer, sich auch mit der Vernichtung
der „Zigeuner“ auseinanderzusetzen. In der jungen Bundesrepublik hatten Personen
nach wie vor weiten Einfluss auf die Forschung zu den „Zigeunern“, die auch während
des Nationalsozialismus mit diesem Gegenstand beschäftigt gewesen waren. Im „Drit
ten Reich“ war „Zigeunerforschung“ untrennbar mit der nationalsozialistischen rassisti
schen Ideologie verbunden. Sie wurde entsprechend gefördert und letztlich zum Instru
ment der Vernichtungspolitik des Staates. Der fiel ein Großteil der „Zigeuner“ zum Op
fer, die in Deutschland 1933 gelebt hatten. Wer nicht ermordet worden war, musste
oftmals jahrelang um sein Recht auf Wiedergutmachung und Entschädigung kämpfen.
Die Vorurteile, auf die das nationalsozialistische Regime die Verfolgung und Ermor
dung der Sinti und Roma stützte, lebten auch in der jungen Bundesrepublik fort. Bis
Ende 1944 zu diesem Personenkreis entstandene Gutachten und kriminalpolizeiliche
Akten wurden nach 1945 weitergeführt, bis schließlich in den 1970er Jahren massiver
Protest gegen eine solche Vorgehensweise aufkam. Erst zu Beginn der 1980er Jahre
setzte sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR ein politisches Umdenken ein.
Sinti und Roma wurden zunehmend als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt. Nach
der Wiedervereinigung bekannte sich die Bundesregierung zu ihrer Verantwortung ge
genüber den Sinti und Roma, die schließlich 1995 endlich auch als nationale Minderheit
anerkannt wurden.
https://www.bundestag.de/

2009. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus, Wissenschaftliche Aufarbeitung und öffentliches Gedenken, Ausarbeitung WD 1- 3000-020/09, Fachbereich WD 1: Geschichte, Zeitgeschichte und Politik
2009_BT_Sinti_Rome_WD-1-020-09-pdf.pdf (85.05KB)
2009. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus, Wissenschaftliche Aufarbeitung und öffentliches Gedenken, Ausarbeitung WD 1- 3000-020/09, Fachbereich WD 1: Geschichte, Zeitgeschichte und Politik
2009_BT_Sinti_Rome_WD-1-020-09-pdf.pdf (85.05KB)





3. YouTube-Videos zur Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945

18.07.2019 - Gegen Antiziganismus! NS-Verfolgung der Sinti und Roma

Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma hatte zum Ziel, die gesamte Bevölkerungsgruppe auszulöschen. Was ist damals genau geschehen? Historiker Dr. Udo Engbring-Romang erklärt die NS-Verfolgung.
Mit etwa 100.000 Bürgerinnen und Bürgern bilden Sinti und Roma in Deutschland heute eine historisch gewachsene, seit 1997 offiziell anerkannte nationale Minderheit.
https://www.youtube.com/watch?v=Ou6G5ieFuC4


Anna Mettbach: Sinti im Vernichtungslager Auschwitz

zeitzeugen-portal
Die Sintezza Anna Mettbach wurde 1942 ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und musste dort Zwangsarbeit verrichten. Im Video erinnert sie sich an ihre ersten Tage im Vernichtungslager.

https://www.youtube.com/watch?v=BmWVpn8XeHY


23.03.2021 - Die Verfolgung von Sinti und Roma im Nationalsozialismus in und um Lüneburg

Mediateritorist 
Der Film besteht aus drei Teilen, die sich verschiedenen Aspekten der Verfolgung von Sinti und Roma, die einmal in Lüneburg und Adendorf lebten widmen. Die Familien und Kinder sind, bis auf wenige Ausnahmen, der Vernichtung durch die Nazis zum Opfer gefallen. Aber auch heute ist der Antiziganismus nicht weg. Immernoch leiden Sinti und Roma unter Diskriminierung und Vorurteilen... Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschist*innen widmet sich seit rund 20 Jahren dieses Themas, seit die ersten Hinweise, auf Verfolgte Sinti und Roma hier in Lüneburg und Adendorf bekannt wurden. So veröffentlichte die VVN/BdA Kreisvereinigung Lüneburg schon im Jahre 2008 die Broschüre "Die Verfolgung der Lüneburger Sinti". Sie und viele weitere sehr intensive Forschungen können bei der VVN/BdA KV Lüneburg als Heft oder sogar kostenlos als Download bestellt werden.

Die Seite der VVN/BdA KV Lüneburg ist zu erreichen unter:
http://www.vvn-bda-lg.de/


02.08.2021 - Nazi Persecution of Roma and Sinti people

Holocaust Memorial Day Trust
Europe’s Roma and Sinti people were targeted by the Nazis for total destruction.
Watch our film to learn more about this, and about the discrimination Roma and Sinti people still face today.
https://www.youtube.com/watch?v=pqdiCQU0tDQ


UNITED NATIONS HEADQUARTERS
“Forgotten Victims: the Nazi Genocide of the Roma and the Sinti” - Exhibition opening

Die Vereinten Nationen
United Nations - The exhibition opened on 6 August 2020. It draws upon The Wiener Holocaust Library's collections of material on the genocide to uncover the story of this little-known aspect of Nazi persecution. Through the stories of the victims and survivors of the Nazi campaign against the Roma, the exhibition traces the history of persecution and mass murder at the hands of the Nazis, and the struggle after the war for recognition of the atrocities committed against the Roma.
Speakers at the opening included Mr. Maher Nasser, Director of the Outreach Division, United Nations Department of Global Communications, H. E. Mr. Jonathan Allen, Charge d’Affaires, Permanent Mission of the United Kingdom to the United Nations, Dr. Barbara Warnock, Senior Curator and Head of Education, The Wiener Holocaust Library and Ms. Rita Prigmore, Sinti survivor.
https://www.youtube.com/watch?v=9ATSSL1ScbM
Website of the exhibition "Forgotten Victims: The Nazi Genocide of the Roma and the Sinti": https://www.un.org/en/exhibits/forgot...


Premiere am 18.07.2019 - Gegen Antiziganismus! Kurz erklärt: Chronik des NS-Völkermords an Sinti und Roma

Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma hatte zum Ziel, die gesamte Bevölkerungsgruppe auszulöschen. Was ist damals genau geschehen? Historiker Dr. Udo Engbring-Romang erklärt die NS-Verfolgung.
Mit etwa 100.000 Bürgerinnen und Bürgern bilden Sinti und Roma in Deutschland heute eine historisch gewachsene, seit 1997 offiziell anerkannte nationale Minderheit.
https://www.youtube.com/watch?v=dFImsl2ptY4


01.08.2021 - Sinti_zze und Rom_nja im KZ Bergen-Belsen / Sinti and Roma in Bergen-Belsen Concentration Camp

European Holocaust Memorial Day for Sinti and Roma
Sinti_zze und Rom_nja im Konzentrationslager Bergen-Belsen
Verfolgung, Erinnerung und Selbstbehauptung
Anlässlich des Internationalen Holocaustgedenktages für Sinti_zze und Rom_nja erinnern wir als Bildungsforum gegen Antiziganismus in diesem Jahr an diejenigen Angehörigen der Minderheit, die im Konzentrationslager Bergen-Belsen inhaftiert waren.
Das Video, das im Rahmen einer Kooperation mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen entstanden ist, geht auf die Situation von Sinti_zze und Rom_nja im Lager ein. Darüber hinaus werden die Erinnerung an diese Verfolgtengruppe vor Ort, Kontinuitäten nach 1945 und die Gedenk- und Protestkundgebung „In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt“ im Oktober 1979 thematisiert.
On 2 August, we commemorate the last 4,300 Sinti and Roma in the German Nazi concentration camp Auschwitz-Birkenau, who were murdered by the SS on that night in 1944 despite their fierce resistance. In memory of all 500,000 Sinti and Roma murdered in Nazi-occupied Europe, the European Parliament declared this date the European Holocaust Memorial Day for Sinti and Roma in 2015.
https://www.youtube.com/watch?v=6auhJZ1yUT8
Visit our website and the virtual commemoration of 2 August 2021
https://www.roma-sinti-holocaust-memo...


02.08.2020 - Die Dauerausstellung über den Völkermord an Sinti und Roma in Block 13 im Auschwitz-Museum

European Holocaust Memorial Day for Sinti and Roma
Dieses Video zeigt den Kontext der Dauerausstellung über den Völkermord an Sinti und Roma im nationalsozialistisch besetzten Europa, die im Block 13 des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau zu sehen ist. Das Video zeigt, wie die Ausstellung - durch eine einzigartige Sammlung von Familienfotos und Dokumenten - eine Normalität des alltäglichen Lebens zwischen Nachbarn in verschiedenen europäischen Staaten hervorhebt. Die Ausstellung veranschaulicht, wie diese Normalität durch das Nazi-Regime allmählich zerstört wurde. Auf der Grundlage der Rassenideologie wurden Sinti und Roma, ebenso wie die Juden, nach und nach entrechtet, ihrer Lebensgrundlage beraubt und schließlich in die Vernichtungslager deportiert. Im NS-besetzten Europa wurden 500.000 Sinti und Roma ermordet.
Dauer: 3 Minuten
https://www.youtube.com/watch?v=32FcTNUkK0o
Im Jahr 2001 wurde auf dem inzwischen zu einem Museum umgestalteten Gelände des Stammlagers Auschwitz eine Ausstellung zur Geschichte des Holocaust an den Sinti und Roma eröffnet.
Die Ausstellung ist in zwei Räume aufgeteilt. Am Beginn der Ausstellung verlässt der Besucher symbolisch den historischen Ort der Gedenkstätte und betritt zunächst den Kernraum der Ausstellung. Hier wird das Leben von Sinti und Roma vor der Verfolgung durch den Nationalsozialismus gezeigt. Sinti und Roma waren vor 1933 als Nachbarn oder Arbeitskollegen in das gesellschaftliche Leben integriert. Viele hatten im Ersten Weltkrieg als Soldaten gekämpft und waren hoch dekoriert worden. Sie waren Bürger der Nationen, in denen sie und ihre Vorfahren seit Jahrhunderten lebten. Die in der Ausstellung gezeigten Familienfotos und Selbstzeugnisse unterstreichen die selbstverständliche Normalität des Zusammenlebens mit ihren Nachbarn in den verschiedenen europäischen Staaten.
Die Ausstellung veranschaulicht, wie diese Normalität nach der Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten schrittweise zerstört wurde. Auf der Grundlage der Rassenideologie wurden Sinti und Roma genau wie die Juden schrittweise entrechtet, ihrer Lebensgrundlage beraubt und schließlich in die Vernichtungslager deportiert. Insgesamt wurden etwa 500.000 Sinti und Roma im nationalsozialistisch besetzten Europa ermordet.
Die Ausstellung konnte nur durch die Unterstützung zahlreicher Überlebender des Holocaust an den Sinti und Roma realisiert werden. Sie vertrauten dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma für diese Ausstellung ihre privaten Familienbilder an.
Produktion und Urheberrecht: Das Video wurde vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Zusammenarbeit mit dem Verband der Roma in Polen und dank der Unterstützung des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau realisiert.
Virtuelle Gedenkveranstaltung am 2 August 2020
https://www.roma-sinti-holocaust-memo...


KZ-GEDENKSTÄTTE DACHAU
08.07.2020 - Rundgang: Sinti und Roma im KZ Dachau

Dachau Memorial
Ab 1938 wurden Sinti und Roma in größerer Zahl in das KZ Dachau verschleppt. Hier standen sie in der Hierarchie der Häftlingsgesellschaft oft sehr weit unten und wurden beispielsweise besonders harten Arbeitskommandos zugeteilt. Der Rundgang von Steffen Jost, Leiter der Bildungsabteilung der KZ-Gedenkstätte Dachau, beleuchtet insbesondere das Schicksal von zwei großen Transporten, die am 24./25. Juni 1938 und am 28. Juni 1939 im KZ Dachau ankamen. Anhand von zahlreichen biografischen Beispielen, wird so am historischen Ort die Geschichte einer lange vergessenen Opfergruppe erzählt.
Der Rundgang fand am 25. Juni 2020 auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau statt und wurde via Facebook gestreamt.
https://www.youtube.com/watch?v=j_kOOU7hdZY


02.08.2020 - Sinti and Roma in the Ravensbrück concentration camp

European Holocaust Memorial Day for Sinti and Roma
With our video „Sinti and Roma in the Ravensbrück concentration camp“ we want to commemorate and honor Sinti and Roma and all other victims of National Socialism. The video provides information about the Sinti and Roma-prisoners of Ravensbrück concentration camp from different perspectives. Carman Marschall Strauss, staff member of the Educational Forum against Antigypsyism, gives testament of the persecution of her family during the Nazi-era. Dr. Andrea Genest, Director of the Ravensbrück Memorial Museum gives on overview, while Dr. Sabine Arend, Head of the Repository of the Memorial Museum, specifically talks about one object in the Memorials collection connected to Sinti and Roma in the camp. Janka Csepregi commemorates Magdolna Hodosi, a hungarian Romni, who was deported to Ravensbrück, whose recollections of the imprisonment at the Ravensbrück camp Janka Csepregi translated to German for the first time.
On 2 August, we commemorate the last 4,300 Sinti and Roma in the German Nazi concentration camp Auschwitz-Birkenau, who were murdered by the SS on that night in 1944 despite their fierce resistance. In memory of all 500,000 Sinti and Roma murdered in Nazi-occupied Europe, the European Parliament declared this date the European Holocaust Memorial Day for Sinti and Roma in 2015.
https://www.youtube.com/watch?v=VEVA9od6dMs
Visit the new website and the virtual commemoration of 2 August 2020
https://www.roma-sinti-holocaust-memo...


27.03.2011 - Sintikinder im Nazi-Staat

LoenlyHeart
"Auf wiedersehn im Himmel"
Deportation und Ermordung von Sintikindern der St. Josefspflege von Mulfingen in Auschwitz
https://www.youtube.com/watch?v=L-PBJrw0SBQ


07.04.2017 - Fate of the Roma

USC Shoah Foundation
On August 2nd, 1944 the Zigeunerlager (known as the Gypsy family camp) in Auschwitz- Birkeanau was liquidated and about 3,000 Sinti and Roma men, women and children were sent to the gas chambers. In honor of the Sinti and Roma victims in the Holocaust, survivors Wladyslaw Guman, Anna Kwiatkowska and Marianna Koniak speak about their experiences with discrimination, restrictions, deportations and mass murder.
Video testimony is from the Visual History Archive. To learn more and explore the stories of other Holocaust survivors and witnesses, visit sfi.usc.edu
https://www.youtube.com/watch?v=M5ahjpHnM1s



4. Stellungnahme der vom Amtsgericht Mosbach gerichtlich beauftragten forensischen Sachverständigen aus Kitzingen zur Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945

Das Familiengericht-Amtsgericht Mosbach, Hauptstraße 110, 74281 Mosbach, beauftragt die forensische Sachverständige aus Moltkestr. 2, 97318 Kitzingen, in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 unter 6F 202/21, die Anti-Nazi-Aktivitäten des KVs und Antragstellers in einer ergänzenden Stellungnahme gutachterlich einzuschätzen und zu bewerten. Dazu zählen laut Anweisungen dieser amtsgerichtlichen Verfügungen SOWOHL die seit Sommer 2022 vom Antragsteller beim Amtsgericht Mosbach initiierten NS- und Rechtsextremismus-Verfahren ALS AUCH seine außergerichtlichen und gerichtlichen Aufklärungs- und Aufarbeitungsbemühungen zu Nationalsozialistischem Unrecht und Nationalsozialistischen Verbrechen aus dem Zeitraum um 2008, d.h. konkret von 2004 bis 2011, im Rahmen seiner sogenannten "Nazi-Jäger"-Aktivitäten im sachverhaltsbezogenen Kontext zur Problematik des Nationalsozialismus vor und nach 1945 und dessen Aufarbeitung bis heute. Siehe dazu auch Kapitel 1 auf dieser Seite.


Während die vom Familiengericht-Amtsgericht Mosbach beauftragte forensische Sachverständige aus Moltkestr. 2, 97318 Kitzingen, zunächst EINERSEITS ein familienpsychologisches Sachverständigengutachten in einem Umfang von über 100 Seiten zum 07.04.2022 unter 6F 202/21 erstellt hat, entschließt sich dieselbe Gutachterin sodann, ANDERERSEITS eine ergänzende Stellungnahme von zwei ganzen DIN A4-Seiten im sachverhaltsbezogenen Kontext zur Problematik des Nationalsozialismus vor und nach 1945 und dessen Aufarbeitung bis heute, insbesondere zum Kontext der historisch nachgewiesenen Beteiligungen an NS-Massenmordverbrechen in Mosbach wie Judenverfolgung und Holocaust, NS-Verfolgung von Sinti und Roma, Nazi-Euthanasie unter 6F 202/21 zum 31.08.2022 an das Amtsgericht Mosbach zu generieren. Die forensische Sachverständige aus Moltkestr. 2, 97318 Kitzingen, ERWÄHNT LEDIGLICH MIT EINEM WORT DEN "NATIONALSOZIALISMUS" auf Seite 2, Absatz 2 und erwähnt lediglich mit einem Satz auf Seite 2, Absatz 2, dass der Antragsteller von NS- und Rechtsextremismus-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach sich gegen den Nationalsozialismus wendet. Die forensische Sachverständige aus Kitzingen hat hier die GERICHTLICH BEAUFTRAGTE EINDEUTIGE GELEGENHEIT gehabt, mit einer entsprechend beim Amtsgericht Mosbach beantragten Fristverlängerung SICH SACHLICH UND FACHLICH auch auf über 100 Seiten bezüglich der Nazi-Thematik bzw. der Nazi-Problematik vor einem deutschen BRD-Gericht EXPLIZIT ZU ÄUSSERN. Diese Gelegenheit für eine sachliche und fachliche gutachterliche Expertise zum Nationalsozialismus und nationalsozialistischen Verbrechen, deren Auswirkungen und Aufarbeitungen nach 1945, u.a. auch in Mosbach, besteht zukünftig weiterhin jederzeit für die forensische Sachverständige aus Kitzingen.
Siehe dazu auch:


Das Amtsgericht Mosbach BEAUFTRAGT EXPLIZIT in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 unter 6F 202/21 am Beispiel des Antragstellers von NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach die forensische Sachverständige aus Kitzingen, eine GUTACHTERLICHE STELLUNGNAHME zur Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945 ALS TEIL DER NS-VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG an das deutsche BRD-Amtsgericht Mosbach im Jahr 2022 zu erstellen.


EINERSEITS:
Mit den Verfügungen des Familiengerichts-Amtsgericht Mosbach vom 17.08.2022 unter 6F 202/21 hat die gerichtlich beauftragte forensische Sachverständige aus Kitzingen nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Chance und das gerichtliche explizite Angebot, sich sachlich und fachlich zur NS-Vergangenheitsbewältigung seit 1945 bis heute, auch zur NS-Vergangenheitsbewältigung und Nazi-Kontinuität in Mosbach und in Baden-Württemberg, AUSFÜHRLICH EXPLIZIT gutachterlich zu äußern.


ANDERERSEITS:
Die forensische Sachverständige aus Kitzingen ÄUSSERT SICH JEDOCH EXPLIZIT NICHT in ihrer gutachterlichen ergänzenden Stellungnahme vom 31.08.2022 unter 6F 202/21 an das Amtsgericht Mosbach als ein BRD-Gericht im Jahr 2022 zum Sachverhalt zur Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor und nach 1945 ALS TEIL DER NS-VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG. UND DIES OBWOHL diese Sachverhalte zu dieser NS-Thematik bzw. NS-Problematik frei verfügbar sind im öffentlichen Diskurs über entsprechende Medienberichte; über künstlerisch-kulturelle Themenaufarbeitungen; über die juristische, politische und wissenschaftliche Fachliteratur; über Publikationen von BRD-Institutionen der Justiz und Politik. UND DIES OBWOHL hier das Amtsgericht Mosbach in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 diese Gutachterin mit der Sachverständigen-Aufklärung der NS-Vergangenheitsbewältigung am Beispiel des Antragstellers von NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach EXPILZIT BEAUFTRAGT.


ANDERERSEITS:
Die forensische Sachverständige aus Kitzingen ÄUSSERT SICH JEDOCH EXPLIZIT NICHT in ihrer gutachterlichen ergänzenden Stellungnahme vom 31.08.2022 unter 6F 202/21 an das Amtsgericht Mosbach als ein BRD-Gericht im Jahr 2022 zum konkreten historisch nachgewiesenen Sachverhalt der Tatbeteiligungen in MOSBACH am Nazi-Massenmord an Sinti und Roma; der Tatbeteiligungen an der Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945 in Mosbach; der Tatbeteiligungen an der Deportation von Sinti und Roma vor 1945 auch von Kindern in Nazi-Konzentrationslager von und aus Mosbach. UND DIES OBWOHL diese Sachverhalte zu dieser NS-Thematik bzw. NS-Problematik frei verfügbar sind im öffentlichen Diskurs über entsprechende Medienberichte; über künstlerisch-kulturelle Themenaufarbeitungen; über die juristische, politische und wissenschaftliche Fachliteratur; über Publikationen von BRD-Institutionen der Justiz und Politik. UND DIES OBWOHL hier das Amtsgericht Mosbach in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 diese Gutachterin mit der Sachverständigen-Aufklärung der NS-Vergangenheitsbewältigung am Beispiel des Antragstellers von NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach EXPILZIT BEAUFTRAGT.


ANDERERSEITS:
Die forensische Sachverständige aus Kitzingen ÄUSSERT SICH JEDOCH EXPLIZIT NICHT in ihrer gutachterlichen ergänzenden Stellungnahme vom 31.08.2022 unter 6F 202/21 an das Amtsgericht Mosbach als ein BRD-Gericht im Jahr 2022 zum Sachverhalt, dass nach bisherigen öffentlichen Kenntnissen die baden-württembergische BRD-Justiz in Mosbach zum konkreten historisch nachgewiesenen Sachverhalt der Tatbeteiligungen in MOSBACH am Nazi-Massenmord an Sinti und Roma; der Tatbeteiligungen an der Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945 in Mosbach; der Tatbeteiligungen an der Deportation von Sinti und Roma vor 1945 auch von Kindern in Nazi-Konzentrationslager von und aus Mosbach nach 1945 UNTÄTIG GEBLIEBEN IST. UND DIES OBWOHL diese Sachverhalte zu dieser NS-Thematik bzw. NS-Problematik frei verfügbar sind im öffentlichen Diskurs über entsprechende Medienberichte; über die juristische, politische und wissenschaftliche Fachliteratur.  UND DIES OBWOHL hier das Amtsgericht Mosbach, das diese Gutachterin mit der Sachverständigen-Aufklärung zur NS-Thematik beauftragt, selbst örtlich zuständig ist. UND DIES OBWOHL das Amtsgericht Mosbach in seiner Verfügung vom 17.08.2022 unter 6F 202/21 die forensische Sachverständige aus Kitzingen EXPLIZIT BEAUFTRAGT, eine GUTACHTERLICHE STELLUNGNAHME ZUR NS-VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG an das deutsche BRD-Amtsgericht Mosbach im Jahr 2022 zu erstellen.


ANDERERSEITS:
Die forensische Sachverständige aus Kitzingen ÄUSSERT SICH JEDOCH EXPLIZIT NICHT in ihrer gutachterlichen ergänzenden Stellungnahme vom 31.08.2022 unter 6F 202/21 an das Amtsgericht Mosbach als ein BRD-Gericht im Jahr 2022 zum konkreten Antrag vom 13.08.2022 des Antragstellers für Strafanzeigen vom 13.08.2022 an das Amtsgericht Mosbach gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager. UND DIES OBWOHL hier das Amtsgericht Mosbach in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 diese Gutachterin mit der Sachverständigen-Aufklärung der seit Sommer 2022 vom Antragsteller beim Amtsgericht Mosbach initiierten NS- und Rechtsextremismus-Verfahren EXPILZIT BEAUFTRAGT.

Siehe dazu auch:

Prozessbeobachtung: NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach
Strafanzeigen vom 13.08.2022 gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager
220813_uhl_ag_mos_ja_sinti_roma_mosbach.pdf (165.9KB)
Prozessbeobachtung: NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach
Strafanzeigen vom 13.08.2022 gegen Verantwortliche der Inhaftierungen und Deportationen von Sinti und Roma aus Landkreis und Stadt Mosbach in Nazi-Konzentrationslager
220813_uhl_ag_mos_ja_sinti_roma_mosbach.pdf (165.9KB)


ANDERERSEITS:
Die Nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945 mit der Internierung von Kindern der Sinti und Roma in Nazi-Konzentrationslagern liegt auch im Fallzuständigkeits- und Fallverantwortungsbereich der deutschen Kinder- und Jugendhilfeinstitution des Jugendamtes mit seinem originären Schutz- und Hilfeauftrag für Kinder und Jugendliche. Gemäß Aktenlage und Verfahrensanalyse zu den anhängigen Verfahren beim Familiengericht-Amtsgericht Mosbach sind beim Familiengericht-Amtsgericht Mosbach ordnungsgemäß Stellungnahmen der involvierten Fachstelle des Jugendamtes Neckar-Odenwaldkreis beim Landratsamt Mosbach zur Problematik der Internierung von Kindern der Sinti und Roma in Nazi-Konzentrationslagern im Rahmen der Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945 mit der entsprechenden Eingabe vom 13.08.2022 unter 6F 9/22 gerichtlich einzuholend beantragt. Die forensische Sachverständige aus Kitzingen ÄUSSERT SICH JEDOCH EXPLIZIT NICHT in ihrer gutachterlichen ergänzenden Stellungnahme vom 31.08.2022 unter 6F 202/21 an das Amtsgericht Mosbach als ein BRD-Gericht im Jahr 2022 ZUR AUFARBEITUNG VON NS-VERBRECHEN in der Nazi-Kinder- und Jugendhilfe sowie in der Nazi-Familienrechtspraxis zum Sachverhalt, dass die fallzuständigen Mitarbeiterinnen des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) vom Jugendamt Neckar-Odenwaldkreis beim Landratsamt Mosbach die beantragte gerichtlich einzuholende Stellungnahme zu NS-VERBRECHEN in der Nazi-Kinder- und Jugendhilfe mit dem konkreten Sachverhalt der Internierung von Kindern der Sinti und Roma in Nazi-Konzentrationslagern im Rahmen der Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945 verweigern. UND DIES OBWOHL die höchste übergeordnete Amtsleitung, d.h. der gegenwärtige Landrat beim Landratsamt Mosbach, hier im Gegensatz zu seinen untergeordneten Jugendamt-ASD-Mitarbeiterinnen, gemäß Medienberichten selbst weitaus weniger Probleme damit hat, sich öffentlich gegen den Nationalsozialismus und dessen Verbrechen zu äußern und zu engagieren.

Siehe dazu auch:


ANDERERSEITS:
Die forensische Sachverständige aus Kitzingen ÄUSSERT SICH JEDOCH EXPLIZIT NICHT in ihrer gutachterlichen ergänzenden Stellungnahme vom 31.08.2022 unter 6F 202/21 an das Amtsgericht Mosbach als ein BRD-Gericht im Jahr 2022 zum konkreten historisch nachgewiesenen Sachverhalt der Internierung von Kindern der Sinti und Roma, auch von und aus MOSBACH, in Nazi-Konzentrationslagern im Rahmen der Nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma vor 1945. UND DIES OBWOHL diese Sachverhalte zu dieser NS-Thematik bzw. NS-Problematik frei verfügbar sind im öffentlichen Diskurs über entsprechende Medienberichte; über künstlerisch-kulturelle Themenaufarbeitungen; über die juristische, politische und wissenschaftliche Fachliteratur; über Publikationen von BRD-Institutionen der Justiz und Politik. UND DIES OBWOHL hier das Amtsgericht Mosbach in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 diese Gutachterin mit der Sachverständigen-Aufklärung der NS-Vergangenheitsbewältigung am Beispiel des Antragstellers von NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach EXPILZIT BEAUFTRAGT.


ANDERERSEITS:
Die forensische Sachverständige aus Kitzingen ÄUSSERT SICH JEDOCH EXPLIZIT NICHT in ihrer gutachterlichen ergänzenden Stellungnahme vom 31.08.2022 unter 6F 202/21 an das Amtsgericht Mosbach als ein BRD-Gericht im Jahr 2022 zum Sachverhalt der Fortsetzung von nationalsozialistischen Diskriminierungsschemata zur Benachteiligung der Sinti und Roma nach 1945, auch in der Rechtsauslegung und Rechtsanwendung der BRD. UND DIES OBWOHL diese Sachverhalte zu dieser NS-Thematik bzw. NS-Problematik frei verfügbar sind im öffentlichen Diskurs über entsprechende Medienberichte; über künstlerisch-kulturelle Themenaufarbeitungen; über die juristische, politische und wissenschaftliche Fachliteratur; über Publikationen von BRD-Institutionen der Justiz und Politik. UND DIES OBWOHL hier das Amtsgericht Mosbach in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 diese Gutachterin mit der Sachverständigen-Aufklärung der NS-Vergangenheitsbewältigung am Beispiel des Antragstellers von NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach EXPILZIT BEAUFTRAGT.
Siehe auch:


ANDERERSEITS:
Die forensische Sachverständige aus Kitzingen ÄUSSERT SICH JEDOCH EXPLIZIT NICHT in ihrer gutachterlichen ergänzenden Stellungnahme vom 31.08.2022 unter 6F 202/21 an das Amtsgericht Mosbach als ein BRD-Gericht im Jahr 2022 zum Sachverhalt, dass die Fortsetzung von nationalsozialistischen Diskriminierungsschemata der Sinti und Roma nach 1945, auch auf die Kontinuität von NS-Funktionseliten in der Problematik der NS-Vergangenheitsbewältigung zurück zu führen ist. UND DIES OBWOHL diese Sachverhalte zu dieser NS-Thematik bzw. NS-Problematik frei verfügbar sind im öffentlichen Diskurs über entsprechende Medienberichte; über künstlerisch-kulturelle Themenaufarbeitungen; über die juristische, politische und wissenschaftliche Fachliteratur; über Publikationen von BRD-Institutionen der Justiz und Politik. UND DIES OBWOHL hier das Amtsgericht Mosbach in seinen Verfügungen vom 17.08.2022 diese Gutachterin mit der Sachverständigen-Aufklärung der NS-Vergangenheitsbewältigung am Beispiel des Antragstellers von NS-Verfahren beim Amtsgericht Mosbach EXPILZIT BEAUFTRAGT.
Siehe auch:


ANDERERSEITS:
Die forensische Sachverständige aus Kitzingen ÄUSSERT SICH JEDOCH EXPLIZIT NICHT in ihrer gutachterlichen ergänzenden Stellungnahme vom 31.08.2022 unter 6F 202/21 an das Amtsgericht Mosbach als ein BRD-Gericht im Jahr 2022 zu den in den Medien und in der Öffentlichkeit frei verfügbaren Erfahrungsberichten der Sinti und Roma vor und nach 1945 bis heute sowie zu den Schwierigkeiten seit der Nachkriegszeit bis heute für Sinti und Roma und ihre Familienangehörigen, ihre Diskriminierungsopferanerkennungen und Entschädigungen durchzusetzen. UND DIES OBWOHL diese Sachverhalte zu dieser NS-Thematik bzw. NS-Problematik frei verfügbar sind im öffentlichen Diskurs über entsprechende Medienberichte; über künstlerisch-kulturelle Themenaufarbeitungen; über die juristische, politische und wissenschaftliche Fachliteratur; über Publikationen von BRD-Institutionen der Justiz, der Politik. Die forensische Sachverständige aus Kitzingen VERZICHTET DAMIT EXPLIZIT DARAUF, den Sinti und Roma und ihren Familienangehörigen eine Stimme mit Anerkennung und Respekt für Opfer und Verfolgte des NS-Regimes vor einem deutschen Gericht im Jahr 2022 in ihrer gutachterlichen ergänzenden Stellungnahme vom 31.08.2022 unter 6F 202/21 an das Amtsgericht Mosbach zu geben.
Siehe dazu auch:



Siehe auch:



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